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08.03.2016 | Sascha Schmidt

Zweimal Hinsehen kostet extra – Snapchat wird fünf Jahre alt

Das Snapchat-Logo

Bilder versenden, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden – mit diesem Konzept wurde der Messenger-Dienst Snapchat vor knapp fünf Jahren ins Leben gerufen. Heute werden täglich mehr als 700 Millionen Bilder über Snapchat versendet. Doch die App kann bedeutend mehr als das: Snaps, Geschichten und sogenannte Replays sind nur ein Teil der Funktionen. Besonders unter Jugendlichen erfreut sich der Dienst dabei großer Beliebtheit.

Millionen junge Nutzer, Milliarden tägliche Views

Das Unternehmen Snapchat wurde im Frühjahr 2011 in den USA gegründet. Die ursprüngliche Idee hinter dem Dienst war relativ simpel: Um intime Bilder via Smartphone ohne größere Bedenken versenden zu können, sollten diese nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Im Sommer 2011 wurde die App unter dem Namen Picaboo veröffentlicht und im Herbst selbigen Jahres schließlich in Snapchat umbenannt. Anfang 2012 wies der Messaging-Dienst bereits etwa 30.000 aktive Nutzer/-innen im Monat auf und erlangte seinen Durchbruch Mitte des Jahres, als renommierte Zeitungen wie die New York Times darüber berichteten. Heute nutzen Snapchat laut Angaben des Unternehmens weltweit mehr als 100 Millionen Menschen und täglich werden darin mehr als 7 Milliarden Videos aufgerufen. Zum Vergleich: Facebook kommt zwar auf 8 Milliarden Video-Views täglich, allerdings bei einer Nutzerzahl von etwa 1,6 Milliarden Menschen.


Mehr als die Hälfte der Nutzer/-innen soll zwischen 18 und 24 Jahren alt sein, viele noch jünger. In Deutschland wird der Dienst von mehr als drei Millionen Menschen genutzt, darunter vor allem Jugendliche und junge Erwachsene.

Bei Snapchat muss es schnell gehen

Ein selbst erstellter Snap mit Foto, Emoticon und kurzem Text

Snapchat verfügt sowohl über die Funktionen eines klassischen Messengers zum Versenden von privaten Nachrichten als auch über die eines sozialen Netzwerks zum Veröffentlichen von Beiträgen. Was Snapchat ausmacht, ist vor allem die Schnelllebigkeit der Inhalte: Nutzer/-innen senden sich gegenseitig Textschnipsel, Bilder oder kurze Videos, die für wenige Sekunden sichtbar sind und sich danach selbst wieder löschen. Die auf Snapchat geteilten Beiträge (sogenannte Snaps) wirken dabei wesentlich spontaner und unüberlegter als beispielsweise auf Instagram, wo oft eine möglichst eindrucksvolle und vorteilhafte Selbstinszenierung im Vordergrund steht.

Screenshot aus Snapchat

Auch immer mehr Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens wie Politiker und Künstler nutzen Snapchat, um mit ihren Profilen junge Zielgruppen zu erreichen. Sämtliche veröffentlichte Beiträge der letzten 24 Stunden werden dabei in der App aneinandergereiht und als Geschichte bezeichnet. Die Follower erhalten eine persönliche Nachricht, sobald „befreundete“ Personen einen neuen Beitrag veröffentlichen. Auf diese Weise wird den Nutzerinnen und Nutzern eine wesentlich größere Nähe zu ihren Stars und Medienhelden simuliert als z.B. bei Postings auf Facebook.


Auch die veröffentlichten Geschichten folgen dem Prinzip der Schnelllebigkeit: Alle Beiträge werden 24 Stunden nach Veröffentlichen wieder gelöscht. Mit diesem Prinzip versteht es Snapchat, die Nutzer/-innen permanent an sich zu binden. Denn wer nicht ständig online ist, verpasst möglicherweise etwas.

Snapchat als Sexting-App

Die App Snapchat wird immer wieder direkt mit dem Thema Sexting, also dem privaten Austausch von intimen Bildern und Videos in Verbindung gebracht. Nutzer/-innen können mit Snapchat Bilder und Videos versenden, die sich nach wenigen Sekunden wieder löschen. Diese vermeintliche Sicherheit sorgt dafür, dass nicht nur Heranwachsende teils unbedarft intime Aufnahmen von sich versenden. Eine entscheidende Problematik liegt darin, dass die Aufnahmen trotz Löschfunktion niemals komplett verschwinden, da sie zum Beispiel via Screenshot gespeichert werden können. Mittlerweile finden sich in den App-Stores sogar spezielle Apps von Drittanbietern, deren einzige Funktion darin besteht, Bilder und Videos aus Snapchat abzufangen und auf dem mobilen Endgerät abzuspeichern. Problematisch wird dies meist dann, wenn die intimen Aufnahmen an Personen geraten, für die sie eigentlich nicht gedacht sind. Die Unvergänglichkeit der Bilder und Videos kann schlussendlich enorme seelische Folgen für die Betroffenen haben und die Bilder aus den Händen derer zu befreien, für die sie nicht gedacht waren, ist mitunter schwer bis unmöglich. Mehr zum Thema Sexting und wie Sie im Unterricht damit umgehen können, finden Sie hier.

In-App-Käufe für Wiederholungen

In-App-Käufe bei Snapchat

Um bereits gelöschte Beiträge noch einmal anzusehen, bietet Snapchat seit einiger Zeit die sogenannte Replay-Funktion an: Nutzer/-innen haben kostenfrei die Möglichkeit, einmal täglich einen bereits betrachteten (und damit eigentlich gelöschten) privaten Beitrag nochmals anzusehen. Wer mehr als nur einen Beitrag am Tag nochmals abrufen möchte, kann dies seit Oktober 2015 per In-App-Kauf tun. Für 99 Cent können die Nutzer/-innen drei weitere Wiederholungen für Beiträge erwerben, andere Pakete werden ebenfalls angeboten. Zwar mag dieser Betrag auf den ersten Blick nicht sonderlich hoch erscheinen - bei der kaum überschaubaren Menge an geteilten Bildern und Videos pro Tag besteht jedoch durchaus die Gefahr, den Überblick über gezahlte Beträge zu verlieren. Um nicht in die Kostenfalle zu tappen, ist es somit enorm wichtig, für Kinder und Jugendliche klare Regeln festzulegen oder In-App-Käufe auf den mobilen Endgeräten sogar generell zu deaktivieren. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Auszug aus den geforderten Berechtigungen von Snapchat

In punkto Datenschutz ist Snapchat äußerst kritisch zu betrachten: Mit der Installation erteilt man der App zahlreiche Berechtigungen und den Zugriff auf persönliche Informationen wie Kontaktdaten, Standort und Dateien auf dem Gerätespeicher. Das Unternehmen hat zudem seine AGBs mittlerweile so verändert, dass sämtliche Bilder und Videos aus den Geschichten der Nutzer/-innen auf Servern gespeichert werden. Snapchat räumt sich sogar die Möglichkeit ein, diese Beiträge zu Vermarktungszwecken, also z.B. für Werbung zu nutzen. Eine Sicherheit, dass sämtliche Aufnahmen tatsächlich gelöscht werden, existiert somit schlichtweg nicht. Gerade Kinder und Jugendliche können die möglichen Folgen des Versendens schützenswerter Aufnahmen oft nur schwer abschätzen und müssen für einen verantwortungsvollen Umgang mit der App und ihren persönlichen Daten sensibilisiert werden.


Das LMZ bietet Lehrkräften hierzu passende Unterrichtsmodule zum Thema Datenschutz und Selbstdarstellung im Internet.


Hilfreiche Tipps zum Umgang mit Apps wie Snapchat finden Sie auch im neuen Elternratgeber Medien – aber sicher.

Außerschulische Pädagogik, Cybermobbing, Eltern, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte, Pornografie, Soziale Netzwerke

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