Körpersprache

Welche Signale senden wir mit unserem Körper beim Sprechen aus? Was ermöglicht oder behindert eine natürliche Gestik? Menschen sprechen nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit ihrem Körper. Oft sind wir uns nicht bewusst, was wir mit unserem Körper ausdrücken und nehmen auch die Signale der anderen nur unbewusst wahr. Zum Handwerk des Sprechens gehört es, sich bewusst zu machen, was wir selbst oder unsere Zuhörerinnen und Zuhörer mit der Körperhaltung, den Armen, Händen oder Beinen vermitteln.

„Deshalb ist keine Beweisführung, die nur ein Redner zu bieten hat, so stark, dass sie nicht die ihr eigene Kraft einbüßte, wenn sie nicht durch den vollen Einsatz des Redenden gestützt wird. Alle Gefühlswirkungen müssen matt werden, wenn sie nicht ihr Feuer erhalten durch die Stimme, das Mienenspiel und nahezu alles in der Haltung des Körpers.“ (Marcus Fabius Quintilianus)

Die Gestik beim Reden

Offene oder geschlossene Haltung

Offene Arme und ein sicherer Stand signalisieren nicht nur Offenheit in Richtung Publikum, es ist meist auch ein Indiz für die rhetorische Beherrschung der Situation durch die Rednerin oder den Redner. Eine offene Armhaltung ermöglicht es, das Gesagte mit den Händen und Armen zu unterstreichen.

 

Eine geschlossene Armhaltung zeigt meistens eine Unsicherheit beim Reden, ein „Sichabstützen an der eigenen Person“. Außerdem blockiert die geschlossene Haltung die natürliche Gestik.

Aggressiver Sprechgestus

Die Rednerin hat sich in Wut und Aggression geredet. Hier besteht die Gefahr, theatralisch und letztlich wenig überzeugend zu werden.

Die Verlegenheitsgeste

Durch Verlegenheitsgesten teilt sich die Unsicherheit dem Publikum unmittelbar mit, unter Umständen leidet es förmlich mit.

Das Brillenspiel

Das Spiel mit der Brille oder einem Stift wird meist unbewusst von durchaus selbstsicheren Rednerinnen und Rednern gepflegt. Das Spiel mit den Gläsern wirkt intellektuell, lenkt aber auf die Dauer das Publikum sehr ab. Eine Nebensache wird unversehens zur Hauptssache – die geschulte Rhetorikerin und der gewiefte Redner werden dies vermeiden.

Belehrender Sprechgestus

Wenn Finger und Hände in extremer Weise zur Unterstreichung des Vortrags genutzt werden, kann das leicht belehrend oder „lehrerhaft“ wirken.

Mit einem Manuskript sprechen

Frei sprechen

Wer ohne Manuskript spricht, kann mit seinen Händen das Gesagte unterstreichen. Die Blicke können frei zwischen den Zuhörerinnen und Zuhöreren wandern: So können sich alle angesprochen fühlen und die Sprecherin kann die Reaktionen des Publikums gut wahrnehmen.

Mit ausführlichem Manuskript

Wer seine Rede schon vorformuliert hat, muss vor allem darauf achten, beim Lesen den Kontakt zu seinem Publikum nicht zu verlieren und nicht zu schnell zu sprechen.

Mit Stichwortkarten

Wer sich nur Stichworte notiert hat, dem fällt es leichter, einen Kontakt zu den Zuhörerinnen und Zuhörern aufzubauen.

Mit Stehpult

Ein Pult kann eine gut Stütze für die Hände sein. Ein Festklammern daran verhindert jedoch die natürliche Gestik.

Sitzhaltungen

Offenes Sitzen

Die leicht geöffneten Beine und die aufrechte Haltung deuten auf eine offene, aufmerksame Gesprächsteilnehmerin hin.

Abgrenzende Sitzhaltung

Die Frau rechts im Bild scheint sich dagegen von ihrer Gesprächspartnerin abzugrenzen.

Vermeintlich lässig übereinander geschlagene Beine oder verschränkte Arme schaffen eine Distanz zum Gegenüber. Der latente Druck auf Blutgefäße und Nervenbahnen wird vermutlich eine rasche Veränderung der Sitzhaltung zur Folge haben, da eine solche Sitzhaltung letztlich unökonomisch ist.

Auch mit lang ausgestreckten Beinen oder einem weit zurückgelehnten Oberkörper wird Lässigkeit inszeniert. Diese Haltungen wirken ebenfalls distanziert und können zudem Desinteresse vermitteln.

Unsichere Sitzhaltung

Das Festhalten am Stuhl und noch auffallender das Umklammern des Stuhls mit den Beinen lässt eine unsichere oder gehemmte Gesprächsteilnehmerin erwarten.

Hierarchische und kooperative Kommunikation

Sitzt eine der beiden Gesprächspartnerinnen, während die andere vor ihr steht, wirkt erstere schnell unterlegen. Die stehende Person dagegen signalisiert Überlegenheit. Dieses Hierarchiegefälle wird umso deutlicher, wenn es um die Beurteilung von Leistungen geht, wie beispielsweise der Rückgabe einer Klassenarbeit oder Ähnlichem.

Im Gegensatz dazu findet die Kommunikation auf diesen Bildern nahezu auf Augenhöhe statt. Die vermeintlich überlegene Person beugt sich hinunter, erklärt und beantwortet Fragen. Die Gesprächssituation wird so kooperativ und unterstützend.

Handouts

Tipps und Anregungen zum sicheren Auftreten

Was wirkt wie?

Links

Planet Wissen: Körpersprache

Special von Planet Wissen über Gestik, Mimik, Samy Molcho und Körpersprache in Gesprächen.

 

Wikipedia: Körpersprache

In der Online-Enzyklopädie finden Sie neben zahlreichen Einzelartikeln zur Körpersprache noch die Unterkategorien Geste, Lachen und Mimik.

 

Mimik & Körpersprache

Die Hirnforschungsseite dasGehirn.info liefert wissenschaftlich fundierte Hintergrundartikel zu Mimik, Gestik und Körperhaltung. 

Literatur

Berthold, Siegwart: Reden lernen im Deutschunterricht. Übungen für die Sekundarstufe I und II. Essen 1997.

 

Endres, Wolfgang u.a.: Mündlich gut. Rhetorik-Tipps für Schülerinnen und Schüler. 5. bis 10. Klasse. Weinheim 2009.

 

Endres, Wolfgang / Küffner, Moritz: Rhetorik und Präsentation in der Sek.II, mit DVD. Das Know-how für Lehrer/innen und Schüler/innen. Weinheim 2008.

 

Eisler-Mertz, Christiane: Die Sprache der Hände. Was unsere Gesten verraten. Landsberg am Lech 1997.

 

Fast, Julius: Körpersprache. Reinbek bei Hamburg 1991.

 

Fiukowski, Heinz: Sprecherzieherisches Elementarbuch. Tübingen 2004.

 

Gora, Stephan: Praktische Rhetorik. Rede- und Gesprächstechniken in der Schule. Seelze-Velber 2010.

 

Molcho, Samy: Körpersprache im Beruf. München 1996.

 

Molcho, Samy: Körpersprache. München 1998.

 

Molcho, Samy: Körpersprache als Dialog. Ganzheitliche Kommunikation in Beruf und Alltag. München 1998.

 

Neumann, Almut / Dittmar, Katja Anne: Wirksam vortragen. Ilmenau 2006.

 

Pabst-Weinschenk, Marita: Die Sprechwerkstatt. Sprech- und Stimmbildung in der Schule. Braunschweig 2000.

 

Pabst-Weinschenk, Marita: Freies Sprechen in der Grundschule. Grundlagen. Praktische Übungen. Berlin 2005.

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