(Online-)Werbung – ein Ratgeber für Eltern

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Werbung gibt es überall: im Radio, im Fernsehen, in Zeitungen, im Supermarkt, an Hauswänden etc. Deren eingängige Botschaften und kreative Werbeslogans faszinieren gerade Kinder und sprechen diese in besonderer Weise an. Werbung zeigt neue Trends auf, weckt Sehnsüchte und schafft Kauf-Anreize. Kinder und Jugendliche haben mittlerweile ein gewichtiges Wörtchen mitzureden, wenn es um Kaufentscheidungen in der Familie geht.

Im Internet sind ganz neue Werbeformen entstanden. Während im Supermarkt, in Zeitungen oder selbst im Fernsehen der Aufbau von Werbung klar strukturiert ist und an bestimmten Elementen festgemacht werden kann, existiert im Netz eine Vielfalt an Werbeformen, wobei häufig die (sichtbare) Grenze zwischen Anzeige und redaktionellem Inhalt immer stärker verschwimmt. Doch wie können Eltern ihre Kinder für Achtsamkeit gegenüber Online-Werbung sensibilisieren?

Banner, Pop-ups, Videowerbung, Overlays etc. (siehe Glossar) – Kein Wunder, dass Kinder, die noch am Anfang ihrer Internet-Erfahrungen stehen, mit plötzlich erscheinender Online-Werbung überfordert sind. Dabei sind es nicht nur die verschwimmenden Grenzen zwischen Inhalt und Anzeige, die ihnen Schwierigkeit machen, sondern auch die eigentliche Absicht von Werbung. Es geht den Anbietern im Internet nicht immer nur darum, ein Produkt zu verkaufen, so wie es die Kinder aus Fernsehen oder dem Supermarkt kennen, sondern auch darum, persönliche Daten zu sammeln, um diese an Dritte weitergeben oder die eigene Werbung noch besser auf die Person zuschneiden zu können.

Problematisch ist in diesem Fall, dass Onlinewerbung mit einem Klick direkt zum Produktanbieter weiterleitet, während man bei anderen Werbe-Kanälen (Radio, Zeitung etc.)  wesentlich bewusster handeln muss. Meist ohne nachzudenken sind im Internet persönliche Daten wie die E-Mail-Adresse eingetippt, die oftmals unseriöse Angebote und Zahlungsaufforderungen zur Folge haben können. Um Ihre Kinder entsprechend für Online-Werbung zu sensibilisieren, reicht es nicht aus, Ihnen einige Ratschläge, wie „Wenn du oben auf das X klickst, schließt sich das Fenster!“ mit auf den Weg zu geben. Nehmen Sie sich gerade mit den jüngeren Kindern Zeit, um gemeinsam Handlungsmöglichkeiten gegenüber Werbung zu besprechen. Benennen Sie die Merkmale von Online-Werbung und wie man diese verhindern (z.B. blockieren von Pop-up) oder wegklicken kann. Kinder müssen erst unterscheiden lernen, was im Internet tatsächlich Werbung ist, um anschließend auch verstehen zu können, dass diese „Anzeigen“ sie beeinflussen wollen. Erst wenn das klar ist, können die Heranwachsenden auch einen selbstbestimmten und kritischen Umgang mit Werbung entwickeln. Auch bei diesem Thema gilt: Ihr Kind sollte so wenig wie möglich persönliche Daten von sich im Internet preisgeben. Je sparsamer man mit den Daten umgeht, umso mehr ist man in der Folge auch vor unerwünschten Angeboten und verwirrenden Zahlungsaufforderungen geschützt.

Ebenso komplex wie Online-Werbung ist auch die Werbung innerhalb von Apps auf Smartphones oder Tablets. Der Spielspaß solcher Apps beginnt direkt nach deren Installation auf dem jeweiligen mobilen Endgerät, wobei meist die sehr umfangreichen Berechtigungen zum Gebrauch der Nutzerdaten durch die App nicht wahrgenommen werden. So greifen manche Apps auf das gesamte Adressbuch, Standortdaten, Fotos oder auch Kalendereinträge zu und erhalten damit Informationen über die jeweilige Person, um dann speziell für die Person Werbeangebote zu präsentieren. Vor allem Spiele-Apps enthalten Werbung innerhalb des Spielgeschehens, die wie etwa die Bandenwerbung beim Fußball nur nebenbei wahrgenommen wird und im Unbewussten Wirkung entfalten. Wird auf solch eine Werbung geklickt, kann dies zum Beispiel den Abschluss eines Abos oder das Versenden einer kostenpflichtigen SMS zur Folge haben. Dies kann man verhindern, indem man vom Mobilfunkanbieter die Drittanbietersperre aktivieren lässt und auf dem Handy selbst In-App-Käufe deaktiviert. Außerdem sollte bei der Auswahl von Apps gerade bei jüngeren Kindern darauf geachtet werden, dass es sich um kindgerechte und werbefreie Angebote handelt. Neben der kindgerechten Auswahl von Apps ist auch ein Gespräch mit den Kindern sinnvoll, um ihnen unter anderem zu verdeutlichen, wie die In-App-Werbung funktioniert, worauf dabei zu achten ist und wie man gute von weniger guten Apps unterscheiden kann.

Tipps für Eltern

  • Nehmen Sie sich Zeit und entdecken Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das Internet. Wenn Sie dabei auf Werbung stoßen, nutzen Sie die Gelegenheit, um mit ihm darüber zu reden: Woran erkennt man Werbung? Welchen Zweck verfolgt sie? Wie kann man Werbung umgehen?
  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es keine persönlichen Daten (Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Name etc.) im Internet hinterlässt und sich bei Unklarheiten an Sie wendet. Setzen Sie diese Regel jedoch nicht nur fest, sondern erklären Sie ihm ebenfalls, welchen Sinn das Verbot der Weitergabe persönlicher Daten hat.
  • Lassen Sie keine Gelegenheit ungenutzt, um Ihrem Kind zu erklären, was die Absicht von Werbung ist: Es geht nicht nur um das Verkaufen von Produkten, sondern auch um das Sammeln von Daten. Schritt für Schritt kann Ihr Kind durch eine gemeinsame Diskussion kritische und reflexive Kompetenzen gegenüber Werbung ausbilden.
  • Für die ersten Erfahrungen im Internet eigenen sich kindgerechte Seiten, die keine Werbung oder werbereduzierte Angebote beinhalten. Eine Übersicht über solche Seiten finden Sie unter anderem auf www.klick-tipps.net oder www.seitenstark.de.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine konsumbezogenen Wünsche und nehmen Sie seine Argumente ernst. Lassen Sie Ihr Kind diesen Wunsch begründen, um zu erfahren, wie und woher dieser zustande gekommen ist. Zeigen Sie aber gleichzeitig auf, dass die Produkte und Wünsche, die die Kinder in der Werbung oder bei ihren Freundinnen und Freunden sehen, Geld kosten und daher nicht alle erfüllt werden können.
  • Kinder orientieren sich an ihren Eltern. Überdenken Sie entsprechend auch Ihr eigenes Konsumverhalten und Ihre Haltung gegenüber Werbung.
  • Überlegen Sie, einen Werbeblocker für Ihren Internetbrowser zu installieren. Dieser kann eine Vielzahl an Werbeformen von Ihrem Kind fernhalten. Achten Sie aber darauf, dass ein Werbeblocker kein Ersatz für eine reflexive Aufklärung gegenüber Werbung ist.
  • Wählen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Apps aus, die es interessieren und zeigen Sie ihm, worauf man bei der Auswahl und Installation achten muss (Berechtigungen, Kosten etc.).
  • Apps, die von Kindern genutzt werden, sollten weder Werbung noch die Möglichkeit von In-App-Käufen enthalten. Achten Sie entsprechend darauf, dass die Möglichkeit der In-App-Käufe deaktiviert ist (Details dazu unter klicksafe.de) und kindgerechte, dem Alter angemessene Apps ausgewählt werden.

Nützliche Links

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Werbung
Hier sind die wichtigsten Informationen rund um das Thema Werbung in digitalen Medien und wie man in der pädagogischen Praxis damit umgehen kann zusammengestellt.


klicksafe.de
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz stellt in einem Modul übersichtlich alles Wissenswerte über Werbung im Internet zusammen.

Kinder und Onlinewerbung
Auf der Internetseite Kinder und Onlinewerbung erhalten Eltern Informationen und Anregungen, um Kinder im Bereich Werbung in der Online-Welt fit zu machen. Dabei geht es um das Ausbilden von kritischen und reflexiven Kompetenzen. Ebenfalls hält die Internetseite eine gleichnamige Broschüre mit zahlreichen Empfehlungen und ein kostenloses Spiel zum Herunterladen („Verflixte Werbeklicks“) bereit.

schau-hin.info
Die Initiative SCHAU HIN! bietet Informationen und Empfehlungen zur Förderung der Kompetenzen im Umgang mit den Neuen Medien. Ebenfalls geht die Internetseite auf Extrathemen, wie Werbung im Internet ein.

Klick-Tipps
Die Internetseite Klick-Tipps empfiehlt auf ihrer Seite Kinderapps regelmäßig besondere und werbefreie Apps für Kinder.

Mediasmart
Mediasmart ist eine Internetseite für Kinder, die spielerisch und interaktiv das Thema Werbung und den kritischen Umgang mit Internetseiten und Werbeangeboten näherbringt.

Internet-ABC
Das Internet-ABC bringt Kindern spielerisch bei, worauf man bei Werbung und beim Einkaufen im Internet achten muss.

Seitenstark
Auf der Internetseite von Seitenstark erhalten Sie eine gute Übersicht zu kindgerechten Internetseiten, die werbefrei oder zumindest stark werbereduziert sind.

App-Datenbank für Kinder
Das Deutsche Jugendinstitut bietet auf seiner Internetseite eine empfehlenswerte Datenbank für die Suche nach Apps für Kinder an.

Zahlen & Fakten

50 % von 100 Lieblings-Webseiten von Kindern enthält Werbung oder werbliche Botschaften – aber nur 18 % der Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren sind in der Lage, alle diese Werbebotschaften eindeutig zu identifizieren. (Quelle: LfM 2014)

Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.