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02.01.2017 | Nora Brockamp

Vernetztes Spielzeug – Eine gelungene Symbiose aus analog und digital?

Bild: Unsplash, Lizenz: CC0

Weihnachten ist noch nicht lange her. Vielleicht lag unter dem Tannenbaum Ihres Kindes ebenfalls ein mit dem Internet vernetztes Geschenk. Und damit ist hier kein Smartphone oder Tablet gemeint. Chip-gesteuerte Pakete, Smart Homes, in denen Licht, Rollladen und das Türschloss über eine App steuerbar sind, Fitness-Armbänder oder Smart Watches, die sportliche Aktivitäten messen und an eine App weiterleiten, selbstfahrende Autos: All diese Gegenstände gehören zum sogenannten Internet der Dinge. Angefangen mit der Vereinfachung von Logistik-Problemen, bis zu Tools, die den persönlichen Alltag vieler Menschen direkt beeinflussen. Immer mehr Geräte werden vernetzt. Dies klingt erstmal nach Spielzeugen für Erwachsene, aber auch Produkte für Kinder werden zunehmend verkauft.

Hybrid-Spielzeug

Ein Phänomen, das in diesem schnell wachsenden Markt aufgetaucht ist, ist das digitale Spielzeug. Haptisches, teils alt bekanntes Spielzeug wird mit Apps verbunden, die das Spiel durch digitale Angebote erweitern. Beispiele hierfür sind die App Teppino, mit der man Häuser auf dem Spielteppich einscannen und in ihnen Wimmelbilder und Hörspielelemente entdecken kann oder Apps, die traditionelle Lokomotiven auf Holzschienen oder Carrera-Bahnen mit Steuermöglichkeiten über das Smartphone und durch Spielziele in Form von Levels erweitern. Außerdem gibt es Puppen und Roboter, mit denen Kinder sich unterhalten und interaktiv spielen können. Eine Firma, die solche mit dem Internet verknüpfte Figuren herstellt, hat allerdings vor kurzem für negative Schlagzeilen gesorgt.

Beispiel Genesis Toys – Ist digitales Spielzeug gefährlich?

Zwei Produkte der Firma Genesis Toys wurden von dem Europäischen Verbraucherverband (BEUC) in vier Punkten negativ bewertet. Zunächst einmal sind nur sehr einfache Schritte notwendig sich von außen in die zu der Puppe gehörigen App einzuhacken und so die Gespräche zwischen der Puppe und dem Kind abhören und beeinflussen zu können. Dann wird alles was das Kind der Puppe anvertraut an eine US-Firma weitergeleitet, die an Spracherkennungstools arbeitet und die Daten laut den Nutzerbedingungen auch an unbekannte Dritte weitergeben darf. Eine dritte Problematik stellt die versteckte Werbung dar, die die Puppe, getarnt als Hobbies, einbringt, wenn sie zum Beispiel von ihren Lieblings-Disneyfilmen erzählt. Disney jedoch ist ein Werbepartner von Genesis Toys.

 

Zusammenfassen lassen sich diese drei Punkte in zwei grundlegende Problematiken digitalen Spielzeugs, aber auch des Internets der Dinge allgemein: 

  1. Datenschutz: Es können Daten über das Kind, durch Spracherkennung, Kameras oder ähnliches gesammelt und gegebenenfalls weitergegeben werden.
  2. Hacking: Mit dem Internet vernetzte Geräte sind von außen angreifbar. Hacker können Kinder ausspähen, ausfragen oder durch die Veränderung der Inhalte auch beeinflussen.  

 

Eltern sollten sich daher vor dem Kauf sehr genau anschauen, welche Funktionen die Spielzeuge beinhalten, aber auch was die Hersteller in ihren Datenschutzbestimmungen festlegen. In diesem Punkt liegt das vierte Problem der vernetzten Spielzeuge von Genesis Toys: In den Nutzungsbedingungen ist festgelegt, dass die Nutzer/-innen zustimmen, bei Änderung der Bedingungen nicht erneut zustimmen oder überhaupt informiert werden zu müssen. Die Nutzer/-innen bekommt also möglicherweise gar nicht mit, was der Hersteller sich sonst noch erlaubt.

Positive Aspekte und Beispiele der Hybrid-Szene

Bild: Unsplash, Lizenz: CC0

Digital vernetztes Spielzeug muss nun allerdings nicht generell gemieden werden. Ein Ausschluss würde bedeuten den Voranschritt der Digitalisierung zu ignorieren. In einer zunehmend vernetzten Welt ist es wichtig, dass Kinder auf ihre Zukunft vorbereitet und auf dem Weg dorthin begleitet und nicht durchweg vor ihr abgeschirmt werden. Digitalisiertes Lern-Spielzeug kann sich sehr motivierend auswirken. Ein Positiv-Beispiel hierfür ist der Giga-Maus Preisträger in der Kategorie Kinderpreis 2016 „tiptoi-Möhre – Schatzsuche in der Buchstabenburg“. Dabei handelt es sich um einen digitalen Stift des Ravensburger Verlags, der Inhalte mit einem optischen Sensor erkennen und dazu abgespeicherte Audiodateien abspielen kann. Es können zu jedem dazu passend gekauften Spiel oder Buch Audio-Files heruntergeladen werden. Bei dem Beispiel-Spiel „Schatzsuche in der Buchstabenburg“ lernen Vier- bis Siebenjährige spielerisch das Alphabet kennen. Wie die Auszeichnung mit dem Kinderpreis zeigt, kommen Hybridformen von digitalem und analogem Spiel gut bei Kindern an. In Kombination mit Lernszenarien haben diese Formen also durchaus auch positive Seiten. Von Cornelsen gibt es übrigens ein ganz ähnliches Produkt: Den Ting-Stift. Die damit verbindbare Bücherreihe „Unser erstes Bildwörterbuch“ wurde mit dem Gütesiegel 2011 ausgezeichnet. Vernetztes Spielzeug kann also auch zum Lernen motivieren und bei richtiger Auswahl und Begleitung durch Eltern und Pädagogen zum positiven Aufwachsen in der digitalen Welt beitragen.

Zusammenfassung: Wie erkenne ich unbedenkliches vernetztes Hybrid-Spielzeug?

Bild: Unsplash, Lizenz: CC0

Digitales Spielzeug mit dem man interagieren kann, wie Puppen und Roboter, sind aktuell, wie mehrere Fälle zeigen, nicht ausreichend vor Datenklau geschützt. (Siehe auch das Beispiel der Firma Fisher-Price.) Es ist daher von interaktiven Puppen und Robotern, die Daten wie den Namen, den Wohnort, die Namen der Eltern oder ähnliche Daten abfragen, abzuraten. Sollte der Kauf eines solchen Spielzeugs trotzdem geplant sein, sollte man sich genauestens über Nutzerbedingungen und Funktionen des Spielzeugs informieren. Das Risiko, dass das System von außen angegriffen und manipuliert wird, bleibt. Daher sollte mit den Kindern darüber gesprochen werden, welche Informationen sie mit ihrem Spielzeug teilen dürfen und welche nicht. Eine bereits vorhandene Online-Kompetenz ist hilfreich.

 

Hybrid-Spielzeuge, die auf solche Funktionen reduziert werden, welche keine direkten personenbezogenen Daten sammeln, sind weniger bedenklich. Dass sich Fremde auch in diese hacken und sie beeinflussen können, ist nicht auszuschließen. Aber die negativen Auswirkungen sind ohne Kamera und beidseitige Kommunikation über Sprache deutlich geringer.

 

Auf der Suche nach unbedenklichen digitalen Spielen aller Art für Kinder sind die beiden Preise Giga-Maus und Pädi zu empfehlen.

Umgang mit bereits gekauftem Hybrid-Spielzeug

Wenn das vernetzte Spielzeug oder ein anderes Gadget aus dem Internet der Dinge bereits gekauft und begeistert unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt und in Betrieb genommen wurde, sollten klare Regeln aufgestellt oder das Spielzeug nur als Familie gemeinsam in Betrieb genommen werden. Als Familienaktion macht das Spielzeug schließlich doch sicher noch viel mehr Spaß und in Begleitung der Erwachsenen können Kinder Lernen, welche Informationen sie im Internet und somit auch gegenüber der Puppe preisgeben können! Damit wird das Risiko auf negative Beeinflussung gesenkt. Da die Überwachung dadurch jedoch nicht ausgestellt wird sollte immer eine Möglichkeit bleiben: Stecker rausziehen oder Batterien entnehmen und so einer möglichen dauerhaften Überwachung den Strom nehmen.

 

Informationen zu RFID-Chips, wie sie im Internet der Dinge benutzt werden finden Sie hier

Alles rund um das Thema Datenschutz befindet sich hier.

Und hier gibt es wissenswertes über Computerspiele.

Spielen, Lernen und Fragen stellen kann man auch in der ComputerSpielSchule Stuttgart. Immer freitags von 14 bis 18 Uhr im Stadtmedienzentrum Stuttgart. 

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