Digitale Medien in der Grundschule: pädagogisch-didaktische Einsatzszenarien

Bild: Martin Storz

Medien erweitern das methodisch-didaktische Spektrum der Lehrerinnen und Lehrer und bieten erheblich verbesserte Möglichkeiten für Kinder, sich aktiv-handelnd mit dem Unterrichtsstoff auseinanderzusetzen und ihr Lernen selbst zu gestalten. Der neue Bildungsplan trägt diesem Umstand Rechnung und verankert die Leitperspektive Medienbildung bereits in der Grundschule. Er sieht den Einsatz von digitalen Medien bereits ab dem Anfangsunterricht vor.

 

Viele Grundschulen stehen daher nun vor neuen pädagogisch-didaktischen Herausforderungen. Im Rahmen verschiedener Projekte und Erprobungen sowie im Austausch mit den Beratern vor Ort hat das LMZ vier pädagogische Einsatzszenarien für den typischen Medieneinsatz im Alltagsunterricht der Grundschule erkannt. Jedes pädagogische Einsatzszenario stellt dabei spezifische Anforderungen an die IT-Infrastruktur. Die Möglichkeit der Umsetzung muss mit dem Schulträger frühzeitig besprochen werden, um sie technisch und pädagogisch zu planen.

Basiseinsatzszenario

Aufgabenstellungen und Übungen innerhalb offener Unterrichtsformen, wie zum Beispiel Werkstattarbeit, Wochenplanarbeit, Lernbüros, Lerntreppen und so weiter bieten sich bestens für die Integration von Computerarbeit an. Hier bearbeiten die Schülerinnen und Schüler individuelle Aufgabenstellungen selbstständig und selbstgesteuert. Für eine angemessene Einsatzhäufigkeit sollten mindestens drei Endgeräte je Klasse bereitgestellt werden.

 

Das Basisszenario wird im Unterricht der Grundschule am häufigsten umgesetzt. Daraus lassen sich Schlussfolgerungen für die technische Ausstattung ableiten – die Basisausstattung. Dies stellt eine Art Mindeststandard für die fächerintegrative Medienbildung im Klassenzimmer dar. Hierunter sind natürlich nicht nur Endgeräte zu verstehen, sondern die komplette schulische IT-Infrastruktur (Verkabelung, Netzwerklösung, etc.). Da diese auch für die Fernwartung durch das LMZ bedeutsam ist, wurde hierzu ein  entsprechender Anforderungskatalog zusammengestellt, der zum Beispiel einen leistungsfähigen Internetanschluss (mindestens 16 Mbit/s effektiv) der Schule als Grundvoraussetzung benennt. Die weiteren drei Szenarien machen eine Ergänzung der Ausstattung notwendig.

 

Praxisbeispiel zum Basiseinsatzszenario: Wie der Einsatz von Notebooks in Medienecken im Rahmen einer Lernwerkstatt aussehen kann, haben wir beispielsweise an der Grundschule Kocherstetten dokumentiert. Ebenso bietet eine solche Medienecke bereits beste Voraussetzungen für den Einstieg in die Internetrecherche auf kindgerechten Online-Angeboten wie fragFINN, Blinde Kuh oder Mauswiesel.

 

Die Geräte aus den Medienecken können bei Bedarf auch aus allen Klassenzimmern zusammengezogen werden, um sie ähnlich wie in einer Computerwerkstatt oder einem Multifunktionsraum anzuordnen.

 

Aufbauend auf dieser Grund- oder Basisausstattung beschreiben die künftigen Multimediaempfehlungen weitere Einsatzszenarien und geben so eine Orientierung für eine erweiterte Ausstattung:

Einsatzszenario: Projektausstattung

Während projektorientierter Unterrichtsphasen müssen Informationen recherchiert oder diskutiert, Ergebnisse dokumentiert sowie Präsentationen oder Erklärungen für andere vorbereitet werden. Digitale Medien können die Phasen des selbstorganisierten Lernens bedarfsorientiert und ortsunabhängig unterstützen. Digitale Medien dienen dabei nicht als Selbstzweck, sondern sind ein Arbeitsmittel unter vielen. Sie sollten ebenso unauffällig wie selbstverständlich in die Arbeitsumgebung eingebunden werden. Für diesen temporären Einsatz sollten weitere (mobile) Endgeräte zur Verfügung stehen, die dann neben dem Einsatz im Klassenzimmer zum Beispiel auch in einem Multifunktionsraum organisiert sind. Das können Fotoapparate, Tablets, Audio-Aufnahmegeräte oder weitere Computer, aber auch Papier, Scheren, Klebstoff und andere Arbeitsmaterialien etc. sein. Multifunktionsräume sind Räume, in denen auf die Projektphasen oder auch lehrgangsorientierte Arbeitsphasen abgestimmte Medienensembles (analog wie digital) zur Verfügung stehen. Der Multifunktionsraum kann in Phasen der Projektarbeit als Arbeitsplatz für einzelne Gruppen dienen und bietet die Möglichkeit sofort arbeiten zu können um danach wieder im Klassenraum den Unterricht im Klassenverbund durchzuführen. Ein bereits vorhandener Computerraum, etwa bei ehemaligen Hauptschulstandorten, kann als Multifunktionsraum eine wichtige Rolle im Ausstattungskonzept einer Grundschule erhalten.

 

Praxisbeispiel zur Projektausstattung: Digitale Medien dienen dabei nicht als Selbstzweck, sondern sind ein Arbeitsmittel unter vielen. Sie sollten ebenso unauffällig wie selbstverständlich in die Arbeitsumgebung eingebunden werden. Mischformen aus am Computer entstandenen und mit Stift und Papier erarbeiteten Produkten sind dabei in der Grundschule üblich: Collagen mit handschriftlichen und ausgedruckten Texten sowie mit gemalten Bildern und ausgedruckten Fotos sind immer eine Bereicherung, gerade im Sachunterricht, wo häufig Themen aufzuarbeiten sind, für die sich eine medienübergreifende Darstellung (Bild/Text/Ton) anbietet. An der Turmbergschule in Lauda-Königshofen wurden zum Beispiel Plakate über die Heimatorte der Kinder erstellt. Dabei wurden Bilder und Karten aus dem Internet ausgedruckt und neben handschriftlichen oder mit dem Computer geschriebenen Texten aufgeklebt.

 

Eine solche Projektphase mündet in Arbeitsergebnisse, die der Klasse präsentiert werden sollen. Dies führt zum Szenario Präsentation:

Einsatzszenario: Präsentationen

Die Wertschätzung der Schülerprodukte nimmt eine zentrale Rolle im Grundschulunterricht ein. Zudem kommt der Präsentationskompetenz schon ab dem Anfangsunterricht eine zentrale Rolle zu. Für medial unterstützte Präsentationen eignen sich Systeme aus Notebook oder Tablet in Kombination mit Beamer oder auch Interaktivem Whiteboard. Mit einer solchen Ausstattung lassen sich Zwischenstände, Ergebnisse, Produkte und Lösungswege sowohl besprechen als auch schnell und unkompliziert für alle visualisieren. Um diese Arbeitstechnik als Routine in den Unterricht einzuführen, bietet es sich an, jeden Klassenraum mit einem entsprechenden Gerät auszustatten. Ist ein solches System durch eine Dokumentenkamera ergänzt, können auch von Hand erstellte Texte, Zeichnungen oder plastische Modelle präsentiert werden, was gerade in der Grundschule von Bedeutung ist.

 

Praxisbeispiel Präsentation : Man denke etwa an Schülerarbeiten aus dem Kunstunterricht oder Gegenstände aus der Natur, die von Erkundungsgängen mitgebracht wurden. Innerhalb von Schreib- und Rechenkonferenzen können Schülerinnen und Schüler ihre Lösungswege auf das Tablet schreiben, das z. B. mit dem Whiteboard verbunden ist, und alle können es sehen und nachvollziehen. Mit einem solchen digitalen Präsentationssystem lässt sich der medial gestützte Unterricht lebendig gestalten.

 

Doch nicht nur Schülerinnen und Schüler brauchen digitale Medien für ihre Arbeit, auch  die Lehrkräfte benötigen entsprechende Geräte zur Unterrichtsvor- und -nachbereitung.

Einsatzszenario: Lehrer-Endgeräte

Geeignet sind hierzu etwa Tablets oder Notebooks mit Audio- und Videoaufnahmemöglichkeiten. Hierfür empfiehlt das LMZ bei einzügigen Grundschulen ein, bei zweizügigen mindestens zwei und bei drei- bzw. mehrzügigen Grundschulen weitere Endgeräte für die Grundschullehrkräfte zur Verfügung zu stellen. Damit können Lehrkräfte zum Beispiel digitale Aufgaben für Lernstationen, Videos, Präsentationen oder Webquests vorbereiten bzw. erstellen.

 

Diese vier Einsatzszenarien decken weitgehend den Alltag im Unterricht an der Grundschule ab. Sie können als Orientierung bei der schrittweisen Ausstattung der Schule mit Medientechnik dienen.

Mehr zu technischen Ausstattungsempfehlungen finden Sie hier.