Forum 3: Coding und Programmieren in der medienpädagogischen Praxis

„Hack to the future“ – Erfahrungsbericht über Hackathons

Hanno Wagner; Bild: Sascha Schmidt

Was ist denn überhaupt ein Hackathon? So begann Hanno Wagner vom Chaos Computer Club Stuttgart (CCCS) seine Präsentation. Und lieferte natürlich gleich die Definition: In einem kurzen Zeitraum in einer Gruppe ein Softwareprodukt erstellen und vorstellen. Ursprünglich kommt der Begriff (und auch die Idee) von Silicon-Valley-Firmen. Sie gaben sich einen Zeitrahmen vor, innerhalb dessen sie eine Lösung für ein Problem entwickeln wollten. Am Ende des Hackathon wird das Ergebnis präsentiert. Das wird auch heute noch in der Wirtschaft so gemacht, sagte Wagner, zum Beispiel von Finanz-Start-Ups.

Großes Interesse

„Hack to the Future“ ist nun ein Hackathon für Jugendliche, die sich ein Wochenende Zeit nehmen (Freitagabend bis Sonntagmittag), um an einem selbst gestellten Problem zu arbeiten. Dabei geht es längst nicht nur ums Programmieren, es kann auch geschraubt, gesägt oder geklebt werden. Initiiert wurde der Hackathon von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) im Rahmen des Kindermedienlandes BW. Nach einer Ausschreibung an Schulen kamen schließlich von 47 angemeldeten Jugendlichen 43 tatsächlich Mitte Oktober 2017 nach Stuttgart. Die Altersspanne lag zwischen zwölf und 17 Jahren, und immerhin zwölf der Teilnehmer/-innen waren Mädchen.

Eines der Lernziele: strukturiertes Arbeiten

Glücklicherweise, berichtete Hanno Wagner, hatte man rund ein halbes Jahr Zeit zur Vorbereitung – was einer der Gründe war, dass dieser Hackathon sehr erfolgreich verlief. So konnte man Kontakt mit dem Stuttgarter shackspace als Veranstaltungsort aufnehmen. Und genügend Helfer aus dem Kreis des CCCS und des shackspace gewinnen, die als Mentoren die Jugendlichen mit pädagogischen und technischen Wissen unterstützten. Beim Hackathon selbst kümmerte sich dann die MFG um das Organisatorische wie Anfahrt, Unterkunft und Catering.

 

Die Jugendlichen brachten zum Teil eigene Ideen mit, zum Teil wurden die Ideen in einem strukturierten Prozess gemeinsam erarbeitet. Zunächst wurde den Teilnehmern verschiedene Themenfelder vorgeschlagen, die als Anregungen dienen sollten. Es bildeten sich zehn Gruppen mit zwei bis acht Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Schon am Freitagabend wurden die Ideen bearbeitet. Die Grundstruktur war dabei „Problem > Idee > Ziel > Umsetzungsvariante“.

Versunken in geniale Ideen

Der Samstag war dann der Tag der Arbeit an den Projekten; offiziell endete der Tag um 22 Uhr, die letzte Gruppe ging um 23:30 Uhr. Die rund 15 Mentoren hielten sich weitgehend zurück, sie halfen hauptsächlich in Bezug auf die Zeit. Letztlich wurden zehn Projekte umgesetzt, z.B. ein Catfinder mittels Alexa, ein Müllaufsammelroboter, ein Vokabeltrainer auf verschiedenen Geräten. Der Sonntag war dem Projektabschluss und insbesondere der Präsentation gewidmet, bei der dann auch die (ansonsten ausgeschlossenen) Eltern dabei sein durften.

Fazit: Voll gelungene Veranstaltung

Als Fazit konnte Hanno Wagner festhalten, dass es zunächst sinnvoll ist, sich über die Anzahl der Teilnehmer/-innen Gedanken zu machen. Denn ausreichend Platz und ausreichend Helfer/-innen in Relation zur Anzahl der Teilnehmer/-innen ist entscheidend. Positiv war auch, dass die Infrastruktur wie Lötstationen und Werkzeug im Stuttgarter shackspace gestimmt hat. Auch das Fremd-Catering war sehr sinnvoll (im Vergleich zum Selbstkochen). 43 Teilnehmer/-innen und rund 15 Helfer/-innen waren eine gute Relation, so Wagners Fazit. Eins gefiel Hanno Wagner besonders: Im shackspace arbeiteten Hackathon-Teilnehmer und sonstige Nutzer der shakspace zusammen, da der shackspace zur Zeit des Hackathon offen war. Die Zusammenarbeit klappte gut – auch, weil im shackspace genügend Räume zur Verfügung standen. „Sehr gut kam auch die Chill-Out-Ecke bei den Jugendlichen an“, bemerkte Wagner schmunzelnd. „Und natürlich die kostenlosen Getränke.“

Die Zukunft des „Hack to the future“

Der zweite „Hack to the future“ fand übrigens Ende Januar in der Bibliothek der Stadt Mannheim statt. Zukünftig soll der Hackathon zweimal im Jahr stattfinden, zum nächsten werde mal weiter in den Süden gehen. Für die Zukunft wünscht sich Hanno Wagner, dass solche Hackathons auch im Land draußen durchgeführt werden, z.B. mit Hilfe eines Busses, in dem das nötige Equipment transportiert wird. Darüber mache man sich gemeinsam mit der MFG bereits Gedanken.