Make IT safe: Schulen mieten Serverstellplatz

So oder ähnlich könnte der Slogan für das Projekt zum Thema „IT Safe“ lauten, das derzeit von den Stadtwerken Buchen für die schulischen Einrichtungen der Stadt Buchen umgesetzt wird.

 

Doreen Edel, Redakteurin am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ), führte mit Kurt Hemberger, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Buchen und Ulrich Hollritt, Schulnetzberater am Kreismedienzentrum Buchen, ein Interview. Als maßgeblicher Initiator des Projekts schildert Kurt Hemberger im Gespräch, wie die Idee aufkam, Schulen ein „ServerHousing“ anzubieten, stellt das Angebot vor und berichtet über seine Erfahrungen, die er an den Schulen gemacht hat. Ulrich Hollritt berichtet aus der Sicht seiner beratenden Funktion, wie die Schulnetzberatung bei einem solchen Projekt unterstützt und welche Aufgaben sie übernehmen.

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1. Wie kam es zu dem Projekt „IT Safe“ und worum geht es dabei?

Hemberger: Der Ausgangspunkt für das Projekt „IT Safe“ in Buchen war das „City IT und Infotainment“-Konzept. Ziel des Konzepts ist die Zusammenschaltung verschiedener „Objekte“ der Stadt (wie Stadtverwaltung, Schulverwaltung, Museen, Schulen, etc.) zu einem zentralen Server, der bei den Stadtwerken angesiedelt ist. Die Verbindungen von den einzelnen Objekten (Netzen) erfolgt über Glasfaser zum ausgelagerten Server bei den Stadtwerken. Eine Glasfaserverbindung kann zu mehreren Standorten erfolgen, sogar über größere Entfernungen hinweg, ohne dabei an Geschwindigkeit einzubüßen. Man kann sich das so vorstellen, als würde jemand direkt daneben stehen; beim Datenaustausch sind die Entfernungen nicht zu spüren. So können auch Schulen mit größerer Entfernung zum zentralen Server problemlos angeschlossen und vernetzt werden. Und so kamen wir drauf, nicht nur die Schulverwaltungsnetze an den IT Safe der Stadtwerke anzuschließen sondern auch die einzelnen Computer des pädagogischen Netzes über die Glasfaserverbindung an einem zentralen Punkt zusammen zu fassen.

City IT & Infotainment-Konzept

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2. Wie sind Sie auf das Projekt gekommen und worin sehen Sie die Vorteile?

Hemberger: Oftmals sind die Serverräume in den Schulen nur unzureichend gesichert. Sie erfüllen keine Sicherheitsstandards, sind weder vor unbefugtem Zutritt entsprechend gesichert noch vor Gefahren wie Temperaturschwankungen, Feuer und Feuchtigkeit gut geschützt. Manche sind aus der Not heraus entstanden, und dann an die gewachsenen Strukturen nicht ausreichend angepasst worden. Die Grundidee kam, als der Schulträger bei der Erneuerung der IT auch den Serverraum besser gegen Gefahren schützen sollte. Auch die Serverräume kleiner Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen sollten einem gewissen Mindeststandard entsprechen, der im aktuellen Serverraum der Schule keinesfalls gegeben war. 

 

Mit einer Gesamtlösung für die ganze Stadt kommen die Stadtwerke Buchen vor allem den Schulträgern entgegen, die damit viel Geld sparen. Mit der Zentralisierung braucht nicht jede Schule ihren eigenen Server und den entsprechenden Serverraum, es muss nur ein Raum für alle eingerichtet werden. Das spart zum einen Kosten bei der einmaligen Einrichtung aber auch im laufenden Betrieb, denn die Schulen können zentral auf einem gemeinsamen Server verwaltet werden.

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3. Was bieten Sie den Schulen konkret an?

Hemberger: Wir bieten den Schulen einen gesicherten Raum, in dem Sie ihren neuen Server unterbringen können, deshalb „Serverhousing“. Dieser Raum ist unter anderem klimatisiert, gegen Stromausfall geschützt und besitzt eine eigene Feuerlöschanlage zum Brandschutz. Da sich mehrere Schulen denselben Server teilen, entfällt die Einrichtung eines entsprechenden gesicherten Serverraums in allen drei Schulen. Wenn Schulen die Serverräume selbst nach dem aktuellen Standard so einrichten würden, wäre das mit sehr hohen Kosten für die Schulen bzw. den Schulträger verbunden. Beim Serverhousing mieten Schulen nun den Serverstellplatz bei uns in Höheneinheiten (HE*) an und haben dafür alles was sie brauchen.

 

* Die Preise werden nach Höheneinheiten berechnet und sind von den Größe der Server abhängig. Je nachdem wie viel Speicherkapazität und Performance die Schule braucht, erhöht sich der Platzbedarf und damit die Anzahl der Höheneinheiten, welche im IT-Safe für den Schulserver angemietet werden.

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4. Wer ist am Projekt beteiligt?

Hemberger: Hauptprojektbeteiligte sind vor allem die Schulträger. Ihre Aufgabe ist es, die Schulen mit entsprechender Technik auszustatten, damit die Schulen ihre pädagogischen und verwaltungstechnischen Aufgaben erfüllen können. Die Anforderungen des Landes laut Netzbrief vom Juni 2014 (sowie der Fortschreibung vom September 2015) - eine Trennung der drei Netze Pädagogisches Netz, Lehrernetz und Verwaltungsnetz - sicherzustellen. Die Trennung der drei Netze kann auf diesem System hervorragend abgebildet werden.

 

Durch die heutige Netzwerktechnik kann alles über eine Serverhardware laufen, denn jede Schule und jedes Netzwerk hat ihre eigenen virtuellen Server. Dies entspricht dem neuesten Stand der IT-Technik, die wir hier einsetzen. Das Gute an der Zentralisierung ist, dass der verantwortliche Administrator Zugang zu jedem Schulserver (zu allen drei Netzen) hat, um z.B. Programme oder Updates einzuspielen.

 

Der Netzwerkberater einer Schule kann natürlich über die entsprechenden Zugänge und Berechtigungen seine administrativen Aufgaben im pädagogischen Netz weiterhin von der Schule aus wahrnehmen ohne dafür direkt vor Ort im gesicherten IT-Safe sitzen zu müssen.

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5. Wie viele Schulen sind daran beteiligt?

Hemberger: Insgesamt sollen 4 Schulen in das Konzept eingebunden werden. Das ganze Schulzentrum in Buchen: Grund-, Werkreal-, und Realschule sowie eine weitere Grundschule, die geografisch woanders liegt, die aber über Glasfaser zukünftig problemlos angebunden werden kann.

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6. Wie ist die Schulnetzberatung daran beteiligt bzw. welche Rolle übernimmt die Schulnetzberatung?

Hollritt: Bei dem Projekt IT Safe übernahm ich, als Schulnetzberater am Kreismedienzentrum Buchen, eine wesentliche Mittler- und Beraterrolle. Ich war bei Gesprächen zwischen Stadtwerken, Schulträger und den Schulen anwesend und habe entsprechenden Input geliefert.

 

Erstgespräche und Konzeption

Das erste Gespräch initiierte Herr Hemberger von den Stadtwerken Buchen vor zirka eineinhalb Jahren. Er hatte über das Kreismedienzentrum erfahren, dass wir Schulen zu den Themen Neue Medien und EDV beraten und technische Unterstützung anbieten. Zusammen mit Herrn Hemberger haben wir ein Konzept entwickelt. Darin listen wir den Bedarf der Schulen auf und stimmen die neue IT-Ausstattung auf die geplante IT-Lösung der Stadt buchen ab.

 

Daraufhin folgten Gespräche mit Herrn Kern von der städtischen IT-Abteilung, denn die Stadt ist Schulträger und zuständig für die IT-Ausstattung der Schulen. Die langjährige Zusammenarbeit verlief immer sehr konstruktiv und zielführend. Parallel dazu fanden Gespräche mit verschiedenen Schulen statt, welche eine Neuausstattung (infolge veralteter Hardware) anstrebten oder ihre Computernetze aktualisieren und updaten wollten.

 

Beratung an den Schulen

Die erste Beratung dazu hatte ich in der Jakob Mayer Grundschule, die bereits seit vielen Jahren die paedML nutzt und nun zwingend eine Neuausstattung benötigt. Die Schule hat mit meiner Unterstützung einen Medienentwicklungsplan erstellt und darin den zukünftigen IT Safe als Standort für den Server berücksichtigt. Sobald eine Glasfaserverbindung hergestellt ist, wird die Schule an den zentralen Server der Stadtwerke angebunden.

 

Das größere Projekt läuft seit einem dreiviertel Jahr und umfasst die Zusammenführung der Netze des Schulzentrums Buchen. Bisher betreiben die Werkrealschule und die Realschule noch jeweils eigene pädagogische Netzwerke. Die beiden Schulen sind auf dem gleichen Schulgelände und nutzen inzwischen gemeinsame Räumlichkeiten, so dass die Zusammenführung der Netze im Rahmen der Neuausstattung für alle Beteiligten die beste Lösung ist. Auch hier gab es einige Gespräche mit der Stadt an denen ich beteiligt war. Zusammen mit der Schulleiterin und dem Schulleiter der beiden Schulen, den Netzwerkberatern der Schulen und einem pädagogischen Team aus jeder Schule stellten wir die jeweiligen Wünsche und Anforderungen zusammen und entwickelten ein Konzept, wie man diese technisch umsetzen kann.

 

Realisierung durch Finanzierung der Stadt möglich

Mit dem Konzept der Stadtwerke und dem Angebot der Stadt, die Glasfaserverbindung zu finanzieren, wird die Realisierung für ein gemeinsames pädagogisches Netz umgesetzt. Der zentrale Server wird bei den Stadtwerken im IT Safe aufgesetzt und damit das gemeinsame Netzwerk versorgt. Die Umsetzung erfolgt zu den Sommerferien 2016, sodass der Betrieb zum neuen Schuljahr mit neuer Hardware und aktuellster paedML Windows 3.0 Lösung aufgenommen werden kann.

Die Wimpina Grundschule, welche auch im Schulzentrum angesiedelt ist, wird ebenfalls auf das System umsteigen, sobald an der Schule die Hardware erneuert werden wird. Auch hier finden enge Abstimmungen zwischen der Schule, dem Schulträger und der Schulnetzberatung statt.

 

Um welche Schulen handelt es sich und welche paedML kommt zum Einsatz?

Insgesamt sind vier Schulen der Stadt Buchen aus unterschiedlichen Schularten in das Konzept eingebunden: Abt-Bessel-Realschule, Karl-Trunzer-Werkrealschule, Jakob Mayer Grundschule und Wimpina Grundschule. Alle vier Schulen werden künftig die paedML Windows 3.0 nutzen.

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