Vorbereitung einer Videoaufnahme

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Am „Set“ kann man nicht einfach drauf los filmen, sondern sollte die Aufnahmen sorgfältig vorbereiten. Hier sind die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gilt.

Licht „setzen“

Licht kommt von oben – so gibt es uns die Natur vor. Entsprechend sollte man auch beim Licht „setzen“ vorgehen. Natürlich kann Licht auch als Effekt beispielsweise von unten eingesetzt werden. Licht ist das elementare Stilmittel von Film, Video und Fotografie. Im Grunde ist alles erlaubt, was die Stimmung/den Ausdruck der Szene zu unterstützen hilft.

Als Basis gehen wir hier aber von einer Normalsituation aus. Nehmen Sie, falls vorhanden, einen Belichtungsmesser zur Hand.

Personen (innen, Drei-Punkt-Licht)

Beim Ausleuchten von Personen mit drei Scheinwerfern hat jeder Scheinwerfer seinem Zweck entsprechend eine unterschiedliche Bezeichnung (Wattzahlen sind grobe Richtwerte):

Spitze

Die Spitze trifft (von) hinten, seitlich, oben auf die Person und beleuchtet den Hinterkopf, den oberen Haaransatz und die Schultern. Sie ist im Normalfall das hellste Licht (600-800 Watt) und sorgt dafür, dass die Person sich vom Hintergrund abhebt – das Raum(-wirkung) / Tiefe ensteht.

Führung

Das Führungslicht trifft (seitlich von vorne, oben) die Person auf der Seite, welche der Kamera leicht abgwandt ist (300-600W).

Aufhellung

Die Aufhellung trifft quasi „mit der Kamera“ auf die Person. Die der Kamera zugewandte Seite sollte etwas/leicht dunkler (ca. 1 Blende unter Führungslicht) erscheinen als die abgewandtere Seite. Die Aufhellung ist demnach, bei gleicher Wattzahl wie das Führungslicht, etwas aufzuweichen z.B. mit Frost, dem Flood-Regler oder einfach mit der Distanz zum Objekt.

Schatten

An Nasen und Augenhöhlen können schnell störende Schatten entstehen. So wirft z.B. die Nase schnell lange Schatten auf die Wange...

 

Schatten werden mit Licht bekämpft! Probieren Sie einfach. Bewegen Sie Scheinwerfer und verändern Sie Einstellungen der Scheinwerfer bis es wirklich passt, arbeiten Sie auch mit Scheinwerfer-Toren um das Licht zu begrenzen – es lohnt sich!

 

Aber vorsicht, bewegen Sie die Scheinwerfer möglichst nicht im eingeschalteten Zustand. Mit einem guten Licht können Sie sehr viel „Bild“ aus einem Camcorder rausholen.

Personen (aussen, Sonne + Reflektor)

Aufgrund der Tatsache, dass man bei Aussendrehs meist keinen Stromanschluss zur Verfügung hat, muss man hier auf natürliche Lichtquellen zurückgreifen und sich dem Reflektor als Hilfsmittel bedienen. Die Sonne/das Tageslicht übernimmt hier die Rolle der „Spitze“ und ein gegen Sonne/Tageslicht und Gesichtshälfte gerichteter Reflektor kann als Führung/Aufhellung dienen.

Weißabgleich

Wie bereits erwähnt, hat Tageslicht eine andere Farbtemperatur als Kunstlicht (Raumlicht). Führen Sie vor der Aufnahme einen Weissabgleich durch!

 

Nachdem Sie das Licht gesetzt haben geben Sie dem/den Protagonisten ein weisses Blatt Papier. Es muss so gehalten werden, dass keine Schatten darauf erkennbar sind. Zoomen Sie so auf das Papier, das es das komplette Bild ausfüllt und führen Sie gemäss Bedienungsanleitung der Kamera einen Weissabgleich durch.

 

Viele Kameras verfügen auch über einen automatischen Weissabgleich. Wie Sie diesen einstellen/aktivieren entnehmen Sie bitte ebenfalls der Bedienungsanleitung des Camcorders.

Verschlusszeiten/ShutterSpeed

Entsprechend der Lichtverhältnisse und der Blende die Sie erzielen möchten (geringe oder hohe Tiefenschärfe) müssen Sie Ihren Shutter – die Verschlusszeit einstellen. Wenn Sie bei einem Dreh z.B. eine Blende von 11 bei einer Verschlusszeit von 1/125 haben, mit der Blende aber soweit herunter möchten, dass die Tiefenschärfe reduziert wird gilt: doppelte Verschlusszeit zu einer Blende. D.h. bei einer Verschlusszeit von 1/250 und einer Blende von 8 erhalten Sie das gleiche Ergebnis wie bei 1/125 & Blende 11 jedoch mit reduzierter Tiefenschärfe. Um die Tiefenschärfe weiter zu reduzieren können Sie nach gleichem Prinzip fortfahren.

 

Wenn Sie schnell bewegte Objekte aufzeichnen möchten benötigen Sie ebenfalls höhere Verschlusszeiten. Bitte beachten Sie, dass höhere Verschlusszeiten grundsätzlich auch mehr Licht benötigen, d.h. kleinere Blendenzahlen.

 

Falls Sie einen Bildschirm oder Fernseher abfilmen möchten, müssen Sie den Shutter so einstellen wie die Bildwiederholfrequenz des Fernsehers (50Hz oder 100Hz) bzw. des Bildschirms eingestellt ist. Zumindest muss die Shutter Geschwindigkeit bzw. Verschlusszeit durch die Hz-Zahl teilbar sein. Auch hier gilt ausprobieren.

Blende (IRIS) einstellen

Zu allererst: Blendenautomatik aus! Mit der Zebra-Funktion können Sie die hellsten Stellen im Bild ausfindig machen. Stellen Sie Ihre Blende so ein, dass diese Stellen nicht überbeleuchtet sind. Kontrollieren Sie die Blende nach oben oder unten. Der hellste Bereich darf nicht „abbrennen“ – wenn Sie sich unsicher sind, überprüfen Sie das Ergebnis an einem Kontrollmonitor vor Ort oder nehmen sie im Zweifelsfall tendenziell eher etwas unterbelichtet auf. Sie können im Schnitt noch etwas aufhellen, ohne dass es künstlich erscheint. Überbelichtetes Material bleibt überbelichtet!

Wichtige Hinweise zum Umgang mit Scheinwerfern

  • Niemals in die Scheinwerfer sehen! (Erblindungsgefahr)
  • Niemals in die Scheinwerfer pusten – die Birne könnte platzen! (hohes Verletzungsrisiko)
  • Scheinwerfer niemals im Betrieb bewegen! (Beschädigung des Brenners/Leuchtmittel/Birne)
  • Scheinwerfer-Gehäuse im Betrieb und bis ca. 15 Min. nach Drehende niemals ohne Handschuhe (kein Gummi) anfassen! (Verbrennungsgefahr)
  • Kabeltrommeln immer komplett abwickeln! (Zerstörung aller angeschlossenen Geräte möglich!)
  • Bei Mehrfachsteckdosen immer überprüfen wieviel Watt sie maximal vertragen. Addieren Sie die Wattzahl aller angeschlossenen Geräte und überprüfen Sie die Summe bzw. gleichen Sie diese mit der/den verwendeten Mehrfachsteckdose(n) ab. (Brandgefahr!)
  • An 16A (Ampere) Sicherungen (im Haus) kann man maximal rund 3500 Watt anschließen. An 10A rund 2.200W und 20A etwa 4.400W

Ton pegeln

Wenn alles eingerichtet ist, überprüfen Sie den Ton und klären Sie mit Ihrem Tonassistenten wie tief die Mikrofonangel gehalten werden darf, ohne das ein Mikrofon am oberen Bildrand zu sehen ist. Achten Sie zudem auch auf (Mikrofon-)Kabel! Im Idealfall benutzen Sie dabei zusätzlich einen Monitor mit eingeschalteter Underscan-Funktion.

 

Achten Sie darauf das der Ton nicht übersteuert. Lieber etwas zu leise aufnehmen. Hier gilt gleiches Prinzip wie bei der Blende bzw. unterbelichtetem Videomaterial. Kontrollieren Sie den Ton unbedingt mit einem Kopfhörer und stellen Sie sicher, dass das Kameramikrofon ausgeschaltet ist. Dies können Sie in Ihrem Kameramenü im Menüpunkt Audio/Camera Mic (o.ä.) kontrollieren. Alternativ können Sie auch mit aufgesetztem Kopfhörer leicht mit dem Finger gegen das/die Kameramikrofon(e) klopfen und so prüfen ob über das eingebaute Mikro ein Signal ankommt.

 

Wenn Sie einen XLR Adapter nutzen, muss dieser in der Regel ebenfalls über das Kameramenü aktiviert werden. Hierfür existiert meist ein Extra Menüpunkt (im Audiomenü) namens XLR-Set.

„Ruhe bitte!“

Während der Aufnahme haben sich alle Anwesenden (außer natürlich Schauspieler und Protagonisten) ruhig zu verhalten. Der Kameramann oder die Kamerafrau sollte während der Aufnahme, wenn möglich (stehende Aufnahme – kein Schwenk o.ä.) keinen Kontakt zum Stativ haben. Es könnten sich Bewegungen von ihm auf das Bild übertragen. Achten Sie auf Umgebungsgeräusche (Züge, Flieger, Hubschrauber, Verkehr etc.). Drehen Sie erst, wenn diese möglichst gering erscheinen.

Kamera zuerst starten...

 

Achten Sie bei jedem Take darauf, dass Ihre Kamera zuerst läuft. Starten Sie die Kamera, warten Sie etwa zwei Sekunden. Achten Sie auf ein Aufnahmesymbol im Display/Sucher und überprüfen Sie ob der Timecode mitläuft. Wenn beides der Fall ist, kann der Kameramann/Regisseur ein Signal zum Beginn geben.

Aufnahmen sichten

Weil Camcorder auch über eine Videorekorderfunktion verfügen ist es möglich die Aufnahmen sofort nach dem Dreh bzw. noch am Set zu kontrollieren. Machen Sie von dieser Möglichkeit gebrauch und überprüfen Sie nochmal Ihr Werk vor Ort noch bevor Sie den Drehort/Set verändern oder verlassen.

 

Timecodes mitschreiben Schreiben Sie sich auf, welche Szene an welcher Stelle auf dem Band zu finden ist. Dafür notieren Sie vor jeder Aufnahme/jedem einzelnen Take Start- und Endzeit der letzten Aufnahme. Bedenken Sie, dass die Startzeit vor der Aufnahme notiert werden sollte. Bei Ihren Notizen können Sie ebenfalls gleich markieren, welche Aufnahme brauchbar war und welche nicht.