Grundlagen der Bildgestaltung

Bild: Wolfgang Schmidt

Wenn man etwas gestaltet, verfolgt man meist ein bestimmtes Ziel. Im Falle von Fotos sollen sie eine bestimmte Aussage transportieren, eine Botschaft. Urlaubsbilder können sagen „Seht, ich war dort“ oder auch „Seht, wie schön es war“. Werbebilder sagen „So schön, lebensfroh, erfolgreich, gesund ... kannst du werden, wenn du dieses Produkt kaufst“. Künstlerische Fotos zielen auf den „anderen“ Blick auf die Welt ab, eröffnen ungewöhnliche Perspektiven und Einsichten. Um solche Botschaften zu formulieren, hilft die passende Formatwahl, die Einbeziehung von Linien und Perspektiven sowie eine gekonnte Bildaufteilung.

Formatwahl

Am häufigsten ist das Querformat, so fotografieren wir meistens und es kommt unserem Blickwinkel (auch ohne Kamera) am nächsten. Für den Betrachter ist es eine gewohnte Sichtweise, daher fühlt er sich darin „zu Hause“ und kann diese Vertrautheit zum „Lesen“ im Bild nutzen.

 

Anders das Hochformat. Es gilt als geeignet, Größe, Stärke und Macht durch seine Höhe zu vermitteln. Der Junge auf dem Foto oben nutzt beispielsweise dieses Gestaltungsmittel.

 

Das quadratische Format gilt als das ruhigste Format, da es keine Seite betont.

Bildaufteilung

Symmetrische Bildkomposition

Die Bildaufteilung meint die Anordnung von Gegenständen oder Personen im Bild. Spontan wählt der Hobbyfotograf die Mitte. Dies gilt nicht als der Weisheit letzter Schluss.

Asymmetrische Bildkomposition

Spannender und spannungsreicher sind Bildaufteilungen, bei denen Gegenstände nicht symmetrisch im Bild angeordnet werden. „Bauen Sie Bilder vom Rand her auf“, lautet der Tipp des Profis.

Linien

Ein perspektivischer Eindruck auf einer Aufnahme entsteht durch das Zusammenlaufen paralleler Linien. Dadurch verkleinern und verkürzen sich Gegenstände mit zunehmender Raumtiefe. Ein Zaun, eine Baumreihe, ein ausgestreckter Arm können dem Bild Dynamik geben.

 

Ganz andere Linien ergeben sich durch die bewusste Anordnung von Gegenständen oder Körperhaltungen bei Personen. Wolfgang Peter, Fotograf in Baden-Baden, beschreibt die Wirkung von Diagonale, Schräge und Co im Kapitel Linienführung als Gestaltungselement in der Fotografie.

Perspektive

Achten Sie auf den Vordergrund, er gibt dem Bild „Tiefenwirkung“. Dies ist aber nicht der einzige Punkt, den es zu beachten gilt. Wer von oben fotografiert – Vogelperspektive – macht den Gegenstand oder die Person kleiner, drückt Macht und Überlegenheit oder auch eine besseren Überblick aus. Wer von unten fotografiert – Froschperspektive – macht den fotografierten Gegenstand oder die Person größer, mächtiger, drückt möglicherweise Unterlegenheit oder sogar Angst aus. Politiker lassen sich übrigens besonders gerne so fotografieren. Die frontale Perspektive beschreibt die Situation „auf Augenhöhe“, das heißt Fotograf und Gegenstand oder Person treten sich „gleichberechtigt“ gegenüber.

 

Die Veränderung des eigenen Standpunktes ermöglicht mitunter ungewöhnliche Fotos, aus ungewöhnlichen Perspektiven, deshalb ruhig mal in die Knie gehen oder auf einen Stuhl, einen Turm oder ähnliches steigen.

Eine Matrjoschka, aufgenommen aus Frontal-, Frosch- und Vogelperspektive.
Von links nach rechts: Vogel-, Frontal- und Froschperspektive

Die Schärfentiefe

Heißt es eigentlich Schärfentiefe oder Tiefenschärfe? Umgangssprachlich werden beide Begriffe synonym verwendet, jedoch ist Schärfentiefe der exaktere Begriff, da es ja letztendlich um die Tiefenausdehnung des scharf erscheinenden Raumes, also die Tiefe der Schärfe, geht.

 

Der Begriff Schärfentiefe (engl. „Depth of Field“) spielt in der Fotografie neben Begriffen wie „Belichtungszeit“, „Weißabgleich“, „ISO-Empfindlichkeit“, „Blende“, „Fokus“ oder „Auflösung“ eine zentrale Rolle. Die Schärfentiefe ist ein Maß für den scharfen Bereich im Objektraum eines abbildenden optischen Systems. Sie beschreibt die Größe des Entfernungsbereichs, innerhalb dessen ein Objekt hinlänglich scharf im Abbild der Kameraoptik erscheint.


In der Regel wird eine große Schärfentiefe durch kleine Blendenöffnungen und/oder Objektive mit kurzen Brennweiten erreicht: Von vorn bis hinten sieht dann alles mehr oder weniger scharf aus. Große Schärfentiefe eignet sich gut für Landschaftsaufnahmen, auf denen „alles“ scharf sein soll.


Bei einer geringen Schärfentiefe („Film-Look“) ist nur die zentrale Figur oder ein besonderer Teil oder Gegenstand scharf abgebildet, während der Rest des Bildes unscharf erscheint. Dieses einfache Mittel der Bildgestaltung hebt also einzelne Bildelemente hervor und wird oft in der Porträtfotografie eingesetzt.

In der Praxis spielen in puncto Schärfentiefe also drei Faktoren eine Rolle: Blende, Brennweite und Sensorgröße.

 

Am einfachsten läßt sich die Schärfentiefe durch das Öffnen oder Schließen der Blende beeinflussen. Je weiter die Blende geöffnet ist (also je niedriger die Blendenzahl), desto geringer ist auch die Schärfentiefe. Wenn man die Blende schließt, die Blendenzahl also vergrößert, so wird auch die Schärfentiefe größer.

 

Teleobjektive erzeugen im Vergleich zur Normalbrennweite (oder zu Weitwinkelobjektiven) eine geringe Schärfentiefe.

 

Zuletzt spielt die Sensorgröße eine wichtige Rolle – auch wenn sie in Zeiten von Smartphone-Kameras mit hoher Megapixelzahl (aber kleinem Sensor) gerne vergessen wird. Allgemein gilt: Je größer der Sensor ist, desto besser kann man als Fotograf mit der Schärfentiefe arbeiten, denn desto besser lassen sich Bilder mit geringer Schärfentiefe erstellen.

Pädagogische Praxis

Unterrichtsidee: Bilderrätsel Frühblüher

Sachunterricht, Kasse 1–2, GS: Die Unterrichtseinheit zeigt einen visuell anregenden Einstieg in die Begegnung mit den ersten Blumen des Frühlings.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Grundlagen der Fotografie

Deutsch/Sachunterricht, Klasse 2, GS: Fotografieren bietet einen spielerischen Einstieg in die praktische Medienarbeit und lässt sich gut in den Unterricht in der Grundschule einbinden.weiterlesen

Unterrichtsidee: Wir bauen ein Mini-Floß

Deutsch/Sachunterricht, Klasse 3–4, GS: Der Unterrichtsvorschlag enthält eine Schritt-für-Schritt-Bauanleitung für ein Mini-Floß aus Holz. Die Herstellung wird in ihren wichtigsten Schritten fotografisch dokumentiert und das Ergebnis aufbereitet.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis