30 Netbooks an der Grundschule Wössingen

An der Grundschule Wössingen wurde im Juni/Juli 2010 der Verleih von 30 Netbooks im Klassensatz für das Projekt Klassenzeitung eingesetzt. Die Praxiserprobung erfolgte im Klassenverband der vierten Klasse mit 23 Schülerinnen und Schülern.


Der hier vorliegende Beitrag gibt einen ausführlichen Einblick in das Projekt und
spiegelt die Schilderungen der Netzwerkberaterin und die Einschätzungen des technischen Beraters am Landesmedienzentrum wider.

In welchem Verhältnis stehen die Vorbereitungen zum Gesamtergebnis? Hat sich der technische Aufwand gelohnt?

Monika Lüthje-Lenhart (Netzwerkberaterin der Schule): Probleme mit der Technik, zum Beispiel die Anmeldung und Handhabung, verzögerten und überschatteten den Umgang mit den Geräten. Erhebliche zeitliche Verschiebungen führten deshalb dazu, dass nur eine Klasse mit dem Klassensatz arbeitete. Aus den geplanten drei Wochen für eine einzige Klasse wurden acht Wochen.

 

Jürgen Wingert (technischer Berater am LMZ): Es war erst kurz vor Projektstart klar, dass 30 Lizenzen für Rembo (Kosten: 600 Euro) nötig sind. Es wurde gemeinsam entschieden, dies nicht zu investieren. Als Folge war ein Zugriff auf den Schulserver nur eingeschränkt möglich, was dazu führte, dass ...

- Schüler sich nur auf einem für sie eingerichteten Netbook anmelden konnten,
- Drucken von den Netbooks aus nicht möglich war und
- der Zugriff auf Homeverzeichnisse und Internetzugang nicht eingeschränkt war.

Bild: David Gilmour, Lizenz: cc

Wo gab es Reibungspunkte, Probleme?

Lüthje-Lenhart: Die Einbindung der Netbooks ins Schulnetz war mit viel Aufwand verbunden. Jedes Kind musste sich an einem bestimmten Netbook anmelden (Netbooks wurden nummeriert und zugewiesen). Nur mit diesem konnte es im Schulnetz arbeiten. Nach mehreren Anläufen lief jedoch die Arbeit mit den Netbooks so, dass sie intensiv genutzt wurden.

Hat die Technik funktioniert?

Lüthje-Lenhart: Das arbeitsplatzunabhängige Arbeiten, wie die Schülerinnen und Schüler es im Schulnetz gewöhnt waren, funktionierte nicht. Die WLAN Verbindung funktionierte dagegen problemlos. Das nötige Aufladen der Netbooks, die ohne Kabel zum Einsatz kamen, wurde erst als Problem erkannt, als die Akkus bereits leer waren. Druckaufträge gelangen nicht direkt von den Netbooks aus.

 

Wingert: Die Akkuproblematik ist nur lösbar, wenn die Lehrkraft einen Akkutausch vornimmt. Hier ist eine „Akkustation“ mit drei bis vier Ersatzakkus notwendig, Schüler können dann den Akkutausch selbständig vornehmen. Druckaufträge sind nur mit korrekter Servereinbindung möglich, was aufgrund fehlender Rembo-Lizenzen nicht möglich war.

Bild: Sean's Sugar photos, Lizenz: cc

Wie kam die Lehrkraft mit dem Handling der Netbooks zurecht?

Lüthje-Lenhart: Die Kollegin zeigte sich offen für die Chance mit 30 Netbooks zu arbeiten, war dann aber erschrocken über komplizierte Anforderungen, die an sie gestellt wurden und das technisches Verständnis, das von ihr vorausgesetzt wurde. Ohne Hilfe durch das Landesmedienzentrum hätte sie sehr schnell aufgegeben. Den umständlichen täglichen Auf- und Abbau der Geräte hat sie so gelöst, dass den Kindern im PC-Raum ein Regal mit nummerierten Plätzen zur Verfügung gestellt wurde. Jedes Kind holte sich sein Netbook und brachte es wieder zurück. War das Netbook leer, wurde es im PC-Raum an ein Netzgerät angeschlossen und aufgeladen. Es wurde als sehr hinderlich empfunden, die Geräte ständig aufladen zu müssen. Eine „Ladestation“ hat nicht gereicht. Nie hätte die Kollegin die einzelnen Akkus herausgenommen oder herausnehmen lassen, um die Netbooks gleichzeitig zu laden. Die Tauschfunktion wurde aus Zeitmangel und technischer Unsicherheit der Kollegin nicht angewendet. Es musste an Vieles gedacht werden, vom Einschalten der Antennen bis zum Laden der Geräte. Alles erforderte viel Konzentration, Zeit und technisches Wissen.

 

Wingert: Zu den oben genannten Einschränkungen kam hinzu, dass während der Projektlaufzeit keine direkte Unterstützung von der Schulnetzberatung angefordert wurde. Dabei wäre die Problematik „leerer Akku“ lösbar gewesen, den Druckvorgang hatte ich erklärt. Auch hatte ich im Vorfeld einen Netbook Wagen vorgeschlagen, der den Vorgang „Aufräumen“ und „Laden“ regelt. Das ist jetzt umgesetzt.

Bild: mjmonty, Lizenz: cc

Wie kamen die Lernenden mit den Netbooks zurecht?

Lüthje-Lenhart: Die Schülerinnen und Schüler waren interessiert bei der Sache und gingen gewissenhaft mit den Netbooks um. Sie warteten geduldig bei der Anmeldeprozedur, bis sie an der Reihe waren. Unfälle passierten nicht. Das tägliche Anmelden benötigte zwei bis drei Schritte mehr als im gewohnten Schulnetz, womit die Kinder aber schnell klar kamen. Hauptsächlich wurde in Einzelarbeit mit dem zugewiesenen Netbook gearbeitet, um Texte zu verfassen und vor allem für die Internet-Recherche. Mit Tastatur und Bildschirm kamen die Schüler gut zurecht, die Bedienung erwies sich als einfach und unkompliziert. Texte wurden mit OpenOffice erstellt. Hier gab es aber große Probleme und Unsicherheit beim Abspeichern als Word-Dokumente im Schulnetz, da die Formatierung oft nach dem Abspeichern nicht mit dem Original überein stimmte. Positiv war, dass es keinen „Kabelsalat“ im Klassenzimmer gab. 

 

Wingert: An vielen Schulen wird die kostenlose Software OpenOffice genutzt. Es wird allerdings immer wieder von diesen Einstiegsproblemen berichtet. Auf den Netbooks war aus rechtlichen Gründen und Kostengründen bewusst nur kostenlose Software installiert.

Wirkten sich die 30 Netbooks organisatorisch, methodisch beziehungsweise didaktisch als Erleichterung und Verbesserung für den Produktionsprozess (Erstellung einer Klassenzeitung) und dessen Ergebnis aus?

Lüthje-Lenhart: Es gab keine Konkurrenz-Situationen bezüglich der Nutzung des PC-Raumes mit anderen Gruppen oder Klassen. So war entspanntes individuelles Arbeiten möglich und die Schüler durften immer, wenn sie Zeitfenster offen hatten, an ihren Artikeln arbeiten (Werkstattcharakter). Am besten funktionierte die Internetrecherche. Hier waren die Lernenden in der Lage, Informationen aus dem Internet zu holen, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen – ohne Zeitdruck und bei ruhiger Arbeitsatmosphäre.

Bild: Sean's Sugar photos, Lizenz: cc

Wünsche, Tipps für den zukünftigen Einsatz der Netbooks als Klassensatz?

Lüthje-Lenhart: Die Kollegin wünscht sich im Nachhinein mehr Einarbeitungszeit und mehr Betreuung. Man sollte zukünftig zwei bis drei Wochen Einarbeitungszeit für Lehrkräfte und Schüler einrechnen, ehe das Projekt an sich beginnt. Mehrwert wurde uneingeschränkt nur bei der Internetrecherche gesehen. Die Vorteile, die die Kollegin in der Arbeit mit der Musterlösung hat, vermisste sie bei den Netbooks, die viele Vorteile der Musterlösung nicht bieten konnte – vor allem das arbeitsplatzunabhängige Arbeiten, die einfachere Anmeldung, das Schreiben und Speichern der Word-Dokumente und das Drucken.

 

Wingert: Stichwort Rembo Lizenzen.

Fazit der Netzwerkberaterin Monika Lüthje-Lenhart

Die technischen Schwierigkeiten bei der Einbindung der Netbooks ins Schulnetz verzögerten den Einsatz der Netbooks bis nach den Pfingstferien. Die Handhabung wurde als sehr schwierig empfunden. Durch diverse zusätzliche schulische Termine wie Projektwoche, Schulfest wurden die Netbooks bis Ende des Schuljahres nur einer Klasse verwendet und die Praxiserprobung zum Einsatz als PC-Inseln für alle Klassen der Grundschule nicht mehr durchgeführt. Empfehlungen für den zukünftigen Einsatz:

  • Mehr Zeit einplanen – mindestens drei Monate pro Schule.
  • Intensivere Betreuung der Lehrkräfte durchführen.
  • Als Klassensatz sind Netbooks nicht empfehlenswert, da viel Aufwand durch das ständige Aufladen der Geräte-Akkus nötig ist.
  • Mobile Geräte besser als Computer-Inseln einführen, die aus drei Netbooks pro Klasse bestehen, also mit Kabelanschluss.
  • Drucker vorher einrichten.
  • Einbindung ins vorhandene Schulnetz sollte flüssiger laufen.
  • Falls von Standard-Software abweichende Programme eingesetzt werden (etwa OpenOffice statt Microsoft-Office), sollte auf weitgehende Kompatibilität geachtet werden, besonders beim Dateiformat.
  • In Schulen ohne Schulnetz klären, wie Jugendschutz bei Internet-Recherche geregelt wird.
  • Warten auf paedML-mobil?
Bild: Sean's Sugar photos, Lizenz: cc

Fazit des Schulnetzberaters Jürgen Wingert

Aus meiner Sicht als technischer Betreuer gab es zu Beginn zu viele Abweichungen von der Planung. Insbesondere wurden die technischen Unsicherheiten der Lehrkräfte zu Beginn nicht richtig eingeschätzt und verursachten später im Unterricht Stress.

Ein Telefonat mit der Lehrerin ist für mich bemerkenswert: Sie berichtete, sechzehn ihrer Schüler waren im Klassenzimmer mit je einem Netbook im Schulnetz und haben gearbeitet. Die Schüler konnten sich gegenseitig helfen, sie selbst beobachtete. Dies war möglich, da keine Steckdosen für Stromversorgung benötigt wurden und auch keine Netzwerkkabel nötig waren, denn die Geräte hatten über Funkverbindung mit dem Server Kontakt.

Hier zeigt sich die Stärke der Netbooks und deren Anbindung. Es gibt keinen „Kabelsalat“, der in einem Klassenzimmer gefährlich ist. Es wurde eine WLAN Technik verwendet, die erheblich mehr Bandbreite zur Verfügung stellt und bei der es in der Regel keine Wartezeiten gibt. Es muss aber angemerkt werden, dass diese Technik teuer ist.

Die Lehrkraft hat in diesem Projekt einen Schalter für das System, nach wenigen Minuten ist die volle Funktionalität vorhanden. Bei einer Festinstallation in einer Schule laufen alle Vorgänge automatisch ab.

 

Der Vorschlag von Frau Lüthje-Lenhart, „kleine Inseln“ einzurichten, ist sicher richtig. Das ist aber auch mit PCs möglich, dazu werden nicht die teuren und im Support aufwändigeren Netbooks benötigt. Wird im Rahmen eines Projektes die Arbeit an mehr als vier Geräten nötig, sind die Netbooks mit der WLAN Anbindung aus meiner Sicht die einzige Lösung. Denn die Kabelanbindung der Geräte wird sonst zur Stolperfalle.