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13.09.2017 | Nora Brockamp

Wahl-O-Mat und Co. im Check

Bild: Screenshot von Diskutiermitmir

Die Bundestagswahlen am 24. September rücken näher, die Briefwahlunterlagen sollten langsam bestellt sein und es mehren sich Online-Tools, die Übereinstimmungen der eigenen Meinung mit denen der antretenden Parteien vergleichen. Wir geben Ihnen einen Überblick.

Der Wahl-O-Mat – Altbekannt und nützlich

Bild: Bundeszentrale für politische Bildung

Seit mehreren Jahren schon hat sich der Wahl-O-Mat zum Abgleichen der eigenen Meinung mit denen der wählbaren Parteien etabliert. Anhand von 38 Aussagen aus verschiedenen politisch relevanten Themen lassen sich die Parteien vergleichen. Dazu müssen Nutzer/-innen lediglich in einer Art Frage-Antwort-Spiel angeben, ob sie den Aussagen zustimmen oder nicht. Auch ist es möglich, neutral zu einem Wahlprüfstein zu stehen oder eine These zu überspringen. Vor der Auswertung können als persönlich wichtig empfundene Thesen auch stärker gewichtet werden als andere.

 

Ein großer Vorteil des Wahl-O-Mat ist, dass man zwar nur die Übereinstimmung der eigenen Meinung mit denen von acht Parteien zeitgleich vergleichen kann, in diesem Jahr jedoch von 33 antretenden Parteien sich 32 zu den Wahlprüfsteinen geäußert haben. So ist ein breiter Vergleich möglich. Zudem können sowohl übersichtliche Kurzantworten als auch Begründungen verglichen werden. Die Relevanz der ausgewählten Wahlprüfsteine lässt sich jedoch je nach persönlichem Empfinden unterschiedlich gewichten.

 

Bereitgestellt wird der Wahl-O-Mat von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Diese hat in einem dreitägigen Workshop von Wissenschaftlern mit 26 Jung- und Erstwählern über 80 Thesen erarbeitet, die zunächst mit einer Bitte um Antworten und Begründungen an alle Parteien gesendet wurden. Anschließend wurden aus diesen 38 aussagekräftige Thesen ausgewählt.

Diskutiermitmir – Anonym mit politisch Andersdenkenden diskutieren

Bild: Screenshot Diksutiermitmir

Unter dem Slogan „Wir müssen reden!“ kann man seit Anfang August auf diskutiermitmir.de über Politik diskutieren. Dabei würfelt die Website zwei politisch unterschiedlich eingestellte Menschen zu Chatpartnern zusammen. Dieses Tool eignet sich eher dazu, sich mit politischen Themen auseinanderzusetzen, die eigene Position oder die eines Chatpartners zu hinterfragen oder zu festigen.

 

Dazu muss man einen anonymen Nutzernamen und die Partei angeben, die man wählen würde, wenn heute Wahlen wären. Wenn man sich noch sehr unsicher ist, gibt es auch die Möglichkeit sich auf einer Skala von Links über Mitte bis rechts einzuordnen. Anschließend sucht die Website nach möglichst politisch konträr eingestellten Chatpartnern. Es öffnet sich ein Chatfenster, in dem man im eins-zu-eins Gespräch die Debatte starten kann. Dafür wird beiden Chatpartnern zunächst eine aktuelle These gezeigt, zu der man sich von „Absolut richtig!“ über „Ich bin unentschlossen.“ bis zu „Völliger Unsinn!“ einordnen soll.

 

Die Plattform, die sich selbst auch als Speed-Dating-Plattform für politische Diskussionen beschreibt, fördert Gespräche über die eigene Meinung hinweg und bringt Menschen zusammen, die sich im realen Leben nicht über Politik unterhalten würden, da sie sehr unterschiedliche Ansichten haben. Es handelt sich jedoch nicht um einen sicheren Chat, den man Jugendlichen zur politischen Bildung unbegleitet empfehlen kann. Unangemessenes Verhalten eines Chatpartners kann man zwar melden, da jedoch niemand mit persönlichen Daten angemeldet ist, kann dies kaum Auswirkungen haben.

Dein Wal – Die Entscheidungen der letzten Legislaturperiode

Bild: Screenshot von Dein Wal

DeinWal.de funktioniert ähnlich wie der Wahl-O-Mat: Man bekommt eine These vorgelegt, zu der man sich positionieren soll. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass es sich um tatsächlich im Bundestag behandelte Themen handelt, über die in der letzten Legislaturperiode abgestimmt wurde. Somit kann das reale Verhalten einer Partei beobachtet werden.

 

Der Nachteil an diesem Tool liegt auf der Hand: Es sind nur die Antworten von aktuell im Bundestag vertretenen Parteien abrufbar. Weitere Hintergrundinformationen zu der jeweiligen Abstimmung können mit Hilfe des Tools nachgelesen werden.

Google weiß alles

Der gigantische Informationssammler Google lässt sich zu Nutze machen, um sich zur Wahl zu informieren. Zum einen kann man mit dem Tool Wahl 2Q17  herausfinden, welche Politiker an welchen Tagen in Kombination mit welchen Stichworten am meisten gegooglet wurden. Zum anderen gibt es dieses Google-Tool, welches die Kandidaten des eigenen Wahlkreises anzeigt und mit einem Klick direkt googlen lässt, um weitere Informationen über diese zu erfahren.

Thematische Wahl-Helfer

  • Der Agrar-O-Mat vergleicht ähnlich wie der Wahl-O-Mat die Parteien, jedoch mit dem Themenschwerpunkt Landwirtschaft.
  • Der Sozial-O-Mat funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip in Bezug auf Themen wie Armut, Flucht, Familie und Pflege im Alter. Zudem stellt dieses Tool vor jedem Themenblock einige Informationen zum Thema zur Verfügung. Vergleichen kann man am Ende jedoch nicht nur die Meinungen der sechs großen Parteien (CDU/CSU, SPD, Grüne, Linke, FDP, AfD), sondern auch die der Diakonie (Wohlfahrtsverband). Somit sind der Einfluss des Verbands auf die Formulierung der Wahlprüfsteine und die Auswahl der Themen zu bedenken.
  • Der von uns bereits vorgestellte Digital-Thesen-Check stellt die Meinungen der aktuell im Bundestag vertretenen Parteien zu Fragen der Digitalisierung übersichtlich dar und lässt ebenfalls den Blick in die Begründungen zu.

Viele weitere Tools

Ähnlich wie der Wahl-O-Mat sind inzwischen viele andere Tools aufgebaut, die unterschiedliche Thesen beinhalten und das Ergebnis beispielsweise noch auf einer politischen Landkarte verorten. Beispiele sind das Wahl-Navi oder der Bundeswahlkompass. Darüber hinaus gibt es viele kleinere Initiativen, wie den Wahlcheck der Stuttgarter Zeitung.

 

Als Alternative zu Web-Tools gibt es auch Apps. Ein Beispiel hierfür ist die sehr umfassende App Meine erste Wahl, bei der Jungwähler 334 Wahlfragen beantworten müssen, bevor sie ein Parteien-Ergebnis bekommen. Auch viel von den Medien diskutiert wurde der Wahl-Swiper, bei dem man auf dem Handy, statt auf einen Button zu drücken, nach rechts oder links streicht. Im Vergleich zum Wahl-O-Mat bieten diese Tools jedoch keinen großen Mehrwert.

Drei Scherzkekse

Für etwas zum Lachen neben der ernsthaften Politik sorgen diese eher scherzhaften Tools:

  1. Die Seite sollichafdwaehlen.de beantwortet diese Frage grundsätzlich eindeutig mit Nein.
  2. Der Musik-O-Mat vergleicht den eigenen Musikgeschmack mit dem angeblichen Geschmack der großen Parteien.
  3. Der Steuer-O-Mat errechnet nach dem Jahres-Brutto-Gehalt, Familienstand und Anzahl der Kinder, mit welcher Partei man laut Wahlversprechen steuerlich am besten da stehen würde.

Außerschulische Pädagogik, Eltern, Gemeinschaftskunde, Internet / Web 2.0, Lehrkräfte, Studierende

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