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24.04.2018 | Ina Mangold

Big Data – das sollten Schülerinnen und Schüler wissen

Das System der Zukunft: Was kann Big Data? Bild:Bild: Unsplash.com, Lizenz: CC0

Kevin ist 15, spielt regelmäßig Videospiele und trifft sich abends heimlich auf dem Spielplatz mit Freunden. Dank Big Data kann das aus seinen Online-Daten nachvollzogen werden. Im Bildungsplan verankert, wird das Thema auch in verschiedenen Fächern und Jahrgangsstufen aufgegriffen: Doch was sollten Schülerinnen und Schüler über Big Data wissen?

 

In technischen Bereichen gilt Big Data als das System der Zukunft. Daten sind bekanntlich nicht nur reine Informationsmengen, sondern bieten die Basis für Beeinflussungsmöglichkeiten, aber auch Fortschritt.  Daher müssen Jugendliche den Themenkomplex Big Data verstehen und darauf aufbauend die richtigen Entscheidungen für sich treffen können. Ein Überblick. 

1. Was ist Big Data?

In Zukunft wird man Daten in Zettabyte messen müssen: Das ist eine Zahl mit 21 Nullen. Bild: LMZ

Als Big Data werden Datenmengen bezeichnet, die zu komplex für die manuelle oder herkömmliche Verarbeitung von Daten sind – also beispielsweise nicht mehr mit einer Excel-Tabelle erfassbar sind, sondern durch Algorithmen verwaltet werden müssen. Herausforderung sind dabei die drei V's: Volume (Datenmenge), Velocity (Geschwindigkeit) und Variety (Vielfalt). Das heißt, es gibt immer mehr Daten, die durch die digitale Vernetzung immer schneller einfließen und variantenreicher werden. Schließlich geht es nicht mehr nur um Adressen, sondern auch Social Media-Posts oder gar Bilder, die analysiert werden können. Denn Daten sind nicht mehr nur Namen oder E-Mail-Adressen, sondern auch die Aufzeichnung von Online-Bestellungen, Browserverläufe, der letzte Like auf Instagram oder die Aufzeichnungen eines Fitnessarmbandes.

 

Die Möglichkeit immer mehr und kostengünstiger auf immer kleineren Speichermedien zu sichern, formt die Grundlage für Big Data. Dabei ist nicht nur die Sammlung von Daten entscheidend, sondern die Nutzung der Datenmengen. So können die Daten zu verschiedenen Zwecken effektiv genutzt werden, das Paradebeispiel ist die personalisierte Werbung auf Facebook.

 

Wichtig zu verstehen ist hierbei, dass Datensätze Geldquellen sind. Durch genauere Informationen über Zielgruppen können Unternehmen gezielter Produkte oder sich selbst vermarkten – und zahlen für diese Zielgruppeninformationen. Auch in der Industrie können durch Daten Kosten reduziert werden, beispielsweise wenn Daten entlang von Produktionsketten Optimierungen ermöglichen. 

2. Woher kommen die vielen Daten? Wo hinterlassen wir sie?

Auch Smart Homes sammeln ständig Daten. Bild:Bild: Unsplash.com, Lizenz: CC0

Es gibt fast keinen Bereich mehr, in dem wir ohne elektronische Geräte, die mit dem Internet verbunden sind, auskommen: Sensoren in Smartphones können zum Erstellen von Bewegungsprofilen beitragen. Smartwatches sammeln Informationen über die Fitness der Nutzer/-innen. Navigationssysteme können Informationen über Standort oder Fahrgeschwindigkeit freigeben, die zu umfangreichen Verkehrsdaten führen. Unsere Aktivitäten auf Social Media verursachen Daten: Welche Seiten wurden gelikt, wo wurde das hochgeladene Foto aufgenommen, aber auch das Foto an sich. Google als Suchmaschine bündelt Suchanfragen und kann somit Trends ermitteln. Auch mit Smart Home-Systemen können Daten gesammelt werden: Wann ist wo das Licht an, wie ist das Thermostat eingestellt, welches Lied sollte Alexa zuletzt auf Spotify spielen. Dann gibt es noch Webseiten, die unsere Surfaktivitäten durch Cookies und Webprotokolle nachvollziehen. Und Apps, denen wir durch das Akzeptieren der AGBs erlauben, unsere Adressbücher zu durchforsten oder Zugriff auf die Social Media-Konten unserer Freunde geben. Oft nicht bekannt ist der Nutzen in der Industrie 4.0, wo durch Sensoren Produktionsabläufe überwacht werden – das ermöglicht genauere Arbeitsprozesse.

 

Eine solch lückenlose Überwachung kann Vorteile haben, denkt man beispielsweise an die Forschung – je mehr Daten es hier gibt, desto genauere Erkenntnisse können gezogen werden. Sie kann aber auch zu Manipulationsmöglichkeiten führen – hier sei wieder an die Werbung auf Sozialen Netzwerken zu denken und vor allem an den Fall Cambridge Analytica.

3. Social Media und Daten

Die meisten Social Media-Angebote finanzieren sich durch Daten. Das heißt nicht, dass Plattformen wie Facebook, Instagram oder Twitter unsere Daten als Datenpakete verkaufen. Sie bieten den Zugang zu potenziellen Zielgruppen, die sie mit Hilfe von Algorithmen aus unseren Social Media-Aktivitäten filtern. Auf Facebook kommt beispielsweise hinzu, dass externen Apps die Möglichkeit zum Sammeln von User-Daten gewährt wird. Hier müssen die App-Nutzer/-innen allerdings dem Zugriff auf das eigene Profil zugestimmt haben. Die Apps dürfen die Daten ebenfalls nur zur Verbesserung der eigenen Anwendung verwenden. Auch Snapchat und Instagram haben Regeln zur Weitergabe an Dritte.

 

Den Nutzer(-inne)n sollte bewusst sein, dass ihre Daten in Sozialen Netzwerken als eine Art Währung gehandhabt werden. Daher sollten unbedingt die AGBs – zumindest auszugweise – gelesen werden.

4. Herausforderungen und Gefahren

Durch die Auswertung und Verknüpfung von Daten können weitreichende Schlussfolgerungen über einzelne Personen gezogen werden. Bild: Bild: Unsplash.com, Lizenz: CC0

Je mehr Informationen wir preisgeben, desto offener sind wir gegenüber Manipulation, Beeinflussung und Bewertung. Denn problematisch wird es, wenn es um persönliche Daten geht, die man nicht an Dritte weitergeben möchte – auch weil man Angst hat, dass diese Daten zum eigenen Nachteil verwendet werden. Das klassische Beispiel ist hier das Beispiel der Krankenkasse: Was würde passieren, wenn Krankenkassen ein Profil ihrer Kunden aus Social Media-Beiträgen und Fitness-Armbändern erstellen? Wer nur auf der Couch sitzt und nicht genügt sportliche Aktivität aufweist muss möglicherweise einen höheren Beitrag zahlen?

 

Ebenso können durch die Auswertung von Daten falsche Schlüsse gezogen werden, denn oft werden durch vorhandene Daten Benutzerprofile erstellt. Erstellte Profile spielen auch in Hinblick auf Manipulation eine Rolle: Fallen wir in ein Raster, bekommen wir entsprechend personalisierte Werbung zu sehen. Einen Schritt weiter geht es dann, wenn eine Plattform unsere Browseraktivitäten mitliest und uns darauf basierend personalisierte Werbung zeigt. Das kann schon unter Beeinflussung gezählt werden – wo man wieder bei dem Thema Filterbubble wäre.

 

Die Gefahr, dass Daten missbraucht werden besteht. Oftmals wird in diesem Zuge von dem „gläsernen Menschen“ geredet – die Privatsphäre verschwindet danach mehr und mehr.

5. Digitale Selbstverteidigung: Wie kann man sich vor Datenklau schützen?

Besonders auf Sozialen Netzwerken hinterlassen Jugendliche Daten. Hier korreliert der Schutz der eigenen Daten mit den Reizen der Netzwerke. Soziale Anerkennung, Selbstinszenierung und der Unterhaltungsfaktor machen die Plattformen trotz des Datensammelns attraktiv. Hier sollten die Privatsphäre-Einstellungen genau betrachtet und nach Möglichkeit die Weitergabe von Daten an Partner der Plattformen unterbunden werden.

 

Bei kostenfreien Apps, vor allem Spieleapps, sollte zweimal hingeschaut werden. Oftmals sammeln diese Daten durch den Zugriff auf das Adressbuch oder auch andere Apps. Hier reicht es schon, sich mit seinem Facebook-Profil bei der App anzumelden. Es sollten also unbedingt die AGBs gelesen und die Berechtigungen geprüft werden.

 

Beim Surfen im Web können durch Programme wie Ghostery Tracking-Technologien aufgespürt werden. Die Software zeigt Datensammel-Programme an und kann diese auf Wunsch direkt blockieren. Ebenso hilft es Cookies regelmäßig zu löschen, um dauerhaftes Tracking zu vermeiden. 

Fazit

In Zukunft wird es immer wichtiger, dass man den Überblick über die Beschaffungs- und  Auswertungsmöglichkeiten von Daten behält. Nur so kann man sich überlegen, ob und wie man seine persönlichen Daten schützt und man kann einschätzen, ob man eventuell durch Werbung beeinflusst wird. Diese negativen Aspekte sollten beachtet werden, dabei aber die positiven Aspekte nicht außer Acht gelassen werden: Für Wirtschaft oder Forschung haben Daten einen positiven Mehrwert.

 

Mehr über das Thema Daten und Big Data finden Sie hier:

 

Datenschutz, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte

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