Mobile Device Management in der Schule

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Mobile Device Management in der Schule

Auf dem Bildungskongress des Landesmedienzentrums, der am 23. Oktober 2017 in Stuttgart unter dem Titel Perspektiven der Digitalisierung in der Schule stattfand, bekräftigte Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann unter anderem, dass es in den kommenden Jahren darauf ankommen werde, die Digitalisierung im Unterricht curricular und methodisch-didaktisch zu verankern. In dieser Hinsicht gelte es zum einen, die Lehrkräfte zu qualifizieren, zum anderen bestehe eine wesentliche Aufgabe darin, die technischen Voraussetzungen in den Schulen zu schaffen. [1]

Zu den „Perspektiven der Digitalisierung in der Schule“ kann zweifelsfrei der Einsatz mobiler Endgeräte im Unterricht gezählt werden. Die Potenziale von Tablet & Co. sowie deren lernförderlicher Mehrwert wurden bereits an vielen Stellen erörtert. [2] Zugleich steht fest, dass ein reibungsloser Unterrichtsablauf unter Einbindung mobiler Endgeräte nur dann erreicht werden kann, wenn die technischen Strukturen solide und verlässlich sind und Lehrkräfte sich in einem strukturierten und gut zu steuernden, vor allem aber sicheren digitalen Klassenzimmer bewegen.

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Gewiss lassen sich einzelne mobile Endgeräte noch eigenständig und pro Gerät von schulischen IT-Administratoren und zuständigen Lehrkräften konfigurieren. Ab einer größeren Anzahl an Tablets, Smartphones oder Laptops wird die Verwaltung jedoch sehr aufwändig, technisch anspruchsvoll und komplex, insbesondere im Hinblick auf die Integration in schulische Netzwerkinfrastrukturen und auf Sicherheitsfragen. An diesem Punkt wird der Einsatz eines Mobile Device Management Systems (MDM) unumgänglich. Ein MDM liefert ein softwarebasiertes Konzept zur zentralen Verwaltung von mobilen Endgeräten. Grundlegende Konfigurationen und Einstellungen in puncto Inventar, Datensicherheit, Updates oder Benutzerverwaltung können mit Hilfe eines MDM übergeordnet für sämtliche mobile Endgeräte im Netzwerk vorgenommen werden.

Doch die Nutzung von Tablets und Smartphones im Unterricht stellt besondere Anforderungen an Schulen und Schulträger.

  • Die Herausforderungen resultieren erstens aus der Tatsache, dass mobile Geräte als persönliche Arbeitsgeräte konzipiert sind. Im schulischen Kontext hat jedoch meist mehr als ein Schüler Zugriff auf ein und dasselbe Gerät, wodurch  spezielle Konfigurationen vorzunehmen sind.
  • Zweitens sind im Bildungsbereich besondere Schutzbestimmungen einzuhalten und insbesondere in Bezug auf die in Deutschland geltenden Jugendschutzgesetze und den Datenschutz zu beachten. So ist es notwendig den Zugriff auf bestimmte System- oder Clouddienste für Schüler zu unterbinden und das Übertragen von Telemetriedaten zu verhindern.
  • Drittens erwächst aus dem Unterricht mit digitalen Medien die Anforderung, dass Lehrkräfte gezielt Inhalte auf Schüler-Tablets einsehen, bei Bedarf einschränken und überwachen können. Aus Sicht der unterrichtenden Lehrkraft ist es wichtig, dass die schulischen Tablets mit einem einheitlichen Software-Paket ausgerüstet sind und einheitliche Sicherheitsrichtlinien eine definierte Konfiguration der Geräte gewährleisen. Die von Schülern erstellten Unterrichtsergebnisse (das heißt, die erstellten Daten) sollten zentral gespeichert und schnell wieder gelöscht werden können.[3] Um den Arbeitsaufwand an der Schule überschaubar zu halten, ist ein schultaugliches Tablet-Management-System (MDM) notwendig, das die Tablets weitgehend automatisch verwaltet, absichert und zentral konfiguriert. Außerdem brauchen Lehrkräfte eine einfach bedienbare App (sog. „Classroom-App“), mit der sie den Unterricht steuern können.
  • Viertens bringt der Einsatz mobiler Endgeräte an Schulen die Notwendigkeit mit sich, dass Geräte nach der Benutzung und vor der Weitergabe an andere Schülerinnen und Schüler zurückgesetzt werden müssen. Wünschenswert ist dabei, dass die Gerätestruktur mitsamt den schulinternen Voreinstellungen erhalten bleibt. [4]
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Die Einbindung von mobilen Endgeräten in schulische Computernetzwerke gehört zu einer der wichtigsten Zukunftsaufgaben der Produktentwicklung am Landesmedienzentrum. Hierfür wurde im Oktober 2017 eine Projektgruppe unter Leitung von Roland Walter eingerichtet, die sich mit den Prämissen eines schulischen Mobile Device Managements beschäftigt und in enger Zusammenarbeit mit Schulnetzberatern und Lehrern testet, ob und inwieweit der Einsatz von Tablets und MDM an Schulen Erfolg verspricht. Angesichts der Tatsache, dass Features wie Geräteverwaltung und -konfiguration, Softwareausstattung oder unterrichtssteuernde Funktionen zum Umfang der paedML-Versionen gehören und deren Einsatz im Unterricht alltäglich ist, ist es eines der erklärten Ziele, ein Mobile Device Management zu integrieren, das sich über die PaedML-Versionen steuern lässt.

Aus einer Vielzahl an MDMs hat das LMZ entschieden, mit der MDM-Lösung der Firma M-Way Solutions in die praktische Pilotphase zu gehen. Relution for Education hat sich u.a. aufgrund seiner Systemarchitektur, der Kompatibilität mit den marktführenden mobilen Betriebssystemen, der Datenschutzkonstellation (Server in Deutschland) und einer hohen Update-Frequenz gegenüber anderen MDM-Lösungen durchgesetzt.

Modellschulen gesucht: Aktuell wird landesweit an Modellschulen der praktische Einsatz von Tablets im Unterricht sowie deren Steuerung und Verwaltung über ein MDM unter Einbindung der Relution-Lösung getestet. Das LMZ sucht Schulen für eine einjährige Erprobungsphase des Softwareprodukts "Relution for Education". Interessierte Schulen können sich hier zur Teilnahme am Modellversuch Tablet-Management informieren und bewerben.

Quellen

[1] Vgl. Bounin, Ingrid: Dr. Susanne Eisenmann: Auf dem Weg zu einer digitalen Bildungsplattform. Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (Hrsg.). 23.10.2017 [2.1.2018]

[2] Vgl. Schnell, Constantin: Praxisforum 2: Lernen mit mobilen Endgeräten. 23.10.2017. [2.1.2018] und weiterführend:
Bastian, Jasmin und Aufenager, Stefan (Hrsg.): Tablets in Schule und Unterricht. Forschungsmethoden und -perspektiven zum Einsatz digitaler Medien. Wiesbaden 2017.
Schaumburg, Heike: Chancen und Risiken digitaler Medien in der Schule. Medienpädagogische und didaktische Perspektiven. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) 2015 [2.1.2018].

[3] Vgl. M-WaySolutions GmbH (Hrsg.) Relution. Mobilizing Enterprises: Tablets im Schuleinsatz managen. Version 1.4. Stand 09/17. Seite 3-4 [25.1.2018].

[4] Vgl. Welling, Stefan: Evaluation eines Modellversuchs mit Tablets am Hamburger Kurt-Körber-Gymnasium. ifib GmbH/ Universität Hamburg (Hrsg.) 2014 [2.1.2018]