MediaCulture-Online Blog

01.12.2011 | Elke Albrecht

Trickfilme mit dem iPad 2

Ein Werkzeug zum Geschichtenerzählen

Mit dem iPad2 können ohne großen Aufwand kurze Trickfilmsequenzen aufgenommen und, wenn gewünscht, weiter editiert werden. Vor allem in der Primarstufe eignen sich die Geräte sehr gut, um Kindern durch produktive Medienarbeit die Herstellungsweise eines Trickfilms zu verdeutlichen.

In der am 25. Oktober 2011 vom Kreismedienzentrum Tübingen angebotenen Fortbildung wurden sehr anschaulich verschiedene Einsatzmöglichkeiten des iPads im Unterricht vorgestellt. Darüber hinaus blieb den Teilnehmern genügend Zeit, sich selbst im Trickfilmen auszuprobieren. Auf dem Hinweg notierte ich mir einige Fragen, die sich im Laufe der Fortbildung klären sollten:

  • Welche Medienzentren in Baden-Württemberg bieten iPads zur Ausleihe an?
  • Wie viele Geräte muss man für eine Schulklasse à 25 Schülern einplanen?
  • Was ist die ideale Gruppengröße für ein solches Projekt?
  • Wie lautet die Aufgabenstellung an die Klasse? Wird ein Thema vorgegeben?
  • Wie viele Schulstunden muss man einplanen?
  • Welche App braucht man?
  • Was für Filmtricks lassen sich produzieren?
  • Wie wird das Projekt abgespeichert?
  • Ist das Trickfilmprojekt auch mit dem iPad 1 realisierbar?

Das iPad im Geräte-Verleih der Medienzentren in Baden-Württemberg

In Mannheim wird der Einsatz von Tablet-PCs, i.e. iPads im Unterricht seit diesem Herbst an drei Modellschulen erprobt. Das Kreismedienzentrum Waiblingen bietet bereits iPads im Verleih an, wohingegen Reutlingen und Tübingen sich derzeit noch in der Versuchsphase befinden, bevor sie dann das iPad 2 im 10er-Verbund an Schulen ausleihen werden. Hier am Stadtmedienzentrum Stuttgart gibt es derzeit zwei iPads der ersten Generation im Technik-Verleih.

Vor- und Nachteile des Trickfilmkoffers im Vergleich zum iPad 2

Der vom Landesmedienzentrum entwickelte Trickfilmkoffer ist sehr massiv, aber wenn er dann aufgebaut steht, hat man eine richtiges kleines Trickfilmstudio mit Lichtern und allem Drum und Dran.

 

Das iPad 2 besitzt eine integrierte HD-Videokamera, so dass man mit den entsprechenden Apps alles in einem Gerät hat, das zudem sehr leicht zu transportieren ist. Jedoch empfiehlt sich beim Filmen, das iPad auf einem Stativ mit dazugehöriger Aufhängung zu fixieren, in dessen Aussparung das iPad genau passt.

 
Im Gegensatz zum Trickfilmkoffer kann mit dem iPad 2 nicht nur Legetrick, sondern auch Personentrick hergestellt werden. Und über einen VGA-Anschluss kann das iPad 2 mit einem Beamer verbunden werden, so dass man die Ergebnisse auf eine große Leinwand projizieren und gemeinsam ansehen kann. In punkto Beleuchtung muss man aber beim iPad sehr aufpassen, damit die Ergebnisse am Ende auch professionell aussehen.

 

Das Trickfilmprojekt mit dem iPad 1 zu realisieren, ist sehr umständlich. Denn da dieses keine integrierte Kamera besitzt, müsste man über eine externe Kamera eine Filmsequenz aufnehmen, die Datei in iPad-kompatiblem Format auf iTunes ablegen, um es dann über Synchronisation auf dem iPad 1 aufrufen und weiter bearbeiten zu können.

Wie gestaltet man den didaktischen Einstieg?

Hier empfiehlt es sich, mit der Herstellung eines Daumenkinos zu beginnen. Die Kinder zeichnen hierzu beispielsweise in eine Malvorlage einen Bewegungsablauf Schritt für Schritt auf. Beim späteren Abspielen dieser Bildreihenfolge bekommen sie dann eine Vorstellung, wie (Trick-)Filme funktionieren. Für die Herstellung eines Daumenkinos eignet sich auch die Freeware MonkeyJam oder die Daumenkino Druckmaschine. Zu letzterem finden Sie eine Anleitung auf MediaCulture-Online.


In Vorbereitung auf den geplanten iPad-Legetrick wird empfohlen, Handlung und Ablauf des Films mittels eines Storyboards in Gruppenarbeit entwickeln und aufzeichnen zu lassen. Hier kann beispielsweise auf die von Yasmin Hrusch und Martina Kraus entworfene Kopiervorlage zurückgegriffen werden.

Die Requisiten

Für einen Stopptrick bieten sich bunte, einfarbige Süßigkeiten wie beispielsweise Gummibärchen oder Smarties an, wie auch kleine Stofftiere, Bilder/Figuren zum Ausschneiden und farbiges kartoniertes Papier für die Kulisse. Buntstifte, Schere und Klebstoff sollten natürlich auch bereit stehen.

Warum finden sich auf YouTube vor allem Trickfilme von Förderschulen? Und was ist eigentlich die ideale Gruppengröße für ein solches Projekt?

Das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist an der Förderschule für die Umsetzung eines solchen Projekts sehr geeignet, denn meistens gibt es zwei Lehrkräfte pro Schulklasse mit weniger Schülern als an herkömmlichen Schulen. Das Filmprojekt mit einer regulären Grundschulklasse (25 Schülerinnen und Schüler) durchführen zu wollen, ist für eine einzige Lehrkraft kaum handhabbar. Hier kann aber auf Anfrage eine medienpädagogische Beraterin zur Unterstützung mit in die Klasse gerufen werden. Die Klasse wird in Kleingruppen à drei bis vier Kinder aufgeteilt, die dann jeweils mit einem iPad zusammen arbeiten.

Welche App braucht man?

Die App heißt iMotion HD und kann über den App Store auf das iPad heruntergeladen werden. Diese App ist zunächst kostenfrei, doch empfiehlt es sich, die „full version“ für 1,59 € herunterzuladen, da man die Dateien sonst im Anschluss nicht exportieren oder speichern kann.

Wie funktioniert der Datenexport?

Die Daten können per E-Mail oder über iTunes (= virtueller, individualisierter Datenablageplatz) auf einen Computer heruntergeladen werden. Das Exportieren stellt dabei weniger ein Problem dar als das spätere Wiederimportieren von Dateien auf das iPad zum Zwecke der dortigen Weiterbearbeitung (über iTunes und die App „PV Safe“ ist das beispielsweise möglich).

Die Trickfilm-App „iMotion HD“

Nach Starten der App kann über time-lapse eingestellt werden, in welchen zeitlichen Intervallen ein Bild automatisch aufgenommen werden soll (min. = 0,5 Sek, max. = 1 Tag). Bei der manual-Einstellung löst man das Bild eigenhändig aus, hier bemerkt man aber beim späteren Filmablauf meistens einen kleinen Wackler im Bild. Als Tipp für letztere Option gilt daher: Mit einem Wi-Fi-tauglichen Gerät kann die remoted-Funktion aktiviert werden, so dass der Auslöser auch von der Ferne aus (und ohne Wackler) abgedrückt werden kann.

 

Nach Eingabe des Filmtitels in das dafür vorgesehene Feld drückt man auf den Button Start. Im neuen Displayfeld erscheint nun unter anderem der Button options. Drückt man diesen, erhält man die Möglichkeit, grid und onion skin einzuschalten. Mit grid wird der Bildausschnitt im Vorschaufenster in Gitterlinien unterteilt, die einem bei der Anordnung der Gegenstände Orientierung geben. Onion skin zeigt beim Verschieben eines Gegenstandes dessen vorherige Position als Schatten an. Beide Optionen sind sehr hilfreich um einen schlüssigen Legetrick ohne ungewollte Jump Cuts zu zaubern.

Postproduktion

Eine Weiterverabeitung des Clips ist auf dem iPad mit dem App iMovie (3,99 €) möglich. Diese App benötigt aber ein Upgrade auf das Betriebssystem iOS 5.x. Komfortabler ist eine Editierung des Clips mit iMovie auf einem Mac-Rechner – iMovie ist darauf bereits vorinstalliert. Oder aber man editiert den Clip online mit dem kostenfreien, leicht verständlichen YouTube Video-Editor: Man benötigt nur einen eigenen YouTube-Kanal, lädt den Film hoch und kann dann loslegen. Schön ist hier auch die Auswahl an Musik, die einem passend zum Clip vorgeschlagen wird, und die man einbauen darf, da sie alle unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen – doch sehen und hören Sie selbst!

Weitere Ideen für Trickfilme:

  • Faltanleitung: Ein Flieger wird aus einem Blatt Papier gefaltet, jede neue Faltung des Papiers wird abfotografiert (Hände dabei nicht ins Bild bringen!)
  • Wie keimt eine Pflanze, z.B. ein Kartoffelsetzling? Hierzu braucht man einen ungestörten Ort für den Keimling. Man kann dann mit dem maximalen „time-lapse“ arbeiten, oder man nimmt einfach selber manuell jeden Tag ein Bild auf – aber immer von derselben Position aus!
  • Personentrick: Die Kamera ist auf die Tafel gerichtet, die Schüler kommen nacheinander nach vorn und kleben jeweils ein Kärtchen – beispielsweise mit einem Adjektiv darauf – an die Tafel, so dass nach und nach ein großes Ganzes entsteht.

Linktipp!

Wie iPads sinnvoll im Schulalltag verwendet werden können, beschreiben Pädagogen aus Baden-Württemberg in ihrem Blog schule-ipad.de. Mittels Video-Tutorials und kurzen Anleitungen werden hier technische Grundlagen und praktische Tipps vermittelt, empfehlenswerte Apps vorgestellt sowie nette Projektideen präsentiert.

Medienpädagogische Beratung

Yasmin Hrusch und Martina Kraus, beide medienpädagogische Beraterinnen am KMZ Tübingen und Lehrerinnen an der Erich-Kästner-Schule in Reutlingen, führten durch die Nachmittagsveranstaltung. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank und viele Grüße!

Weiterführende Apps

Und zum Schluss noch einige Apps, die sich für den Vorschul- und Grundschuleinsatz anbieten. „Jedoch stellen viele dieser Apps noch nicht so die Offenbarung dar, der (deutsche) Markt ist hier noch im Kommen“, so die sachkundige Einschätzung der medienpädagogischen Beraterinnen. Auch sei bei den kostenfreien Apps Vorsicht geboten, da diese oftmals Werbung einblenden und man hier nicht aus Versehen die Einkaufsfunktion aktivieren möchte.

How to Draw (Zeichenprogramm, gratis.)

Tracing Pad (Spielerisch Zahlen und Buchstaben zeichnen lernen, gratis.)

Lernerfolg Grundschule (Erst ein paar Aufgaben in Mathe, Deutsch oder Englisch lösen, dann zur Belohnung ein Spiel, gratis.)

3 Schweinchen Lite (Das bekannte Märchen musikalisch untermalt und mit vielen interaktiven Berührungspunkten, gratis.)

Die kleine Schnecke (Die Kurzgeschichte wird hier vorgelesen, gratis.)

ABCville Detective 2 (Bei den gezeigten Gegenstände fehlt ein wesentliches Teil, dieses muss benannt werden, 0,89 €.)

Auf dem Bauernhof (Animierte und vertonte Kinderbuch-App mit lustigen und lehrreichen Szenen auf dem Bauernhof, 1,79 €.)

Wimmelbuch (Interaktives Erlebnisbuch von Ralf Butschkow, 2,69 €.)

Eine weitere Liste mit App-Empfehlungen für die Schule dürfen wir Ihnen hier mit freundlicher Genehmigung von Hans-Jörg Schühle, Leiter des Kreismedienzentrums Waiblingen, zum Download anbieten.

Bildende Kunst, Grundschule, Smartphone / Tablet, Trickfilm

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