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30.03.2017 | Sascha Schmidt

Gute Kinder-Apps entdecken

Bild: SWR

Der Markt für Kinder-Apps wächst stetig, doch sind nicht gleich alle Apps für die pädagogische Arbeit mit Kindern geeignet. Die Online-Konferenz „Gute Kinder-Apps entdecken“ am 27. März 2017 des Initiativbüros „Gutes Aufwachsen mit Medien“ beschäftige sich mit der Frage, wo man gelungene Kinder-Apps findet und zeigte Beispiele für pädagogisch einsetzbare Apps aus dem Kreativbereich auf.

App-Nutzung im jungen Alter

Bild: Themeplus, Lizenz: CC BY-SA

Die Online-Konferenz „Gute Kinder-Apps entdecken“ fand im Rahmen der Get Online Week statt, eine europäische Initiative, welche die Faszination für das Internet wecken und seine zahlreichen Potenziale verdeutlichen soll. Apps spielen bereits im jungen Alter eine wichtige Rolle: So nutzen laut KIM-Studie 2016 bereits 29% der Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren mindestens einmal in der Woche Apps. Doch was macht eigentlich eine gute Kinder-App aus? Für Dr. Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstitut sind hierfür mehrere Kriterien ausschlaggebend: So sollte eine gelungene Kinder-App altersangemessen sein, ein positives Erlebnis vermitteln, Kreativität fördern und dazu anregen, sich mit unserer Welt (kritisch) auseinanderzusetzen. Viele Apps, die auf den Markt kommen, dienen auch einfach der Unterhaltung und viele beliebte Apps sind eigentlich noch gar nicht für das Alter ihrer Nutzer/-innen geeignet. Als Beispiel nannte Dr. Marc Urlen die Spiele-App Clash of Clans, die nach wie vor eine große Rolle unter Kindern und Jugendlichen spielt.

Über 500 getestete Kinder-Apps

Doch wo findet man überhaupt Apps, die für Kinder und auch den pädagogischen Einsatz geeignet sind? Genau zu diesem Zweck wurde die Datenbank Apps für Kinder des Deutschen Jugendinstituts eingerichtet. Die Datenbank umfasst bereits mehr als 500 Titel. Das Testverfahren des Instituts basiert dabei auf vier Kriterien: Spielspaß, Sicherheit und Kosten, pädagogische Eignung sowie Bedienung und Technik. Über eine Suchmaske können die Apps gezielt anhand der Kriterien, aber auch anhand des Preismodells oder bestimmten Themen gefiltert werden. Das Deutsche Jugendinstitut bietet darüber hinaus eine Trendanalyse zu Kinder-Apps, welche aktuelle Angebote und Entwicklungen auf dem App-Markt aufzeigt. Trotz gegebener Empfehlungen empfiehlt es sich beim Einsatz von Apps im pädagogischen Kontext stets, die App vorher ausführlich und zeitnah vor dem Einsatz zu testen und auch geforderte Berechtigungen und Fragen nach dem Datenschutz abzuwägen.

Von Bastelvorlagen bis hin zu komplexem Storytelling

Bild: SWR

Björn Friedrich vom Studio im Netz stellte im Rahmen der Online-Konferenz vier Kinder-Apps vor, welche speziell für die pädagogische Arbeit geeignet sind. Im Fokus standen Kreativ-Apps wie z.B. Knietzsches Werkstatt. Mit der App des SWR ist es möglich, Geschichten in Form eines digitalen Bilderbuchs zu gestalten. Zur Verfügung stehen dabei verschiedene Hintergründe, Figuren, Emotionen, Items und Text in Form von Bildunterschriften. Knietzsches Werkstatt ist kostenlos in den App-Stores von Google und Apple erhältlich und bietet klassisches Storytelling für jüngere Kinder im Grundschulalter.


Foldify ist eine Mal- und Bastel-App und umfasst eine Bibliothek aus Vorlagen, die digital gestaltet und anschließend ausgedruckt und zusammengebaut werden können. Bei den Bastelvorlagen sind verschieden komplexe Formen vom einfachen Würfel bis hin zum aufwendigeren Globus auswählbar. Eine Besonderheit der App liegt darin, auch eigene Fotos in die Bastelvorlagen integrieren zu können, was gerade auf Kinder sehr motivierend wirkt. Foldify kombiniert ein digitales Angebot mit einer real sinnlichen Erfahrung. Aktuell ist die App nur im iOS-Store erhältlich für einen Preis von 3,99 Euro.


Mit der App PicsArt Photo Studio & Collage ist es möglich, eigene Bilder mit aufwendigen Berechnungen neu zu bearbeiten. Die App legt also nicht nur klassische Filter auf die eigenen Bilder, sondern gestaltet diese vollständig neu. Das Ergebnis lässt das eigene Ursprungsbild so teilweise kaum wiedererkennen. PicsArt Photo Studio & Collage ist generell eher für ältere Kinder geeignet und bietet auch Community-Funktionen wie das Teilen eigener Werke innerhalb der App. Die Bildbearbeitungssoftware ist kostenlos erhältlich, weist aber Werbeinhalte und In-App-Käufe auf. Für den Unterricht kann die App beispielsweise dazu genutzt werden, Medienkritik zu fördern. Dies geschieht durch die Erkenntnis, wie einfach eine Verfälschung von Bildern möglich ist. Hierzu können die Schüler/-innen auch eigene Bilder verfälschen und so z.B. Werbeplakate selbst gestalten.


Abschließend wurde Toontastic 3D präsentiert, eine Storytelling-App von Google, die mit 3D-Animationsfilmen arbeitet. Ähnlich wie bei Knietzsches Werkstatt können auch hier verschiedene Hintergründe, Figuren und Items zum Erzählen einer Geschichte ausgewählt werden. Zudem ist es möglich, auch eigene Hintergründe und Figuren zu erstellen. Die Aufnahme eines Animationsfilms läuft in der App live ab, d.h. Bild und Ton werden gleichzeitig aufgenommen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, mehrere Kinder an einem Animationsfilm arbeiten zu lassen. So kann sich ein Teil der Gruppe um die Bewegungen der Figuren kümmern, während ein anderer Teil die Kameraführung und das Einsprechen des Tons übernimmt. Toontastic 3D ist wesentlich komplexer als Knietzsches Werkstatt, benötigt deshalb auch mehr Zeit zur Einarbeitung und ist generell eher für ältere Kinder geeignet.


Gute Kinder-Apps werden jedes Jahr mit dem Pädagogischen Medienpreis geehrt. Der Preis wird einmal im Jahr vom Studio im Netz verliehen und richtet sich an besonders gelungene digitale Produkte für Kinder und Jugendliche.


Weitere Informationen zum Thema Smartphone/Apps finden Sie hier.

Außerschulische Pädagogik, Computerspiele, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte, MCO_Blog, Smartphone / Tablet, Tagungsdokumentation

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