paedML® an der Grundschule: Fit in die Medienzukunft

Die Gustav-Wiederkehr-Schule in Mannheim macht sich fit in Sachen Medienbildung. Seit dem Schuljahr 2016/2017 ist sie eine von rund zwanzig Referenzschulen in Baden-Württemberg. Jutta Gräber-Theunissen, Medienpädagogische Beraterin (MPB) und der Schulnetzberater (SNB) Philipp Scheffzek vom Stadtmedienzentrum Mannheim begleiten die Grundschule auf ihrem Weg zur Umsetzung von Medienbildung im Unterricht. Unsere Autorin, Johanna Stegmann vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, war mit den beiden Beratern im Gespräch und hat mit ihnen über die ersten Schritte der Schule gesprochen.

1. Was ist Ihre Aufgabe als Medienpädagogische Beraterin (MPB) bzw als Schulnetzberater (SNB) an der Gustav-Wiederkehr-Schule?

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Gräber-Theunissen: Meine Aufgabe als Medienpädagogische Beraterin (MPB) ist es, zusammen mit dem Schulnetzberater (SNB) Philipp Scheffzek, Grundschulen bei der Umsetzung von Medienbildung im Unterricht zu unterstützen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit dem Kollegium, ein an die  Bedürfnisse und Rahmenbedingungen der Gustav-Wiederkehr Schule angepasstes Medienbildungskonzept (Medienentwicklungsplanung) zu erstellen und Medienbildung in den vier Klassenstufen nachhaltig zu verankern. Auf diesem Weg begleiten wir die Schule und unterstützen Lehrkräfte bei der Planung und Durchführung ihrer Unterrichtsstunden mit Medien. Unsere mehrtägige Präsenz am Stadtmedienzentrum Mannheim und (im gleichen Gebäude) räumliche Nähe zum Schulträger erleichtern unsere Arbeit durch kurze Kommunikationswege und ermöglichen somit eine enge Kooperation mit allen Mitarbeitern des Stadtmedienzentrums und dem Schulträger, der technische Unterstützung und die notwendige Ausstattung gewährleistet.

 

Scheffzek: Frau Gräber-Theunissen ist für die pädagogische Seite zuständig und ich kümmere mich um die technischen Dinge. Trotzdem arbeiten wir eng als Tandem zusammen. In meiner Funktion als SNB berate ich die Schule zur Ausstattung, dem Aufbau und Einsatz ihres Computernetzwerkes. Neben der technischen Hardwareausstattung gehört beispielsweise die Empfehlung geeigneter Software für den Unterricht zu meinen Aufgaben. Die Gustav-Wiederkehr-Grundschule hat die paedML für Grundschulen seit Sommer 2016 installiert. Meine Aufgabe als Schulnetzberater, zusammen mit Frau Gräber-Theunissen ist es nun, die Grundschule bei der Umsetzung Ihres Medienentwicklungsplanes zu beraten und das Kollegium mit der paedML vertraut zu machen. Dass in diesem Prozess technische Hürden überwunden werden können, ist der tatkräftigen Unterstützung der für Schulen zuständigen „Netzwerkern“ der Stadt Mannheim massgeblich zu verdanken.

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2. Die Kombination aus Schule, Kindern und der Nutzung von Medien – was bedeutet das für Sie?

Scheffzek: Ganz wichtig finde ich es, dass Kinder eine gewisse Medienkompetenz entwickeln. Medienkompetenz bedeutet, die Schülerinnen und Schüler in den Punkten Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung aufzuklären und zu qualifizieren. Dazu gehört für mich auch, dass sie sich nicht von all diesen Geräten zu sehr vereinnahmen lassen und abhängig machen. Stattdessen sollen Selbstbestimmtheit und eine kritische Auseinandersetzung im Umgang mit Medien gestärkt werden.

 

Gräber-Theunissen: Da Kinder bereits im Grundschulalter mit der digitalen Welt in Berührung kommen, und nicht alle von ihren Eltern dabei begleitet werden, wird der Schule diese Aufgabe zuteil.

Ein weiterer Aspekt ist die Möglichkeit, traditionelle „analoge“ Aufgabenstellungen mit Medien kreativ zu erweitern. Kinder finden es beispielsweise spannend, ein Gedicht zu vertonen oder als Trickfilm zu verfilmen. Ein solches Angebot bietet die Chance, sich auf unterschiedlichen Lernwegen einem Unterrichtsthema zu nähern. Gleichzeitig machen Schülerinnen und Schüler die Erfahrung, dass sie eine Vielzahl von digitalen Werkzeugen für unterschiedliche Aufgaben nutzen können. Auch das gehört aus meiner Sicht zu Medienkompetenz.

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3. Auf welchem medialen Wissensstand befand sich das Kollegium der Gustav-Wiederkehr-Grundschule zu Beginn Ihrer Arbeit?

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Gräber-Theunissen: Der Wille und die Motivation des Kollegiums, etwas Neues auszuprobieren, sind groß. In  kleinen Schritten machen wir uns auf den Weg. In kleinen Schritten deshalb, weil  Vorerfahrungen hinsichtlich der Mediennutzung im Unterricht sehr unterschiedlich sind: Einige Lehrkräfte arbeiten regelmäßig  mit ihren Schülerinnen und Schülern im Computerraum und fühlen sich sicher.

Andere wiederum haben viele Ideen, trauen sich jedoch bisher noch nicht zu, die Umsetzung ohne Begleitung anzupacken.

 

 

Scheffzek: Es ist eine Sache, am heimischen PC zu arbeiten. Ganz anders ist das Arbeiten mit Medien im schulischen Kontext. Lehrerinnen und Lehrer sind dabei mit vielen unbekannten Strukturen konfrontiert. Zu Hause hat man einen Computer zu überblicken – in der Schule sind es 20 Bildschirme gleichzeitig, das stellt eine gewisse Herausforderung dar. In diesem Prozess für Mut zu sorgen, dafür sind wir gerne da.

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4. Was waren die ersten Schritte Ihrer gemeinsamen Zusammenarbeit?

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Scheffzek:  Bisher hatten wir zwei große Treffen mit dem gesamten Kollegium. Im ersten Treffen haben wir darüber informiert, wie Medienbildung im Bildungsplan verankert ist.

 

Gräber-Theunissen: Das zweite Treffen war praktisch ausgelegt. Wir haben Beispiele gezeigt, wie Medien konkret in den Grundschulunterricht eingebunden werden können.

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5. Die Steuergruppe

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Scheffzek:  Zusätzlich zu den großen "runden Tischen" mit dem gesamten Kollegium treffen wir uns in einer kleineren Gruppe, der Steuergruppe, bestehend aus Schulleitung, stellvertretendem Schulleiter, der Multimediaberaterin und fünf Lehrkräften der Grundschule sowie MPB und SNB.

 

Gräber-Theunissen: Uns ist  es wichtig,  alle "mit ins Boot zu nehmen". In der Steuergruppe sind deshalb auch bewusst Kollegen vertreten, die mit dem Einsatz von Medien noch nicht sehr vertraut sind. Gemeinsam entwerfen wir Etappen für unseren Weg, konkrete Unterrichtsvorhaben, welche in einem festgesteckten Zeitfenster mit Hilfe von uns  Beratern umgesetzt werden.

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6. Was sind die konkreten Pläne der nächsten Etappe?

Gräber-Theunissen: Bis Ostern beschäftigen wir uns mit dem Thema Textverarbeitung. Dabei geht es um das Verfassen als auch die Gestaltung von Texten, angefangen vom Schreiben kleiner Texte, der korrekten Verwendung von Steuerzeichen, einfachen Formatierungsübungen bis zum Einbinden von Cliparts.

 

Scheffzek: In monatlich stattfindenden Workshops geben wir den Lehrkräften zusätzlich Input. Die Viertklässler planen anlässlich des Schulfestes im Sommer eine Zeitung. Dazu bieten wir beispielsweise einen Workshop an, in dem es dann ganz konkret nur um die Themen Text, Layout, Gestaltung und Druck gehen wird. In einem anderen Workshop erklären wir, wie man Namensschilder für die Kinder in verschiedenen Farben schreiben kann oder Clip Arts einfügt. Außerdem gehen wir auf Wunsch mit in die Klassen und begleiten die verschiedenen Unterrichtsvorhaben. Wir sind also einmal im Monat für den Workshop an der Schule plus zwei bis drei Mal nach Bedarf.

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7. Wann können Sie ruhigen Gewissens sagen: unser Auftrag an der Gustav Wiederkehr Grundschule ist erfüllt?

Scheffzek: Wir haben festgestellt, dass ein Medienentwicklungsplan ein Endlosprojekt ist. Für mich ist der Auftrag erfüllt, wenn die Schule einen Großteil ihrer Ziele hinsichtlich der Medienbildung erreicht hat. Eingangs erwähnte ich, wie wichtig es ist, Kinder in Sachen Medienkompetenz zu qualifizieren. Wenn man dies nun auf die Schule ausweitet, so sehe ich meinen Auftrag dann erfüllt, wenn sich die Lehrkräfte bei der Auswahl, Analyse und Bewertung von Medien sicher fühlen und Medien aktiv in ihre Unterrichtsgestaltung mit einbeziehen.<xml></xml>

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