School 2.0 - Toledo

Europäisches Studienprogramm “School 2.0“ – Toledo, Spanien

„School 2.0 – A school we want in the 21th century“ – zu diesem Thema trafen sich im Mai Bildungsexperten aus 13 europäischen Ländern in Toledo, Spanien. Mit dabei war Emmerich Hernadi, Fachbereichsdirektor IT am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, der im Rahmen des europäischen Studienprogramms vor Ort zum „Servicekonzept paedML“ und zu den schulischen Angeboten des LMZ referierte.

 

Die Europadelegation besichtigte in der Region Castilla-La Mancha Grundschulen, weiterführende Schulen sowie berufliche Schulen. In Workshops wurden Erfahrungen aus den jeweiligen Ländern ausgetauscht und verschiedene Aspekte der Medienbildung thematisiert.

Gibt es in Castilla-La Mancha auch so etwas wie eine pädagogische Netzwerklösung „paedML“?
Emmerich Hernadi:
Ein Angebot wie die paedML, Netzwerklösung mit Servicekonzept, gibt es für die Schulen in Castilla-La Mancha nicht. Eine strukturierte Vernetzung ist in dieser Region bisher die Ausnahme. Ein zentraler Server, der Dienste wie Datenspeicherung, Tauschlaufwerk, Druckerverwaltung, E-Mail Kommunikation und Groupware-Funktionalitäten für das pädagogische Netz anbietet, ist oft nicht vorhanden.

Schüler in Castilla-La Mancha

Wie gut sind die spanischen Grundschulen und weiterführenden Schulen, die Sie besucht haben, mit Computern ausgestattet? Und wie sieht der Vergleich zu Schulen in Baden-Württemberg aus?
Emmerich Hernadi:
An den Schulen in Baden-Württemberg teilen sich mehrere Schülerinnen und Schüler einen Arbeitsplatzrechner. Dabei wird die EU-weit angestrebte Schüler-Computer-Relation von 10:1 deutlich unterschritten. Zur Förderung der Nutzung Neuer Medien wird daher um eine bessere Ausstattung in den Klassenzimmern gerungen.

Spanien liegt bei der Computerausstattung ebenfalls unter dem OECD-Durchschnitt. Anders sieht das bei den Grundschulen in Castilla-La Mancha aus, die in der 5. und 6. Klasse durch das Projekt „Escuela 2.0“ eine 1:1 Ausstattung erreichen. Dort erhalten die Schülerinnen und Schüler ein Netbook, das sie sowohl in der Schule als auch zuhause nutzen dürfen. Ein Vertrag zwischen der Schule und den Eltern regelt die Nutzungsbedingungen. Anfang des Jahres lief der dreijährige Support für die technische Betreuung der Geräte aus. Nach Auskunft der Veranstalter fehlen nun die finanziellen Mittel zur Verlängerung der technischen Unterstützung.

Projekt „Escuela 2.0“

Die Grundschulen in Castilla-La Mancha zeigen mit Ihrem Projekt „Escuela 2.0“, dass eine 1:1 Ausstattung (Schüler/Computer) möglich ist. Wie sieht der didaktisch-pädagogische Mehrwert durch den Einsatz von Netbooks und neuen Medien aus Ihrer Sicht aus?
Emmerich Hernadi: In einem unserer Workshops sind wir der zentralen Frage nach dem didaktisch-pädagogischen Mehrwert durch den Einsatz von Netbooks und Neuer Medien im Unterricht nachgegangen. In der Diskussion um die Frage, ob Neue Medien das Lernen verbessern können, konnte kein Teilnehmer diese Frage eindeutig oder durch eine Untersuchung aus seinem Land belegen.

Unsere Einschätzung zur pädagogischen Reflexion beim Einsatz der Netbooks, der interaktiven Whiteboards und anderer Neuer Medien war, dass manches Lernziel leichter mit analogen Medien hätte erreicht werden können.

Auf der anderen Seite konnten wir sehr gut erkennen, dass Freiarbeit, Gruppen- und Partnerarbeit mithilfe der Neuen Medien weit besser binnendifferenziert angeboten werden konnten. Auch bei der Frage der Inklusion können die Neuen Medien unterstützend im Lernprozess eingesetzt werden.

Einsatz von Netbooks an einer weiterführenden Schule

Wie sieht es an spanischen Schulen mit dem Datenschutz und der Datensicherheit aus? Wer erbringt den IT-Support?
Emmerich Hernadi: Fragen des Datenschutzes und der Datensicherheit hatten an den besuchten Schulen keine so hohe Priorität wie in Deutschland oder wurden nicht so kritisch gesehen. Soziale Netzwerke und Datenspeicher im Internet sind stärker im schulischen Umfeld zu finden, da sie fehlende Services der Schule substituieren können. Daten werden häufig dort gespeichert, wo es sich gerade anbietet, also zum Beispiel in der Dropbox oder in Google. IT-Services werden an den Schulen von Lehrkräften ohne Stundenanrechnung erbracht.

Und wie sieht es in puncto Jugendmedienschutz aus? Ist das Surfen an spanischen Schulen sicher?
Emmerich Hernadi:
Inhalte aus dem Internet werden in der Regel nicht gefiltert. Die Lehrerinnen und Lehrer sind bei der Nutzung der Neuen Medien und beim Zugriff auf Inhalte im Internet dafür verantwortlich, dass Schülerinnen und Schüler nicht auf jugendgefährdende Seiten zugreifen.

Können Sie den spanischen Schulen ein strukturiertes Netzwerk empfehlen?
Emmerich Hernadi:
Ja, denn die in den spanischen Schulen vorgefundenen WLAN-Technologien ermöglichen nur eingeschränkt multimediales Arbeiten. Ein strukturiertes Netzwerk bietet den Schulen in vielerlei Hinsicht Unterstützung, beispielsweise bei den Themen Jugendmedienschutz durch die Filterung von Inhalten aus dem Internet und bei der Datensicherheit.

Ich habe daher einem Vertreter vom Ministerium für Bildung in Toledo das Angebot gemacht, eine in spanischer Sprache verfügbare Open Source Lösung (paedML Linux) anzubieten. Dass die nötige Infrastruktur vorhanden ist bzw. eingerichtet wird, ist in diesem Zusammenhang für eine erfolgreiche Umsetzung wichtig.

Vor dem Rathaus in Toledo

Fließen die aus der Studienreise gewonnenen Erkenntnisse direkt in laufende Projekte ein?
Emmerich Hernadi:
Ja, zum Beispiel in die Projekte CloudCyle und Working Group Education. Bei CloudCyle, einem Projekt, eingereicht und bewilligt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, ist das Landesmedienzentrum assoziierter Partner. Ziel ist, Schulen mittelfristig mit Dienstleistungen aus der „Cloud“ zu versorgen.

Working Group Education ist eine Arbeitsgruppe der Open Source Business Alliance. Ziel der Working Group ist die Definition von Mindeststandards und Rahmenbedingungen, die festlegen, wie digitale Bildungsinhalte bereitgestellt, übertragen, dargestellt, angereichert und vergütet werden. Dies ermöglicht eine individualisierbare Kollaboration zwischen Lehrenden und Lernenden medienneutral ohne Hersteller- und Plattformabhängigkeiten. Für den Aufbau dieses „Referenzrahmens“ sind die beteiligten Parteien (Behörden, Organisationen, Content-Lieferanten, Technologie-Lieferanten, Anwender wie Schulträger, Schulen und Lehrer) in der Working Group vertreten oder arbeiten eng mit der Working Group zusammen.

 

 

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:

Studienbericht School 2.0 – A school we want in the 21th century (in englischer Sprache)