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15.03.2018 | Ina Mangold

Vero: Neue Konkurrenz für Facebook und Co.?

Bild: Alexa Suter/Unsplash, Lizenz: CC0

Ein neues Soziales Netzwerk – ohne Werbung. Und nur für die erste Million Nutzer/-innen kostenfrei. Seit einigen Wochen fliegen der Social Media Plattform Vero scheinbar wie aus dem Nichts die Mitglieder zu. Was steckt dahinter?

Vero gibt es eigentlich schon eine ganze Weile. Seit 2015 ist das Soziale Netzwerk bereits auf dem Markt, jedoch größtenteils ohne Erfolg. Seit Ende Februar 2018 ist Vero jedoch plötzlich in aller Munde und hat vor allem durch die Verbreitung auf anderen Plattformen zu einem Hype geführt. Der anschließende Nutzeransturm überforderte Veros Server zeitweise völlig. Schließlich schossen die Nutzerzahlen innerhalb weniger Wochen auf 3,5 Millionen, wie Vero am 4. März mitteilte.

Was kann Vero?

Vero ist ein optisch dunkler anmutendes Instagram, die Funktionen erinnern jedoch eher an Facebook. Die Nutzer/-innen sollen alles was ihnen gefällt mit ihrer Community teilen: Neben Bildern und Links sollen das auch Buchtitel, Filme, Serien und Orte wie Clubs oder Restaurants sein. Beim Posten kann dann mit einem Klick ausgewählt werden, ob der Post mit engen Freunden, Freunden oder Bekannten geteilt werden soll. Klingt erst einmal nach keiner Neuerung, das Besondere ist erst die Ankündigung, dabei ohne Werbung auszukommen. Dies soll durch eine Nutzungsgebühr gewährleistet werden, ursprünglich sollte die erste Million Nutzer die Plattform lebenslang kostenfrei nutzen dürfen.

Auch der generierte Newsfeed soll sich von anderen Netzwerken abheben. Facebooks Plattformen arbeiten seit langem mit Algorithmen, die nutzerspezifisch und intransparent die vermeintlich relevantesten Posts für die jeweiligen Nutzer/-innen filtern. Vero geht zurück zur chronologischen Auflistung aller geposteten Beiträge, damit sollen den Nutzer/-innen keine Informationen vorenthalten werden. Zudem können Produkte direkt auf der Plattform gekauft werden ohne die Plattform zu verlassen.

Woher kommt der plötzliche Hype?

Regisseur Zack Snyder zählt zu den Promotern der App. Quelle: Twitter

Diese neuen, nutzerfreundlichen Funktionen scheinen die Nutzer/-innen auf die Plattform zu locken. Das ZDF sieht die Unzufriedenheit mit den etablierten Netzwerken und den Reiz des Neuen als Grund für den plötzlichen Aufstieg. Auch der Versuch, die Plattform mit der begrenzten, kostenlosen Mitgliedschaft exklusiv wirken zu lassen, könnte ein Grund sein. Ebenso gibt es Gerüchte, dass hinter dem Aufschwung eine gut geplante Influencerkampagne steckt. OMR fand heraus, dass Influencer-Posts auf Instagram mit dem Hashtag #vero Ende Februar auffällig stark anstiegen. Und tatsächlich sind auf Vero viele Künstler/-innen und Nischen-Influencer unterwegs. Das kann aber auch daran liegen, dass sich die Plattform durch die Algorithmus-Freiheit bei den Postings extrem gut für die Arbeitsweise von Influencern eignet.

Vero und die allgegenwärtigen Influencer

Allein der Feed, der keine Beiträge durch Algorithmen verschwinden lässt, eignet sich für die Meinungsführer der neuen Generation, um eine größere Reichweite als üblich zu generieren. Auch die Funktion, direkt Artikel über die Plattform verkaufen zu können, macht die Arbeit von Influencern für Unternehmen noch interessanter. Die indirekte Werbung kann so direkt ihren Zweck erfüllen. Hier stellt sich die Frage, ob die Plattform dann überhaupt noch als werbefrei bezeichnet werden darf. Und: Je mehr Influencer, desto mehr Nutzer/-innen – sie können für ein Soziales Netzwerk wie ein Magnet wirken.

So sieht es im Bereich Datenschutz aus

Kurz gesagt: Es gibt viele Unklarheiten. Die Plattform verspricht keine persönlichen Daten zu sammeln, da diese für den chronologischen Feed nicht benötigt werden. Auf der Informationswebsite werden trotzdem Cookies eingesetzt. Auch wie oft die App von einzelnen Usern verwendet wird, wird registriert. Teilweise werden Daten auch an Firmen, die Aufgaben für Vero übernehmen, weitergegeben.  

Bei der Nutzung der von den Nutzer(-inne)n geteilten Inhalte unterscheidet sich Vero nicht von Instagram oder Facebook: Die User übertragen Vero umfangreiche Nutzungsrechte. Viele Nutzer/-innen ließen sich auch schnell wieder durch die zwingende Angabe der eigenen Handynummer abschrecken. Vero hingegen argumentiert mit der eindeutigen Verifizierung des Accounts. Seinen Account zu löschen ist auch nicht so einfach. Es muss erst ein Antrag gestellt werden, bevor das Konto gelöscht werden kann.

Viele Unklarheiten lassen aufhorchen

Bild: Unsplash.com, Lizenz: CC0

Es bleibt ungewiss, ob ein Soziales Netzwerk ohne Werbung überhaupt überleben kann. Beinahe jedes Soziale Netzwerk startete ohne Werbung und musste früher oder später feststellen, dass die Finanzierung ganz ohne Werbeeinnahmen auf Dauer nur schwer umsetzbar ist. Die Problemlösung soll zwar durch die Mitgliedsbeiträge erfolgen, deren Höhe noch nicht veröffentlicht wurde. Diese Beiträge werfen aber ohnehin Fragen auf: Über eine Millionen Nutzer/-innen dürfen mittlerweile wegen den aufgetretenen technischen Problemen kostenlos teilnehmen. Das Angebot wurde auf unbestimmte Zeit verlängert. Vielleicht möchten die Macher vorerst kein Risiko eingehen: Bislang konnten sich online nicht viele bezahlpflichtige Angebote durchsetzen, man denke nur an die Kostenlos-Politik der Presse im Netz.  

Genug finanzielle Ressourcen müssten dennoch vorhanden sein, schließlich ist der Milliardär Ayman Hairi einer der Mitgründer. Dieser stand in Medienberichten zuletzt in der Kritik: Er war in leitenden Positionen bei der Firma Saudi Oger, die wegen nicht gezahlter Löhne in Saudi-Arabien Negativ-Schlagzeilen machte. In einem Statement betont Vero, dass Hairi nicht an den Vorfällen beteiligt war. Die Skepsis gegenüber ihm und Vero bleibt jedoch meist bestehen.

Ein weiterer unklarer Punkt ist die rechtliche Intransparenz des Unternehmens. Auf der Website von Vero ist kein Impressum zu finden – es ist also nicht eindeutig, nach welchem Recht die Plattform agiert. Ein fehlendes Impressum auf einer Website ist in Deutschland zudem rechtswidrig. Auch die AGBs der Plattform sind nur auf Englisch verfasst.

Was passiert nach dem Hype?

Technische Probleme, der Mitbegründer Hairi und die Herausgabe der Handynummern ließen bereits viele interessierte Nutzer/-innen wieder abspringen. Die Plattform selbst sieht sich hingegen als revolutionär. Sie schaffe einen neuen Weg online sozial zu sein, Vero heiße übersetzt schließlich die Wahrheit. Dank dem Hype wurde Veros Wachstumsprozess unnatürlich beschleunigt. Daher wird man sicherlich auch bald sehen, ob die Plattform wirklich dem Facebook-Imperium Konkurrenz dauerhaft machen kann oder doch nur ein Hype bleibt.

 

Mehr Informationen zu Sozialen Netzwerken finden Sie hier.

Datenschutz, Eltern, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Medienbildung, Soziale Netzwerke, Werbung

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