Smartphone & Apps – ein Ratgeber für Eltern

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„Aber alle haben ein Smartphone!“ ist ein häufig formulierter Satz, den Eltern im Gespräch mit ihren Kindern hören. Und tatsächlich scheint ein Smartphone bei Heranwachsenden heute wie selbstverständlich dazu zu gehören. Nach wie vor gilt das jedoch eher für die etwas Älteren, denn während bei den Sechs- bis 13-Jährigen 25 % ein eigenes Smartphone besitzen, sind es bei den 13- bis 19-Jährigen bereits 88 Prozent (vgl. KIM- und JIM-Studie 2014).

 

Das Smartphone ist für viele Jugendliche ein Statussymbol, dem eine hohe emotionale Bedeutung zukommt, da es immer und überall die Kommunikation mit der Clique ermöglicht. Neben den Messenger-Diensten (z.B. WhatsApp) und Communities (z.B. Facebook, Instagram) zum Austausch untereinander, spielen auch Musik-, Video- und Spiele-Apps eine wichtige Rolle im medialen Alltag der Jugendlichen. Eine App (Abkürzung für den englischen Begriff „Application“) ist ein Programm, das auf Smartphones und Tablets ausgeführt wird. Bekannte Beispiele sind dabei die bereits vorinstallierte Wecker- oder die Kalender-App. Apps können je nach Angebot kostenfrei oder kostenpflichtig in den entsprechenden Stores heruntergeladen werden. Doch Vorsicht, denn nicht alle Apps, die dort angeboten werden, sind auch qualitativ hochwertig.

 

Viele Apps greifen, nachdem sie auf dem Smartphone installiert wurden, auf gespeicherte Daten und Programminhalte zu (z.B. Kontaktdaten, Kalendereinträge, Nachrichten). Teilweise erfolgt dieser Zugriff sogar ohne die ausdrückliche Einwilligung des Nutzers. Solche persönlichen Daten sind für die Anbieter meist sehr lukrativ, denn sie bieten Einblicke in das Nutzerverhalten im Umgang mit der entsprechenden App („App-Tracking“), können zu Werbezwecken (siehe auch Thema Werbung) genutzt oder an Dritte weiterverkauft werden. Leider kommt es auch immer wieder vor, dass Apps heruntergeladen werden, die in Wirklichkeit Schadprogramme sind, um Daten auf dem Smartphone auszuspionieren. Um sich und Ihre Kinder vor solchen Schadprogrammen und spionierenden Apps zu schützen, sollten Sie zunächst kritisch gegenüber den angebotenen Apps sein. Prüfen Sie, ob Sie oder Ihr Kind die App wirklich brauchen, welche Berechtigungen die App von Ihnen/Ihrem Kind verlangt, ob es alternative Apps mit weniger Datenhunger gibt. Nehmen Sie sich auch die Zeit, gemeinsam mit Ihren Kindern vor dem Herunterladen einer App die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu lesen. In den meisten Fällen sind dort bereits die Berechtigungen aufgelistet, die sie der App im Falle der Installation einräumen. Um Datenkraken, wie WhatsApp, zu umgehen, bietet sich die Suche nach alternativen Apps an. Die Internetseiten www.checkyourapp.de und www.handysektor.de sind hierfür gute Anlaufstellen.

 

Immer mehr werden Smartphones und Tablets auch zum abendlichen Vorlesen in der Familie genutzt, denn mit der wachsenden Zahl an publizierten Kinderbuch-Apps eröffnen sich ganz neue, bunte und interaktive Möglichkeiten. So können die Jüngsten nicht nur erste Begegnungen mit den digitalen Medien erleben, sondern sich gleichzeitig kreativ der Literatur annähern, dabei kleine Rätsel lösen oder die Geschichte sogar selbstständig nachvertonen und aufnehmen (vgl. Stiftung Lesen). Das macht nicht nur Spaß und regt die Fantasie an, sondern fördert auch die Lese- und Zuhörkompetenz.

Tipps für Eltern

  • Erkennen Sie an, dass das Smartphone im Alltag von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle spielt. Lassen Sie sich von Ihrem Kind erklären, was es faszinierend daran findet und welche Funktionen es benutzt. Interesse ist die Basis für ein Gespräch über die Vor- und Nachteile. Auch falls es zu Problemen kommt, ist ein Verbot keine dauerhafte Lösung, versuchen Sie andere Regelungen zu finden.
  • Die technische Entwicklung von Smartphones ist rasant. Eltern fühlen sich hier schnell abgehängt und stehen vor der Herausforderung, mit der neuen Technik mitzuhalten und den Medienumgang ihrer Kinder richtig einzuschätzen. Um einen allgemeinen Überblick zu erhalten und aktuell zu bleiben, lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die Internetseite von www.handysektor.de oder von www.klicksafe.de. Beide informieren über Chancen, Risiken und aktuelle Trends rund um Smartphones und Apps.
  • Stellen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Regeln auf. Diese sollten zu Ihrem Kind passen, denn Pauschalantworten helfen dabei meist wenig. Im gemeinsamen Gespräch können Sie klären, wofür das Wunsch-Smartphone gebraucht wird und worauf geachtet werden soll.
  • Für Smartphone-Neulinge ist der Einstieg mit einer Prepaidkarte ausreichend. Sie behalten so den Überblick über die tatsächlichen Kosten und Kinder laufen nicht Gefahr, ihr Taschengeldbudget zu sprengen. Legen Sie mit Ihrem Kind von Anfang an fest, wer für die Handykosten aufkommt, und was passiert, wenn die Rechnung doch einmal höher ausfällt.
  • Bei Smartphones ist die Verlockung groß, alle Funktionen und Apps zu nutzen. Doch Vorsicht: Mit dem Download erteilen Sie vielen Apps die Erlaubnis, persönliche Daten (z.B. Adressbuch oder Standort) an den Anbieter zu übermitteln. Viele kostenlose Spiele-Apps sind nicht wirklich kostenlos, da sie im Spiel zum Kauf von Gegenständen oder Lebensenergie mit echtem Geld auffordern („In-App-Käufe“). Die Kosten erscheinen zunächst niedrig, summieren sich aber schnell. (Siehe auch Online-Geschäfte und Abofallen). Diese In-App-Käufe können auf dem Smartphone deaktiviert oder durch ein Passwort gesperrt werden.
  • Wurden die Apps bereits installiert, kann man sie im Nachhinein z. B. mit dem „AppBrain Ad Detector“ auf ihren Umgang mit den eigenen Daten überprüfen.
  • Für das Herunterladen von E-Mails, Videos oder Apps ist eine Internetverbindung notwendig, die meist kostenpflichtig ist. Tipp: Nutzen Sie Ihr WLAN zu Hause, wenn Sie größere Datenmengen aus dem Netz laden wollen.
  • Manche Smartphones werden standardmäßig mit aktivierter Bluetooth-Funktion ausgeliefert, sodass die Daten auf dem Mobilfunkgerät für jeden in der Umgebung einsehbar sind. Achten Sie entsprechend darauf, die Bluetooth-Einstellungen nach dem Kauf ebenso wie nach Software-Updates zu überprüfen und gegebenenfalls auszustellen.
  • Mit der Handy-Fotofunktion können Bilder mit GPS-Daten (geografischen Koordinaten) verknüpft werden. Das so genannte Geotagging können Sie deaktivieren beziehungsweise die ortsbezogenen Daten später löschen. Ein positiver Einsatz von GPS-Daten ist das Geocaching: Die digitale Schnitzeljagd bringt die ganze Familie mit dem Handy in Bewegung und macht Spaß.

Nützliche Links

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Smartphones / Apps
Auf dem Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zur Medienbildung, finden Sie zu allen Themen dieses Ratgebers umfangreiche Links und Materialien. Die Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ergänzt.

klicksafe.de
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet Informationsmaterial und Broschüren zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und digitalen Medien.

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest
Der Forschungsverbund (mpfs) veröffentlicht regelmäßig Studien zur Mediennutzung von Kindern (KIM-Studie) und Jugendlichen (JIM-Studie).

handysektor.de
Die Internetseite informiert über die sichere Nutzung von mobilen Netzen, zum Beispiel WLAN, Mobiltelefon, Notebook, Spielkonsole und Bluetooth.

geocaching.de
Die Seite bietet Informationen zur Frage, wie eine digitale Schnitzeljagd abläuft, welche Voraussetzungen notwendig sind und welche Dinge man beachten sollte.

Check your app
Auf der Seite von „Check your app“ kann nach geprüften Apps und deren Prüfungsergebnissen gesucht werden. Ebenfalls werden bei den einzelnen Ergebnissen zusätzliche Empfehlungen gegeben. 

www.klick-tipps.net/kinderapps
In Unterstützung mit der Stiftung Lesen stellt klick-tipps.net regelmäßig neue kindgerechte Apps, die derzeit erhältlich sind. Dabei können die Ergebnisse nach unterschiedlichen Altersklassen sortiert werden.

Stiftung Lesen
Die Stiftung Lesen bietet einen guten Einblick rund um das Thema Digitales Vorlesen und stellt eine Überblicksliste zu wertvollen Kinderbuch-Apps zur Verfügung.

Zahlen & Fakten

92 % der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren sind mit einem Smartphone ausgestattet. Bei den Zehn- bis Elfjährigen sind es 57 %.


Für 44 % der Zehn- bis Elfjährigen bildet das Smartphone den wichtigsten Zugang zum Internet. (Quelle: www.bitkom.org)


Unabhängig davon, ob die Apps kostenpflichtig sind oder nicht, werden von den Zwölf- bis 19-Jährigen mit deutlichem Abstand die Angebote von Instant Messengern (91 %) wie bspw. WhatsApp als eine der drei wichtigsten Apps bezeichnet. 37 Prozent nennen soziale Netzwerke und Communities, 34 Prozent zählen Bilderdienste und Kamera- Apps zu ihren Favoriten. Videoportale (23 %) sind bei einem Viertel beliebt, 15 Prozent zählen Spiele-Apps zu ihren beliebtesten Angeboten und für zwölf Prozent sind es Musik-Apps. (Quelle: JIM-Studie 2015, www.mpfs.de)

Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.