MediaCulture-Online Blog

02.02.2011 | Jiří Hönes

Redax – Redaktionssystem für die Online-Schülerzeitung

Ohne großen technischen Aufwand zum eigenen Online-Magazin …

Unter dem Namen Redax bietet das Jugendnetz Baden-Württemberg ein Redaktionssystem für Schülerzeitungen an, das es ermöglicht, ohne besondere Software und Programmierkenntnisse ein eigenes Online-Magazin herauszugeben. Die Struktur des Systems ist angelegt wie eine richtige Redaktion: Es unterscheidet die Mitarbeiterrollen Autor, Redakteur und Chefredakteur, die mit unterschiedlichen Rechten ausgestattet sind. Die Bearbeitung ist denkbar einfach: Wer mit Textverarbeitungssoftware umgehen kann, der ist auch mit Redax schnell vertraut. Dabei stehen verschiedene Layouts zur Verfügung und es wird beständig an neuen Features gearbeitet. Angesprochen sind sowohl Schulen als auch alle sonstigen Jugendgruppen.
 
Die Online-Magazine werden auf dem Server des Jugendnetzes gehostet und sind unter einer Subdomain abrufbar. Jeder angemeldete Nutzer des Jugendnetzes kann dabei als Autor fungieren. Dazu muss lediglich ein Account angelegt werden. Autoren können Artikel verfassen und sie bei allen angeschlossenen Redaktionen einreichen – nicht nur bei der eigenen.

Eingabemaske zur Erstellung eines Artikels in Redax

… mit Bildern, Videos, Slideshows und Web 2.0-Features

Das System erlaubt die Einbindung zahlreicher Medientypen wie Bilder oder Videos von Portalen wie YouTube oder Vimeo. Ganz aktuell wurde auch die Einbettung von Issuu-Dokumenten und Animoto-Slideshows ermöglicht. In Sachen Web 2.0 ist man auch auf dem aktuellen Stand: Wenn es der Betreiber eines Magazins wünscht, können Like-Buttons von Facebook unter den Artikeln platziert werden und es ist auf Anfrage möglich, die aktuellen Tweets bei Twitter einzublenden. Auch lassen sich die Artikel via RSS- oder Atom-Feeds in andere Websites einbinden, eine XML-Schnittstelle ermöglicht die Einbindung des kompletten Magazins in ein externes Portal.

Gestalterisch stehen derzeit vier verschiedene Skins zur Verfügung, von denen eines einen personalisierten Header erlaubt. Weitere Möglichkeiten, in das Layout einzugreifen, sind in Vorbereitung. Es wird dabei immer versucht, Verbesserungen, die für ein Magazin eingerichtet wurden, auch allen anderen zur Verfügung zu stellen. Wie die Idee zu Redax entstanden ist, wie sich der Redaktionsalltag gestaltet und was sich gerade sonst noch in der Planung befindet, erzählt die Initiatorin Eva Rothfuß im Gespräch mit MediaCulture-Online:

Frau Rothfuß, erzählen Sie uns doch einmal, wie die Idee zu Redax entstanden ist!

Redax ist Bestandteil des Jugendnetzes Baden-Württemberg, einer Informationsplattform, die alle für Jugendliche relevanten Informationen zusammenfasst. Zudem soll es auch eine Mitmachplattform sein, an der Jugendliche sich beteiligen können, also sich zu den Themen, die sie bewegen, äußern können. Ein Bestandteil im Jugendnetz war schon von Anfang an das von Jugendlichen gestaltete Online-Magazin thema, in dem die Autoren über alles schreiben, was sie bewegt. Das Online-Magazin wurde schon damals von mir betreut. Ich wollte mit Schülern und Jugendlichen in Schulen oder in Jugendgruppen Workshops machen, wie man einen guten Bericht oder eine Reportage schreibt oder eine gute Überschrift textet.

Bei der Veröffentlichung der Ergebnisse in thema sind wir – technisch betrachtet – bald an unsere Grenzen gestoßen. Das alte Redaktionssystem lief zwar sehr stabil, hatte aber keine feingliedrige Rechteaufteilung und bot auch nur die Möglichkeit, im Voraus komprimierte, sehr kleine Bilder hochzuladen. Da haben wir festgestellt: Wenn wir wirklich den Schülern die Möglichkeit geben wollen, sich einfach einzuloggen und mitzumachen, muss das anders werden. Es musste ein Redaktionssystem her, das es erlaubt, ohne weitere technische Hilfsmittel, ohne Bildbearbeitungssoftware und ohne Programmierkenntnisse selbst mitzuarbeiten. Da wir wussten, dass es hier in Baden-Württemberg eine rege Schülerzeitungskultur gibt, hielten wir es für eine sinnvolle Idee, auch Online-Magazine zu stützen.

Wir wollten Online-Plattformen ermöglichen, die dann auch mit dem Jugendnetz vernetzt sein sollten. So ist die Idee von Redax entstanden – als Möglichkeit, auf dem Server des Jugendnetzes eigene Domains zur Verfügung zu stellen und Schülerzeitungen oder sonstigen Jugendgruppen einen Platz zu bieten, auf denen sie ihr eigenes Magazin hosten können.

Wann ging Redax an den Start?

Das war im September 2009. Da haben wir thema auf das neue Redaktionssystem umgestellt. Eigentlich hatte ich vor, dass wir erst einmal eine Pilotphase haben, in der wir Redax selbst intensiv testen. Doch die ging gerade mal ein paar Tage. Dann ist unser erster Partner, das Schülermagazin f79 in Freiburg, gestartet. Sie wollten ihre Printausgabe mit einem Online-Auftritt begleiten, da kam die Kooperation gerade recht und läuft bis heute.

Wie kann man sich den redaktionellen Ablauf bei Redax vorstellen?

Jeder, der sich im Jugendnetz als User registriert, kann Autor sein bei Redax – und zwar für jedes Magazin, das mitmacht. Er meldet sich an, klickt auf Artikel verfassen und schon ist er in Redax und kann einfach einen neuen Artikel anlegen. Er ist in dem Moment noch unabhängig von irgendeinem Magazin und kann sagen: Den möchte ich jetzt thema vom Jugendnetz, f79 in Freiburg oder der Realschule in Obrigheim anbieten.” Der jeweilige Chefredakteur entscheidet dann über die Veröffentlichung. Das heißt es kann jeder mitmachen, egal ob er schon Schülerzeitungsmitglied ist oder nicht.

Und wie wird man Partner bei Redax? Oder was muss man tun, um ein eigenes Redax-Magazin zu bekommen?

Wenn jemand ein eigenes Magazin starten möchte, kann er sich – ob das nun ein Schulleiter, Lehrer oder eine Schülergruppe ist – mit mir in Verbindung setzten. Dann schauen wir gemeinsam, wie die Bedürfnisse vor Ort sind, also ob dort zum Beispiel ein Schreibworkshop benötigt wird, oder ob es nur darum geht, das Magazin einzurichten und dazu eine Schulung durchzuführen. Ich oder wir – je nach Gruppengröße – kommen dann vor Ort, führen eine Schulung durch, in deren Verlauf dann auch das Magazin eingerichtet wird. Im Anschluss daran können die Gruppen direkt loslegen und ihre ersten Texte veröffentlichen.


Die Kosten liegen im Moment bei 125 € pro Jahr, darin ist alles enthalten von der Domain über unbegrenzten Serverplatz bis zum Support und der Teilhabe an allen Weiterentwicklungen, die noch kommen. Im Laufe der Zeit kamen und kommen immer wieder neue Features dazu. Im Moment planen wir beispielsweise für das erste Halbjahr 2011, aus den Online-Zeitungen auch eine Printzeitung als PDF zu generieren, die man dann ausdrucken kann.

Wird denn Redax tendenziell eher von Schulen oder von sonstigen Jugendgruppen genutzt?

Bislang lag der Fokus mehr auf den Schulgruppierungen, aber jetzt gibt es erste andere Gruppen. Beispielsweise hat das Deutsche Rote Kreuz in Aalen ein Magazin aufgemacht, das speziell über Freiwilligendienste wie FSJ und Zivildienst berichtet. Ab nächster Woche wird es ein Magazin der Jugenddelegierten in Ulm geben, also des Jugendgemeinderats. Und aktuell kamen zwei Magazine von außerhalb Baden-Württembergs dazu, in Hamburg und in Kiel, was uns natürlich besonders freut. Von daher habe ich das Gefühl, dass die Bandbreite wächst. Das Spannende ist auch, in welchen Zusammenhängen das funktioniert: dass man Redax als klassische Online-Schülerzeitung betreiben kann, es sich beispielsweise aber auch als Homepage oder Projektdokumentations-Tool” nutzen lässt.

Zu den Schulen: Welche Person übt denn dort für gewöhnlich die Funktion des Chefredakteurs aus? Sind das eher Lehrkräfte oder Schülerinnen und Schüler?

Das ist ganz unterschiedlich und hängt auch ein bisschen von der Mentalität der Schule und sicher auch den Erfahrungen ab, die dort gemacht wurden. Es gibt Schulen, an denen die Chefredakteursposition in der Hand der Schülerinnen und Schüler liegt. Das sind dann meist ein bis zwei schon ältere, erfahrene Personen. Es gibt aber auch Schulen, wo die Schülerinnen und Schüler zwar den Zugang haben und nutzen, es aber die Vereinbarung gibt, dass die betreuende Lehrkraft vor der Veröffentlichung nochmal drüber schaut. Und es gibt die Schulen, bei denen eine Lehrkraft den Zugang hat – was ich im Sinne der Partizipation und Eigenverantwortung etwas schade finde, jedoch aufgrund bekannter Problematiken auch gut verstehen kann.

 

Entgegen meiner Erwartungen haben wir jetzt sogar Redax-Magazine an Grundschulen und Förderschulen. Das finde ich auch besonders spannend. Ich hatte eher erwartet, dass Redax ein Produkt ist, das hauptsächlich von Gymnasien genutzt wird, weil dort einfach mehr geschrieben wird. Aber gerade die Möglichkeit, dass man Fotostrecken einbinden kann, und die einfache Handhabung und Gestaltung machen es eben auch für jüngere oder weniger schreibaffine Schüler attraktiv.

Und die Redakteure?

Das sind meist Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Zeitungsgruppe. Ihre Aufgabe ist es, zu schauen, ob die Artikel dem Magazinstandard entsprechen, und vor allem den Autoren Feedback zu geben. Die Funktion wird dann oft von älteren Schülerinnen und Schülern ausgeübt, die den jüngeren ihre Erfahrungen weitergeben können. Zudem überprüfen sie zum Beispiel die Quellenangaben.

Wo Sie es gerade ansprechen: Wie wird mit der Bildrechtefrage umgegangen?

Das ist Bestandteil der Workshops, die wir im Vorfeld halten. Die Fragen nach Urheberrecht und Bildrechte werden immer thematisiert. Es ist einfach wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler – und auch die Lehrkräfte – über solche Themen Bescheid wissen. Also wo man Bilder hernehmen kann, wie man diese verwerten darf und wie man die Quelle richtig angibt. Wir haben auch einen Ordner mit Hilfestellungen, zum Beispiel wie man einen guten Text schreibt oder wie man sich als Redaktion formiert. Darin haben wir auch das Urheberrechtsthema mit einem eigenen Kapitel aufgenommen. Für Fotos empfehlen wir zum Beispiel jugendfotos.de. Da gibt es schöne Bilder, die man bedenkenlos verwenden kann, wenn man die Quelle korrekt angibt.


 
Frau Rothfuß, wir danken für das Gespräch!

Was aus Redax so alles entstehen kann, sollen einige Beispiele veranschaulichen:

Der PARK-AFFE-OSTFILDERN
Schülerzeitung der Lindenschule (Grund- und Förderschule in Ostfildern, Landkreis Esslingen)

S’Chillerblatt
Schülerzeitung der Friedrich-Schiller-Realschule in Langenau (Landkreis Ulm)

F79
Schülermagazin für Freiburg und Region, erster Redax-Partner

FSJ – Das Magazin
Online-Magazin des Deutschen Roten Kreuzes in Aalen, dass über die Freiwilligenarbeit beim DRK berichtet.

ghr-magazine
Online-Schülerzeitung der Gerhart-Hauptmann-Realschule Leonberg (Landkreis Böblingen)

 

Weitere Informationen zu Redax, inklusive Video-Tutorials und Erfahrungsberichte, unter www.redax.jnbw.de

Interview, Lehrkräfte, Medienbildung, Schreiben / Recherchieren, Software

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