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19.07.2016 | Sarah Heinisch

Pokémon GO – Hype um Jäger- und Sammler-App

Screenshot: Ein Pokémon taucht auf der Karte auf.

Nintendo hat mit seinem Spieleklassiker „Pokémon“ bereits in den 1990er-Jahren als Serie und später mit zahlreichen Spielen und Merchandise-Artikeln die Kinderzimmer erobert. Nun hat der Konzern mit seiner Augmented-Reality-App „Pokémon GO“, ähnlich wie das vom selben Entwicklerstudio stammende Spiel „Ingress“, einen neuen Coup gelandet. Inzwischen ist „Pokémon GO“ in insgesamt 26 Ländern offiziell verfügbar. Bereits jetzt, rund einen Monat nach Veröffentlichung des Spiels in den USA, hat die App mehr tägliche Nutzer/-innen als der Kurznachrichtendienst Twitter. Sogar knapp 6% der gesamten Android-Nutzer/-innen in den USA spielen das Spiel jeden Tag. Laut einer Umfrage durch surveymonkey.com wird das Spiel bereits als größtes Spiel in der Geschichte der US-Mobilspiele gehandelt. Die hohen Nutzungszahlen der App haben auch zur Folge, dass die Nintendo-Aktie mittlerweile um insgesamt 25% gestiegen ist.

Spielkonzept und Selbstversuch

Ganz nach dem Prinzip „Jäger und Sammler“ werden die Pokémon aufgespürt und eingefangen. Mittels realer Karten, die von Google Maps bezogen werden, laufen die Spielerinnen und Spieler durch die reale Welt, um virtuelle Monster, die Pokémon, mit Hilfe der App zu „fangen“. Pokémon ist das zusammengesetzte Wort aus „Pocket“ und „Monster“, was sich im Deutschen als „Taschenmonster“ übersetzten lässt.


Ziel des Spiels ist es, alle Pokémon aufzuspüren, in Pokébälle einzufangen, um diese weiterzuentwickeln und so die eigene Sammlung zu komplettieren. Durch die Ortung des eigenen Standortes mittels GPS werden dem Spieler Pokémon angezeigt, die sich in der unmittelbaren Umgebung befinden. An sogenannten „Pokéstops“, dies sind meist öffentliche Orte wie größere Plätze, Museen oder Denkmäler, können die für das Spielprinzip nötigen Gegenstände (Items) wie Pokébälle oder Gesundheitstränke kostenlos eingesammelt werden. Um aufgesammelte „Eier“ auszubrüten, müssen die Spielerinnen und Spieler zwischen 2,0 und 10,0 km real zurücklegen. Um sicherzugehen, dass die Spielerinnen und Spieler diese Strecken zu Fuß ablaufen, erkennt die App auch die Geschwindigkeit der Spielerinnen und Spieler. Ab einer Geschwindigkeit von 20 km/h bricht der Tracking-Vorgang durch das GPS ab und die App zählt die zurückgelegte Strecke nicht mehr. So soll laut Nintendo auch das Entdecken der Umwelt durch die Spielerinnen und Spieler gefördert werden.


Das Interagieren und Messen der eigenen Pokémon mit anderen Spielerinnen und Spielern in der App ist (unter einem selbst gewählten Spitznamen) in sogenannten Arenen möglich. Hierzu können ab Erfahrungslevel 5 verschiedene Teams ausgewählt werden, denen Eigenschaften wie Weisheit (Blau), Wagemut (Rot) und Intuition (Gelb) zugeordnet sind. Ziel des Spiels ist es somit außerdem, so viele Arenen wie möglich für das eigene Team einzunehmen.

Massive Datensammlung

Wie so oft sind die Berechtigungen, die die App fordert, massiv: Es werden Zugriffe auf die Geräteinformationen, die Kontakte, Fotos, Medien und Dateien, sowie die Kamera und den Speicher des mobilen Endgeräts gefordert. Durch die ständige GPS Ortung des Geräts werden außerdem Standorte der Spieler/-innen weitergegeben und es können so Bewegungsprofile erstellt werden. Da z.B. in den Arenen die Benutzernamen und die Standorte anderer Spieler/-innen angezeigt werden, ist es besonders wichtig, einen Namen zu wählen, der nichts über die persönlichen Daten preisgibt. Vielfach werden die Spieler/-innen aufgefordert, Screenshots ihres momentanen Aufenthaltsortes im Internet oder auf Sozialen Netzwerken zu posten. Dies ist jedoch nicht unproblematisch, da die Spieler/-innen durch die Umgebungskarte ihre realen Standorte preisgeben.


Auch wenn das eigentliche Spiel kostenlos ist, stehen In-App-Käufe von 0,99€ bis 99,99€ zur Verfügung. Besonders heikel ist der Umstand, dass die Notwendigkeit von In-App-Käufen zur erfolgreichen Absolvierung des Spiels in gewisser Weise vom Standort der Spieler/-innen abhängt. So kann ein/e Spieler/-in in Ballungszentren wie größeren Städten auf wesentlich mehr „Pokéstops“ (mit kostenlosem Zugang zu virtuellen Gegenständen) zurückgreifen als z.B. in ländlicheren Gebieten. Um zu verhindern, dass insbesondere Kinder in eine Kostenfalle tappen, können Eltern die In-App Käufe auf den Smartphones jedoch deaktivieren.

Altersbeschränkungen

Eingestuft wird die App ab 6 Jahren im Google Play Store. Der Apple Store stuft diese ab 9+ Jahren ein. Der Spieleratgeber NRW stuft die App, besonders in Hinblick auf die Fähigkeit, den In-App Käufen zu widerstehen, für ein Alter ab 12 Jahren ein. Für die allgemeine Nutzung der App muss laut der Pokémon Go-Datenschutzrichtlinie für Kinder unter 13 Jahren der gesetzliche Vertreter zunächst eine E-Mail Adresse für das Kind anlegen. Die Eltern von Kindern, die unter 13 Jahre alt sind, können laut Nutzungsbestimmungen jedoch zumindest der Erhebung von personenbezogenen Daten der Kinder widersprechen.

 

Das Spiel liefert weitere Anreize zum Kauf zusätzlicher Gegenstände wie dem Pokémon GO-Plus-Armband, das die Nutzer/-innen per Vibration darauf aufmerksam macht, wenn sich Pokémon in der Nähe befinden. Die Entwickler haben für die Zukunft außerdem weitere Spielfunktionen wie das Tauschen einzelner Pokémon oder das virtuelle Kämpfen gegen andere Mitspieler/-innen geplant.

Risiken

Es zeigt sich immer wieder, dass die weite Verbreitung der App auch negative Seiten mit sich bringt: Neben den ersten Unfällen im Straßenverkehr wurden in den USA bereits sogenannte „Lockmodule“ (diese werden an Pokéstops eingerichtet und bewirken eine höhere Wahrscheinlichkeit, Pokémon zu fangen) gezielt an abgelegenen Orten eingerichtet, um Spielerinnen und Spieler anzulocken und anschließend auszurauben.

Kinder und Jugendliche für den Umgang mit der App sensibilisieren

Wichtig in der Nutzung von Spielen und Apps auf dem Smartphone ist es wie immer, geregelte Zeiten für die Mediennutzung mit Kindern und Jugendlichen zu vereinbaren. Auch die Problematik der In-App Käufe und der Datenweitergabe sollte nicht unbeachtet bleiben und mit den Kindern besprochen werden, um sie für diese Themen zu sensibilisieren. Und auch wenn die App mehr Bewegung der Spielerinnen und Spieler fördert, sollte der sichere Umgang, auch in Bezug auf die Nutzung der App in der Schule und die Nutzung im Straßenverkehr, gemeinsam besprochen werden.

Weiterführende Links zum Thema

Infos zum Thema In-Game-Käufe

Ratgeber zum Thema Digitale Spiele

Infos zum Thema Computerspiele

Pokémon GO beim Spieleratgeber NRW

Schau hin: Pokémon GO

Klicksafe: Pokémon GO

Themenmonat zu Pokémon GO bei Handysektor

Augmented / Virtual Reality, Außerschulische Pädagogik, Computerspiele, Datenschutz, Eltern, Lehrkräfte

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