LMZ-Konzept zur Filmbildung für den Bildungsplan 2016

The Imitation Game; Bild: Squareone Entertainment

Ausgangslage

Mit den neuen Bildungsplänen 2016 bekommt die Medienbildung in den Schulen Baden-Württembergs einen deutlich höheren Stellenwert. So wird beispielsweise für die Sekundarstufe I (für Gemeinschaftsschule, Realschule und Gymnasium) die Leitperspektive Medienbildung eingeführt. In der Klassenstufe 5/6 wird der Basiskurs Medienbildung durchgeführt.

 

Damit einhergehend bekommt auch die Filmbildung ein stärkeres Gewicht. Sie ist im Bildungsplan 2016 in der Sekundarstufe I größtenteils dem Fach Deutsch zugeordnet, mit wenig Unterschieden zwischen den einzelnen Schulformen. An einigen Stellen steht das Medium Film dort alternativ zu Hörspiel oder Theateraufführungen, an vielen Stellen wird Film jedoch auch spezifisch und alleinstehend erwähnt. In anderen Fächern, wie zum Beispiel Bildende Kunst, Religion oder Fremdsprachen ist der Einsatz von Filmen im Bildungsplan ebenfalls verankert.

Vier Säulen

Die Filmbildung des Landesmedienzentrums fußt auf vier Säulen:

  • Verankerung im Bildungsplan 2016
    Insbesondere im Fach Deutsch, aber auch in anderen Fächern über die Leitperspektive Medienbildung wird Filmbildung nun verpflichtend eingeführt.
  • Spiralcurricularer Aufbau eines filmbildnerischen Stoffverteilungsplans
    Der Stoffverteilungsplan bringt filmbildnerische Inhalte in einen konzeptionellen und zeitlichen Zusammenhang. So wird sichergestellt, dass alle relevanten Aspekte der Filmbildung bildungsplankonform in den Klassenstufen 5 bis 10 behandelt werden.
  • Auswahl von unterrichtsgeeigneten Filmen
    Die Filme sind unter didaktischen und cineastischen Gesichtspunkten ausgewählt. Ein Schwerpunkt bildet der Kurzfilm (Animation, Kurzspielfilm, Dokumentation).
  • Erstellung von zugehörigen Unterrichtsmodulen
    Sie bilden zusammen mit den Filmen Anregungen und Beispiele für Lehrkräfte, die Filmbildung damit unmittelbar umsetzen können.

Grundgedanken zur Filmauswahl

Die Auswahl der Filme konzentriert sich in erster Linie auf Kurzfilme, um das zentrale Problem der zeitlichen Einpassung in die Unterrichtsstunde zu entschärfen. Die Bandbreite der Filme und Unterrichtsmodule umfasst szenische Filme, Dokumentar- und Animationsfilme sowie demnächst auch Webformate.

Im Deutschunterricht kamen bislang vorwiegend Literaturverfilmungen zum Einsatz oder „künstlerisch hochwertige“ Spielfilme. Hierzu wurde speziell für die Filmbildung ein Spielfilmkanon und ein Kinderfilmkanon entwickelt. Dem Einsatz dieser Filme im Schulunterricht standen jedoch bisher mehrere Hindernisse im Weg. So ist im schulischen Alltag die Vorführung von Langfilmen mit einer Länge von 90, 100 oder 120 Minuten rein zeitlich oft kaum möglich. Zudem ist die Vorbereitung seitens der Lehrkraft von der Filmauswahl über die Sichtung des Films bis zur Verlaufsplanung der Unterrichtsstunden relativ (zeit-) aufwändig. Ein großer Teil der Lehrkräfte fühlte sich außerdem häufig nicht in der Lage, „anspruchsvolle“ Filme filmbildnerisch zu behandeln. Das bedeutete, dass auch mit dem Kanon von Filmklassikern (und speziell dazu entwickeltem filmpädagogischen Material) Filmbildung bislang nur punktuell in der Schule umgesetzt wurde. Mit der neuen Filmauswahl und den dazugehörigen Unterrichtsmaterialien will des Landesmedienzentrums eine systematische Filmbildung erleichtern und Lehrkräfte bei der Umsetzung unterstützen.

Konzept zur Filmbildung am Landesmedienzentrum

Im Konzeptpapier Filmbildung am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) ist detailliert ausgeführt, in welche Richtung sich die Filmbildung am Landesmedienzentrum entwickelt. Es sind vor allem fünf wesentliche Punkte, die das LMZ der künftigen Filmbildung zugrunde legt.

  • Das LMZ empfiehlt in der Filmbildung vor allem Kurzfilme einzusetzen (Spiel, Animation, Dokumentar). Diese sind – im Gegensatz zum abendfüllenden Spielfilm – sowohl in der Unterrrichtsvorbereitung als auch im Unterrichtsverlauf zeitsparend einsetzbar.
  • Die Module (Filme und zugehöriges Unterrichtsmaterial) sind für die Lehrperson niederschwellig einsetzbar d.h. es sind zum schulischen Einsatz weder weitreichende Vorkenntnisse noch übermäßig zeitaufwändige Vorbereitungsarbeiten nötig.
  • Die Module haben einen unmittelbaren Bildungsplanbezug und möglichst einen Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler.
  • Die Module bauen spiralcuricular aufeinander auf.
  • Filme und Module sind flächendeckend in Baden-Württemberg erhältlich.

Inhaltliche und methodische Aspekte

Neben dem Bildungsplanbezug gibt es noch andere Bildungsziele, die der filmische „Stoffverteilungsplan“ des LMZ zu berücksichtigen sucht. Filmpädagogen haben eine andere Sicht auf Film als Bildungsplanautoren. Das Material des LMZ versucht deshalb, möglichst die Bildungsziele des kompetenzorientierten Konzepts für die schulische Filmbildung der Länderkonferenz MedienBildung einzubeziehen. Dieser ist aufgeteilt in die vier Kompetenzbereiche

  • Filmanalyse
  • Filmnutzung
  • Filmproduktion und Präsentation sowie
  • Film in der Mediengesellschaft

und ist in den Filmbildungscurricula des LMZ detailliert dargestellt. Die wichtigsten der genannten Punkte sind im Konzeptpapier Filmbildung am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg zusammengefasst.

Praktische Umsetzung im Unterricht

Die Qualität von Lehrmaterial wird erst im schulischen Alltag deutlich. Die filmbildnerischen Module gehorchen deshalb auch folgenden ganz praktischen Bedingungen:

  • Die einzelnen Module umfassen eine oder zwei schulische Doppelstunden. In der Kombination lassen sich längere Lerneinheiten durchführen.
  • Die Module bedienen die sprachliche, dramaturgische, visuelle und tonale Ebene von Film und setzen diese Multimedialität in der Methodik um.
  • Da Film ein hohes Potenzial in Bezug auf einen affektiven Zugang und generell eine hohe Attraktivität für Kinder und Jugendliche besitzt, wollen die Module diese Zugangsebene nutzen, zum Beispiel indem die Gefühlsebene verstärkt einbezogen oder indem durch praktische Filmarbeit die Kreativität gefördert wird.
  • Die Module sind online (über die SESAM-Mediathek), per Ausleihe über die Kreismedienzentren oder per Kauf für jede baden-württembergische Lehrkraft verfügbar. Das LMZ hat für die Filme die Lizenzfragen geklärt, sie sind in der Schule problemlos einsetzbar.

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