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19.01.2017 | Nora Brockamp

Scrollytelling in der Schule

Bild: Unsplash.com, Lizenz: CC0

Wenn man wieder einmal den zehn Jahre alten Dokumentarfilm über den Zweiten Weltkrieg in den Händen hält und ihn nicht mehr sehen kann, dann kann Scrollytelling möglicherweise eine echte Alternative darstellen. Für den Einsatz dieser Methode benötigt man nur einen Computerraum oder ein anderes internetfähiges Gerät pro Schüler/-in und eine vorher recherchierte Multimedia-Reportage. Der folgende Blog-Beitrag widmet sich daher der Frage: Was ist dieses Scrollytelling und wie kann man es im Unterricht einsetzen.

 

Web-Reportage, Multimedia-Reportage, Multimedia-Storytelling, Scrollytelling: Diese Begriffe meinen alle dieselbe Erzählart. Inhalte, wie Texte, Bilder, Videos, Grafiken, Audioaufnahmen und interaktive Elemente, werden auf einer Website zusammengefügt und lassen sich durch runter- (oder auch seitwärts-) scrollen nach und nach aufdecken.

 

Scrollytelling wird hauptsächlich im Journalismus eingesetzt, um komplexe Themen und Datenmassen als Reportage innovativ aufzubereiten. Häufig verwendete Themen sind Reisen und Abenteuer, historische Ereignisse, persönliche Schicksale und ethische Betrachtungen. Dabei werden aktuelle Themen meist von verschiedenen Perspektiven aus beleuchtet.

Wie sieht Scrollytelling aus?

Im Dezember 2012 veröffentlichte die New York Times ihre Web-Reportage „Snowfall“, die von einem dramatischen Lawinenunglück erzählt. Seitdem sind viele Medienunternehmen dem Trend zu einer ansprechenden Online-Reportageform gefolgt. Drei Beispiele:

  • Eine sehr bekannte Multimedia-Reportage handelt von einem Straßenmusiker aus Münster namens Onkel Willi. Sie folgt den Strukturen eines Dokumentarfilms und ist recht linear angelegt.
  • „Wo willst du hin?“ zeigt die interaktiven Möglichkeiten von Multimedia-Reportagen auf. In dieser Reportage kann man sich durch die Zugabteile dreier Züge bewegen und die Geschichten der Menschen kennenlernen, die einen persönlich interessieren.
  • „Terror von Rechts“ lässt die persönliche Auswahl verschiedener Unterthemen zu, denen man sich widmen kann, und behandelt ein politisch und gesellschaftlich aktuelles Thema.

Scrollytelling rezeptiv im Unterricht nutzen

Für den Einsatz im Unterricht haben bereits vorhandene Multimedia-Reportagen mehrere Vorteile: Zum einen führen sie junge Leute an ein Format heran, das ihnen ohnehin zunehmend im Internet begegnet. Denn moderne Webseiten folgen meist ebenfalls dem Scrolling-Prinzip. Zudem hat sich auch die Werbebranche sich das neue Format zu Eigen gemacht. Scrollytelling-Formate sind responsiv, das heißt sie passen sich in Format und Darstellungsweise dem jeweiligen Endgerät an. Somit lassen sie sich sowohl im Computerraum als auch in Tabletklassen gut rezipieren. Zum anderen sind Web-Reportagen eine interaktivere Alternative zum Einsatz von Dokumentarfilmen im Unterricht. Sie eignen sich, um soziale, gesellschaftliche, politische oder historische Themen, die im Unterricht behandelt werden sollen, anzuschneiden und anschließend zu diskutieren. Sie vermitteln Wissen über ein spezifisches Thema, können jedoch in individueller Geschwindigkeit erarbeitet werden.

Wo findet man Scrollytelling-Formate?

Screenshot Onlinefeature

Das erste Tool für Scrollytelling, mit dem man selbst Web-Reportagen erstellen konnte, wurde vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) programmiert und wird noch heute viel genutzt. Der WDR sammelt auf seiner Website daher eine große Anzahl von Ergebnissen. Auf Onlinefeature.de kann man eine Datenbank nach Titel, Themen und Autoren durchsuchen. Außerdem lässt sich die Suche auf deutsche, englische oder französische Ergebnisse einschränken. Regelmäßig neue Reise- und Abenteuerberichte finden sich auf „The Travel Episodes“. Web-Reportagen im Comic-Stil aus aller Welt gibt es auf dieser Seite zu entdecken. Neben dem WDR haben auch andere Fernsehsender wie Arte, NDR oder der MDR ihre je eigenen Web-Reportage-Sammlungen. Zwar haben Fernsehsender den Vorteil, dass sie im Bewegtbild-Format geübt sind und ihre multimedialen Aufbereitungen daher meist professionell wirken, jedoch hat beispielsweise das Deutschlandradio den Grimme Online Award 2016 für ihre Reportage erhalten. Es lohnt sich also auch gewöhnliche Suchmaschinen nach Scrollytelling-Formate zu durchsuchen. Dabei stößt man auch häufiger auf Blogs wie zum Beispiel Stift-und-blog.de, die gelungene Reportagen vorstellen. Da das Format jedoch noch nicht so alt ist und die Auswahl noch überschaubar, findet man nicht immer etwas zum gesuchten Thema. Auch die Verschlagwortung ist nicht immer optimal gewählt, sodass man nach mehreren mit dem Thema verwandten Begriffen suchen sollte.

Multimedia-Tools im Unterricht erproben

Eine deutlich aufwändigere Möglichkeit, die sich für Schüler/-innen ab Sekundarstufe II anbietet, ist selbst Scrollytelling-Formate zu erstellen. Hierfür ist allerdings viel Zeit notwendig, denn Multimedia-Reportagen müssen gut geplant sein, damit sie einen Mehrwert für die Leserinnen und Leser bieten. Nach der Themenfindung muss wie beim Film auch eine Struktur in die geplanten Inhalte gebracht werden. Dann müssen audiovisuelle Inhalte, oder auch einfache Audioaufnahmen, Fotos und Texte oder auch Statistiken erstellt und sinnvoll kombiniert werden. In kürze folgt ein Blog-Beitrag der sich der Erstellung von Multimedia-Reportagen in der Schule widmet.

Film, Internet / Web 2.0, Lehrkräfte, Sekundarstufe

Lehrerlein, 19.02.2017 um 11:41
Als Informationsmedium für den Unterricht (im Gymnasium) gut geeignet - aber zum Selbermachen? Alle Beispiele zeigen, wie aufwändig und handwerklich anspruchsvoll so was ist. Bin sehr gespannt auf den zweiten Teil, der uns zeigen will, wie man das im Unterricht umsetzen kann. Im Unterricht - und nicht nur in der spezialisierten AG!
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