Medienbildung in der Grundschule: Überblick

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Digitale Medien sind heute selbstverständlicher Bestandteil der Lebenswelt von Kindern im Grundschulalter. Durch die zunehmende Verbreitung von Smartphone, Tablet und PC verfügen sie häufig über einen ungehinderten und auch ungeschützten Zugang zum Internet. Um die Kinder einerseits auf die vielfältigen positiven Möglichkeiten der Medien vorzubereiten und sie andererseits vor möglichen schädigenden Einflüssen zu schützen, ist eine grundlegende Medienbildung bereits in der Grundschule unverzichtbar.

 

Wie dringend dies geboten ist, zeigt ein Blick in aktuelle Untersuchungen. So besaßen laut der Studie Kinder und Jugend 3.0 der BITKOM bereits im Jahr 2014 20% der 6–7-jährigen, 25% der 8–9-jährigen und ca. 57% der 10–11-jährigen Kinder ein eigenes Smartphone. In den Familien besteht laut der KIM-Studie 2014 bei Fernseher, Handy/Smartphone, Computer/Laptop und Internetzugang nahezu Vollausstattung. Schon unter den 8–9-Jährigen nutzen 18% das Internet täglich oder fast täglich. Die Dringlichkeit dieser grundlegenden Medienbildung in der Grundschule wird dadurch untermauert, dass ein kompetenter und verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien in den weiterführenden Schulen sowie im späteren Berufsleben von zunehmender Bedeutung ist.

Bildungsplan 2016: Leitperspektive Medienbildung

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Dieser medialen Lebenswelt wird der neue Bildungsplan für die Grundschule, der ab 2016 in Kraft tritt, nun gerecht. Er greift den zentralen Beschluss der Kultusministerkonferenz zur Medienbildung in der Schule aus dem Jahr 2012 auf, demzufolge die Medienbildung als Pflichtaufgabe schulischer Bildung nachhaltig in der Schule verankert werden soll. In Baden-Württemberg wird dies mit der neu geschaffenen Leitperspektive Medienbildung im Bildungsplan 2016 umgesetzt. Die Leitperspektiven sind nicht einem einzigen Fach zugeordnet, sondern sollen übergreifend in allen Fächern spiralcurricular behandelt werden. Sie greifen überfachliche Gesichtspunkte auf und stärken die Persönlichkeit, fokussieren die Teilhabe und Gemeinschaftsbildung und unterstützen die Schülerinnen und Schüler, sich in der modernen Lebenswelt zu orientieren.

 

Die Leitperspektive erfasst folgende Felder der Medienbildung, die in der Schule ab dem Anfangsunterricht fächerintegrativ berücksichtigt werden:

  • Mediengesellschaft
  • Medienanalyse
  • Information und Wissen
  • Kommunikation und Kooperation
  • Produktion und Präsentation
  • Jugendmedienschutz
  • Informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz
  • Informationstechnische Grundlagen

Wie diese Felder der Medienbildung in den einzelnen Fächern im Bildungsplan verankert sind, und wie sie umgesetzt werden können, haben wir auf unseren Seiten zur Medienbildung im Bildungsplan 2016 ausgeführt. Zu den verschiedenen Leitperspektiven des neuen Bildungsplans hat die SESAM-Redaktion Medienlisten erstellt, so auch zur Leitperspektive Medienbildung.

Langjährige Erfahrungen mit Medienbildung in der Grundschule

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Bei der Umsetzung dieser Leitperspektive Medienbildung im Unterricht brauchen Lehrkräfte Unterstützung, insbesondere in der Grundschule, wo die Arbeit mit digitalen Medien bislang nicht verpflichtend war. Ebenso ist es für die Schulen eine große Erleichterung, wenn sie auf verlässliche und praxiserprobte technische und pädagogische Lösungen zurückgreifen können. Daher hat das Kultusministerium Baden-Württemberg in enger Absprache mit den Kommunalen Landesverbänden bereits zum Schuljahr 2011/12 das Projekt Medienbildung in der Grundschule beschlossen und das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) mit der Umsetzung beauftragt. Dabei wurde die Einbindung der Medienbildung in den Bildungsplan der Grundschule vorbereitet, um gesicherte Empfehlungen geben zu können, wie Grundschulen mit Medien ausgestattet werden sollten. Auch die Frage danach, welcher technische Support dazu nötig ist und welcher pädagogischen Unterstützung zur Qualifizierung der Lehrkräfte es bedarf, stand dabei im Mittelpunkt. Dabei wurde und wird angestrebt, die Kinder von Anfang an zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu erziehen und ihnen schon frühzeitig und nachhaltig Wege zu eröffnen, ihre medial-vernetzte Lebenswelt aktiv mitzugestalten.

 

Das Projekt wurde über drei Jahre hinweg an 22 Grundschulen im Land durchgeführt. Hier konnten wichtige Grundlagen für heutige Standards erprobt werden: Die Schulträger verpflichteten sich, die Schulen mit einer sogenannten strukturierten Verkabelung auszustatten und eine stabile Internetanbindung zu gewährleisten. Diese wird dringend benötigt, einerseits für die Realisierung der Fernwartung der paedML® vom LMZ aus, andererseits auch für einen reibungslosen Internetzugriff während des Unterrichts. Weiterhin erklärten sich die Schulen bereit, die Medienbildung in den Unterricht zu integrieren und die Lehrkräfte entsprechend fortzubilden. Dabei konnte auf das bereits im Sekundarstufenbereich bewährte System der Medienpädagogischen Beraterinnen und Berater (MPB) zurückgegriffen und um vom LMZ qualifizierte MPB für die Grundschule ergänzt werden. Die Ergebnisse und Empfehlungen dieses Projekts flossen einerseits in die Fortentwicklung der Medienbildung an Grundschulen in Baden-Württemberg ein und mündeten andererseits in die Einrichtung von Referenzgrundschulen.

Referenzgrundschulen als Kompetenzzentren vor Ort

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Um die Erfahrungen mit pädagogischen und technischen Unterstützungsleistungen in diesem mittlerweile erfolgreich abgeschlossenen Projekt für andere Schulen nutzbar zu machen, hat das LMZ sogenannte Referenzgrundschulen eingerichtet. Diese werden vom LMZ und dem jeweiligen Kreismedienzentrum pädagogisch begleitet und vom Schulträger exemplarisch mit entsprechender Hardware ausgestattet. Das zuständige Schulamt bezieht die Schule aktiv in Veranstaltungen und Fortbildungen mit ein und unterstützt bei der Ausschreibung von Fortbildungsveranstaltungen im Rahmen der Referenzschule. Zudem versucht es, im Rahmen seiner Möglichkeit bei Stellenbesetzungen das medienpädagogische Profil der Schule zu berücksichtigen.

 

Das Kollegium wird medienpädagogisch qualifiziert und erhält für die Kooperationslaufzeit regelmäßige Beratung durch den Medienpädagogischen Berater/-innen Grundschule (MPB GS) des zuständigen Kreis- oder Stadtmedienzentrums. Jede Referenzgrundschule gibt anderen interessierten Grundschulen im Landkreis ihre Erfahrungen weiter, liefert Anschauungsmaterial und erprobt Fortentwicklungen. Zugleich dient sie als Ort für Fortbildungen und Workshops und macht Medienbildung in der praktischen Umsetzung für Interessierte erlebbar. Bislang gibt es in 13 Landkreisen eine solche Referenzgrundschule, weitere sind in Vorbereitung. Mittelfristiges Ziel ist, in allen Stadt- und Landkreisen eine Referenzschule einzurichten.

Medien und Software für alle Grundschulen

Um den Grundschulen die Ausstattung mit Software und Medien zu erleichtern, wurde eine Liste mit Softwareprogrammen und Medien für die Grundschule zusammengestellt. Das Paket ist eng mit den Medienpädagogischen Beraterinnen und Beratern sowie den Referenzschulen abgestimmt. Es enthält zahlreiche erprobte und für den Einsatz in der Grundschule geeignete Standard- und Lernprogramme. Die Liste enthält zudem landesweit verfügbare Medien, die vom LMZ auf ihre Eignung hin gesichtet und geprüft wurden.

 

In Entwicklung befindet sich derzeit zudem eine speziell auf die Bedürfnisse von Grundschulen zugeschnittene Version der pädagogischen Musterlösung (paedML® für Grundschulen). Am LMZ wird ein eigenes Team aufgebaut, das die Fernwartung der angeschlossenen Grundschulen übernimmt.

 

Somit bietet das LMZ für die Grundschulen im Land umfassende Unterstützungsangebote in pädagogischer wie technischer Sicht. Die Grundschulen sind damit bestens aufgestellt, um die Vorgaben des neuen Bildungsplans in die Praxis umzusetzen.

Handouts

Projektbericht Medienbildung in der Grundschule