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29.06.2016 | Constantin Schnell

Am Filmset

Bild: LMZ

Weiterbildung einmal anders: Die jüngste Filmweiterbildung des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ) fand nicht in einem Seminarraum statt, sondern an einem Filmset. An einem Filmset, bei dem einerseits Filmprofis arbeiteten, andererseits Schüler. Zehn Lehrerinnen und Lehrer aus den unterschiedlichsten Schularten kamen nach Karlsruhe, um einen Nachmittag lang unter fachkundiger Anleitung zu beobachten, wie eine Filmcrew – bestehend aus Schülern des Helmholtz-Gymnasiums Karlsruhe – ihr Drehbuch verfilmt. Die Schülerinnen und Schüler hatten zuvor den Drehbuchwettbewerb TATORT BODENSEE gewonnen – ihr Preis bestand darin, von vier Filmprofis bei ihrem Dreh unterstützt zu werden.

Bild: LMZ

Der erste Eindruck vor Ort: recht unübersichtlich. Rund 25 Menschen wuseln durch das Motiv, eine offene Küche in einem Privathaus. Die Erläuterungen der Regisseurin und Medienpädagogin Sabine Willmann, die das Projekt leitet, bringen für die Lehrerinnen und Lehrer Ordnung in das Chaos. Wie bei den Profis gibt es neben den Darstellern, der Regie und der Kameracrew noch eine Aufnahmeleitung, zwei Mann am Ton, ein Scriptgirl, Kostümleute, eine Standfotografin und einige Positionen mehr. Bis die erste Szene am Küchentisch komplett eingeleuchtet und geprobt ist, vergehen zwei Stunden. „Ich wusste zwar, dass es lange dauert“, stellt einer der Weiterbildungsteilnehmer fest, „aber so lange?“ Doch die Szene ist nach zwei Stunden noch lange nicht abgedreht – schließlich ist sie in sieben Einstellungen aufgelöst. Nach dreieinhalb Stunden heißt es dann: „Abgedreht – alles fertig machen zum Umbau!“ Der Drehtag ist noch nicht zu Ende.

Dreieinhalb Stunden für sieben Einstellungen

Bild: LMZ

Der Gewinnerdreh von TATORT BODENSEE läuft auf sehr hohem professionellen Niveau – und ist damit nicht eins zu eins auf die „normale“ Arbeit mit Schülern übertragbar. Der Nachmittag am Drehort ließ aber genug Zeit zum Schauen und zum Fragen, und so „konnte hier jeder mitnehmen, was ihm für seine Arbeit hilft“, wie es ein Teilnehmer formulierte. Zum Beispiel dass ein Dreh eine akribische organisatorische Vorarbeit braucht. Oder dass die normale Spiegelreflex-Fotokamera ausreicht, aber sie um einen externen Speicher erweitert wurde. Dass es eine Person am Drehort geben muss, die mit lauter Stimme immer wieder um Ruhe bittet. Dass die Tonaufnahmen zwar immer irgendwie nebenbei laufen, aber immens wichtig sind. Und viele Fragen mehr.

 

Dreieinhalb Stunden für sieben Einstellungen – das ist in etwa das Pensum, das auch Profis schaffen. Möglich wurde dieses konzentrierte Arbeiten vor allem dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler sehr gut als Team agierten. „Wir hatten eine gemeinsames Vorbereitungswochenende, und auch die Dreharbeiten laufen nun in einem Block hintereinander“, erläutert Sabine Willmann. „Zudem liegt ja ein preisgekröntes Drehbuch zugrunde.“ Alle Weiterbildungsteilnehmer waren sich einig: Ein solcher Nachmittag ist nicht nur hochspannend, sondern auch motivierend für die eigene Arbeit.

Film, Lehrkräfte

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