Studie zu Lerntechnologien

Wie weit sind Europas Schulen im Umgang mit neuen Medien und der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechniken?

Schüler und Lehrer hatten noch nie einen so guten Zugang zu Bildungstechnologien wie heute. Das ist das Ergebnis einer Online-Befragung mit Schülern, Lehrern und Schulleitern aus 31 europäischen Ländern1 mit über 190.000 Antworten. Die Beurteilung von Bildungstechnologien fiel überwältigend positiv aus: Die Befragten gaben an, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in der Schule – ähnlich zum ITG-Unterricht in Deutschland – sehr wichtig ist und auch im Hinblick auf die berufliche Bildung große Vorteile bringt.

Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen – zuhause und in der Schule. (© 2013 Thinkstock, Bild-Nr.: 170234968, Antonio Diaz)

Die Europäische Kommission beauftragte European Schoolnet (EUN) und die Universität von Lüttich mit der Befragung der europäischen Schulen. Schüler wurden ebenfalls direkt miteinbezogen. Die Studie enthält detaillierte, aktuelle und verlässliche Eckdaten und liefert für Europa eine Einschätzung zum Einsatz von „Lerntechnologien“ (technology for  learning)  in Schulen. Sie gibt Auskunft über die Bereitstellung der technischen Infrastruktur für Lehrer und Schüler und trifft Aussagen zum Einsatz, zu Kompetenzen, zum Selbstvertrauen und zur Einstellung der Befragten im Umgang mit Lerntechnologien und neuen Medien.

 

In einer Pressemitteilung vom 19.4.2013 wurden die zentralen Ergebnisse der Studie („Survey of Schools - ICT in Education“) vorgestellt:

  • Rund 50 Prozent der Schüler in der 11. Klasse besuchen sehr gut ausgestattete Schulen (mit hohem Ausstattungsgrad und schneller Breitbandanbindung). Allerdings variieren die Prozentsätze zwischen den Ländern sehr stark.
  • Schüler, die sowohl zuhause als auch in der Schule häufig den Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) nutzen, zeigen deutlich mehr Selbstvertrauen in ihre Medienkompetenzen gegenüber Schülern, die nur zuhause Zugang haben.
  • Schüler nutzen IKT am häufigsten im Unterricht, wenn sie von computer-affinen, medienkompetenten und hilfsbereiten Lehrern unterrichtet werden und zwar ganz unabhängig vom Ausstattungsgrad. Trotzdem nutzen Schüler die Technologien zum Lernen häufiger außerhalb als innerhalb der Schule.
  • Lehrer und Schulleiter halten den IKT-Einsatz für sinnvoll, etwa bei der Informationsbeschaffung (Recherche), bei Aufgaben und praktischen Übungen. Außerdem halten sie den Einsatz von IKT sowohl beim selbständigen Lernen als auch für kooperative Lernformen (z.B. Gruppenarbeit) geeignet. Ferner sehen sie einen positiven Einfluss von IKT auf den Lernerfolg, die Motivation und den Erwerb fachübergreifender Kompetenzen von Schülern.

  • Rund 70 Prozent der Schüler werden von Lehrern unterrichtet, die sich ihre IKT-Kompetenzen selbst in ihrer Freizeit angeeignet haben (also nicht in der Schule oder während des Studiums). Die meisten Lehrer nutzen IKT allerdings in erster Linie dazu, um ihren eigenen Unterricht vorzubereiten und weniger dazu, die Bildungs-Technologie im Unterricht einzusetzen.
Trend in Europa: Guter Zugang zu Bildungstechnologien (© 2013 Thinkstock, Bild-Nr.: 170234747, IJdema)

Die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Neelie Kroes, begrüßte die Studie. Ihren Angaben zufolge würden bald in 90 Prozent aller Arbeitsplätze Computerkenntnisse gefordert sein. Allerdings. bringen noch viel zu wenig Europäer diese Kompetenzen mit. Der Wandel hin zu einer besseren Ausbildung im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien sollte ihrer Meinung im Klassenzimmer beginnen und von den Lehrkräften angestoßen werden, erklärte Kroes. Wenn Lehrer selbstbewusster und zuversichtlicher die Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen würden, könnten sie die nächste Generation auch leichter damit inspirieren.


Hier gelangen Sie zur offiziellen Pressemitteilung von Schoolnet sowie zum Download der Studie Survey of Schools: ICT in education“ und zur Zusammenfassung (Stand Februar 2013).

 

Infos zur European Schoolnet unter http://www.eun.org

___________________________________

1 davon 27 EU-Länder, Kroatien, Island, Norwegen und Türkei. In vier Ländern (Deutschland, Island, Niederland und Großbritannien) waren die Rückläufe zu gering, um aussagekräftige Ergebnisse treffen zu können.