Runterladen, Tauschen, Nutzen – ein Ratgeber für Eltern

Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Lizenz: CC BY-NC-SA

Das Internet bietet eine Vielzahl toller Möglichkeiten, auf die eine Mehrheit der Kinder und Jugendlichen zum Spielen, zum Schauen von Videos, Musikhören ebenso wie zum Recherchieren und Informieren zurückgreift. Dabei werden neben Worten auch Inhalte transportiert – Bilder werden hochgeladen, das Lieblingslied in das eigene Profil eingebettet, Filme getauscht, Fotos kopiert und auf die eigene Seite gestellt. Doch gerade die Vielzahl an geteilten und getauschten Inhalten kann rechtliche Probleme nach sich ziehen. Die Rechtslage im Internet ist jedenfalls für Laien nicht so leicht zu durchschauen.

 

Gesetze wie beispielsweise das Urheberrecht sind für Nicht-Juristen mitunter nur schwer verständlich und damit ist die Grenze zwischen legal und illegal nicht immer eindeutig nachvollziehbar. Gerade bei Kindern und Jugendlichen herrscht oft die Meinung vor, dass, wenn es technisch geht und es „alle“ machen, es auch erlaubt ist.

 

Doch kann es legal sein, wenn Streaming-Plattformen (z.B. kinox.to) das kostenlose Anschauen von Blockbustern und Spielfilmen anbieten, die derzeit noch im Kino laufen? Ist es rechtlich unproblematisch, mithilfe eines Browser-Plug-Ins Musik von YouTube oder anderen Video-Portalen herunterzuladen, mit dem Wissen, dass die Künstler, die das Lied geschrieben haben, dabei keinen Cent für ihre Arbeit erhalten? Können Fotos, die man im Internet findet, einfach kopiert und für eigene Zwecke genutzt werden? Nicht alles, was im Internet geht und was andere tun, ist am Ende auch tatsächlich erlaubt. Es gilt, ein Bewusstsein für die Wertigkeit von Kunst und Kultur zu schaffen und die Rechtslage anzuerkennen. Daher ist es kein Kavaliersdelikt, Filme und Musik kostenlos im Internet zu konsumieren, wenn die Urheber das nicht wünschen. Gleichzeitig ist es nicht erlaubt, für eigene Videos urheberrechtlich geschützte Musik, Bild- und Tonelemente zu nutzen, ohne dafür die Erlaubnis oder gar eine Lizenz eingeholt zu haben. Nicht wenige Anwälte haben sich inzwischen darauf spezialisiert, entsprechende Urheberrechtsverletzungen im Netz zu finden und Schadensersatz für den entsprechenden Urheber einzuklagen. Manchen Eltern flatterten bereits solche Anwaltschreiben ins Haus.

 

Um sich also nicht ständig fragen zu müssen, ob das Schauen eines bestimmten Films, das Zurückgreifen auf ein populäres Lied für eine Eigenproduktion oder die Nutzung eines Fotos mit mehreren abgebildeten Personen legal oder illegal ist, greift man besser auf ein alternatives Angebot zurück. So bieten beispielsweise Streaming-Portale wie Spotify oder Deezer die Möglichkeit, aktuelle Songs kostenfrei im Internet oder gegen einen geringfügigen monatlichen Festbetrag offline anzuhören. Ebensolche monatlich bezahlbaren Streaming-Portale gibt es auch für Filme (z.B. maxdome oder netflix). Für Eigenproduktionen wiederum eignet sich der Rückgriff auf freie Inhalte, die die sogenannte Creative Commons-Lizenz (CC) tragen. Das bedeutet, dass die Künstler ihr Urheberrecht zwar behalten, den Nutzern aber flexible Nutzungsrechte einräumen (Erläuterungen zu den einzelnen CC-Lizenzen unter www.de.creativecommons.org/was-ist-cc/). Songs, Filme, Texte und Fotos, die von ihrem Urheber frei lizenziert wurden, dürfen kostenlos heruntergeladen und je nach Lizenz unter bestimmten Bedingungen (z.B. Angabe des Namens, nicht kommerzielle Weitergabe) weiterverbreitet werden.

Tipps für Eltern

  • Die Grenzen dessen, was im Internet legal ist und was nicht, sind für Laien oft nur schwer zu durchschauen. Hinzu kommt, dass sich die Rechtslage sehr schnell ändert, weil ständig neue Angebote entstehen und Urteile gesprochen werden. Es ist deshalb wichtig, auf dem Laufenden zu bleiben. Eine gute Informationsquelle bietet die Internetseite www.irights.info ebenso wie die dortigen kostenfreien Infobroschüren (z.B. „Nicht alles, was geht, ist auch erlaubt: Urheberrecht im Alltag“ in Zusammenarbeit mit klicksafe.de). Gerade das Thema Urheberrecht und Persönlichkeitsrecht finden Sie ebenfalls kompakt und informativ aufbereitet in der dreiteiligen Broschüre „Spielregeln im Internet – Durchblicken im Rechtedschungel“ auf www.klicksafe.de (unter dem Reiter „Materialien“).
  • Sprechen Sie mit Ihren Kindern über Rechte, vermitteln Sie ihnen die Grenzen zwischen Legal und Illegal und sensibilisieren Sie sie für die Folgen von illegalen Downloads. Das kann nicht nur für Ihre Familie kostspielig werden, wenn ein solcher Download zu einer Strafanzeige führt, sondern schädigt auch die Film-/Musikindustrie.
  • Schaffen Sie ein Bewusstsein dafür, dass nicht alle Fotos (z.B. in Sozialen Netzwerken) beliebig genutzt und online gestellt werden dürfen. Haben Sie das Foto nicht gemacht und die Nutzungsrechte nicht erfragt, verstößt das gegen das Urheberrechtsgesetz. Sind weitere Personen abgebildet, deren Einverständnis für die Veröffentlichung nicht eingeholt wurde, wiederspricht das dem Persönlichkeitsrecht.
  • Seien Sie kritisch und zurückhaltend gegenüber Internettauschbörsen, Downloadportalen (z.B. eMule oder BitTorrent) aber auch Filehosting-Diensten (z.B. Dropbox), bei denen Sie populäre Musik oder Filme kostenlos herunterladen können. Sie können nicht sicher sein, dass das angebotene Material für Sie kostenfrei nutzbar ist.
  • Auch wenn die Rechtsprechung noch nicht abschließend geurteilt hat – von Streaming-Diensten, die aktuelle Kinofilme kostenlos zeigen, ist abzuraten. Es ist nicht eindeutig geklärt, ob das Ansehen von Filmen auf solchen Plattformen eine Straftat darstellt.
  • Anders verhält es sich mit etablierten Videoportalen wie YouTube. Hier dürfen Sie sich alle verfügbaren Clips ansehen. Allerdings nur ansehen – das Herunterladen mithilfe von Zusatzsoftware ist wiederum nicht erlaubt.
  • Das Aufnehmen von Musik aus Online-Radiosendern für den privaten – aber nur für diesen – Gebrauch ist legal, schließlich durfte man auch früher mit dem Kassettenrekorder Songs aus dem Radio aufnehmen. Zum Aufnehmen gibt es kostenlose Programme.
  • Streaming-Portale sind relativ neue Musikangebote, bei denen Sie ein großes Archiv aktueller wie auch älterer Titel finden. Gegen einen monatlichen Festbetrag können Sie hier unbegrenzt Musik hören und auch für den Offline-Gebrauch nutzen. Beispiele hierfür sind Online-Dienste wie Spotify und Deezer.

Nützliche Links

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
Auf dem Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zur Medienbildung, finden Sie zu allen Themen dieses Ratgebers umfangreiche Links und Materialien. Die Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ergänzt.
 
iRights.info
Diese Seite informiert über das Urheberrecht und das kreative Schaffen in der digitalen Welt. Dort finden Sie auch die Broschüre Nicht alles, was geht, ist auch erlaubt!

Urheberrechtsgesetz
Wer sich einmal ein Bild des vollständigen Urheberrechtsgesetzes (Urhg) machen möchte, findet auf www.gesetze-im-internet.de den vollständigen Gesetzestext.

creativecommons.org
Auf der Seite creativecommons.org erhalten Sie einen detaillierten Überblick über die verschiedenen CC-Lizenzen und deren Nutzungsmöglichkeiten.
 
klicksafe.de
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet Informationsmaterial und Broschüren, zum Beispiel die Broschüre „Mu§ik im Netz: Runterladen ohne Reinfall!“.
 
medien + bildung.com
Auf medien+bildung.com gibt es unter check the web einen Animationsclip Miri, Maxi und Musik und eine dazughörige Broschüre.
 
search.creativecommons.org
Search.creativecommons.org ist eine Suchmaschine speziell für freie Inhalte mit Creative-Commons-Lizenz.
 
Medienpädagogik Praxis-Blog
Dieser Blog informiert in der Rubrik Kostenloser Content unter anderem über freie Musik.

Spotify
Bei diesem Portal zum Download von Musik gibt es einen kostenfreien und einen kostenpflichtigen Teil. Für zahlende Nutzer ist der Dienst beispielsweise frei von Werbeeinblendungen.

Zahlen & Fakten

Insgesamt nutzen drei von vier Internetnutzern (73 %) ab 14 Jahren Video-Streams. Dies entspricht gut 40 Millionen Bundesbürgern. Dagegen speichert nur gut jeder vierte Internetnutzer (27 %) Videos zunächst per Download, um sie anschließend anzuschauen. (Quelle: Bitkom-Studie 2014)

Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.