Soziale Netzwerke – ein Ratgeber für Eltern

Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Lizenz: CC BY-NC-SA

Eine sehr beliebte Beschäftigung von Kindern und Jugendlichen im Internet ist die Kommunikation mit anderen in Sozialen Netzwerken. Das sind virtuelle Gemeinschaften, in denen sich Menschen aus aller Welt treffen und austauschen können. Dazu erstellt jede Nutzerin und jeder Nutzer ein eigenes Profil mit persönlichen Angaben (Hobbies, Musik, Filme, besuchte Schulen etc.), kann Fotos hinzufügen und diversen Gruppen beitreten, die sie/er interessant findet. Die Kommunikation untereinander findet über Pinnwände (= virtuelles schwarzes Brett), Nachrichten-, Chat- und Anruf-Funktionen statt. Soziale Netzwerke funktionieren folglich auf der Basis einer Gemeinschaft mit Kontakten beziehungsweise Freunden.

 

Die Mehrheit der Jugendlichen (64 Prozent, vgl. JIM-Studie 2015) nutzen diese Dienste mit dem Smartphone. Entsprechend sind Apps, die einen Zugang zu einer solchen Kommunikationsplattform bieten, für die Heranwachsenden besonders wichtig. Neben Facebook, haben dabei zunehmend auch Angebote wie YouTube, Instagram und WhatsApp (siehe Kapitel „Chats und Messenger“ sowie „YouTube“) an Bedeutung gewonnen. Während bei Instagram vor allem Bild- und Videonachrichten verschickt werden, die mit verschiedenen Filtern verfremdet werden können, setzt der WhatsApp-Messenger als Nachrichten-Dienst auf das kostenfreie Versenden von Kurznachrichten, Bildern, Videos, Kontakten und Standortdaten via Internet. Bei YouTube können in eigenen „Kanälen“ Videos veröffentlicht beziehungsweise die Videos anderer bewertet und geteilt werden.

 

Die Faszination der Kommunikation in Sozialen Netzwerken liegt dabei unter anderem in der Möglichkeit,

  • sich über Texte, Statusmeldungen, Links, Fotos oder Videos selbst darzustellen,
  • sich zu orientieren und dabei zu erfahren, womit sich die anderen beschäftigen, mit wem sie befreundet sind, und wie sie sich präsentieren,
  • sich in diesen Räumen auszuprobieren und mit der eigenen Identität zu spielen,
  • über Nachrichten, Chat, Pinnwandeinträge oder Kommentare zu kommunizieren und auf dem neusten Stand zu sein,
  • über Gruppenzugehörigkeit, Fotos und Markierungen Gemeinschaft herzustellen und zu pflegen,
  • Online-Games zu spielen,
  • sich kreativ zu betätigen, beispielsweise über das Erstellen und Teilen von Fotocollagen,
  • Informationen zu vielfältigsten Themen zu erhalten.

     

    Mit den Sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten organisieren Jugendliche ihren Alltag und vor allem ihre Beziehungen. Vielfach holen sie sich in diesen Sozialen Netzwerken neben Unterhaltung und Kommunikation auch Anleitungen, Informationen und Hintergrundwissen zu schulischen, politischen oder auch alltäglichen Fragen (mehr dazu im Kapitel YouTube). Dabei spielt vor allem die Anzahl der Follower für viele Jugendliche eine maßgebliche Rolle. So ist diese beispielsweise bei der Plattform YouNow entscheidend, um in den Levels aufzusteigen und dadurch Belohnungen und Features freizuschalten. Je höher das Level ist, umso mehr können die Benutzer erleben. Auch auf Sozialen Plattformen, wie Facebook oder Twitter, bildet die Anzahl an Freunden und Followern häufig ein relevantes Statussymbol, um Beliebtheit auszudrücken. Man ist mit vielen bekannt, selbst wenn man sie möglicherweise nur einmal gesehen hat. Diese Medienangebote helfen den Jugendlichen bei der Entwicklung ihrer eigenen Persönlichkeit und beim Identitätsmanagement.


    Soziale Netzwerke leben vom Veröffentlichen, Auswerten und Weitergeben persönlicher, teils durchaus sensibler Daten. Daher ist es wichtig, sein Profil angemessen zu schützen und im Blick zu haben, was Anbieter und andere Interessierte, die auf das Profil zugreifen können, mit den freiwillig preisgegebenen Informationen machen können. Dabei sollte stets die rechtliche Seite mitbedacht werden, denn gepostete Fotos, Bilder oder Videos dürfen – wenn man nicht der Urheber des Werkes ist – nicht einfach so hochgeladen und mit anderen geteilt werden (mehr Informationen dazu siehe Tipps für Eltern). Alle Angaben auf einem Profil werden inzwischen für Werbezwecke, aber zum Beispiel auch von Unternehmen, die jemanden einstellen wollen, ausgewertet und unbedachte oder ungenügende Profilpflege kann zu Nachteilen oder zur Verletzung von Rechten Dritter oder Cybermobbing-Attacken führen.

    Tipps für Eltern

    • Machen Sie sich klar, dass alle Aktivitäten in Sozialen Netzwerken im Prinzip in der Öffentlichkeit, wie auf einem Marktplatz, stattfinden. Die digitalen Dienste bieten in der Regel die Möglichkeit, die Sichtbarkeit der Inhalte und Informationen für andere einzuschränken. Um die Privatsphäre innerhalb der einzelnen Sozialen Netzwerke zu schützen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen, bietet die EU-Initiative Klicksafe detaillierte Anleitungen und Empfehlungen.
    • Die Einstellungen der Privatsphäre zu regeln, beginnt bereits mit dem Anlegen eines Profils. Hier sollten keine Kontaktdaten wie Adressen, Telefonnummern oder weiterführende Links auf private Informationen angegeben werden. Es ist wichtig, sich im Vorfeld zu überlegen, wie man von anderen gesehen werden möchte. Dürfen alle alles wissen? Sprechen Sie mit Ihren Kindern über diese Fragen und gehen Sie gemeinsam die Privatsphäre-Einstellungen durch. Bei Facebook beispielsweise können Sie Ihre Freunde in Listen organisieren, bei denen Sie gezielt festlegen mit welchen Freunden Sie mehr und mit welchen Sie weniger Informationen teilen möchten.
    • Bevor ein Beitrag, ein Bild oder sogar ein selbstgedrehtes Video in einem Sozialen Netzwerk gepostet wird, gilt stets der Grundsatz: „Denk nach, bevor du etwas postest!“ Dabei sollte nicht nur der Inhalt selbst überdacht werden, sondern auch die Konsequenzen, die ein solcher Post ggf. für sich und andere mit sich bringen kann.
    • Machen Sie Ihren Kindern bewusst, dass es wichtig ist, alle Sozialen Netzwerke als ein Ganzes zu betrachten. Nutzt Ihr Kind beispielsweise die Angebote Facebook, WhatsApp und Instagram, so laufen alle Daten, die bei den einzelnen Plattformen preisgegeben werden, bei Facebook zusammen. Das Unternehmen hat mittlerweile Instagram und WhatsApp aufgekauft und sich den Datenaustausch mit den Tochterunternehmen in den AGBs von allen Nutzern einräumen lassen.
    • Machen Sie Ihren Kindern deutlich: Sicherheitsvorkehrungen müssen bei allen Plattformen getroffen werden und ggf. für jedes einzelne Gerät, mit dem man das Internet nutzt.
    • Schaffen Sie ein Bewusstsein dafür, dass nicht alle Fotos beliebig genutzt, online gestellt oder geteilt werden dürfen. Haben Sie das Foto nicht selbst gemacht und die Nutzungsrechte nicht erfragt, verstößt das Veröffentlichen gegen das Urheberrechtsgesetz. Sind weitere Personen abgebildet, deren Einverständnis für die Veröffentlichung nicht eingeholt wurde, widerspricht das dem Persönlichkeitsrecht. Darüber hinaus gilt für persönliche Bilder: Mit einem Foto, das man als Jugendlicher postet, kann man theoretisch ein ganzes Leben lang konfrontiert werden, denn das Internet vergisst nichts.
    • Zeigen Sie Ihren Kindern Alternativen: So bietet beispielsweise der Nachrichten-Messenger „Threema“ die gleichen Möglichkeiten, wie WhatsApp. Jedoch wird hier die Kommunikation durch eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert, sodass nur die Chatpartner die Nachrichten entschlüsselt erhalten und kein Dritter mitlesen kann.
    • Melden Sie sich in den Netzwerken an, in denen Ihre Kinder aktiv sind, und bleiben Sie auf dem Laufenden, was Neuerungen angeht. Sie sollten für Ihre Anmeldung bei einem Netzwerk eine neue E-Mail-Adresse anlegen, die Sie nur für solche Netzwerke nutzen und die Sichtbarkeit Ihres Profils zunächst einschränken, um sich in Ruhe mit der Plattform vertraut machen zu können.
    • Viele Soziale Netzwerke setzen ein Mindestalter voraus. So ist eine Anmeldung bei Facebook ab 13 und bei WhatsApp laut AGB erst ab 16 Jahren erlaubt.

    Nützliche Links

    Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Soziale Netzwerke
    Auf dem Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zur Medienbildung finden Sie zu allen Themen dieses Ratgebers umfangreiche Links und Materialien. Die Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ergänzt.


    klicksafe.de
    Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet umfangreiches Informationsmaterial und Broschüren zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit Sozialen Netzwerken an. Dabei werden die Plattformen für den Computer und als mobile Version für das Smartphone gleichermaßen beleuchtet.


    Facebook
    Auf Facebook haben auch Nicht-Mitglieder die Möglichkeit, den Hilfebereich sowie die Nutzungsbedingungen zu lesen. Diese befinden sich ganz unten auf der Website.


    watch your web
    Jugendliche finden auf dieser Seite unter anderem Antworten auf die Frage nach einer sicheren Nutzung von sozialen Netzwerken.


    handysektor
    Die Internetseite unterstützt Jugendliche im kompetenten Umgang mit mobilen Medien. Dabei greift sie ebenfalls weiterführende Themen wie Cybermobbing, Datenschutz und versteckte Kosten auf.

     

    Internet-ABC
    Die Internetseite des Internet-ABC ist sowohl für Kinder als auch für Erwachsene interessant, denn so bietet sie nicht nur ein Lernmodul zum Thema „Soziale Netzwerke“ an, um die Heranwachsenden spielerisch mit dem Umgang solcher Plattformen vertraut zu machen, sondern stellt auf der Erwachsenenseite detailliertes Informationsmaterial zu gleichnamigem Thema bereit (In den Sprachen Deutsch und Türkisch erhältlich!).

    Zahlen & Fakten

      Weltweit nutzen...

      ... 900 Millionen Menschen aktiv den WhatsApp-Messenger (statista.com)
      ... 700 Millionen Menschen den Facebook-Messenger
      ... 400 Millionen Menschen Instagram (allfacebook)
      ... 1,55 Milliarden Menschen Facebook (Vergleich zu 2013: 1,189 Milliarden)
      ... 1 Milliarde Facebook-Nutzer loggen sich täglich ein.

      (Quelle: allfacebook.de und statista.com)

      Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.