Interaktive Whiteboards: Didaktik

Bild: Jiří Hönes/LMZ, Lizenz: CC BY-SA

Einsatz in den jeweiligen Unterrichtsphasen

Grundsätzlich muss festgehalten werden, dass jede Fachdidaktik eine Vielzahl von individuellen Einsatzmöglichkeiten bieten würde. An dieser Stelle sollen allgemeingültige und grundsätzliche Einsatzmöglichkeiten von Interaktiven Whiteboards aufgeführt werden.

 

Unterrichtsphase Einsatz von Interaktiven Whiteboards
Einstieg (Motivation/Problemstellung etc.) Ja
Erarbeitung (Problemlösung etc.) Ja
Übungsphase Bedingt
Sicherung/Transfer Ja

Einstieg

  • Motivationssteigerung durch Spezialeffekte: Abdecken/Aufdecken; virtuelle Beleuchtung einzelner Punkte/Bilder/Ausschnitte („Spotlight“/​virtuelle Taschenlampe); Einsatz von „magischer Tinte“ (zuvor geschriebene Textinhalte sind „unsichtbar“ und können anhand eines Werkzeugs offengelegt werden).
  • Virtuelle, akustische sowie haptische Darstellung/Herangehensweise von/an Problemstellungen: Abspielen und Anhalten von Audio- und Videosequenzen (Steuerung am Board selbst oder vom Tablet aus); drehbare, verschiebbare, veränderbare grafische Darstellungen; Illustration eines Entstehungsprozesses mit anschließender Problemstellung (zum Beispiel durch Java/​Flash/​GIF-Animationen).
  • Ergänzende Visualisierung von Realobjekten: zum Beispiel vergrößerte Darstellung von technischen Bauteilen und kleinen Gegenständen mithilfe einer Dokumentenkamera (zum Beispiel Platinen, Schaltplänen); Steuerung der Kamera direkt am Whiteboard oder vom Tablet (Zoomfunktion).
  • Erstellung von Clustern oder Mind-Maps am Board (bessere Visualisierung durch Farben, Fülleffekte, Hervorhebung mit Markern)
  • Wiedervorlage vergangener Tafelanschriebe (digital gespeichert); Weiterentwicklung derselben.
  • Einsatz unterschiedlicher Medientypen zur gleichen Zeit und somit Öffnung unterschiedlicher Lernkanäle (Verknüpfung von Musik, Videos, Grafiken, Textbausteinen zu einem Thema, zu finden beispielsweise in der SESAM-Datenbank).

Erarbeitung

  • Hohe Schüleraktivität durch den Einsatz interaktiver Arbeitsblätter am Whiteboard, zum Beispiel als exemplarische „Pilotaufgabe“ für die ganze Klasse („drag and drop“-Funktionen, Lückentexte, mathematische Gleichungen ergänzen).
  • Konstruktionen anfertigen (zum Beispiel geometrische Körper mit Hilfe von virtuellen Zeichenwerkzeugen wie Lineal, Geodreieck, Zirkel erstellen).
  • Technische Zeichnungen mit CAD-Programmen entwerfen (zum Beispiel Schüler zeichnet am Whiteboard, Klasse an ihren PCs.
  • Versuchsreihen filmen oder abfotografieren und Fotos anschließend am Interaktiven Whiteboard beschriften (eignet sich besonders gut bei Experimenten, bei denen die Reaktion für das Auge zu schnell abläuft), Nutzung der Zeitlupenfunktion.

Einsatz in den Unterrichtsformen

Unterrichtsformen Einsatz von Interaktiven Whiteboards
Klassen-/Frontalunterricht, Lehrervortrag Ja
Einzelarbeit Nein
Partnerarbeit Bedingt
Gruppenarbeit Bedingt
Offene Unterrichtsformen Ja

Eine Einzelarbeit ist im didaktischen Sinn eine Aufgabe, die jeder einzeln für sich bearbeiten soll. Partnerarbeit am Board ist abhängig von der technischen Voraussetzungen des eingesetzten Whiteboards und der Herstellersoftware, Gruppenarbeit am Board ist dagegen nur mit zusätzlicher Hardware, wie zum Beispiel kabellose Tablets oder als eigenständige Station sinnvoll.

 

Der Einsatz von Interaktiven Whiteboards in den jeweiligen Unterrichtsformen ist bereits in der oben stehenden Grafik beschrieben und teilweise erläutert. Tendenziell gilt die Faustregel: Je mehr Schüler gleichzeitig an einer elektronischen Weißwandtafel arbeiten wollen, desto schwieriger wird es, bzw. desto mehr benötigt man Peripheriegeräte (wie beispielsweise kabellose Tablets). Diese können dann jedoch auch bei Gruppenarbeit oder bei offenen Unterrichtsformen eingesetzt werden. Am Board selbst können bisher maximal zwei Schüler parallel arbeiten (Whiteboard- und Softwareabhängig). Die Hersteller versprechen jedoch, dass zukünftig bis zu vier Kindern/Jugendlichen auf der Whiteboardoberfläche gleichzeitig arbeiten können. Wie oft man diese Funktion im Unterrichtsalltag benötigt, ist jedoch äußerst fragwürdig.

 

In der Tabelle ist der Einsatz des Whiteboards bei der Einzelarbeit verneint. Dies liegt in der strengen Auslegung des Begriffs „Einzelarbeit“ begründet. Betrachtet man eine Präsentation eines Schülers als Einzelarbeit (Einzelleistung) ist das Interaktive Whiteboard geradezu prädestiniert dafür. Es gibt wohl kein besseres Präsentationsmedium, als ein elektronisches Whiteboard! Gleiches gilt natürlich auch bei Partner- oder Gruppenpräsentation beziehungsweise auf den Lehrer übertragen beim Klassen- oder Frontalunterricht.

 

Bei Gruppenarbeit oder offenen Unterrichtsformen ist das Whiteboard beispielsweise als eigenständige Station oder Informationsmedium einsetzbar (Verbindung zum Internet, schulinternen Wikis, Datenbanken).

Resümee

Ein Interaktives Whiteboard ist zurzeit noch, wie praktisch alle elektronische Medien, als ergänzendes Werkzeug für den Einsatz im Unterricht anzusehen. Der komplette Verzicht auf ein klassisches Medium wie die Tafel ist zum derzeitigen (Fortbildungs-/ und Wissens-) Stand der Lehrkräfte noch nicht möglich. Allerdings bietet das IWB wie kaum ein anderes Medium die Chance zukünftig eine dominierende Rolle im Klassenzimmern einzunehmen. Durch die Verschmelzung von PC, Beamer, steuerbarer und beschreibbarer Oberfläche und praktischer Software, die zusätzlich klassische Medien ersetzt, kommt das Interactive Whiteboards der „eierlegenden Wollmilchsau“ bereits sehr nahe.

 

Kritiker äußern oftmals den Vorwurf der Förderung von Frontalunterricht durch elektronische Weißwandtafeln. Dies kann man jedoch sogleich entkräften. Interaktive Whiteboards müssen phasenweise und zielgenau im Unterricht eingesetzt werden. Die Praxisbeispiele haben gezeigt, dass IWBs weit mehr sind, als nur ein Präsentationsmedium. Zudem bietet sich kein anderes Medium bei Einstiegssituationen und Erarbeitungsphasen besser an, als eine elektronische Weißwandtafel. Sollten sich daraus Frontallunterrichtssituationen ergeben ist dies nicht zwangsläufig schlecht, sondern teilweise sogar höchst effektiv, wenn dies zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Situation geschieht.

 

Eines Studie des Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg vom Jahr 2007 hat gezeigt, dass der Einsatz von Interaktive Whiteboards zu einer deutlichen Motivationssteigerung seitens der Schüler führt und die Unterrichtsqualität deutlich ansteigt. Aus der Studie ging ebenfalls hervor, dass ein flächendeckender Ausbau von Schulen mit IWBs nur mit differenzierten Fortbildungskonzepten für Lehrkräfte einhergehen kann!

 

Lehrkräfte können durch den Einsatz von Whiteboards nur profitieren. Häufig gehen die ersten fünf Minuten einer Unterrichtsstunde damit verloren, ein benötigtes Medium (Overheadprojektor, Fernseher, DVD-Rekorder) zu suchen oder einzurichten. Dieser Prozess entfällt nun. Ist das IWB einmal eingeschaltet, kann man als Lehrkraft jederzeit darauf zugreifen und damit arbeiten. Vorbereitete Unterrichtssequenzen können bequem per USB-Stick oder über das Internet visualisiert werden. All dies geschieht direkt an der Boardoberfläche, wo man gleichzeitig die ganze Klasse im Blickfeld hat. Zudem hat man die Möglichkeit bereits erstellte Unterrichtsmaterialien auf den schuleigenen Server zu stellen und somit dem gesamten Lehrerkollegium zugänglich zu machen.

 

Von einer Sache ist auszugehen: Interaktive Whiteboards werden zukünftig das Standardmedium sein, wenn es um Präsentationen und Präsentationstechniken geht und auf kurz oder lang die Tafel aus den Klassenzimmern verdrängen.

Links

Praxisblog

Die von medien+bildung.com organisierte Medien-AG an der Realschule Plus in Oppenheim führt Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler an die Nutzung des neu angeschafften Whiteboards und den Einsatz von Handys im Unterricht heran. Im Blog werden die Erfahrungen dokumentiert.