Wikis

Schnellbus auf Hawaii. Wiki heißt auf hawaiisch schnell, Wiki Wiki heißt sehr schnell. Bild: Alan Levine, Lizenz: CC BY

Wikis sind zu den klassischen Nachschlagewerken des Internets geworden. Allen voran die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Sie ist für viele die erste Anlaufstelle, wenn sie Informationen im Netz suchen. Umso wichtiger ist es zu verstehen, wie ein Wiki funktioniert, wie verlässlich die Informationen in einem Wiki sind und welche Möglichkeiten das gemeinsame Arbeiten an Texten – gerade auch in Bildungszusammenhängen - bietet.

 

Das Besondere an Wikis ist, dass sie schnell und einfach ein gemeinsames Arbeiten an Texten ermöglichen und in der Regel jeder daran mitarbeiten kann, der möchte. In einem Wiki sind der Entstehungsprozess der Texte und die Diskussion über die Inhalte für alle User nachvollziehbar. Wikis ermöglichen das gemeinsame Erarbeiten von Informationen, jeder kann sein Wissen beitragen und mögliche Fehler von anderen korrigieren.

 

Insofern eignen sich Wikis besonders für verschiedene Formen des selbstgesteuerten und kooperativen Lernens in Schule und Hochschule ebenso wie in der außerschulischen Bildungsarbeit. In diesem Zusammenhang werfen Wikis zugleich ein anderes Licht auf das Verhältnis von Kollektivität und Individualität in Bezug auf Wissen und Leistung. Die Philosophie, die allen Wikis zugrunde liegt, besteht in der Überzeugung, dass eine Gruppe in ihrer Gesamtheit klüger ist als jedes einzelne Mitglied allein – bekannt auch unter dem Stichwort Schwarmintelligenz.

 

1995 entstand das erste Wiki, das im Internet zur Verfügung gestellt wurde, das WikiWikiWeb. Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia gibt es seit 2001. Darüber hinaus sind viele Wikis zu allen möglichen Themen entstanden, seien es Fernsehserien, Reiseinformationen oder Software-Anleitungen.

 

Wikis in Schule und Unterricht

Wikis sind in der Schule sowohl Unterrichtswerkzeug als auch Unterrichtsgegenstand. Es geht sowohl darum, einen kritischen Umgang mit Quellen – hier besonders der Wikipedia – einzuüben, als auch Wikis für eigene Unterrichtsvorhaben gewinnbringend einzusetzen.

Verlässlichkeit von Informationen

Prinzipiell sollte man sich mit den Quellen von Informationen auseinandersetzen – unabhängig davon, ob die Informationen in Büchern stehen oder im Internet. Für Wikis, an denen jeder mitschreiben kann, gilt das natürlich in besonderem Maße. Aber es gibt Funktionen von Wikis und formale Kriterien mit denen sich die Zuverlässigkeit der Informationen leichter einschätzen lässt.

  • Diskussion
    Ein Blick auf die Diskussionsseite eines Wiki-Artikels gibt einen Hinweis darauf, welche Informationen strittig sein können.
  • Versionsgeschichte
    Dort können sämtliche Änderungen eines Artikels nachverfolgt werden. Je mehr Autoren an einem Wiki-Artikel mitgeschrieben haben, umso wahrscheinlicher ist eine ausgewogene Darstellung der Inhalte.
  • Quellenangaben
    Bei der Wikipedia wird zum Beispiel sehr darauf geachtet, dass Informationen mit Quellenangaben versehen werden. Auf diese Weise lässt sich gut nachvollziehen, woher die Informationen stammen.
  • Auszeichnungen
    Die Wikipedia arbeitet mit Auszeichnungen wie „lesenswerter Artikel“ oder „exzellenter Artikel“ für besonders gute Inhalte. Welche Kriterien dabei angesetzt werden, wird hier ausgeführt.

 

In der Schule kommt es zunehmend darauf an, Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit der Wikipedia als Informationsquelle zu vermitteln, da Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Unterrichts vermehrt mit Rechercheaufgaben konfrontiert sind, für die sie selbstverständlich die Online-Enzyklopädie nutzen.

 

Neben der Anwendung formaler Kriterien zum Einschätzen der Verlässlichkeit von Wiki-Informationen, sollte man Kindern und Jugendlichen darüber hinaus umfassendes Handwerkszeug zur Recherche und Bewertung von Informationen im Internet an die Hand geben.

 

Weitere Informationen zur Wikipedia und wie man aus der Online-Enzyklopädie richtig zitiert finden Sie in unserem Artikel Recherchieren und Zitieren.

 

Auch Wikipedia selbst bietet Schulen mit dem Projekt Wikipedia macht Schule Workshops für Lehrer und Schüler an, in denen ein "bewusster und kritischer Umgang mit der freien Enzyklopädie" erlernt werden kann.

 

Wikibu wertet die Verlässlichkeit von Wikipedia-Artikeln nach statistischen Kriterien aus und gibt Tipps, wie das Thema im Unterricht behandelt werden kann.

Wikis als Werkzeuge kooperativen und selbstgesteuerten Lernens

Wikis sind ein ausgezeichnetes Werkzeug, um gemeinsam an Inhalten zu arbeiten und so in kooperativen und selbstgesteuerten Lernformen wichtige Sozial-, Methoden- und Kommunikationskompetenz zu erwerben wie Kompromissbereitschaft und Diskussionsfähigkeit.

 

Wikis bieten für den Unterricht eine Plattform

  • in der Unterrichtsmaterial und Aufgabenstellungen zur Verfügung gestellt werden können,
  • in der die Schülerinnen und Schüler selbstbestimmt in Einzel- oder Gruppenarbeit arbeiten können,
  • in der die Ergebnisse dieses handlungs- und produktionsorientierten Unterricht für alle zugänglich gemacht werden können,
  • in der diese Ergebnisse dann diskutiert, verändert und für den weiteren Unterrichtsverlauf weitergenutzt werden können.

 

Lernen mit einem Wiki ist Lernen in einem sozialen Kontext, oftmals anhand von realistischen Problemen oder in authentischen Situationen, beispielsweise wenn es darum geht, zur Vorbereitung eines Schüleraustausches – womöglich gemeinsam mit den ausländischen Austauschpartnern – Informationen rund um den Austausch oder die Partnerstädte zusammenzustellen. Oder die Schülerinnen und Schüler erstellen ein eigenes Klassenwiki mit Grafiken, Links, Anmerkungen und Reflexionen, die als Ausgangspunkt für nachfolgende Klassen zur weiteren Bearbeitung und Ergänzung dienen können.

 

Aber auch Lehrerinnen und Lehrer selber können Wikis für verschiedene Kooperationsvorhaben nutzen, indem sie in einem Wiki die besten Beispiele für die Unterrichtspraxis aufzeichnen, hinterlegen und im kooperativen Erfahrungsaustausch weiterschreiben und verbessern, wie dies zum Beispiel auf Wikiversity der Fall ist. Außerdem können sie auf diesem Weg eine gemeinsame Quellen- und Materialsammlung für den Unterricht anlegen. In großem Stil findet dies bereits auf Wikibooks statt, wo innerhalb von wenigen Jahren mehrere Zehntausend Seiten Lehrbuchmaterial erstellt wurden.

Aktive Medienarbeit mit Wikis

Wer einmal selbst an einem Wiki mitgeschrieben hat, versteht sicher am besten, wie Wikis als Informationsquelle einzuschätzen sind. Prinzipiell gibt es zwei Varianten, wie man mit einem Wiki arbeiten kann. Die erste und sicherlich zunächst einfachere Variante ist die, an einem bereits vorhandenen Wiki mitzuschreiben. Als zweite Möglichkeit kann selbst ein eigenes Wiki erstellt werden.

 

Außerdem lernt man etwas über Wikis, wenn man beobachtet, wie ein veröffentlichter Sachverhalt gegebenenfalls von anderen Autoren ergänzt oder verändert wird. Hier erlebt man aus erster Hand, wie die sogenannte Schwarmintelligenz in großem Maßstab funktionieren kann.

 

 

Wiki-Syntax

 

Einen vorhandenen Artikel in einem Wiki zu verändern ist ganz einfach. Im entsprechenden Abschnitt auf bearbeiten klicken und loslegen. Wer mehr als ein paar Worte verändern möchte, muss sich je nach Wiki-Software mit der Wiki-Syntax beschäftigen, also den Befehlen, mit denen der Text im Wiki formatiert wird und mit denen Links oder Tabellen erzeugt werden können. Wikis bieten dazu in der Regel eine Hilfe-Seite an, der die entsprechenden Zeichenfolgen entnommen werden können.

 

Mittlerweile gibt es auch Wikis, die mit so genannten WYSIWYG-Editoren („What you see ist what you get“) arbeiten. Dort kann der Text dann ähnlich einfach wie in einem Textverarbeitungsprogramm formatiert werden.

An einem Wiki mitschreiben

An einem bereits vorhandenen Wiki mitzuarbeiten bietet den Vorteil, dass auf eine bestehende Struktur und gegebenenfalls auch auf Inhalte zurückgegriffen werden kann und diese einfach erweitert werden. Außerdem kann es die Motivation erhöhen, wenn man weiß, dass die Artikel auch tatsächlich von einer Öffentlichkeit wahrgenommen und gelesen werden.

 

An der Online-Enzyklopädie Wikipedia mitzuschreiben, ist allerdings schwierig. Dort wurden bereits sehr viele Inhalte erstellt und der Anspruch an die Qualität von Artikeln ist extrem hoch. Dafür gibt es andere Wikis die sich für die Mitarbeit von Kindern und Jugendlichen deutlich besser eigenen. Je nach thematischer Orientierung und Zielgruppe bieten sich zum Beispiel folgende Wikis an:

 

Regio- bzw. Stadtwikis

 

Gute Anknüpfungspunkte für die aktive Medienarbeit bieten sicher Wikis, die sich mit der eigenen Region oder Stadt auseinandersetzen. Betreiber von Regio-Wikis oder Stadt-Wikis sind häufig Vereine, aber auch Privatpersonen. Oft sind die qualitativen Ansprüche für das Erstellen von neuen Artikeln nicht so groß wie z.B. in der Wikipedia. Dennoch empfiehlt es sich, die Betreiber der Wikis zu kontaktieren, bevor Sie mit Kindern oder Jugendlichen an einem Wiki arbeiten. Vielleicht bekommen sie sogar die Unterstützung von den Wiki-Machern.

 

Einige aktive Regio- oder Stadtwikis in Baden-Württemberg

 

Stadtwiki Pforzheim-Enz

pfenz.de

 

Stadtwiki Tübingen

tuepedia.de

 

Stadtwiki Reutlingen

reutlingenwiki.de

 

Stadtwiki Karlsruhe

ka.stadtwiki.net

 

Stadtwiki Esslingen

stadtwiki-esslingen.de

 

Rhein-Neckar-Wiki (Region Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen, Rhein-Neckar- und Neckar-Odenwald-Kreis)

rhein-neckar-wiki.de

Das Grundschulwiki

 

Wer bereits im Primarbereich aktiv mit Wikis arbeiten möchte, kann das Grundschulwiki der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM) nutzen. Es ist ein Mitmach-Lexikon für Kinder, ganz im Stile der Wikipedia. Da das Grunschulwiki auf der gleichen Software basiert, ist die Anmutung die selbe wie beim bekannten Online-Lexikon. Hier können jedoch nur angemeldete Kinder und Gruppen mitschreiben.

grundschulwiki.zum.de

 

Ein erprobtes Unterrichtsmodul für die 4. Klasse beschreibt eine vierstündige Unterrichtseinheit für die Arbeit mit dem Grundschulwiki und stellt Arbeitsmaterial zur Verfügung:

Arbeiten am Grundschulwiki

Das Freizeitwiki Baden-Württemberg

 

Das Freizeitwiki der Jugendstiftung Baden-Württemberg dreht sich um nichtkommerzielle Freizeitangebote, Freizeitaktivitäten und Locations in Baden-Württemberg.

freizeitwiki.jugendnetz.de

 

Die dazugehörige Schülerheft "Wikis erklärt für alle" enthält eine Einstiegshilfe in die Arbeit mit dem Wiki und informiert über Wikis allgemein und was dabei zum Beispiel urheberrechtlich berücksichtigt werden muss. Die Broschüre gibt es hier zum Download, sie kann auch gegen eine Versandgebühr im Klassensatz bestellt werden.

Ein eigenes Schul- oder Klassenwiki

Ein eigenes Schul- oder Klassenwiki kann unterschiedliche Funktionen erfüllen. Manche Schulwikis werden zum Beispiel einfach wie eine Schulhomepage genutzt. Darüber hinaus kann eine gemeinsame Wissensplattform entstehen oder das Wiki wird dazu genutzt, Aufgaben zu verteilen und zu organisieren.

 

Die Zum-Wiki-Familiy

 

ZUM bietet mit der Wiki-Family Schulen und anderen Bildungseinrichtungen die Möglichkeit an, ein eigenständiges Wiki auf den Servern von Zum.de einzurichten und so den Administrationsaufwand zu erleichtern. Die Inhalte des Wikis sind dann für alle Nutzer sichtbar, d.h. es gibt keinen passwortgeschützten Bereich.

wiki.zum.de

 

Wiki2go Education

 

Wer ein eigenes Wiki für die Schule installieren möchte, kann sich zum Beispiel die kostenlos Software Wiki2go Education anschauen, die auf der MediaWiki-Software basiert, mit der auch die Wikipedia gemacht ist. Das Besondere daran ist eine einfachere Installation (kann auch auf einem Windows-Rechner installiert werden). Zudem ist das Wiki bereits mit einigen Beispielseiten gefüllt und enthält einen Gliederungsvorschlag, der sich für Schulklassen eignet.

Wiki2go Education

 

Beispiele für Schulwikis:

 

Das Wiki des Regiomontanus-Gymnasiums Haßfurt:

wikis.zum.de/rmg

 

Das Wiki der Kaiserin-August-Schule in Köln:

wikis.zum.de/kas

Links

Hey, hey, Wiki! Hey, Wiki, hey!

Erfahrungsbericht von Christian Spannagel über den Einsatz eines Wikis im Schulunterricht.

 

Wiki, Stadt und Schule

Die Broschüre von medien+bildung.com enthält Tipps, Methoden und Erfahrungsberichte zur Wiki-Arbeit mit Schülerinnen und Schülern.

 

Qualitätscheck von Wikipedia-Artikeln

Blogartikel von Geschichtslehrer Daniel Bernsen.

 

 

 

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