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20.11.2017 | Jiří Hönes

Serwus, i bims das Jugendwort

1 völlig Zusammenhang lose aber vong Urheberecht unbedenkliche Foto; Bild: Pixabay

Am vergangenen Freitag hat der Langenscheidt-Verlag „i bims“ zum Jugendwort des Jahres gekürt. Nach Sparkassenwerbung und Buchpublikation von Willy Nachdenklich samt Lesungen ist die „Vong-Sprache“ damit endgültig im Mainstream angelangt.

Es ist ja immer so eine Sache mit dem Jugendwort. Zum Zeitpunkt der Auszeichnung ist es in der Regel der Jugendsprache längst entflogen und geistert in allerlei Diskursen junger und nicht mehr ganz so junger Erwachsener umher. Oder es entstammt gleich ganz diesem Milieu. Das jetzt von der Jury des Langenscheidt-Verlags ausgewählte „i bims“ geht auf die Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ zurück. Dahinter steckt ein junger Mann aus Amberg in der Oberpfalz, der jedoch dem Jugendalter längst entwachsen war, als er vor über zwei Jahren einen Hype lostrat – nach eigenen Angaben, weil er krank im Bett lag und sich langweilte.

Die Seite parodierte zunächst vor allem pseudotiefsinnige Sprüche auf kitschigen Sonnenuntergangsfotos, wie sie seit Jahren durch die Sozialen Netzwerke geistern. Markenzeichen waren stets die inflationär eingebauten Rechtschreib- und Tippfehler, die sich schnell zum Hype entwickelten. Wie so oft bei Internethumor schieden sich die Geister und während eine Fraktion jeden neuen Post der Seite feierte, schüttelte die andere fassungslos den Kopf. Die Phrase „i bims“ ist schlicht die dialektal gefärbte und vertippte Variante von „ich bin’s“. Sie tauchte ursprünglich im Kontext „Serwus, i bims“ auf, vermutlich in Zusammenhang mit „all seitz beliebte Bärchen“, einer immer wiederkehrenden Meme-Figur der Seite. (Um dies zu verifizieren müsste man allerdings die Timeline der Seite soweit zurückscrollen, dass 1 Arbeitstag dafür draufginge.)

Was ist das für 1 Jugendsprache?

Doch auch der Mann, den der Betreiber von „Nachdenkliche Sprüche“ als Inspirationsquelle nennt, hat seine Jugend weit hinter sich, der österreichische Rapper Money Boy. Auf ihn geht nach allgemeiner Ansicht die „1“ anstelle von „ein“ zurück, die vor allem durch die mittlerweile etwas ruhig gewordene Facebook-Seite „Was ist das für 1 life?“ bekannt wurde. In der Folge jagte ein neuer Kanal in dieser Manier den nächsten, „Katzenshizzl für Mädchen“, „VONG“, „Tattoofrei“ und wie sie alle heißen und hießen.

 

Tatsächlich hatte das Phänomen Einfluss auf die Sprache, sowohl die (in Chats und auf Social Media) geschriebene als auch die gesprochene. Zielgruppe und Trägerschaft waren aber wohl eher internetaffine Menschen, die gerne kreativ mit Sprache spielen, als „die Jugend“ allgemein. Die Reaktionen der Zeitungen folgten bald, mal rein deskriptiv, mal mit feuilletonistischem Anstrich und mal unter Zuhilfenahme eines waschechten Linguisten. Meist überwog eine positive Sichtweise, doch hier und da wurden die Betreiber/-innen und Fans der Seiten auch mal als „Sozialchauvinisten“ bezeichnet, die sich letztlich nur an den mangelnden Orthografiekenntnissen vieler Facebook-Nutzer/-innen ergötzen. „Porno für Lehrerkinder“ hieß es bei VICE.

 

Als dann im September 2016 die Sparkassen-Gruppe mit dem Werbeslogan „Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her“ ankam, war der Zenit endgültig überschritten. Wenn das alles jemals Jugendsprache war, spätestens zu diesem Zeitpunkt waren es „vong“, „was ist das für 1 life“ und „i bims“ nicht mehr. Mittlerweile gibt es gar einen Wikipedia-Artikel. Insofern kommt die Auszeichnung zum Jugendwort des Jahres 2017 dann doch recht spät.

Deutsch, Soziale Netzwerke

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