MediaCulture-Online Blog

18.07.2017 | Sarah Heinisch

Live-Ticker und Echtzeitjournalismus zwischen Selfies und Foodies – Werden Nachrichten im heutigen Medienverhalten entwertet?

Heutzutage konsumieren Jugendliche ihre Nachrichten zwischen Selfies & Co. Bild: Unsplash.com, Lizenz: CC0

Die heutige Welt, in der sich Kinder und Jugendliche bewegen, ist geprägt von Live-Tickern, Echtzeitjournalismus und Breaking News. Zwischen der ganz normalen Timeline mit Selfies, Foodies, Urlaubsbildern und privaten Nachrichten finden Jugendliche heutzutage ihre Nachrichten – ganz anders als noch vor 20 bis 25 Jahren.

Die Nachrichtenproduktion und der Journalismus haben sich in den letzten Jahren verändert. Die Nachfrage nach Nachrichten hat sich erhöht, zudem konkurrieren die verschiedenen Formate und die Nachrichtenanbieter miteinander. Der sogenannte Echtzeitjournalismus hat sich etabliert und fördert teilweise auch das gesellschaftliche Phänomen der Fakenews, erläutert Prof. Dr. Dagmar Hoffmann von der Universität Siegen im Rahmen der Fachtagung „Critical Mess?!“ in Bielefeld am 20. Juni 2017.

Fakenews und die berühmten Filterblasen

Die Theorie der Filterblase sollte zudem noch einmal kritisch beleuchtet werden. Meldungen und Nachrichten werden zwar durch Algorithmen gesteuert, aber es dringen dennoch immer wieder Meldungen ins „Innere“ der Filterblase ein (zum Beispiel bei Providern von E-Mail-Programmen mit Nachrichten/Meldungen auf der Startseite). Die Anbieter konfrontieren die Benutzer/-innen also immer mit Nachrichten, nach denen überhaupt nicht gefragt wurde. Trotz aller Algorithmen lassen sich unerwünschte Nachrichten also nicht vermeiden. Alleine 70% der Jugendlichen geben an, dass sie bereits mit Fakenews konfrontiert worden sind. Jene News können also diese Blase durchbrechen. Der Begriff der Filterblase sollte also nicht als abgeschlossener, sondern als durchlässiger Raum angesehen werden.

Printmedien nach wie vor als vertrauenswürdigste Quelle eingeschätzt

Das Online-Angebot von Printmedien gilt unter Jugendlichen als vertrauenswürdig. Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Ein Großteil der Jugendlichen bewerten als Top 3 der vertrauenswürdigen Quellen Online-Angebote von Printmedien, danach stehen Soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube und Co. und folgend Angebote wie web.de. Die Glaubwürdigkeit von öffentlich-rechtlichen Angeboten und die Online-Angebote der Printmedien sind immer noch am höchsten, während das Vertrauen in Angebote wie Facebook und YouTube dahingehend deutlich abnimmt.


Was in Nachrichtenformaten also wichtig für Jugendliche ist: sie möchten sofort informiert werden, wenn es etwas Neues in der Welt gibt. Sie wollen abwechslungsreiche und unterhaltsame Medien mit vielen Bildern, die einfach zu verstehen sind und die Möglichkeit der Partizipation (zum Beispiel Kommentarfunktion) beinhalten. Die Verlinkungen auf die entsprechenden Quellen in Nachrichten wird jedoch als nicht ganz so wichtig beurteilt. Insgesamt gibt es in dieser Hinsicht noch deutlichen (medien-)pädagogischen Nachholbedarf.


Der Vortrag fand unter dem Titel „Just a fake!? Zu den Herausforderungen im Umgang mit konfrontativer Meinungsmache im Social Web“ von Prof. Dr. Dagmar Hoffmann (Universität Siegen) statt.

Wie müssen Informationen aufbereitet sein, um Kinder und Jugendliche zu erreichen?

Um Informationen und Nachrichten aufzubereiten ist das wichtigste Stichwort: Humor. Dass Kinder und Jugendliche nahezu voll ausgestattet mit digitalen Medien sind, ist spätestens seit der 2016 veröffentlichten JIM und KIM Studie bekannt. Hierbei ist auffällig, dass sich Kinder und Jugendliche hauptsächlich mit Medien beschäftigen, die dem Unterhaltungssektor anzuordnen sind, insbesondere die Plattform YouTube ist hierbei am beliebtesten.

 

Um sich jedoch für verschiedene Themen speziell zu informieren (zum Beispiel zum aktuellen Zeitgeschehen oder politischen Meinungsbildung) stehen das Fernsehen und die Zeitung auf den ersten Plätzen. Speziell zur politischen Meinungsbildung bevorzugen Jugendliche Angebote wie die Tagesschau, aber insbesondere auch digitale Angebote von Zeitungen (zum Beispiel Spiegel Online). Im Vergleich dazu bevorzugen 30- bis 59-jährige Erwachsene neben der Tagesschau insbesondere konträre Angebote wie die BILD Zeitung.

Kriterien für gute Nachrichtenformate bei Jugendlichen

Nachrichten sollten mit einem Unterhaltungsfaktor präsentiert werden. Besonders beliebt in Sachen Unterhaltung ist hierbei YouTube. Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Ein äußerst wichtiger Faktor bei der Informationsvermittlung ist der Faktor Humor. Um Inhalte zum Beispiel politischer Art für Jugendliche interessant zu machen, bedarf es einer dramaturgischen und vor allem ästhetischen Aufbereitung von Inhalten, die sich an die schnelle und visuell ansprechende Art Informationen zu konsumieren der Jugendlichen anpasst. Ein Medium mit einer hohen Partizipationsmöglichkeit ist zudem besonders attraktiv für Jugendliche. Durch Kommentarfunktionen, Likes, Upvotes oder ähnlichem können Kinder und Jugendliche ihre eigene Meinung kundtun und am Geschehen teilhaben.
Informationen und Quellen aber bewerten, einschätzen und differenzieren zu können, fällt vielen Jugendlichen weiterhin schwer. Besonders hier muss die (medien-)pädagogische Arbeit in Schulen ansetzen. Satirische Formate können also Anknüpfungspunkte für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bieten.

 

Der zweite Vortrag fand unter dem Titel „Just a joke?! Beteiligung, Informations- und Artikulationsverhalten von Kindern und Jugendlichen in digitalen Welten“ von Prof. Dr. Angela Tillmann (TH Köln) statt.


Die gesamten Präsentationen der Vortragenden sowie einen Tagungsbericht der Veranstaltung vom 20. Juni 2017 in Bielefeld finden Sie hier.


Rund ums Thema Informationskompetenz und Fakenews steht Ihnen die medienpädagogische Beratungsstelle zur Verfügung.


Workshops und Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte bieten wir über das Programm 101 Schulen an.


Tipps und Tricks zum Umgang mit Nachrichten in Sozialen Netzwerken finden Sie hier.

MCO_News_Schreiben_Recherchieren, Medienbildung, Smartphone / Tablet, Soziale Netzwerke

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