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26.07.2017 | Birte Rosink und Jiří Hönes

„Aufwändiger als gedacht“ – Smepper erhalten einen Einblick in die Welt von YouTube

Michael Brzozowki alias Marius Renz gab den Smeppern Einblicke in die Arbeit eines YouTubers. Bild: Birte Rosink

Um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, erhalten unsere Schüler-Medienmentoren von Zeit zu Zeit Fortbildungen rund um die Medienwelt. Zwei Gruppen von Smeppern aus Ravensburg und Meckenbeuren durften jüngst hinter die Kulissen eines YouTubers schauen und erfuhren zudem Wissenswertes über das Phänomen YouTube, was für ihre praktische Arbeit an den Schulen sehr nützlich ist.

 

Die Smepper von der Barbara-Böhm-Gemeinschaftsschule in Ravensburg und vom Bildungszentrum Meckenbeuren fanden sich am 18. Juli zum SMEP-Tag am Kreismedienzentrum Ravensburg ein. Zu Gast war unter anderem Michael Brzozowki, der unter dem Namen Marius Renz als YouTuber bekannt ist. Er stammt aus dem benachbarten Aulendorf und betreibt seit 2013 einen YouTube-Kanal, auf dem er mit gezeichneten Videos unterschiedliche Themen des Alltags verarbeitet, etwa Mobbing, Ernährung oder Fitness. Seine Videos erklären, wie man seine Faulheit überwinden kann oder wie man Mückenstiche bekämpft, stets mit seinem individuellen Zeichenstil.

 

Marius Renz gab den Smeppern Einblicke in seine Arbeit als YouTuber. „Es geht darum, Worte in Bilder zu fassen“, erläuterte er die Schwierigkeit, die im Erstellen eines Videos liegt. Zuerst schreibt er in der Regel den Text, dann erstellt er eine erste Skizze und zeichnet anschließend das Bild auf dem Grafiktablet in Echtzeit. Den Zeichenvorgang filmt er dabei mit einer Schnittsoftware ab. „So ein Video zu erstellen, ist sehr anstrengend“, ließ er die interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer wissen. Er brauche von der Idee bis zum Upload auf YouTube etwa fünf Stunden Arbeitszeit.

Reges Interesse an der Technik

Die Jugendlichen, unter denen natürlich viele selbst begeistert YouTube schauen und manche davon träumen, YouTube-Star zu werden, hatten nach anfänglichem Zögern zahlreiche Fragen an den Referenten. Sie zeigten sich begeistert vom Grafiktablet und der Schnittsoftware und wollten wissen, welche Art von Mikrofon man für die Videos am besten verwendet. Laut Marius Renz sind dynamische Mikrofone für Raumaufnahmen besser geeignet als Kondensatormikrofone, da letztere zu sensibel sind. Für den Anfang seien aber die eingebauten Mikrofone von Laptops in der Regel ausreichend. Auch sonst waren die Jugendlichen sehr interessiert an der Ausrüstung, die man zum Betreiben eines YouTube-Kanals benötigt. Dabei sei vor allem die Hardware kostspielig, man brauche einen Rechner mit viel Arbeitsspeicher und einer guten Grafikkarte. Die nötigen Programme dagegen gebe es meist kostenfrei.

 

Woher er die Musik nehme, fragte ein Schüler. Marius Renz greift dabei oft auf Musik zurück, die von YouTube selbst zur Verfügung gestellt wird und bei der die Nutzungsrechte bereits geklärt sind. Wie auch bei Bildern müsse man da sehr vorsichtig sein, dass man keine Urheberrechte verletze, warnte er.

 

Besonders interessant war für die Smepper natürlich die Frage nach den Einnahmemöglichkeiten bei YouTube. Darauf gab es eine ganze Reihe an Antworten: Product-Placement, also das unterschwellige Bewerben von Konsumartikeln, ist dabei nur eine Möglichkeit. Auch an der eingeblendeten Werbung vor den Videos verdient der YouTuber mit. Hinzu kommen noch externe Möglichkeiten, wie etwa der Verkauf von Merchandising-Produkten, womit berühmte YouTube-Stars verdienen. Dennoch ist dies oft leichter gesagt als getan, denn wirklich davon leben können die wenigsten YouTuber.

 

Um den Entstehungsprozess eines YouTube-Videos zu demonstrieren, zeichnete Marius Renz am Ende noch ein Video in Echtzeit. Das Ergebnis wurde direkt bei YouTube hochgeladen.

Die Produktionen sind aufwändiger als erwartet

Die LMZ-Referenten Vera Engelbart und Christian Schmidt verdeutlichen in ihrem Workshop die Unterschiede von Nachrichtensendungen und YouTube-Kommentaren. Bild: Birte Rosink

Die eindrücklichste Erkenntnis für die Schülerinnen und Schüler war, wie viel Zeit eine solche Videoproduktion tatsächlich in Anspruch nimmt. Und dabei handelt es sich hier ja „nur“ um gezeichnete Videos. YouTube-Star Mirko Drotschmann alias MrWissen2go verriet einmal, dass er bis zu 40 Stunden an einem Video arbeitet. Ebenso zeigten sich die Jugendlichen überrascht, dass man als YouTuber doch „gar nicht so viel“ verdient, wie sie zunächst angenommen hatten.

 

Am Nachmittag gab es den Workshop „Von Stars, Kommerz, Nachrichten und Pranks“, der in zwei Gruppen parallel stattfand und von Christian Schmidt und Vera Engelbart geleitet wurde. Zunächst wurde ein YouTube-Quiz gespielt, bei dem die Schülerinnen und Schüler in Vierergruppen Informationen über berühmte YouTube-Stars, das Unternehmen YouTube, Nutzerzahlen und entsprechende Fachbegriffe im Internet recherchieren mussten.

 

In einer weiteren Aufgabe ging es darum, die Unterschiede zwischen einem YouTube-Kommentar und einer Nachrichtensendung und deren jeweilige Gestaltungsmerkmale herauszuarbeiten. Dazu wurde ein YouTube-Video von so geht Medien eingesetzt, in dem die verschiedenen Merkmale anschaulich erläutert werden. Die Schülerinnen und Schüler sollten diese schriftlich zusammentragen und im Plenum besprechen.

 

Dieses frisch erworbene Wissen wurde sogleich in die Praxis umgesetzt, indem die Gruppen dann jeweils selbst ein 30-sekündiges Video drehen sollten. Auf Basis einer Nachrichtenmeldung sollten sie einen YouTube-Kommentar mit den typischen Stilmitteln zum gleichen Sachverhalt entwickeln.

 

Bei den Materialien, mit denen Vera Engelbart und Christan Schmidt arbeiteten, handelte es sich um die Erstfassung eines Unterrichtsmoduls von Marco Herbst und Constantin Schnell, das zum kommenden Schuljahr bei SESAM veröffentlicht wird.

 

Mehr Infos zum Thema Filmarbeit erhalten Sie hier.

Internet / Web 2.0, Lehrkräfte, Medienbildung, Soziale Netzwerke, Video

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