MediaCulture-Online Blog

05.12.2016 | Stephanie Wössner

Einigung zwischen YouTube und der GEMA – freie Bahn für die Videoproduktion?

Das Ende der Sperrtafel

Wer erinnert sich nicht an die Sperrtafel mit der Meldung „Dieses Video ist in Deutschland nicht verfügbar, weil es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte von der GEMA nicht eingeräumt wurden“? Sie stand fast sieben Jahre zwischen deutschen YouTube-Nutzerinnen und -Nutzern und den Videos ihrer Lieblingskünstlerinnen und -künstler. Grund dafür war ein Rechtsstreit zwischen YouTube und der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA), bei dem es darum ging, dass die GEMA eine angemessene Vergütung für Musikvideos der von ihr vertretenen Künstlerinnen und Künstler auf dem beliebten Videoportal verlangte.

Freier Zugang zu Videos in Deutschland

Seit dem 1. November 2016 gehören die Sperrtafeln nun offiziell der Vergangenheit an: Die GEMA und YouTube haben sich auf einen Lizenzvertrag geeinigt.

 

„Nach sieben Jahren zäher Verhandlungen markiert der Vertragsabschluss mit YouTube einen Meilenstein für die GEMA und ihre Mitglieder. Unserem Standpunkt, dass Urhebern auch im digitalen Zeitalter eine angemessene Vergütung zusteht, sind wir trotz aller Widerstände treu geblieben. Entscheidend ist, dass der jetzt erzielte Lizenzvertrag sowohl die Zukunft als auch die Vergangenheit abdeckt. Mit diesem Abschluss können wir unseren Mitgliedern die Tantiemen sichern“, kommentiert Dr. Harald Heker, Vorstandsvorsitzender der GEMA, die Vereinbarung.“ Dies bedeutet, dass YouTube-Nutzerinnen  und -Nutzer ab jetzt wieder alle auf YouTube gehosteten Videoinhalte in Deutschland anschauen können.

Copyright ade?

YouTuberinnen und YouTuber, die sich nun freuen, endlich ihre Lieblingsmusik in selbstproduzierten Videos verwenden zu dürfen, sollten jedoch zweimal hinschauen, denn Musik in Videos unterliegt weiterhin bestimmten Einschränkungen, da die Einigung nur die von der GEMA vertretenen Künstlerinnen und Künstler betrifft und diese selbst entscheiden, welche Lieder unter welchen Bedingungen verwendet werden dürfen.

Welche Musik darf man in YouTube-Videos nun legal verwenden?

Es gibt zwei Arten von Musik, die man in YouTube-Videos verwenden darf, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

1. Die Audio-Bibliothek von YouTube bietet eine ganze Reihe an lizenzfreien Liedern und Soundeffekten zum Download an. Diese Musik darf rechtlich unbedenklich auf YouTube verwendet werden. Teilweise ist es erforderlich, die Urheberin oder den Urheber zu nennen. Dies kann man in der Songliste ganz einfach am Creative Commons-Zeichen für die CC-BY-Lizenz (Namensnennung) erkennen. Die in der Audiobibliothek beinhalteten Musikstücke unterliegen den allgemeinen YouTube-Nutzungsbedingungen und dürfen auch benutzt werden, um Geld mit den YouTube-Videos zu verdienen. Diese Erlaubnis gilt nur für die Nutzung der Musik in Videos mit legalen Inhalten, die auf YouTube hochgeladen werden. Die Verbreitung der Musik außerhalb von YouTube ist nicht erlaubt.

2. Möchte man andere Lieder, beispielsweise bestimmte Lieder aus den Charts von Rihanna, Justin Bieber oder Beyoncé verwenden, kann man in einer Liste auf YouTube nachschauen, ob der Künstler oder die Künstlerin damit einverstanden ist, dass seine bzw. ihre Musik verwendet wird und unter welchen Bedingungen dies erlaubt ist.

Hat man sein Wunschlied in der Liste gefunden, gelangt man mit einem Klick auf den Pfeil nach unten zu den Bedingungen und ggf. Nutzungsbeschränkungen. Zum einen wird angegeben, in welchen Ländern der Titel, in dem das Lied verwendet wird, abspielbar oder gesperrt sein wird. Außerdem wird angegeben, ob die Künstlerin oder der Künstler es sich vorbehält, Anzeigen einblenden zu lassen, um über diese Anzeigen Geld zu verdienen. Ähnliche Angaben gibt es auch für die Präsentation von Cover-Versionen des Musikstücks. Auch hier gilt, dass es lediglich um die Verwendung der Lieder oder Cover-Versionen auf der Plattform YouTube geht. Für eine Veröffentlichung außerhalb von YouTube, z.B. auf einer Webseite oder einem anderen Videoportal muss man weiterhin bei der GEMA die Rechte kaufen und zusätzlich die Erlaubnis der Künstlerin oder des Künstlers vorliegen haben. Wird sie oder er nicht von der GEMA vertreten, muss man die Rechte direkt bei ihr oder ihm erwerben.

 

Informationen zu freien Lizenzen finden Sie in unserem Themenbereich Open Content. Dort gibt es auch eine umfangreiche Liste mit Plattformen, auf denen man freie Musik, Bilder und vieles mehr finden kann.

Links zum Thema

Die wichtigsten Infos im Überblick (GEMA)

 

Die häufigsten Fragen zu Musik bei YouTube (iRights) 

Audio, Außerschulische Pädagogik, Internet / Web 2.0, Lehrkräfte, Urheberrecht, Video

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