HILFE – Ich werde Kunst

Sich selbst in Gemälden der Kunstgeschichte zu inszenieren und dabei die Collage als bildnerisches Gestaltungsmittel zu erleben – das ist die originelle Idee von „HILFE – Ich werde Kunst“. Das Konzept dieser Unterrichtseinheit, die für die Klassenstufen 8 bis 10 einer Realschule oder eines Gymnasiums geeignet ist, stammt aus der Feder von Hermann Schnirring, medienpädagogischer Berater des Kreismedienzentrums Biberach und Lehrer der Dollinger-Realschule. Die Schüler erproben in diesem Projekt neben der Handhabung der Digitalkamera vor allem die digitale Bildbearbeitung – eine Technik, die in der Werbe- und Produktfotografie ihren professionellen Einsatz findet. Nachfolgend erhalten Sie einen Einblick in die Unterrichtskonzeption und erfahren darüber hinaus, an welchen Stellen sich der Einsatz der paedML besonders empfiehlt.

Ein originelles Schülerwerk, in dem sich Luisa S. dem Hirtenknaben von Lenbach gesellt. (Originalwerk: Franz von Lenbach, Hirtenknabe, 1860)

Digitale Porträtfotografie und Klärung von Bildrechten

Die Unterrichtseinheit startet mit einer kurzen Vorstellung der Thematik, dann geht es gleich praktisch zur Sache: Die Schüler fotografieren sich gegenseitig und übertragen die gewonnenen Porträtfotografien auf ihre Arbeitsrechner. Bevor der nächste Arbeitsschritt – die Recherche von Gemälden der Kunstgeschichte – eingeleitet wird, gilt es einige urheberrechtliche Grundlagen zu erörtern. Die Lernenden erfahren, in welchem Rahmen sie Quellen wie die Online-Datenbank SESAM des Landesmedienzentrums Baden-Württembergs oder die Wikimedia-Commons verwenden dürfen, und welche Gemälde der Kunstgeschichte frei von Urheberrecht sind. Zusammengefasst werden sollten diese elementaren Hinweise in einer Checkliste, die sich per „Austeilfunktion“ an die Schüler zuweisen lässt: Der Lehrer kann mithilfe dieser Funktion gezielt auf die Homeverzeichnisse seiner Klasse zugreifen, dort Ordner anlegen und Dateien speichern – ganz bequem über das intuitiv zu bedienende Interface der paedML.

Bildrecherche im Internet

Per Mausklick gibt der Lehrer das Internet zum Surfen frei und genauso mühelos lässt es sich auch wieder sperren – falls die Arbeitsphase unterbrochen oder beendet werden soll. Diese Funktion der paedML garantiert Pädagogen somit eine gezielte Kontrolle der Internetnutzung ihrer Klasse. Hilfreich ist zudem das Anlegen einer Blacklist: Um zu verhindern, dass während des Unterrichts Seiten wie Facebook aufgerufen werden, lassen sich einzelne Domains gezielt sperren.

 Die Schüler tragen in der Recherchephase einen umfangreichen Materialpool an rechtefreien Gemälden der Kunstgeschichte zusammen und entwickeln Bildideen für ihre persönliche Collage. Vorgestellt werden die recherchierten Werke im Klassenverband. Falls der Bedarf an gegenseitigem Austausch besteht, lässt sich das ganz unkompliziert über das Tauschverzeichnis handhaben.

Digitale Bildbearbeitung und Fotomontage

Nachdem jeder mit Bildmaterialien versorgt ist, beginnt der nächste Teil der Unterrichtseinheit: Die Jugendliche sollen ihre Porträtfotografien auf möglichst originelle Weise in die Gemälde retuschieren, sodass sie gewissermaßen Teil des Kunstwerks werden. Hierzu empfiehlt Herr Schnirring eine kurze Einführung in die entsprechende Bildbearbeitungssoftware, deren Programmstrukturen und ausgewählten Werkzeugen. Außerdem demonstriert der Pädagoge die einzelnen Arbeitsschritte. Er zeigt seiner Klasse zunächst, wie Fotos freigestellt werden, das heißt, wie sich die Porträtaufnahmen aus dem störenden Original-Hintergrund lösen lassen. Die getroffene Auswahl wird anschließend kopiert und als neue Ebene in die gewünschte Gemäldereproduktion eingefügt. Damit die digitale Montage glaubwürdig aussieht, muss die eingefügte Porträtaufnahme der Perspektive und den Proportionen des Gemäldes angepasst werden; zu diesem Zweck gilt es, die Funktion des Transformierens zu erläutern.

Kevin G. hat sein Werk mit besonderer Finesse erstellt, indem er seine Porträtfotografie auf den charakteristischen Pinselduktus Van Goghs abgestimmt hat. (Originalwerk: Vincent Van Gogh, Selbstporträt mit verbundenem Ohr und Pfeife, 1889)

In der sich anschließenden Unterrichtsphase führen die Schüler die digitale Montagetechnik in Einzelarbeit durch. Je exakter der Fotoausschnitt der Struktur des Gemäldes angepasst wird, desto überzeugender ist die Illusion, dass es sich bei der Retusche um ein authentisches Kunstwerk handelt. Bildbearbeitungsprogramme offerieren hierzu spezielle Filter, mit denen man den Fotoausschnitt der Farbgebung, der Beleuchtung und sogar dem Duktus des Gemäldes präzise angleichen kann. Der Überraschungseffekt wird beim unbefangenen Betrachter besonders hoch sein, wenn er erst nach intensiverem Begutachten erkennt, dass sich in das scheinbare Originalwerk der Kunstgeschichte das Porträt eines Jugendlichen hineingeschlichen hat. 

 

Es ist davon auszugehen, dass während der Bildbearbeitung Fragen aufkommen, beispielsweise: Wie lassen sich komplizierte Formen wie Haare am besten freistellen? Oder: Gibt es einen speziellen Filter, mit dem man grobe Pinselstriche simulieren kann? Auch an dieser Stelle erweist sich der Einsatz der paedML als nützlich: Per Mausklick kann der Lehrer den Schülerbildschirm auf seinen eigenen Rechner übertragen und diesen dann per Beamer projizieren. Nun können die Fragestellungen in der Klassenrunde diskutiert werden. Didaktisch sinnvoll ist es, wenn sich der Lehrer weitgehend zurückhält und die Schüler erklären lässt. Somit sind alle Lernenden aktiv in die Problemlösung involviert und können sich gegenseitig unterstützen. 

Phase der Ergebnissicherung

Die Phase der Ergebnissicherung kann in Form einer kleinen Ausstellung durchgeführt werden. Dazu drucken die Schüler zunächst ihre Werke aus. Auch hierzu bietet die paedML eine klare Orientierung: Im Drucker-Menü werden nur die Geräte angezeigt, die sich auch wirklich im Klassenraum befinden – und nicht sämtliche Drucker der Schule. Die Schülerwerke werden gemeinsam besprochen und die neu erlernten Arbeitstechniken reflektiert.