Ein Netz für die Grundschule: Früh beginnen – Chancen nutzen

Monika Lüthje-Lenhart auf dem Medienkompetenztag im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM), Karlsruhe. Bild: © Arnim Weischer, LMZ

Unter dem Motto „Medienbildung früh beginnen“ startete am 12. Oktober 2011 die Auftaktveranstaltung der Medienkompetenztage im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe. Die regionalen Medienkompetenztage gehören zur Initiative Kindermedienland Baden-Württemberg, die das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) jedes Jahr gemeinsam mit den etwa 60 Stadt- und Kreismedienzentren organisiert.

Monika Lüthje-Lenhart, Grundschullehrerin und Referentin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, ging in ihrem Vortrag zum Thema „Ein Netz für die Grundschule – Praktische Unterrichtsbeispiele und technische Lösungen für den PC-Einsatz in der Grundschule“ auf folgende Themen ein:

  • Wie nutzen Grundschulkinder derzeit neue Medien im Alltag?
  • Wie sieht die Praxis mit digitalen Medien aus?
  • Wie lauten unsere Ziele zur Medienbildung?

Grundschulkinder nutzen den Computer privat häufiger als in der Schule

Nach den jüngsten Auswertungen der KIM-Studie 2010  sind Computer und Internet auch bei Kindern zwischen sechs bis dreizehn Jahren auf dem Vormarsch. Demnach zählen „drei Viertel der Kinder zu den Computernutzern, bereits jeder Zweite im Alter von sechs und sieben nutzt zumindest selten einen Rechner“ (KIM-Studie 2010 sowie analog & digital, LMZ, Seite 29). Zwischen der Computernutzung zuhause und der Mediennutzung in der Schule gibt es eine Diskrepanz: Über 50 Prozent der Sechs- bis Dreizehnjährigen nutzen einen Computer regelmäßig privat. In der Schule hingegen nutzt lediglich jedes dritte Kind den Computer und das wiederum auch nur im Rahmen eines speziellen Computerunterrichts, integrative Mediennutzung in den verschiedenen Grundschulfächern findet selten statt (vgl. KIM-Studie 2010, S. 69 bis 70).

Präventionsarbeit bereits in der Grundschule

Grundschüler arbeiten am Computer. Bild rechts: © Arnim Weischer, LMZ

Aus diesen Untersuchungen lässt sich schließen, dass die digitale Mediennutzung in der Grundschule noch eine untergeordnete Rolle spielt, wenn gleich sich immer mehr Schulen auf den Weg machen. Auf die Frage „Brauchen wir Medienbildung überhaupt schon in der Grundschule?“, antwortete Monika Lüthje-Lenhart mit einem eindeutigen „Ja“. In der Grundschule hätten Lehrkräfte noch sehr große Einflussmöglichkeiten bei der Medienerziehung und bei der Präventionsarbeit. Ihrer Erfahrung nach arbeiten Grundschüler auffallend motiviert am Computer. Sie sind hoch konzentriert, lernen schnell und nehmen Gefahren des Internets sehr ernst, wenn man sie beim alltäglichen Unterrichten immer wieder darauf hinweist. Das ist wichtig, so Lüthje-Lenhart, denn in der weiterführenden Schule und mit Einsetzen der Pubertät wird es zunehmend schwieriger, die Schülerinnen und Schüler zum verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu erziehen.

Ich bin der Chef!

In dieser Altersgruppe besitzen die meisten Kinder und Jugendlichen ein eigenes Handy und einen Computer. Viele von ihnen tauschen sich über Netzwerke aus, stellen Bilder ins Internet ein und geben dabei Daten von sich preis. Spätestens jetzt sollten die Grundlagen für Medienkompetenz gelegt sein, um sich vor Diffamierung, Belästigung und Datenmissbrauch im Netz schützen zu können.

 

Wichtigstes Ziel der Medienbildung sollte es sein, dass Grundschulkinder den Computer als Werkzeug begreifen und sich dabei klar machen: „Ich bin der Chef, du bist mein Werkzeug, ich beherrsche Dich!“

Blick nach vorne: Didaktisches Repertoire erweitern

Schön und gut. Aber verdrängt der Computer nicht klassische Aufgaben in der Grundschule wie Lesen, Schreiben, kreatives Gestalten und Sport? Diese Befürchtungen kann Monika Lüthje-Lenhart nicht teilen, „denn mit dem Computer erhalten Lehrkräfte nur ein erweitertes Repertoire an didaktischen, methodischen Möglichkeiten zur Hand, ohne dass die klassischen Aufgaben ersetzt werden sollen“. Mit Medienbildung erwerben die Kinder fächerintegrativ zusätzliche Kompetenzen, wie zum Beispiel

  • Kommunikation (z.B. Gruppenarbeit über Tauschverzeichnisse)
  • Produktion (z.B. Texte erstellen, Grafiken einbinden, Hörspiele produzieren)
  • Präsentation (z.B. Plakate entwerfen, Vorträge in einer Power-Point-Präsentation erstellen und der 2. Klasse vorstellen)
  • Analyse (z.B. Welche Medienprodukte sind geeignet?)
  • Reflektion (z.B. Lesbarkeit des Textes überprüfen)
Grundschulklasse. Bild: stefan.eissing, Lizenz: cc.

Ohne pädagogisches Computernetz macht Medienbildung wenig Sinn

Inzwischen gibt es eine Vielzahl guter Online-Medien zur Unterrichtsvorbereitung und Unterrichtsgestaltung. Am Beispiel nützlicher Links, digitalen Lernprogrammen und Online-Übungen verdeutlichte Monika Lüthje-Lenhart sehr anschaulich, wie die Lesemotivation bei Schülern gefördert, das Textverständnis verbessert und die Lesekompetenz gestärkt werden kann. Lehrkräfte sollten sich aber darüber im Klaren sein, dass das „Lernen und Arbeiten mit Medien nur sinnvoll ist, wenn die Grundschule mit einem pädagogischen Computernetz ausgestattet ist“.

An ihrer Schule wurde das Computernetz mit der paedML eingerichtet. Ein Klassenzimmer ist mit 14 PCs ausgestattet, in allen anderen Klassenräumen befinden sich ein bis zwei PCs. Auf die Frage einer Zuhörerin, ob sie denn mit dieser Netzwerklösung zufrieden sei, antwortete die Pädagogin: „Ich schätze die paedML mit ihrer pädagogischen Benutzeroberfläche“ und ergänzend fügt sie hinzu: „Ich bin allerdings auch geübt und arbeite regelmäßig damit in nahezu allen Fächern“. Klassenübergreifende Projektarbeiten sind ihr zum Beispiel wichtig, und das könne man mit den Funktionen der Schulkonsole sehr gut abbilden und steuern. Über die Funktionen „Dateien einsammeln“ gelangen die Schülerpräsentationen in den Tauschordner im Netz, von wo aus die Zweitklässler dann zugreifen können.

Grundschüler bei einer Projektarbeit mit digitalen Medien. Bild: © LMZ

Spezielle Fragen zur paedML konnten die Besucher im Foyer des ZKM an den Schulnetzberater Christian Biermann und den paedML-Entwickler Markus Finkenbein stellen. Beide sind Lehrer und kennen die paedML aus der Schulpraxis. Dabei wurde vielfach die Frage gestellt, wann die paedML für Grundschulen erscheinen würde. Zu konkreten Angaben konnten die paedML-Experten jedoch im Moment noch keine Auskunft treffen, denn das Pilotprojekt dauert insgesamt drei Jahre. In dieser Zeit testen die Grundschulen die paedML in der Unterrichtspraxis. Danach wird sich zeigen, ob das Produkt verändert und angepasst werden muss, um speziell den Unterrichtsanforderungen von Grundschulen gerecht zu werden. Christian Biermann unterrichtet als Grundschullehrer seit Jahren mit der klassischen paedML und ist damit sehr zufrieden. Dennoch, so schränkt er ein, könnte man die Schulkonsole für Lehrerinnen und Lehrer noch weiter vereinfachen bzw. auf das Notwendigste reduzieren. Nicht alle Funktionen, die die paedML aktuell bietet, werden seiner Meinung nach in der Grundschule tatsächlich benötigt. Mit der Evaluation des Pilotprojekts erhofft sich das Landesmedienzentrum hierzu fundierte Erkenntnisse für die Produktentwicklung der paedML. Im Frühjahr 2012 sollen erste Zwischenergebnisse vorliegen.