Pilotprojekt mit paedML®: „Medienbildung in der Grundschule“

Grundschulklasse.
Grundschulklasse. Bild: stefan.eissing, Lizenz: cc

Einleitung

Immer mehr Grundschulen wünschen sich den Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Sie entwickeln Medienkonzepte, wissen aber häufig nicht, wie sie diese umsetzen können und welche Technik dafür notwendig ist. Erschwerend kommt hinzu, dass es an Grundschulen keine Netzwerkbetreuer oder Personen gibt, die sich ausreichend mit schulischen Computernetzen auskennen.

 

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) führt daher im Auftrag des Kultusministeriums Baden-Württemberg und der Kommunalen Landesverbände das Projekt "Medienbildung in Grundschulen" durch. In diesem Projekt wird den Schulen pädagogische Unterstützung durch eine/n medienpädagogische/n Berater/in angeboten. Die paedML steht den Grundschulen als pädagogische Netzwerklösung zur Verfügung und ein erweitertes Fernwartungskonzept soll fehlendes technisches Wissen vor Ort 'ersetzen'. Das Projekt startete zum Schuljahr 2011/12, die operativen Vorbereitungen haben bereits im Juli 2011 begonnen.

Potenzieller Klassenraum für Mediennutzung.
Potenzieller Klassenraum für Mediennutzung.
Bild: judith74, Lizenz: cc.
Verbindung zwischen Grund- und Hauptschule.
Verbindung zwischen Grund- und Hauptschule. Bild: Landkreis Hildesheim, Lizenz: cc

Chance: Medienräume ehemaliger Hauptschulen nutzen

Ein weiterer Gesichtspunkt für das Projekt ist die Entscheidung des Kultusministeriums, Hauptschulen zu schließen, die nicht mehr zweizügig (also mit Parallelklassen als Werkrealschule) fortgeführt werden können. Aufgrund der anhaltend rückläufigen Schülerzahlen wurde bereits eine ganze Reihe von Schulen geschlossen. Betroffen sind auch Grund- und Hauptschulen. Fällt die Hauptschule aus den genannten Gründen weg, kann die Grundschule das pädagogische Netz und die frei gewordenen Räumlichkeiten (samt Medienräume und IT-Infrastruktur) nutzen. Damit eröffnen sich neue Chancen und Möglichkeiten für die Medienbildung an Grundschulen. Einen 'Wermutstropfen' gibt es allerdings dabei: Mit dem Wegfall der Hauptschule, entfällt auch die qualifizierte Vor-Ort-Betreuung durch den Netzwerkberater. Genau hier setzt das Projekt an und versucht Wege zu finden, wie man Grundschulen künftig ganzheitlich bei der Medienbildung unterstützen kann.

Pädagogische und technische Unterstützung

Im Pilotversuch mit 12 Grundschulen aus unterschiedlichen Landkreisen sollen die Anforderungen an den Unterricht mit den neuen Medien ermittelt werden. Auf Basis der gewonnenen Ergebnisse wird das Landesmedienzentrum dann ein "qualifiziertes technisches wie pädagogisches Unterstützungssystem" anbieten, das speziell auf die Bedürfnisse von Grundschulen abgestimmt ist (vgl. Medienbildung früh beginnen). Hierfür wurde unter der Gesamtleitung von Dr. Peter Jaklin, stellv. Direktor des LMZ, eine Projektgruppe aus Medienpädagogen, Schulnetzberatern und Technikern aus dem Support-Netz eingerichtet, die die Pilotschulen während der Projektphase betreuen. Zwölf Lehrerinnen und Lehrer wurden speziell für dieses Projekt zu Medienpädagogen ausgebildet. Sie kommen – mit einer Ausnahme – aus dem Grundschulbereich und bringen die notwendige Erfahrung aus der Praxis mit. Jede Beraterin bzw. jeder Berater betreut eine Schule und besucht diese an einem Tag in der Woche.

Anlaufschwierigkeiten durch fehlende Verkabelung

Grundschüler arbeiten am Computer. Bilder: © Arnim Weischer, LMZ
Grundschüler arbeiten am Computer. Bilder: © Arnim Weischer, LMZ

Für die Evaluation der aktiven Medienarbeit erhalten alle Schulen eine paedML-Teststellung, also eine Art "Probe-Computernetz" mit neuen Virtualisierungstechniken und verbesserten Fernwartungsfunktionen. Die Installation führen Mitarbeiter des Landesmedienzentrums mit Unterstützung von Schwenk IT durch.

 

Bereits im Juli besuchten Peter Klein, technischer Leiter des Pilotprojekts und Emmerich Hernadi, Abteilungsleiter Technik am Landesmedienzentrum, die ausgewählten Pilotgrundschulen, um eine detaillierte Bestandsaufnahme vorzunehmen. Im ersten Schritt erstellten sie Schulprofile mit Kontaktdaten und Kennzahlen zur Schule und dokumentierten den bisherigen Medieneinsatz. In fast allen Fällen hatten die Schulen noch keine Erfahrung mit der Medienentwicklungsplanung. Bei der Besichtigung der Medienräume und der IT-Infrastruktur ergab sich zum Teil ein sehr heterogenes Bild. In den meisten Fällen reichte die technische Infrastruktur nicht aus, um ein paedML-Netzwerk störungsfrei und performant in Betrieb zu nehmen. Um mit dem Projekt beginnen zu können, mussten vielerorts erst die technischen Voraussetzungen (wie strukturierte Verkabelung, Stromversorgung, Einbau aktiver Komponenten u.a.) geschaffen werden.

"Das war für die betreffenden Schulen natürlich im ersten Moment sehr ernüchternd", berichtet Emmerich Hernadi von seinen Vor-Ort-Gesprächen, "denn die Schulen und Schulträger standen nun vor der Entscheidung zwischen 5.000 und 10.000 Euro in zusätzliche Elektroarbeiten zu investieren, die so im Haushalt gar nicht eingeplant waren". Um das Projekt "Medienbildung in der Grundschule" nicht zu gefährden, bietet das Landesmedienzentrum den Pilot-Grundschulen nun finanzielle Unterstützung an und stellt ihnen die Hardware kostenfrei für die Projektdauer von drei Jahren zur Verfügung. Zu dieser Ausstattung gehören ein Server, 15 Thin Clients, zum Teil drei Notebooks, ein Beamer, eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) sowie ein Datensicherheitsgerät (NAS). Mit Ausnahme von einer Schule werden alle Schulen das Angebot des LMZ annehmen und im Gegenzug die notwendigen Elektroinstallationen für die Verkabelung und den Umbau der Klassen- bzw. Medienräume finanzieren.

Support für Grundschulen: "Fehlende Netzwerkbetreuer durch Fernwartung ersetzen"

Bei technischen Störungen im schulischen Netzwerk sind Grundschulen auf einen schnellen, verlässlichen Support angewiesen, weil es keinen Netzwerkberater vor Ort gibt. Die erforderliche Unterstützung soll über die Fernwartung des Landesmedienzentrums geleistet werden. Der Support beschränkt sich (wie bei den allgemein bildenden und weiterführenden Schulen auch) auf die Schulserver, auf denen die paedML-Teststellungen laufen. Neu dabei ist, dass alle 15 Arbeitsstationen (als Clientimages) auf dem Server abgebildet sind. Die Hotline kann dann auf die Images der Clients administrierend zugreifen und überprüfen, ob sie funktionsfähig für den Unterricht zur Verfügung stehen.

"Die Fernwartung wird damit etwas aufwändiger, denn neben der Serveradministration sollen auch Updates, Patches und Unterrichtssoftware per Fernwartung bereitgestellt werden. Damit entlasten wir die Grundschulen von Installationsaufgaben", erklärt Emmerich Hernadi. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die paedML in allen Pilotschulen sachgemäß eingerichtet ist. Um die Vernetzung an den Schulen zügig voranzubringen, erhält Peter Klein nun zusätzliche Unterstützung durch Klaus Feimer, der als Hotline-Mitarbeiter von Support-Netz bei den Installationen vor Ort hilft. Das Team liegt im Zeitplan: Über die Hälfte der Schulen sind inzwischen mit einem paedML-Computernetz ausgestattet.

Nach der Technik folgt die Praxis …

Grundschüler/innen im Unterricht.
Grundschüler/innen im Unterricht. Bild: stefan.eissing, Lizenz: cc

Sobald die Technik steht, erhalten alle Pilotschulen zum Schuljahr 2011/12 ein Medienpaket (mit Lernsoftware, Internetlinks und Programmen), das Grundschulexperten für den Unterricht zusammengestellt haben. Die Software wird per Fernwartung installiert. Erst die konkrete Praxis wird zeigen, ob das Servicekonzept aus paedML, Fernwartung, Medienbereitstellung und medienpädagogischer Beratung greift und eine ausreichende Unterstützung für die Medienbildung an Grundschulen bietet. Zur Evaluation hat das LMZ das Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib) beauftragt. Erste Zwischenergebnisse auf Basis von Interviews sollen Ende 2011 vorliegen. Ausführliche Infos zum Pilotprojekt finden Sie unter "Konzeption Medienbildung Grundschule".


Ansprechpartner: Dr. Peter Jaklin, Stv. Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg, Moltkestraße 64, 76133 Karlsruhe, Tel: 0721 8808-28, E-Mail:  Opens window for sending emailjaklin@lmz-bw.de

Weiterführende Informationen  finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Opens internal link in current windowanalog & digital.