Gewalthaltige Darstellungen in den neuen Medien – ein Ratgeber für Eltern

Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Lizenz: CC BY-NC-SA

Das Internet bietet eine unendliche Fülle an Informationen, Lern-, Austausch- und Unterhaltungsmöglichkeiten. Neben vielen hilfreichen Seiten und nützlichen Anwendungen gibt es leider auch eine Reihe problematischer Inhalte im Netz. Im Vergleich mit der gesamten Anzahl von Internetseiten stellen problematische Inhalte zwar nur einen relativ kleinen Prozentsatz dar, dennoch sollten sich Eltern darüber informieren, damit sie ihren Kindern einen bewussten Umgang mit diesen vermitteln können.

 

Als gefährdend gelten laut Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien u.a. folgende Inhalte:

  • verrohend wirkende Darstellungen von Gewalt
  • den Nationalsozialismus verherrlichende oder verharmlosende und zum Rassenhass aufrufende Internetseiten
  • Kriegsverherrlichung und Abbildung verletzter und verunstalteter Menschen
  • Anleitung zu rechtswidrigen Taten wie z.B. Mord, Totschlag, Völkermord und andere
  • Verherrlichung / Verharmlosung von Drogen- und Alkoholmissbrauch
  • Propagierung / Anleitung zu schwerer körperlicher Selbstschädigung
  • sozialethisch desorientierende Sexualdarstellungen / Pornografie

 

Sobald Kinder eine gewisse Reife erlangt haben, können sie in der Regel zwischen realer Gewalt und Gewaltdarstellungen in den Medien unterscheiden. Gewalttätige Handlungen in Spielfilmen, Fernsehserien, Büchern oder Computerspielen wirken dann nicht zwingend verstörend und lösen auch nur in verhältnismäßig wenigen Fällen gewalttätiges Verhalten bei Kindern und Jugendlichen aus. Es sind der Nervenkitzel, die damit verbundene Spannung und der Reiz des Verbotenen, die Kinder und Jugendliche für actionreiche Computerspiele oder Horror- und Adventurefilme begeistern. Gleichzeitig schützen die Alterskennzeichnungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) vor einem nicht altersgerechten In-Kontakt-Tretens mit dem jeweiligen Medium.


Anders ist das jedoch im Internet. Dort reicht manchmal bereits ein Tippfehler aus, um mit Inhalten in Berührung zu kommen, die weit über die fiktive und von den Medienkonzernen gesteuerte Gewalt hinausgehen. Spätestens seit den Anschlägen in Paris am 13. November 2015 und den damit einhergehenden Berichterstattungen wird deutlich, wie einfach beispielsweise Propaganda-Videos des Islamischen Staats (IS) im Internet gefunden werden können, in denen Gewalt, Folter, Krieg und Tod verherrlicht werden. Das macht nicht nur vielen Kindern und Jugendlichen Angst, sondern verschreckt auch Erwachsene. Gleichzeitig ist feststellbar, dass gerade solche Videos, die die Kämpfer des IS als Helden erscheinen lassen, einen starken Zulauf junger Sympathisanten hin zu diesem Netzwerk auslösen. Häufig handelt es sich dabei um Jugendliche, die das Internet u.a. zur Identitätsstiftung nutzen und die sich von den geschickt verpackten und ansprechenden Ideologien solcher Propagandisten mitreißen lassen. Ähnlich funktionieren auch viele der den Nationalsozialismus verherrlichenden und zum Rassenhass aufrufenden Gruppierungen und deren Internetseiten.


Die Geschehnisse in der Welt, ebenso wie die Entwicklungen und Methoden in/mit den neuen Medien sollte man ernst nehmen. Dabei ist es wichtig, das Gesehene, z.B. die kursierenden Bilder und Berichte von Anschlägen aus dem Internet oder den Nachrichten, nicht unkommentiert stehen zu lassen, sondern mit den Kindern über die Inhalte und Ereignisse zu sprechen; auch wenn es uns Erwachsenen selbst nicht immer leicht fällt, hierfür die passenden Worte zu finden. Was beschäftigt das Kind? Was hat es von den Ereignissen gehört? Was kann man tun? Wie sollte man sich verhalten? All das sind Fragen, die gezielt aufgegriffen werden sollten, um Kinder und Jugendliche nicht mit ihren Ängsten alleine zu lassen. Es ist gleichzeitig von Bedeutung, die Hintergründe zu den (politisch oder religiös geprägten) verherrlichenden Videos, ebenso wie zu deren wahren Absichten zu verdeutlichen und dadurch den Kindern ein kritisches Bewusstsein anzueignen.


Jedoch sollte man – ausgelöst durch die Ernsthaftigkeit der Entwicklungen – nicht in Panik verfallen, denn auch wenn einige gewaltverherrlichende oder auch rechtsextreme Materialien im Internet gefunden werden können, so sind sie im Vergleich zu den vielen wertvollen und lehrreichen Internetseiten, die Kindern und Jugendlichen Spaß machen und deren Wissenshorizont erweitern, nach wie vor verschwindend gering.

Tipps für Eltern

  • Angesichts der ständigen Veränderungen im Internet ist eine hundertprozentig wirksame Kontrolle unmöglich. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich auf dem Laufenden halten und wissen, welche problematischen Inhalte im Netz kursieren. Ihr Interesse, sich über aktuelle Jugendmedien und über bedenkliche Inhalte zu informieren, ist die beste präventive Maßnahme für Ihr Kind. Die Internetseite der EU-Initiative www.klicksafe.de bietet hierfür eine Übersicht der aktuellen Trends von Jugendlichen und gefährdenden Inhalten im Netz, ebenso wie weiterführende Links und hilfreiche Handlungsmöglichkeiten an
  • Wenn Sie im Internet auf jugendgefährdende oder rechtsextreme Inhalte stoßen, haben Sie die Möglichkeit, diese zu melden. Die Initiative www.jugendschutz.net und die Internetbeschwerdestelle Deutschland www.internetbeschwerdestelle.de haben dazu eine Beschwerdestelle im Internet eingerichtet, an die Sie Ihren Hinweis senden können. Auch anonyme Hinweise werden bearbeitet. Auch viele Suchmaschinen-Anbieter, Videoplattformen und Betreiber Sozialer Netzwerke bieten die Möglichkeit an, rechtsextreme Beiträge und Hassaufrufe zu melden.
  • Überlegen Sie, eine Filtersoftware (siehe Kapitel Sicherer Umgang mit PC und Smartphone) für Kinder unter zwölf Jahren einzurichten.
  • Achten Sie bei Computerspielen, Filmen und Fernsehsendungen auf angegebene Alterskennzeichnungen der USK, der FSK und der FSF.
  • Gerade bei kleineren Kindern ist es wichtig, sie bei ihren ersten eigenständigen Interneterfahrungen nicht alleine zu lassen. Begleiten Sie Ihr Kind entsprechend bei ihren Erkundungstouren im World Wide Web. So können Sie im Falle einer Konfrontation mit dem Thema „Gewalt“ sofort aktiv werden, mit Ihrem Kind darüber sprechen und alternative Internetseiten anbieten (siehe auch  Kapitel „Erste Schritte im Netz“).
  • Manchmal ist es für einen Erwachsenen nicht einfach, die passenden Worte zu finden, um sein Kind über aktuelle, durch die Religion oder Politik motivierte Ereignisse aufzuklären. Dennoch ist es wichtig, da nach weltbewegenden Geschehnissen überall entsprechende Bilder, Videos oder auch Texte in den neuen Medien zu finden sind, auf die auch Ihr Kind stoßen kann. Nutzen Sie einfach einmal eine Kindersuchmaschine, wie „fragFinn“, und befragen Sie sie nach dem entsprechenden Thema, das Sie bewegt. Die dort angezeigten Ergebnisse sind kindgerecht aufbereitet und können helfen, auch in schwierigen Situationen passende und für das Kind verständliche Worte zu finden.
  • Reden Sie gemeinsam mit Ihrem Kind über die Inhalte, die es konsumiert hat. Dabei sollten auch Gefühle und Ängste angesprochen werden, die möglicherweise durch den Medienkonsum entstanden sind.

Nützliche Links

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Rechtsextremismus

Auf dem Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zur Medienbildung finden Sie zu allen Themen dieses Ratgebers umfangreiche Links und Materialien. Die Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ergänzt. Dort finden Sie beispielsweise auch einen Überblick zum Thema Rechtsextremismus.


Bundeszentrale für politische Bildung
Auf dieser Internetseite gibt es umfangreiche Informationen, Dossiers und vieles mehr zum Thema Rechtsextremismus.


klicksafe.de
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet Informationsmaterial und Broschüren, unter anderem zu den Themen Rechtsextremismus und Gewaltdarstellungen in neuen Medien.


Netz-gegen-Nazis.de
Die Seite berichtet sachlich, interessant und verständlich über Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.


jugendschutz.net
Die Initiative kontrolliert das Internet im Hinblick auf Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz und informiert über eine sichere Internetnutzung. Seit 1998 recherchiert jugendschutz.net zur rechtsextremen Szene.


Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)
Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) legt fest, welche Filme (Kinofilme, digitale und analoge Videoformate) ab welchem Alter aus Sicht des Jugendschutzes unbedenklich sind. Genaue Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite.

 

Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF)
Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) prüft Fernsehsendungen und vergibt hierzu entsprechende Altersfreigaben.


Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
In Deutschland ist die USK für die Prüfung von digitalen Spielen und die Vergabe von Alterskennzeichnungen zuständig. Spiele auf Trägermedien (CDs, DVDs) dürfen nur mit entsprechender Altersfreigabe an Kinder und Jugendliche abgegeben werden. Seit Ende 2011 können auch Anbieter von Onlinespielen ihre Inhalte von der USK bewerten lassen.


Tivi.de
ZDF Tivi ist ein Angebot des ZDF, das unter anderem mit seinen „logo!-Nachrichten“ aktuelle Themen kindgerecht aufbereitet.

Zahlen & Fakten

14 Prozent der befragten Jugendlichen von 10 bis 18 Jahren haben im Internet Sachen gesehen, die ihnen Angst gemacht haben. Dazu zählen zum Beispiel explizite Darstellungen von Gewalt oder Pornografie. Unter den 12- bis 15-Jährigen sind es 11 Prozent und unter den 16- bis 18-Jährigen 18 Prozent.

 

Jeder fünfte Jugendliche (21 Prozent) stimmt der Aussage zu, im Internet schon viel Gewalt gesehen zu haben. Die Konfrontation mit entsprechenden Inhalten steigt mit dem Alter. (Quelle: BITKOM-Studie 2014)

Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.