YouTube – ein Ratgeber für Eltern

Bild: Thinkstock

Die Online-Videoplattform YouTube (dt. „du sendest“) hat sich in den letzten Jahren zum führenden Unterhaltungs- und Kommunikationsmedium der Jugendlichen im Internet entwickelt. Denn dort finden die Heranwachsenden nicht nur Unterhaltung, Information (z.B. HowTos / Tutorials) oder Musik, wann und wo immer sie wollen, sondern sie können auch sozial interagieren. Es wird kommentiert, bewertet, abonniert und mit Freunden geteilt. Und natürlich können alle, die Lust und etwas zu sagen oder zu präsentieren haben, ihre eigenen Videos auf dem Videoportal hochladen und diese mit anderen teilen. Während 2007 noch etwa 8 Stunden Videomaterial pro Minute auf YouTube hochgeladen wurde, hat sich dieser Wert mittlerweile vervielfacht und liegt heute bei ca. 300 Stunden pro Minute. Gleichzeitig werden pro Tag ungefähr vier Milliarden Videos aufgerufen – Zahlen, die zeigen, dass YouTube ein fester Bestandteil der Lebenswelt Jugendlicher geworden ist.

 

YouTube hat seit seiner Gründung 2005 eine rasante Entwicklung hin zur Professionalisierung, Kommerzialisierung und Inszenierung durchlaufen. Mit der Einführung eines „Partnerprogramms“ 2007 bestand von nun an die Möglichkeit, mit den Videos Geld zu verdienen. Dies geschieht beispielsweise über Werbeeinblendungen vor, innerhalb oder nach dem Video oder über Product Placement bzw. Produktempfehlungen, wobei YouTuber die Produkte in ihren Beiträgen vorstellen und weiterempfehlen. Während der derzeit bekannteste deutsche YouTuber Gronkh (Stand Februar 2016) etwa 3,97 Millionen Abonnent(-inn)en mit dem Austesten und unterhaltsamen Kommentieren neuester Computerspiele in seinen Bann zieht („Let’s Play“), erzählt Bianca Heinicke alias „Bibis Beauty Palace“ von den neuesten Kosmetik- und Stylingtipps, die etwa 2,5 Millionen, vor allem weibliche, Abonnenten begeistern.

 

YouTuber werden zu Vorbildern und sind für ihre Fans „Stars zum Anfassen“. Denn anders als bei den Fernseh- oder Popstars vermittelt die Kommentarfunktion von YouTube, ebenso wie die Interaktionsmöglichkeiten in anderen Sozialen Netzwerken, eine bislang ungekannte Nähe zwischen den Fans und ihren Vorbildern. So werden die einzelnen Beiträge nicht nur bewertet, sondern deren Inhalte auch diskutiert. Zudem wird über persönliche Probleme gesprochen. Dieser Austausch ist wichtig, ebenso die Nutzung der Plattform zugunsten von Informationen beispielsweise für schulische Angelegenheiten oder zur Wissenserweiterung. YouTube spricht Jugendliche an und bietet daher die Chance, die junge Generation über diesen Kanal zu erreichen (jüngstes Beispiel: Interview von YouTuber LeFloid mit Bundeskanzlerin Angela Merkel – Politische Partizipation). Dennoch sollten sich die Nutzer einen kritischen und reflektierten Blick für die Inhalte und die Hintergründe der Videos aneignen, um zu verstehen, dass dort häufig mit unrealistischen Rollenbildern, Inszenierungen und Körperidealen gearbeitet wird und nicht immer der Inhalt, sondern oft auch nur die (kreativ verpackte) Vermarktung eines Produkts im Vordergrund steht.

Tipps für Eltern

  • Signalisieren Sie Interesse für die medialen Lebenswelten Ihrer Kinder und lassen Sie sich die Videoplattform YouTube und die Lieblingsstars von ihnen zeigen. Nehmen Sie das Gesehene als Gesprächsanlass und versuchen Sie herauszufinden, warum sich die Kinder so sehr dafür interessieren.
  • Reden Sie mit Ihren Kindern über Selbstinszenierungen und die Kommerzialisierung, die viele Beiträge auf YouTube beeinflussen. Nicht alles, was man in den Beiträgen sieht, ist auch tatsächlich so; es sollte entsprechend Heranwachsende nicht dazu veranlassen, sich selbst unreflektiert im Internet inszenieren zu wollen. (Ein Beispiel für häufig unüberlegte Selbstinszenierung ist die Live-Stream-Plattform „YouNow“, bei der die Nutzer/-innen live und unmittelbar Beiträge per Smartphone oder Webcam im Internet senden können.)
  • Nicht alles, was auf Youtube hochgeladen wird, ist für Kinder und Jugendliche geeignet. Stellen Sie entsprechend sicher, dass ein Jugendschutzfilter installiert bzw. der Google-SafeSearch-Filter aktiviert ist, um gewalthaltige oder freizügige Videos zu unterbinden. Für jüngere Kinder greifen Sie am besten auf alternative und kindgerechte Videoportale (wie zum Beispiel www.juki.de) zurück. Auch für Jugendliche gibt es alternative Videoplattformen, wie www.myvideo.de oder www.clipfish.de. Das sind deutsche Angebote, die daher strengeren deutschen Mediengesetzen unterliegen.
  • Sollten eigene Videos hochgeladen werden, achten Sie darauf, mit wem die Beiträge geteilt werden. Am sichersten ist es, die Einstellung auf „Privat“ oder „Nicht gelistet“ zu stellen und nur ausgewählten Personen den Link zukommen zu lassen. Sollte die Variante „Öffentlich“ gewählt werden, ist die Deaktivierung der Kommentarfunktion oder die Veröffentlichung von Kommentaren nach Prüfung zu empfehlen, um Beleidigungen zu verhindern. Weisen Sie Ihre Kinder darauf hin, dass sie für eigene Videos keine urheberrechtlich geschützten Inhalte Dritter (Musiker etc.) verwenden und publizieren dürfen. Viele Künstler lassen beispielsweise Anwaltsbüros explizit nach Urheberrechtsverstößen z.B. auf Youtube recherchieren und verklagen dann die Nutzer.
  • Sollten Sie auf nicht jugendfreie Videos bei YouTube stoßen, melden Sie diese (direkt über YouTube oder über externe Institutionen wie www.jugendschutz.net).

Nützliche Links

Landesmedienzentrum: Soziale Netzwerke
Auf dem Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zur Medienbildung finden Sie zu allen Themen dieses Ratgebers umfangreiche Links und Materialien. Die Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ergänzt. 
 

klicksafe.de
Klicksafe bietet unter dem Titel „YouTube – Faszination, Kommerz und Selbstdarstellung“ ein ganzes Kapitel mit detaillierten und weiterführenden Informationen rund um das Phänomen „YouTube“.

SCHAU HIN!
Die Initiative „SCHAU HIN!“ gibt Eltern zahlreiche alltagstaugliche Tipps und Empfehlungen, um ihre Kinder im Umgang mit Medien, wie z.B. mit dem Videoportal YouTube, zu stärken.

Juki
juki ist eine pädagogisch betreute Videoplattform für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren. Hier können Kinder altersgerechte Videos ansehen und natürlich auch eigene Beiträge hochladen.

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest
Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest (mpfs) veröffentlicht regelmäßig Studien zur Mediennutzung von Kindern (KIM-Studie) und Jugendlichen (JIM-Studie). Gerade letztere bietet dabei detaillierte Einblicke in das Nutzungsverhalten der Heranwachsenden von Youtube im Vergleich zu anderen Online-Angeboten und Apps.

 

Myvideo und Clipfish
Myvideo und Clipfish sind deutsche Videoplattformen und unterliegen daher strengeren, deutschen Mediengesetzen als beispielsweise YouTube.

 

Servicebureau Jugendinformation
Das Servicebureau Jugendinformation stellt eine Playlist zur Verfügung, mit der YouTube aus verschiedenen Perspektiven kennengelernt werden kann. Eltern erhalten so eine geführte Tour durch die Kultur ihrer Kinder.

Zahlen und Fakten

In den letzten zehn Jahren konnte sich YouTube neben vielen anderen Plattformen durchsetzen und hält in Deutschland mit 58,3 % des Marktanteils der Unique Usereinen hohen Abstand zu ihren Konkurrenten wie beispielsweise MyVideo mit 11 % oder Vimeo mit nur 3,4 % des Marktanteiles. (Quelle: www.statista.com, 2015)


61 % der zwölf bis 19-jährigen Internetnutzer nennen YouTube als Lieblingsbeschäftigung im Internet. Die Frage wurde offen gestellt und drei Nennungen waren möglich. Mit weitem Abstand folgen Facebook (36 %) und der Messengerdienst WhatsApp (29 %). (Quelle: JIM-Studie 2015, www.mpfs.de)

Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.