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08.06.2018 | Fabian Karg

„Harry Potter Hogwarts Mystery“: Von einem Zauberer, der auszog, um das Warten zu lernen

Screenshot aus „Harry Potter: Hogwarts Mystery“ © 2018 Jam City, Inc.

Es begann im Dezember 2017: JamCity, ein Entwicklerstudio für mobile Spiele, und Warner Bros. Interactive Entertainment, ein Weltkonzern der Unterhaltungsbranche, der die Rechte an „Harry Potter“ besitzt, gaben bekannt, dass ein Lizenzvertrag unterzeichnet wurde, der die Erstellung eines mobilen Spiels in der Welt von „Harry Potter“ ermöglichen würde.

 

JamCity hat viel Erfahrung im Bereich Free-to-play-Spiele mit In-App-Käufen. Sie brachten beispielsweise das Spiel „Cookie Jam“ auf den Markt, das bis heute Millionen von Spielern an mobile Geräte fesselt.

Lizenzspiele – nicht immer ein Erfolg

In dieser Woche steht „Harry Potter Hogwarts Mystery“ auf Platz fünf der meistgeladenen Free-to-play-Titel für das iPhone  - nur zwei Plätze hinter dem Erfolgshit „Fortnite“. Der Name des Zauberers lockt (junge) Menschen automatisch an.

 

Doch Spiele, die auf bekannten, beliebten Lizenzen basieren, werden leider nicht automatisch gute Spiele. In den vergangenen sechs Monaten wurden drei Spiele veröffentlicht, die große Geschichten erzählen – „Herr der Ringe“, „Star Wars“, „Harry Potter“. Sie haben eine Gemeinsamkeit, nämlich dass sie massiv auf Mikrotransaktionen setzen - auf mobilen Geräten auch In-App-Käufe genannt. Der Spieler kann sich für einen bestimmten Betrag, der oft gar nicht mehr so richtig „mikro“ ist, digitale Güter, Ressourcen oder Zusatzinhalte kaufen.

 

Bei dem Spiel „Mittelerde: Schatten des Krieges“ (2017), das im „Herr der Ringe“-Universum spielt, lenkte das Entwicklerstudio Monolith nach massiven Beschwerden ein und entfernte die Mikrotransaktionen aus dem Spiel. Bei „Star Wars: Battlefront 2“ (2017) war das allerdings nicht der Fall. Hier behält der Publisher EA die Mikrotransaktionen auch nach massiven Protesten der Fans weiterhin im Spiel.

Free-to-play Mechanik bei „Harry Potter“

Was „Harry Potter Hogwarts Mystery“ von den anderen beiden Lizenzspielen unterscheidet, ist die Art der Vermarktung. „Harry Potter“ ist ein Free-to-play-Titel, während „Mittelerde“ und „Battlefront 2“ sogenannte Vollpreistitel sind.

 

Die Free-to-play-Mechanik erfreut sich bei den mobilen Spielen immer größerer Beliebtheit. Die Kunden laden sich das Spiel herunter, können es kostenfrei spielen und haben im Spiel die Möglichkeit, Inhalte zu kaufen. Sieht man sich die Auswahl an Spielen auf den mobilen Marktplätzen an, merkt man schnell, dass die meisten Entwickler heute nach diesem Schema arbeiten. Warum? Es bringt mehr Umsatz. Für das Jahr 2017 kann man die folgenden Zahlen finden:

 

„1,2 Milliarden Euro (79 Prozent) Umsatz wurden über kostenpflichtige Angebote innerhalb von Apps erzielt. Gerade einmal 232 Millionen Euro (15 Prozent) sind über Werbung und 91 Millionen Euro (6 Prozent) direkt über den Kaufpreis in die Kassen der Anbieter geflossen.“

 

Free-to-play-Titel sind in den meisten Fällen auf Mobilgeräte ausgelegt und mit einer kaufbaren Ressource versehen. Dazu zählen beispielsweise Edelsteine, Gold und Juwelen. Die gekauften Ressourcen sind in der Regel recht schnell aufgebraucht und man benötigt neue, die wiederholt Geld kosten.“ Diese können bequem aus dem Spiel heraus per In-App-Kauf über den App Store oder den Google Play Store gekauft werden. Hierzu wird ein Konto beim jeweiligen Dienst benötigt. Bezahlt wird per Kreditkarte oder über ein Guthaben, das durch Prepaidkarten erstanden wurde.

„Harry Potter Hogwarts Mystery“: Das Spiel

Im Spiel „Harry Potter Hogwarts Mystery“ übernehmen wir die Rolle eines neuen Schülers an der Zauberschule Hogwarts. Zeitlich ist das Spiel vor Harry Potters erstem Schuljahr angesiedelt. Das Spiel wirkt hochwertig produziert und thematisch interessant.

 

Das war es dann leider auch schon: Ein spannendes Gameplay ist nicht vorhanden. Blaue Marker zeigen den Weg und aufdringliche Ausrufezeichen lassen wenig Spielraum für eigenes Ausprobieren. Überall wird dem Spieler geholfen mit dem Finger anspruchslos auf den Bildschirm zu tippen.

Screenshot aus „Harry Potter: Hogwarts Mystery“ © 2018 Jam City, Inc.
Screenshot aus „Harry Potter: Hogwarts Mystery“ © 2018 Jam City, Inc.

In sogenannten Abenteuer-Sequenzen wird der Charakter weiterentwickelt und es geht im Spiel voran. Die  in diesem Part auszuführenden Aktionen verbrauchen Energiepunkte, von denen man maximal 24 besitzen kann. Sind diese Energiepunkte aufgebraucht und die jeweilige Mission wurde noch nicht beendet, hat man Pech gehabt.

 

Man hat in diesem Fall zwei Möglichkeiten:

  1. Warten – es dauert vier Minuten, um einen neuen Energiepunkt zu erhalten.
  2. Bezahlen - mit Echtgeld. Im Moment bekommt man für 5,49 EUR ca. 130 Edelsteine. Diese kann man dann in 75 Energiepunkte umtauschen.

Da man die Missionen in einem bestimmten Zeitraum zu absolvieren hat – beispielsweise hat man für das Befreien aus den Klauen einer Kreatur zwei Stunden Zeit – wird es eng, auf die Energiepunkte zu warten. Schnell sind also die Edelsteine gekauft, es sei denn die In-App-Käufe sind auf dem Gerät deaktiviert, bzw. das Passwort des App Stores ist nicht bekannt.

 

Aber auch die gekauften 75 Energiepunkte sind im folgenden Spielverlauf schnell wieder aufgebraucht. Sind die ersten Juwelen einmal gekauft, ist die Hemmschwelle beim zweiten Kauf niedriger und die Geschwindigkeit des Verbrauches höher.

 

 

Screenshot aus „Harry Potter: Hogwarts Mystery“ © 2018 Jam City, Inc.
Screenshot aus „Harry Potter: Hogwarts Mystery“ © 2018 Jam City, Inc.

Fazit

Auch wenn nach Protesten die Preise teilweise reduziert  wurden, ist „Harry Potter Hogwarts Mystery“ nur eines von vielen Beispielen aus den vergangenen Monaten, das zeigt, dass es immer häufiger darum geht, den Spielern das Geld aus der Tasche zu ziehen und weniger um gute Spielinhalte.

 

Diese Mechanik sollte man Kindern und Jugendlichen erklären – tut man es, wird man immer wieder feststellen, wie viele von ihnen reflektiert damit umgehen und sich von In-App-Käufen distanzieren.

 

Mehr Informationen zu In-Game-Käufen finden Sie hier. Zu unserem Computerspielbereich geht es hier entlang.

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