Radioarbeit mit Kindern und Jugendlichen

Radioarbeit mit Kindern und Jugendlichen kann viele Formen annehmen, sie umfasst nicht nur die klassische journalistische Arbeit, sondern auch akustische Experimente. Zu ihr gehört die Arbeit in der Gruppe ebenso wie die Tätigkeit von Einzelnen. Wie Sie vorgehen können bei Planung und Recherche, Beispiele von Hör-Spielen sowie die wichtigsten journalistischen Elemente finden Sie hier beschrieben.

Planung

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Gute Planung ist der halbe Erfolg

Bevor Sie anfangen, ist es hilfreich, sich eine Checkliste zu machen, die Sie nach und nach abarbeiten können. Darin sollte die benötigte Technik ebenso benannt werden wie der Raumbedarf, eventuell zusätzliche Betreuungskräfte, Kooperationspartner etc. Ihre Teilnehmerinnen und Teilnehmer freuen sich sicher auch über einen Besuch in einem Sendestudio.

  • Wie lange kann/soll das Projekt laufen?
  • Was ist Ziel des Projektes? Zum Beispiel Produktion einer ganzen Radiosendung oder „nur“ eines Beitrages?
  • Mit welchem Sender kann/soll kooperiert werden? Studiobesichtigung, Sendung?
  • Mit welchen anderen Organisationen/Institutionen könnte man zusammen arbeiten?
  • Gibt es externes Know-how, das benötigt wird?
  • Welche Technik wird benötigt?
  • Welche Technik ist vorhanden?
  • Wo bekommt man zusätzliche Technik oder Software her?
  • Welche Räume können für die Radioarbeit genutzt werden?
  • Gibt es darin Stühle und Tische?
  • Haben die Jugendlichen jederzeit Zugang zu diesem Raum?
  • Gibt es einen Raum, der von der Akustik her für Aufnahmen geeignet ist?
  • Wie viel Zeit steht während des Projektes für die konkrete Arbeit zur Verfügung? (einmal in der Woche zwei Stunden..., täglich..., ein Wochenende....)
  • Welche Vorerfahrung hat die Gruppe? Anfänger, Fortgeschrittene?
  • Welche Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und Recherche gibt es? (Internet-Zugang während der Arbeitsphasen...).
  • Wer betreut das Projekt in der Schule, im Jugendhaus ...?
  • Wie kann die Gruppenarbeit sinnvoll organisiert werden? Wenn eine Klasse beispielsweise gemeinsam eine Radiosendung produziert ist Gruppenarbeit unabdingbar. Um Engpässe bei den Aufnahmen oder der Nachbearbeitung zu vermeiden, sollten genügend Aufnahmegeräte und Schnittcomputer zur Verfügung stehen.

Gut für die Motivation

Gerade bei der Radioarbeit ist es günstig, wenn die Jugendlichen das Thema oder die Themen, die sie bearbeiten möchten, selbst bestimmen können.

 

Es hebt die Motivation, wenn das Ergebnis Radiosendung/Radiobeitrag auch tatsächlich gesendet wird. Das kann im Rahmen einer Sendung innerhalb der Schule geschehen, in einem freien/nichtkommerziellen Radio, bei einem privaten oder öffentlich-rechtlichen Radiosender.

Hör-Spiele

Die Klagen von Lehrerinnen und Lehrern, die Schüler würden nicht mehr zuhören, nicht genügend Aufmerksamkeit und Konzentration an den Tag legen, sind Legion.

 

Da kann es helfen, akustische Wahrnehmungsübungen und Spiele zu machen, die helfen den Hör-Sinn zu schärfen und damit auch die Fähigkeit zum aktiven Zuhören zu fördern. Wer gelernt hat, bewusst hinzuhören, nimmt seine Umwelt aber auch akustische Produktionen (Radio, Musik, Hörspiele) viel detaillierter und kritischer wahr. Er oder sie lernt zu unterscheiden zwischen authentischen und guten Tönen und Klängen und jenen Ver-laut-barungen, die inhaltlich und/oder technisch mit wenig Sorgfalt produziert wurden.

 

Das Beste an Hör-Spielen ist: sie machen Groß und Klein ungeheuren Spaß und erzeugen so manchen Aha-Effekt. Sie können für sich alleine durchgeführt werden oder zur Vorbereitung auf eine Hörspiel-Produktion oder die Gestaltung einer Radiosendung dienen.

Wahrnehmungs-Spiele

  • Stuhlkreis, alle stehen und sprechen nicht. Aufgabe: Mindestens drei Umgebungsgeräusche wahrnehmen. Wer drei verschiedene gehört hat, darf sich setzen. Sitzen alle, wird über die Geräusche und die Erfahrung gesprochen.
  • Spiel mit dem Schlüsselbund. Alle stehen im Kreis, eine Person mit verbundenen Augen in der Mitte. Ein Schlüsselbund wird möglichst geräuschlos herumgereicht, die Person in der Mitte muss erlauschen, wo der Schlüsselbund sich befindet.
  • Geräusche-Memory: Viele schwarze Filmdöschen werden jeweils paarweise mit demselben Inhalt gefüllt (Steinchen, Nägel, Mehl, Konfetti etc. – auf die gleiche Menge achten!). Die Mitspieler müssen die Paare durch hören (schütteln der Filmdöschen) herausfinden. Dieses Spiel eignet sich auch gut zum Selberbasteln eines Hör-Memorys für jeden Teilnehmer.

Geräusche-Jagd

Die Jugendlichen erhalten die Aufgabe, jeweils fünf Geräusche mit dem Mikrofon aufzunehmen. Dies kann thematisch je nach Ort geordnet werden. Eine Gruppe geht in die Küche, eine nach draußen (100 bis 200 Meter Umgebung), eine ins Büro, eine in die „Produktion“. Denkbar ist auch, allen Gruppen die Aufgabe zu stellen, Körpergeräusche aufzunehmen. Eine andere Aufgabenstellung kann sein: nehmt typische Geräusche eures Heimatortes auf. Jede Gruppe spielt den anderen die Geräusche vor und diese müssen erraten, was es da aufgenommen wurde.

Geräusche-Produktion

Geräusche, die man in Hörspielen und Filmen hört, sind oft nicht von der CD oder aus dem Computer, sondern werden eigens hergestellt. Wer einmal versucht hat, tatsächlichen Regen aufzunehmen, weiß, dass das vermittelt über Mikrofon und Aufnahmegerät nicht wie Regen klingt. Da ist Phantasie und etwas Geduld gefragt. Der richtige Sound stellt sich meist erst nach mehreren Versuchen ein. Regen lässt sich prima mit Reis in einer Pappschachtel machen. Dabei darf die Schachtel nicht zu groß sein, der Reis muss gleichmäßig prasseln, evtl. noch Linsen untermischen und vor allem ausprobieren, wo das Mikrofon den „Regen“ am besten einfängt. Die Illusion von Wind entsteht durch eine Bürste (z.B. Kleiderbürste), die über Stoff oder Pappe gestrichen wird.

Hörspaziergang

Ausgerüstet mit einer „Hör-Brille“ (bekommt man bei manchen Fluggesellschaften, die diese Augenbinden bei Übersee-Flügen anbieten) gehen die Jugendlichen paarweise z.B. durch eine Fußgängerzone. (Einer hat die Augen zu, oder eine „Hör-Brille“ auf, der andere führt ihn, damit keine Zusammenstöße oder Unfälle passieren). Die Aufgabe ist, genau hinzuhören, was man bei diesem Spaziergang wahrnimmt, welche Geräusche man hört, wie sie auf einen wirken. Darüber sollte hinterher gesprochen werden. Es kann auch ein kleines Hör-Protokoll erstellt werden.

Recherche und Informationsbeschaffung

Bild: gerlos, Lizenz: CC BY-SA

Die Recherche ist die unabdingbare Voraussetzung, um zu verlässlichen Informationen für Sendungen, Beiträge, Interviews etc. zu gelangen. Die Aufgabe des Redakteurs/der Redakteurin ist also: Recherchieren, nachlesen, nachfragen, telefonieren und sammeln. Bei allem gilt: die Redakteurin oder der Redakteur sollte sich eine solide Kenntnis über das Thema oder die Person, um das oder die es geht, verschaffen.

 

Der Redaktion darf es keinesfalls genügen, sich nur auf eine Quelle zu verlassen. Günstig ist immer eine Gegenprüfung durch andere Informationsquellen: Wie stellen die Betroffenen ein Ereignis dar, wie wird dasselbe Ereignis von anderen geschildert, was weiß der eigene Reporter vor Ort über den Sachverhalt? Grundlage jeder Recherche sind folgende Fragen:

  • Was ist überhaupt los? Wie verhält sich die Sache?
  • Ist überhaupt etwas dran?
  • Welche Informationen fehlen noch?
  • Was sagt die andere Seite?

Ansprechpartner und Informationsquellen können sein:

  • das persönliche Adressverzeichnis, Kollegen, Freunde, Bekannte, Eltern, Lehrer
  • Experten
  • die Telefonauskunft
  • das Internet
  • CD-Roms
  • Presse-Taschenbücher
  • Nachschlagewerke, Lexika
  • Agenturen
  • Archive
  • Behörden
  • Betroffene
  • Parteien, Initiativen, Organisationen, Vereine
  • Bibliotheken, Büchereien, Buchhandlungen
  • Pressestellen öffentlicher Einrichtungen
  • Zeitungen, Zeitschriften, Magazine
  • Universitäten, Hochschulen
  • sogenannte Informanten (dauert meist lange bis man sie hat)
  • Pressekonferenzen

Links

hoerspielbox

Online-Anebot rund um Sounds im Netz vom Rundfunk Berlin-Brandenburg.

 

Ohrenspitzer

LMZ-Projekt zur Förderung der Hörkompetenz von Kindern.

 

Murle murmelt

Audio-Blog für Kinder der Medienpädagogin Jennifer Schatz.

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