Online-Geschäfte und Abofallen – ein Ratgeber für Eltern

Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Lizenz: CC BY-NC-SA

Im Internet kann man nicht nur alles finden, sondern auch fast alles kaufen. Online Geschäfte zu machen hat dabei viele Vorteile: Schnell und übersichtlich können Sie Preise von unterschiedlichen Anbietern vergleichen, es kann aus einer großen Auswahl an Produkten gewählt werden und das Ganze ist rund um die Uhr bequem von zu Hause aus möglich. Auch kostenlose Angebote wie Gratiszeitschriften, Klingeltöne, Gewinnspiele oder Spiele-Apps tummeln sich immer häufiger im Internet und in den diversen App-Stores und locken mit ihren verheißungsvollen Versprechungen. Doch genau hier ist Vorsicht geboten, denn nicht alles, was mit „Gratis“ oder „Kostenlos“ beworben wird, ist es am Ende auch. So versteckt sich hinter einem Gratisheft oder einem kostenlosen Klingelton schnell ein kostenpflichtiges Jahresabonnement, was meist nur im Kleingedruckten ersichtlich wird.

 

Gerade jüngere Kinder, die noch am Beginn ihrer Medienerfahrungen stehen, haben häufig Schwierigkeiten, eine Werbeanzeige von den eigentlichen Webseiten-Inhalten zu unterscheiden und lassen sich so von auffällig blinkenden und einladend erscheinenden Bildflächen in ihren Bann ziehen. Ein einfacher Klick reicht dabei oftmals schon, um eine Kaufhandlung zu bestätigen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Kind das Internet erkunden und ihm den Unterschied zwischen einer Anzeige und der eigentlichen Internetseite verdeutlichen. Sprechen Sie darüber, welche Folgen ein Klick auf eine Werbeanzeige haben kann und sensibilisieren Sie die Heranwachsenden dafür, sich kritisch damit auseinanderzusetzen und solche verheißungsvollen Angebote zu hinterfragen. Überlegen Sie, eine sogenannte „Drittanbietersperre“ bei Ihrem Mobilfunkanbieter einrichten zu lassen, die vor eben jenen Abofallen schützen kann.

 

Kostenlose Apps für Smartphones und Tablets wiederum finanzieren sich meist über Werbung und sogenannte „In-App-Käufe“, die beim Installieren und während der ersten Spielminuten gar nicht ersichtlich werden. Doch schnell wird klar, dass das Spiel häufig nur dann Spaß macht und spannend bleibt, wenn man bestimmte Gegenstände oder Zusatz-Leben besitzt, die ausschließlich mit echtem Geld erworben werden können. Diese kostenpflichtigen Zusatzfunktionen oder Spielerweiterungen wirken auf den ersten Blick zwar relativ günstig, summieren sich – je länger man das Spiel spielt – aber schnell und verursachen am Ende hohe Kosten und bei entsprechender Bezahlweise eine böse Überraschung mit der nächsten Handyabrechnung. Um solche Kostenfallen in Bezug auf In-App-Käufe zu verhindern, besteht bei den meisten Mobilfunkgeräten in den Einstellungen die Möglichkeit, In-App-Käufe zu unterbinden.

 

Was Sie tun können, wenn Sie doch einmal unabsichtlich und ohne darüber gut sichtbar informiert worden zu sein ein Abo abgeschlossen oder einen Einkauf getätigt haben, erfahren Sie unter Tipps für Eltern.

 

Online Geschäfte zu machen, eröffnet uns unzählige neue Möglichkeiten und erleichtert unseren Alltag ungemein. Dabei ist das Einkaufen im Netz nicht unbedingt so viel anders als in der Offline-Welt, denn so, wie wir im Alltag ein kritisches Auge für seriöse und weniger seriöse Geschäfte haben, gibt es auch im Internet Kriterien zu beachten, um ernsthafte Angebote von trügerischen zu unterscheiden. Wichtig ist es, sich mit diesen Kriterien vertraut zu machen, nicht alles zu glauben, was dort angepriesen wird und ebenso die Konsequenzen zu bedenken, die ein Akzeptieren des Angebots haben kann. Und auch wenn die Preise und die Versprechungen verlockend klingen, lesen Sie zuerst das Kleingedruckte – und bleiben Sie standhaft.

Tipps für Eltern

  • Informieren Sie Ihr Kind darüber, dass im Internet auch unseriöse Anbieter unterwegs sind, die gutgläubigen Kunden das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Erklären Sie ihm, dass es persönliche Daten wie Name, Adresse, Wohnort, Handynummer und vor allem natürlich Bankverbindung oder Kreditkartennummer nicht ohne Rücksprache mit Ihnen weitergeben darf.
  • Vereinbaren Sie Regeln für Onlinegeschäfte, beispielsweise, dass Downloads nur in Absprache mit Ihnen gemacht werden. Überprüfen Sie die Internetseite gemeinsam mit Ihrem Kind. Die Verwendung von speziellen Kindersuchmaschinen verringert das Risiko für Kinder, abgezockt zu werden.
  • Eine Internetseite überprüfen: Schauen Sie sich die Seiten genau an und scrollen Sie bis zum Seitenende. Lassen Sie sich durch auffällige Umrahmungen oder eine grelle, blinkende Gestaltung des Gratisangebots nicht vom Text am Seitenrand ablenken. So mühsam es auch ist, lesen Sie die AGB sorgfältig und komplett durch. Achten Sie darauf, dass Ihnen ein Rücktritts- oder Rückgaberecht gewährt wird und schauen Sie im Impressum nach dem Firmensitz.
  • Sollten Sie oder Ihr Kind ungewollt in eine Abo-Falle getappt sein, bleiben Sie ruhig und lassen Sie sich nicht von Inkassobüros unter Druck setzen. Geschäfte, bei denen beispielsweise nur in den AGB auf die Kostenpflicht hingewiesen wird, sind ungültig. Besuchen Sie die Internetseite der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg; dort finden Sie detaillierte Informationen, Rechtsberatung und auch Musterbriefe, um sich gegen die Bezahlung zu wehren. Weisen Sie die Forderung zurück und legen Sie per Einschreiben Widerspruch gegen den Kaufvertrag ein. Reagieren Sie auf gerichtliche Mahnbescheide und legen Sie auch hier sofort Widerspruch ein, da das Amtsgericht zuvor nicht prüft, ob die Forderung berechtigt ist. Reagieren Sie nicht auf E-Mails, sondern warten Sie auf eine Zahlungsaufforderung per Post. Sichern Sie den E-Mail-Verkehr mit dem Anbieter und machen Sie Screenshots von der Angebotsseite. So können Sie später beweisen, dass Sie nicht ausreichend informiert wurden.
  • Auch im Internet gilt: Nur wer 18 Jahre alt ist, ist uneingeschränkt geschäftsfähig. Kinder unter sieben Jahren sind nicht geschäftsfähig. Käufe, die sie tätigen, sind daher unwirksam. Kinder ab sieben Jahren und Jugendliche unter 18 Jahren können nur Kaufverträge abschließen, deren finanzielle Verpflichtung sie mit ihrem Taschengeld begleichen können (Taschengeldparagraf). Käufe, die nicht altersgemäß oder unangemessen sind, werden nur dann rechtlich wirksam, wenn die Eltern sie ausdrücklich genehmigen. Dies gilt auch für den Fall, dass Ihr Kind bei der Altersangabe geschummelt hat, dieses Risiko trägt der Anbieter.

Nützliche Links

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Elternratgeber
Auf dem Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zur Medienbildung finden Sie zu allen Themen dieses Ratgebers umfangreiche Links und Materialien. Die Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ergänzt.

Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
Diese Seite hilft unter anderem bei Kostenfallen im Netz weiter: Hier gibt es Musterbriefe und eine Liste dubioser Anbieter. Ebenso kann eine Rechtsberatung per Mail oder Telefon in Anspruch genommen werden.

Surfer haben Rechte
Diese Internetseite ist ein Projekt der „Verbraucherzentrale Bundesverband“, die über Verbraucherrechte im Netz informiert.

klicksafe.de
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet Informationsmaterial und Broschüren zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit Rechten, Abofallen und Abzocke im Internet. Dort finden Sie auch Tipps zum Ausschalten von In-App-Käufen und zur Drittanbietersperre.

Kinder und Onlinewerbung
Die Internetseite „Kinder und Onlinewerbung“ gibt Eltern wertvolles Hintergrundwissen und detaillierte Empfehlungen rund um Werbung, Online-Einkaufen und Rechte. Ebenso kann dort die gleichnamige Broschüre kostenlos heruntergeladen werden.

Mediasmart
Mediasmart ist eine Internetseite für Kinder, die spielerisch und interaktiv das Thema Werbung und den kritischen Umgang mit Internetseiten und Werbeangeboten näherbringt.

kindersache
Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. bietet altersgerechte Informationen für Kinder rund um das Thema Rechte.

Internet-ABC
Das Internet-ABC bringt Kindern spielerisch bei, worauf man bei Werbung und beim Einkaufen im Internet achten muss.

Zahlen & Fakten

98 % der Internetnutzer shoppt online. Das entspricht 77 % der Bevölkerung ab 14 Jahren und 54 Millionen Bundesbürgern.

 

In der Praxis verwischen die Grenzen zwischen den Einkaufskanälen immer stärker. Viele Online-Shopper informieren sich im Geschäft, kaufen dann aber im Internet: 50 % der Befragten tun das regelmäßig oder manchmal.

 

12 % der Internet-Nutzer kaufen mehrmals wöchentlich online ein. (Quelle: Bitkom Research 2015)

Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.