Produktion eines Hörspiels

Arbeitsschritte bei der Hörspielproduktion

Folgende Schritte sind bei der Planung einer Hörspiel-Produktion zu berücksichtigen:

1. Auswahl des Drehbuchs / Manuskripts

Entweder eine Geschichte wird von den Schülern selbst erfunden und in ein Manuskript überführt oder ein bestehendes Manuskript wird verwendet. Die Aufgabe des Hörspielautors ist es, aus einer Romanvorlage ein Manuskript zu entwickeln. Dies ist nicht einfach, daher sollte man sich für die Schulpraxis mit kleinen Geschichten zunächst begnügen. Einfache Handlungsstränge und nicht zu viele Sinnebenen sowie Zeit- und Raumwechsel sind zu bevorzugen.

2. Lektorat

Der Lektor prüft die Manuskripte nach ihrer Verwendbarkeit für eine Hörspiel-Produktion. Ist die Story wirklich spannend, lohnt sich also der Aufwand, ist die Geschichte als Hörspiel umsetzbar?

3. Dramaturgie

Der Dramaturg feilt gemeinsam mit dem Autor an dem Drehbuch, um so Spannungsbögen evtl. zu intensivieren und das Drehbuch produktionsgerecht zu verändern. Die Dramaturgie trägt zudem die Verantwortung für das Gesamtprogramm der entsprechenden Hörspielabteilung und setzt die Schwerpunkte in der Programmarbeit.

4. Regiearbeit

Die Regiearbeit besteht darin, das Manuskript zu interpretieren und die Regieanweisungen nach eigenen Vorstellungen umzusetzen, gegebenenfalls in enger Absprache mit dem Autor.

 

Charaktere eines Stücks können unterschiedliche akustische Insignien bekommen. Sie nehmen zum Beispiel immer einen bestimmten akustischen Raum ein, indem sie einem spezifischen Ortungspunkt im Stereobild zugeordnet sind.

Regisseur Hartmut Kirste im SWR-Studio; Bild: Christian Hörburger/LMZ

Oder sie werden verfremdet oder anderweitig klanglich bearbeitet (Equalizer, Kompressor, Hall- oder Echobearbeitung). Figuren und deren Handlungen sind mitunter an bestimmte andere typisierende oder hinweisende Schallereignisse gekoppelt (Geräusche, Musik, Tierstimmen, Klänge). Darüberhinaus entscheidet sich die Regie wie Räumlichkeit im Hörspiel erzeugt werden soll, mit Effektgeräten, oder durch den Kontext.

 

Dies alles kann der Regisseur in die Planung einbringen.

 

Die verschiedenen Rollen müssen auf die Sprecherinnen und Sprecher verteilt werden. Der Regisseur sollte die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Schauspieler gut einschätzen können. Das Manuskript sollte im Detail verstanden sein, so dass Handlungsstränge, Spannungen und Betonungen sinngemäß richtig umgesetzt werden. Welche Technik (Effekte, Mikrofonierung) eingesetzt wird, spricht der Regisseur mit dem Toningenieur ab.

5. Regieassistenz

Alle Zulieferarbeiten wie Zeitplanung, Beschaffung von Geräuschen, O-Tönen, Musik und Requisiten für die Spielhandlung (Telefonapparat, Schreibmaschine, und dergleichen benötigte Geräusche-Quellen) erledigt die Regieassistenz. Sie ist sozusagen die rechte Hand des Regisseurs, schreibt Regieanweisungen die den späteren Schnitt und Mischung betreffen mit und sorgt mit allgemeinen für einen reibungslosen Ablauf der Produktion. Nach der Produktion wird das Band beschriftet und sendefertig gemacht.

6. Toningenieur

Die Mikrofonierung, die Arbeit am Mischpult erledigt der Toningenieur. Er steuert das Lautstärkeverhältnis der einzelnen Mikrofone und Zuspieler, setzt Effekte ein und macht die Endmischung.

7. Tontechniker

Der Tontechniker ist für die Überwachung der Aufnahme- und Zuspielgeräte verantwortlich. Er bedient direkt die Maschinen, ist also so etwas wie der verlängerte Arm des Toningenieurs. Ist die Aufnahme fertig, dann schneidet er nach den Anweisungen des Toningenieurs und des Regisseurs in Zusammenarbeit mit der Regieassistenz das Band oder die Bänder oder das digital vorgefertigte Material. Die verschiedenen Aufgaben innerhalb einer Hörspiel-Produktion lassen sich auf verschiedene Schüler oder Schüler-Gruppen verteilen.

Tontechniker im Hörspiel-Studio des SWR; Bild: Christian Hörburger/LMZ

Die Auswahl der Vorlage oder des Manuskripts sowie die dramaturgische Arbeit am Manuskript lassen sich gut in der Gemeinschaft realisieren. Für die Regiearbeit bei der Aufnahme, also Regisseur und Regieassistenz, sowie Toningenieur und Tontechniker sind wenige Personen sinnvoller, da lassen sich besser einzelne Schüler oder kleine Gruppen einsetzen.

Hörbeispiele

mehmet_hoerspiel.mp3

Eine Produktion der Schule für Körperbehinderte, Karlsbad-Langensteinbach.

hoerspiel_gurkenfass.mp3

Hörspiel von Julia Stärk, entstanden im Rahmen eines Creative-Writing-Seminars an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Stuttgart. Entstanden im Rahmen eines Creative-Writing-Seminars an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst, Stuttgart. Autorin: Julia Stärk. Kontakt zu der Autorin können Sie über die E-Mailadresse yuliet@web.de aufnehmen.

Räumlichkeit im Hörspiel

Über die technischen Möglichkeiten, einen Raum innerhalb der Aufnahme- und Wiedergabeverfahren und mit Zuhilfenahme von Original-Tönen und Atmo abzubilden, kann der Ort durch die Stimme spezifiziert werden. Er ergibt sich sozusagen aus dem Kontext und der Art und Weise des Sprechens. Die Stimme und auch alle anderen Klänge und Geräusche können technisch verfremdet werden, um so einen Ort zu fokussieren.

 

Wechsel von Räumlichkeiten, Zeiten und Sinnwelten werden mit folgenden Mitteln durchgeführt:

Mit Hilfe der Schnitt-Technik und der Tonblende können Szenen abrupt wechseln oder ineinander überfließen. Blenden lassen sich nach ihrer dramaturgischen Funktion unterscheiden:

  • Die Raumblende, zum Beispiel vom Hintergrund in den Vordergrund. Oder auch das Wandern von links nach rechts.
  • Dimensionsblende, wenn eine Stimme, die mit einer Raumatmo wiedergegeben wird plötzlich ohne Rauminformation hörbar wird, kann ein Wechsel von normal gesprochener Stimme zur gedanklichen inneren Stimme gemeint sein.
  • Zeitblende, sie ist eher durch Schnitt-Techniken und aus dem Kontext zu bewerkstelligen. Denkbar wäre, wenn eine schon bekannte Stimme als Kind und später als Erwachsener spricht.

Mit der klanglichen Bearbeitung mit Hall- und Echogeräten können Töne extrem verändert werden, dies kann einen Wechsel anzeigen.

 

In dem Hörspiel Berlin Alexanderplatz von Alfred Döblin z.B. kündigt eine Ansagestimme mit "Vier Wochen später" einen Zeitwechsel an.

 

Manche O-Töne vollziehen fast zwingend einen Wechsel, da ihnen deutliche qualitäts- oder produktionsbedingte Unterschiede anzuhören sind. So ist ein Audio-Zitat aus einem Kinofilm fast immer als solches zu erkennen, ohne dass extra darauf hingewiesen sein muss. Damit werden Sprünge über verschiedene Ebenen eines Hörstücks sehr deutlich gemacht.

Hörbeispiele

Elemente des Hörspiels-Teil 1 von Werner Klippert.

Elemente des Hörspiels-Teil 2 von Werner Klippert.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Saarländischen Rundfunks.Der Mohrenkopf1

Mikrofonierung

Für Hörspiel-Produktionen werden meist Kondensatormikrofone eingesetzt. Sie gewährleisten, dass auch leise Töne, die im Hörspiel ja durchaus vorkommen können, gut aufgezeichnet werden.

 

Für den Gesangsbereich bei der Aufnahme von Einzelstimmen gibt es gute und preiswerte Allround-Mikrofone. Sehr bekannt sind Mikrofone der Firma Shure (SM 58/SM 57). Die dynamischen Mikrofone können für fast alle Anwendungen eingesetzt werden. Es sind leichte und handliche Reporter-Mikrofone und eignen sich auch für Aufnahmen im Klassenzimmer, auf der Theaterbühne und im Freien. Nur für hohe Schalldrücke sind sie nicht optimal geeignet. Diese Mikrofone haben eine leichte Richtwirkung nach vorne (Nieren-Charakteristik) und sollten sich möglichst nahe an der Schallquelle befinden (< 20 cm). Kosten: etwa 80 Euro.

 

Es gibt eine Vielzahl von Mikrofonen auch von anderen Firmen, die ebenfalls gute Klangergebnisse liefern. Es empfiehlt sich, in ein Fachgeschäft zu gehen, und die verschiedenen Mikrofone auszuprobieren.

 

Das Kondensator-Mikrofon AKG-C2000B ist ein Kleinmembran-Mikrofon mit Nierencharakteristik. Kosten: etwa 200 Euro.

 

Das Oktava-MK 319 ist ein Großmembran Kondensatormikrofon für Studio und Broadcast ebenfalls mit Nieren-Charakteristik. Es bietet einen äußerst musikalischen Grundsound. Kosten: etwa 140 Euro.

 

Das RODE-NT2000 ist ein Grossmembran-Kondensatormikrofon mit am Mikro stufenlos einstellbarem Pattern, Pad und Filter. Es wird mit elastischer Halterung SM3 im Koffer geliefert. Kosten: etwa 470 Euro. (Stolzer Preis, aber es ist dafür ein echter Allrounder, auch wegen der einstellbaren Richtcharakteristik.)

 

Das BEYERDYNAMIC MCE90 ist ein Studio-Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik. Kosten: etwa 250 Euro.

 

Das AUDIO TECHNICA ATM89R ist ein Kondensator-Vokalmikro mit Hypernieren-Charakteristik. Kosten:etwa: 190 Euro.

 

Für hohe Schalldrücke, wie sie bei der Bassdrum auftreten, kann das dynamische Mikrofon D112 mit Nierencharakteristik von der Firma AKG eingesetzt werden. Es ist sehr robust gebaut und ist ebenfalls für Blasinstrumente geeignet. Kosten: etwa 200 Euro.

 

Das dynamische MD 421 mit Nierencharakteristik von der Firma Sennheiser ist das Reportage-Mikrofon schlechthin. Es ist schon etwas älter, aber wer es noch findet, sollte zugreifen. Es ist sehr robust und auch für die Musikaufnahme universell geeignet. Kosten: etwa 200 Euro.

 

Eines der weit verbreitetsten Studiomikrofone ist das U 87 AI von der Firma Neumann. Es ist ein Kondensatormikrofon mit umschaltbarer Richtcharakteristik. Es wird für die Aufnahme von guten Gesangsstimmen und im Hörspiel- und Studiobereich verwendet.

 

Bei der Realisierung von Hörspielprojekten oder Choraufnahmen im Klassenzimmer oder auf einer kleinen Theaterbühne ist dieses Mikrofon oft schon ausreichend. In der Mitte des Raumes plaziert und bei eingeschalteter Kugelcharakteristik nimmt es die Stimmen im Raum einigermaßen gleichmäßig auf, selbst wenn nicht direkt in die Membran gesprochen wird. osten: etwa 1600 Euro.

Interviews zur Produktion eines Hörspiels

Vier bis fünf Tage harte Arbeit für Schauspieler und Regie bedeutet es, wenn 60 Minuten Hörspiel produziert werden sollen. Und dann ist das Material noch längst nicht sendefertig. Erst müssen die Tontechniker ihr Werk vollenden.

 

Beim SWR in Baden-Baden durften wir hinter die Kulissen blicken und waren bei der Entstehung von Flash back oder des Finales endlicher Anfang – einem Hörspiel von Ingomar von Kieseritzky – dabei. Was die vielen Mitwirkenden uns erzählt haben und wie das Hörspiel klingt erfahren Sie auf dieser Seite.

Alle Bilder: Christian Hörburger / MediaCulture-Online

Kerstin Petri ist beim SWR als Regieassistentin tätig. Ihr Job ist ziemlich stressig. Was sie genau zu tun hat, erzählt sie hier.

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Matthias Spranger leitet die Hörspielabteilung in Baden-Baden. Was ein Dramaturg beim Radio ist, verrät er hier.

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Was eine Tontechnikerin bei einer Hörspielproduktion macht, darüber plaudert Christiane Köhlert.

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Hans Gerd Krogmann ist einer der bekanntesten Hörspielregisseure in Deutschland und versteht sich als künstlerischer Anwalt des Autors und des Wortes. Seine Aufgaben beschreibt er hier.

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Franz Josef Steffens ist Schauspieler und Sprecher. Über das Mikrofon und die menschliche Stimme weiß er viel zu erzählen.

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Renate Schroeter liebt die Radioarbeit über alles und hat ihre ganz persönliche Vorstellung von der Musikalität des Wortes und der Sprache.

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Johanna Fegert sorgt für den guten Ton bei der Produktion. Sie ist Toningenieurin.

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Brigitte Roettgers, Schauspielerin, berichtet über Stimm- und Körperarbeit.

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Friedhelm Ptok, Schauspieler und Sprecher, erzählt von der Wirkung des gesprochenen Wortes und der Macht der Geräusche.

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