MediaCulture-Online Blog

13.06.2017 | Stephanie Wössner

EduCamp – „Unkonferenzen zum Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

Das EduCamp Bad Wildbad: Fast 48 Stunden drehte sich im Schwarzwald alles um die zeitgemäße Bildung in Deutschland. Vom 28. bis 30. April versammelten sich an der Lehrerfortbildungsakademie Lehrkräfte, Medienpädagoginnen und -pädagogen sowie andere am Thema Interessierte, um gemeinsam über zeitgemäße Bildung zu diskutieren.

Das Format EduCamp

Ein EduCamp ist ein sogenanntes Barcamp mit meist medienpädagogischer Ausrichtung. Barcamps basieren grundsätzlich auf demokratischen Prinzipien, das heißt man nimmt nicht an einer vorher geplanten Konferenz mit feststehendem Programm teil, sondern die Teilnehmer/-innen sind gleichzeitig die Referenten und bieten vor Ort spontan Workshops oder Vorträge an oder stellen Fragen, die dann gemeinsam diskutiert werden. Die Beiträge drehen sich rund um das Lehren und Lernen an Schule, Hochschule und in Unternehmen. Sie sind auf 45 Minuten begrenzt und laufen parallel ab. So entsteht jeden Tag ein buntes Programm aus Sessions am Vormittag, Nachmittag und Abend.

Was ist eigentlich ein EduCamp from Ralf Appelt on Vimeo.

Das EduCamp Bad Wildbad

Ende April 2017 fand das EduCamp erstmals in Bad Wildbad im Schwarzwald statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren eine bunt gemischte Gruppe aus Erzieherinnen und Erziehern, Lehrkräften, Pädagogen aus der außerschulischen Bildung, Schulleiterinnen und Schulleitern bis hin zu Vertretern der Politik. Auch Sponsoren waren mit ihren 3D-Druckern, programmierbaren Robotern und anderem Equipment für den Unterricht vor Ort und boten Sessions an. Schließlich waren auch Kinder und Jugendliche willkommen, die entweder selbst Sessions anboten, an Workshops teilnahmen, oder sich von der Kinderbetreuung beschäftigen ließen, während ihre Eltern sich fortbildeten.


Am Anreisetag gab es zwei Workshop-Schienen, in denen zum Beispiel ausgiebig mit LEGO Mindstorms experimentiert werden konnte. Aber auch Einführungen in Minecraft, 3D-Druck, Moodle, Mahara, die Arbeit mit iPads sowie in das Flipped Classroom-Konzept wurden angeboten.


Die vier Session-Schienen am Samstag und Sonntag behandelten unter anderem um die Notwendigkeit einer Bildungscloud, konkrete pädagogische Anwendungsszenarien diverser Apps für Android- und iOS-Geräte, die GreenScreen-Filmtechnik mit dem iPad, Programmierung, Virtual Reality und Computerspiele im Bildungskontext, Open Educational Ressources (OER) und zeitgemäße Lehr- und Lernformen. Viele der Sessions wurden mitprotokolliert und können hier nachgelesen werden. Weitere Eindrücke finden sich auch unter dem Hashtag #ecbw17 bei Twitter.


Besonders gelungen war die generationenübergreifende Beschäftigung mit dem Thema der zeitgemäßen Bildung. Hier wurde schnell klar, dass etliche junge Experten mit an Bord waren, von denen man vieles über die neueste App Musical.ly oder über Minecraft lernen konnte, die aber auch noch einmal die Bedürfnisse und die Lebenswelt der heutigen Jugend ganz deutlich vor Augen führten.

Überblick über einige interessante Sessions

Die Session „Immersives Lernen mit Virtual Reality“ bot einen Ausflug in virtuelle Welten dank mitgebrachter Cardboards und der kostenlosen App Google Expeditions. Anschließend wurde erklärt, wie man zum Beispiel mit der Web-App CoSpaces selbst dreidimensionale Welten zu beliebigen Themen erstellen kann – von der Umsetzung literarischer Werke bis hin zu naturwissenschaftlichen Themen wie der DNA im Biologie-Unterricht. Abschließend durfte selbst mit CoSpaces experimentiert werden und es wurden weitere Szenarien von Virtual Reality besprochen, wie zum Beispiel die fremdsprachige Kommunikation über Ländergrenzen hinweg mit Apps wie vTime und dem kürzlich angekündigten Facebook Spaces.

Ein weiteres Thema war das 4K-Modell, welches dabei helfen soll, die Lehr- und Lernformen an die heutigen Rahmenbedingungen, das heißt die Lebenswelt der heutigen Jugend, anzupassen und die Schülerinnen und Schüler individuell auf ihre Zukunft in einer digitalen und demokratischen Welt vorzubereiten. Dazu sollen sie ein persönliches Lernnetzwerk nutzen, welches aus vier Säulen besteht. Diese vier Säulen sind Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken, mit anderen Worten: vier sogenannte „21st century skills“, die die heutige Jugend benötigt, um die Gesellschaft von morgen aktiv mitzugestalten. Auch das Aula-Projekt kam in diesem Zusammenhang zur Sprache.

Darüber hinaus wurde die Kooperation unter Lehrkräften in einer weiteren Session besprochen. Dabei ging es um die Frage, wie man Kolleginnen und Kollegen dazu bewegen kann, zum Vorteil der gesamten Schulgemeinschaft im Team zu arbeiten. Das Fazit aus dieser Session war, dass die Zusammenarbeit den heutigen Lehrkräften die Arbeit immens erleichtern und die Gesundheit schonen würde, dass jedoch dafür Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen: Sowohl systembezogene Veränderungen wie die Reduzierung der Unterrichtsverpflichtung zu Gunsten von Fortbildungen und Teambesprechungen als auch schulinterne Strukturen, die von der Schulleitung klar definiert und konsequent eingefordert werden müssen.

 

In Punkto Spannung, Spaß und Spiel ging es im MinecraftPE-Workshop darum, wie man die Tabletversion des bei Jugendlichen sehr beliebten Computerspiels im Geschichts- und Matheunterricht einsetzen kann, um so fachliche Inhalte, aber auch Zukunftskompetenzen wie das kooperative Arbeiten, zu vermitteln. Das wohl beeindruckendste Beispiel war der Nachbau der eigenen Schule in Minecraft:

Neben Minecraft war übrigens auch Minetest, die OpenSource-Variante des Spieleklassikers, Thema einer Session bei der es um die moderne Konfirmandenarbeit ging.


Einen Aufruf zum deutschsprachigen Netzwerken in Form von Blogparaden starteten die Bildungspunks in ihrer Session. Natürlich geht es bei den Blogparaden mit monatlich wechselnden Themen auch um die Inhalte, aber genauso wichtig ist die Tatsache, dass sich hier Praktiker aus verschiedenen deutschsprachigen Ländern auf einer Plattform vernetzen und austauschen.


Eine Einladung zur kreativen Gestaltung von Unterricht sprachen die „Erklärbrüder“ Marek Müller und Thomas Schmidt in ihrer Session „GreenScreen meets PechaKucha“ aus. Auch wenn die PechaKuchas (sprich: [pe’tschakscha]) nicht wie üblich aus 20 Folien à 20 Sekunden bestehen und auch sonst mit der japanischen Ursprungsform gebrochen wurde, gab es nach einem kurzen theoretischen Einstieg eine ausgedehnte Praxisphase, in der die Teilnehmer/-innen Minivideos zu selbst gewählten Themen erstellten. Diese Minivideos wurden vor einer grünen Wand gefilmt und mit Hilfe eines iPads wurde im Nachhinein der grüne Hintergrund durch passende (urheberrechtlich unbedenkliche) Bilder ersetzt.

 

Hier ein Erklärvideo der „Erklärbrüder“ zum Thema der Session:

Wer lernen wollte, seine Daten zu schützen, sichere digitale Kommunikationswege zu nutzen und anonym zu surfen, war absolut richtig bei der „Cryptoparty“ eines Mitglieds des Chaos Computer Clubs. Und Lehrkräfte, die sich mit dem Thema individuelle Förderung auseinandersetzen, durften das MIFD-Modell zur individuellen Förderung mit digitalen Medien von Jan Hambsch und Tobias Rodemerk kennenlernen, die auch bereits beim Bildungskongress 2016 des Landesmedienzentrums ihr Modell vorstellten.

Auftakt zum regionalen Netzwerken

Bei der Verabschiedungs-Session rief Mitorganisator Dejan Mihajlović speziell alle Anwesenden aus Baden-Württemberg, aber auch alle anderen Teilnehmer/-innen, dazu auf, sich zu vernetzen, um eine nachhaltige Diskussion zur zeitgemäßen Bildung für das Land Baden-Württemberg und seine Jugend in Gang zu halten. Die deutschen EduCamps, hinter denen der gemeinnützige Verein EduCamps e.V. steht, finden seit 2008 zwei Mal jährlich statt. Der Konferenzort wechselt jährlich und an den jeweiligen Veranstaltungsorten werden von einer Gruppe an lokalen Organisatoren die entsprechenden EduCamps ausgerichtet. Unterbringung und Verpflegung werden in der Regel gemeinschaftlich organisiert, sodass die Kosten verhältnismäßig gering sind und jeder an der Veranstaltung teilnehmen kann.

 

Das nächste EduCamp findet übrigens vom 13. bis 15. Oktober 2017 in Hattingen (Nordrhein-Westfalen) statt.

Lehrkräfte, Medienbildung, Smartphone / Tablet, Tagungsdokumentation

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