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04.02.2015 | Sascha Schmidt

GTA V - Dauerbrenner unter den Videospielen

Bild: faseextra, Lizenz: CC BY-NC-SA

Mit dem Spiel Grand Theft Auto 5 (GTA V) veröffentlichte das Entwicklerstudio Rockstar Games eines der bislang meistverkauften Videospiele aller Zeiten. Der mittlerweile fünfte Teil der Spielereihe zählt zu einem der erfolgreichsten Entertainment-Produkten überhaupt und ist gerade bei männlichen Spielern äußerst beliebt. Doch was steckt eigentlich hinter dem Phänomen GTA V?

Laut Branchenportal VGChartz wurden weltweit bereits mehr als 41 Millionen Exemplare des Spiels GTA V verkauft (Stand: Januar 2015). Hiervon fallen etwa drei Millionen Verkäufe auf Deutschland. Der erste Teil der Spielreihe Grand Theft Auto erschien bereits im Jahr 1997 für den PC und die Spielkonsole PlayStation. GTA V wurde im September 2013 für die Playstation 3 sowie Xbox 360 und etwa ein Jahr später mit geringfügigen Änderungen auch auf den aktuellen Konsolen Playstation 4 und Xbox One veröffentlicht. Für den PC soll das Spiel noch im Jahr 2015 erscheinen. GTA V ist also ein Spiel, das nahezu unverändert in drei aufeinanderfolgenden Kalenderjahren jeweils auf verschiedenen Plattformen veröffentlicht wurde bzw. wird. Dies ist neben den hohen Verkaufszahlen besonders beeindruckend, da der Markt für Computerspiele ansonsten sehr schnelllebig ist und stets Innovationen fordert. Um die nach wie vor anhaltende Faszination für GTA V transparent zu machen, gilt es zunächst das Spielprinzip zu erläutern.

Spielprinzip

Bild: Smade|Media, Lizenz: CC BY-NC

Im Spiel GTA V schlüpft man abwechselnd in die Rollen von insgesamt drei kriminellen Protagonisten, die in der virtuellen Stadt Los Santos leben. Die Hauptspielhandlung dreht sich dabei um spektakulär inszenierte Raubüberfälle, welche es vorzubereiten und durchzuführen gilt. Zu den spielerischen Elementen gehören vor allem Schießereien und Verfolgungsjagden mit der Polizei. Eine Besonderheit des Spiels liegt darin, dass die Spieler/-Innen neben den Hauptmissionen zahlreichen Nebenbeschäftigungen nachgehen, so z.B. Schlägereien und dem Diebstahl von Fahr- und Flugzeugen aller Art. GTA V ist dabei ein sogenanntes Open-World-Spiel: Dies bedeutet, dass man sich nicht durch linear gestaltete Levels kämpft, sondern eine riesige, frei begehbare Spielwelt vorfindet. 

Bild: Smade|Media, Lizenz: CC BY-NC

Die virtuelle Stadt Los Santos wurde in ihrer Aufmachung der amerikanischen Stadt Los Angeles nachempfunden und mitsamt ihrer virtuellen Einwohner sehr realitätsnah gestaltet. Den Spieler/-Innen wird das Gefühl vermittelt, sie befänden sich in einer Stadt, die auch real tatsächlich so existieren könnte. Hierzu trägt nicht nur die optische Gestaltung der Spielwelt bei, sondern auch die riesige Fülle an Beschäftigungsmöglichkeiten: Diese reichen von Minispielen in Form von Golfpartien bis hin zu Kinobesuchen mit eigens für das Spiel entwickelten Kurzfilmen. Selbst eine eigene Version des Internets wurde für das Spiel geschaffen. Dieses können die Spieler/-Innen im Spiel selbst mit ihrem virtuellen Smartphone abrufen. Inhalt und Gestaltung der Unterhaltungsangebote sollen dabei besonders männliche Spieler ansprechen: So ist es beispielsweise möglich, Table-Dance-Bars aufzusuchen oder im Spiel die Dienste von Prostituierten in Anspruch zu nehmen. In GTA V tauchen die Spieler/-Innen somit in eine virtuelle Parallelwelt, welche ein riesiges Unterhaltungsangebot sowie enorme Handlungsfreiheit bietet. Dies macht deutlich, dass man in der Spielwelt von Los Santos sehr viel Zeit verbringen kann und das Spiel durchaus Suchtfaktor birgt.

Kriminelle Handlungen als zentrales Spielelement

Bild: Smade|Media, Lizenz: CC BY-NC

Kriminelle Handlungen spielen eine zentrale Rolle in GTA V: Dies ist sowohl auf die Spielhandlung als auch auf die enorme Handlungsfreiheit abseits der Hauptmissionen zu beziehen. GTA V ermöglicht es den Spieler/-Innen, sich in Rollen zu begeben, die ihnen im echten Leben durch Moral und Strafrecht verwehrt bleiben. Im Spiel werden dabei ständig Normen der Gewaltfreiheit überschritten: Die möglichen Aktivitäten reichen von Prügelattacken gegen Passanten bis hin zum Erschießen von Polizisten und dem Foltern von Spielfiguren. Die Hauptcharaktere werden in ihrem Handeln dabei durchaus erfolgreich dargestellt, verdienen mit ihren Taten viel virtuelles Geld und erlangen in der Spielwelt schnell Ruhm. Auch das Charakterdesign wurde so gestaltet, dass die drei Hauptcharaktere bei den kriminellen Aktivitäten möglichst cool wirken. Hierdurch können sie insbesondere für jüngere Spieler/-Innen als Identifikationsfiguren dienen und falsche Werte vermitteln. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang auch Let’s Play-Videos auf YouTube: In den Videos führen YouTube-Künstler/-Innen vor, wie sie bestimmte Videospiele spielen und diese kommentieren. GTA V gehört dabei zu den besonders beliebten Spielen in der Let’s Play-Szene und viele bekannte YouTube-Künstler/-Innen griffen das Spiel bereits in ihren Videos auf. Auf diese Weise wird der Popularitätsgrad von GTA V zusätzlich gesteigert.

Jugendschutz

GTA V richtet sich eindeutig an ein erwachsenes Zielpublikum und erhielt aufgrund der moralisch bedenklichen Inhalte sowie der expliziten Gewaltdarstellung eine Altersfreigabe erst ab 18 Jahren. Trotz dieses Umstands wird es von vielen jüngeren (vor allem männlichen) Jugendlichen gespielt. Die Gründe, warum trotz der fehlenden Jugendfreigabe viele Minderjährige Zugriff auf das Spiel haben, sind vielfältig: Es ist denkbar, dass manche Eltern oder Großeltern das Spiel mehr oder weniger nichtsahnend für ihre Kinder erwerben, da sie nicht genügend über die Inhalte des Spiels informiert sind oder die Altersfreigabe ab 18 Jahren nur als grobe Empfehlung wahrnehmen. Außerdem spielen viele Minderjährige das Spiel bei/mit Freunden oder älteren Geschwistern. Darüber hinaus finden sich in Online-Foren Anfragen und Ratschläge von Minderjährigen, wie sie an das Spiel gelangen können, auch wenn es die eigenen Eltern verbieten. Ohnehin fürchten viele (vor allem männliche) Jugendliche zum Außenseiter zu werden, wenn sie das Spiel nicht besitzen und im Freundeskreis nicht mitreden können. Der soziale Druck in der Gruppe ist groß und der Umstand der nicht vorhandenen Jugendfreigabe scheint das Spiel für viele Jugendliche nur noch reizvoller zu machen.

Das Thema Computerspiele im Unterricht

Bild: chris.alcoran, Lizenz: CC BY-NC-ND

Spiele wie GTA V spielen in der Lebenswelt der Schüler/-Innen eine wichtige Rolle, weshalb es sich anbietet, das Thema Computerspiele auch im Unterricht aufzugreifen. Hierbei können generell folgende Inhalte behandelt werden: Die Spielgewohnheiten der Schüler/-Innen, Kriterien für ein gutes Computerspiel, Altersfreigaben und die Frage nach Gewaltdarstellungen in Computerspielen. Ziel ist es vor allem, dass die Lernenden vorhandene Angebote und auch die eigenen Spielgewohnheiten (kritisch) reflektieren. Die Thematik wirkt aufgrund des direkten Lebensweltbezugs auf Schüler/-Innen dabei generell sehr motivierend.


Das LMZ bietet zum Thema Computerspiele folgende Unterrichtsmodule:

 

Computerspiele bewerten
Im Modul wird über Spielzeiten gesprochen, es werden Kriterien für gute Computerspiele festgelegt, ein fiktiver Spieletest verfasst und existente Altersfreigaben erläutert.

 

Computerspiele
In diesem Modul stellen die Schüler/-Innen ihre Lieblingsspiele vor, dokumentieren ihre Spielgewohnheiten und führen ein Rollenspiel zur Killerspiel-Debatte.

Information für die Eltern

Auch mit den Eltern kann z.B. im Rahmen von Elternabenden über das Thema Computerspiele und im Speziellen GTA V gesprochen werden. Hierbei sollte es nicht darum gehen, die beliebte Debatte der Wirkung von Gewaltdarstellungen in Medien zu führen.  Vielmehr sollte über die Inhalte von Spielen wie GTA V aufgeklärt werden. Vielen Eltern ist oft gar nicht bewusst, welche virtuellen Rollen ihre Kinder beim Spielen in GTA V einnehmen und welche Tätigkeiten sie darin ausüben. Es sollte verdeutlicht werden, dass die Inhalte solcher Spiele auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet sind und nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen geraten sollten.


Mehr Informationen für Eltern zu Gewalt in Computerspielen erfahren Sie im Ratgeber Medien – aber sicher des LMZ.


Das Landesmedienzentrum bietet sowohl für Schüler/-Innen als auch für Eltern Workshops zum Thema digitale Spiele und Gewalt in Medien. Eine Auswahl der Workshops finden Sie hier.


Hier erfahren Sie mehr zum Thema Jugendmedienschutz bei Computerspielen.

Außerschulische Pädagogik, Computerspiele, Eltern, Jugendmedienschutz, Lehrkräfte

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