FAQs der Filmbildung

FAQs zur Filmbildung

Wir versuchen hier, häufig gestellte Fragen zum Thema Filmbildung in der Schule zu beantworten. Einige Fragen kommen rein aus der Praxis, andere sind eher prinzipieller Natur. Und natürlich erweitern wir den Fragenkatalog ständig...

 

Gehört Film und Filmbildung in die Schule?

Ab sofort und in Baden-Württemberg: ganz klar ja. Im Bildungsplan 2016 für die Sekundarstufe I sowie für das Gymnasium ist im Fach Deutsch explizit an mehreren Stellen von „Film“ bzw. „audiovisuellen Medien“ die Rede.

 

In der Schule wird schon seit vielen Jahren Filme gezeigt, in den Naturwissenschaften ebenso wie in den Sprachen oder in Deutsch (Literaturverfilmungen). Was ist neu im Bildungsplan 2016?

Filme werden im Unterricht meist rein thematisch eingesetzt: In den Naturwissenschaften geht es z.B. um Visualierung, im Sprachunterricht um die Sprache, im Deutschunterricht war die Verfilmung oft das Sahnehäubchen zur Buchbesprechung. Die Filmbildung, wie sie der neue Bildungsplan beschreibt, nimmt den Film selbst als Betrachtungsgegenstand in den Focus.

 

Was ist überhaupt Filmbildung?

Filmbildung ist die Auseinandersetzung mit audiovisuellen Werken, im engeren Sinne mit Filmen, im weiteren Sinne auch mit Fernsehformaten, Youtube-Videos usw. Im Grunde geht es dabei immer um die sogenannte Bildlesefähigkeit oder Filmlesefähigkeit, englisch film literacy, die ebenso umfassend wie die textbasierte Lesefähigkeit ist. „Filmische Zeichen und ihre Wirkungen grundlegend verstehen und gestalterisch nutzen zu können ist und bleibt für die Orientierung in der Welt der bewegten Bilder unverzichtbar. Über die Beschäftigung mit Film in all seinen Ausprägungen und Formaten leistet Filmbildung einen unvermindert wichtigen, aktuellen Beitrag zu umfassender audiovisueller Alphabetisierung.“ (Zitat aus Filmbildung - Kompetenzorientiertes Konzept für die Schule der LKM, Fassung von 2015)

 

Ist mit Film der Spielfilm gemeint?

Ganz klar: Nein. Unter Film verstehen wir im LMZ alle audiovisuellen Werke, vom Spielfilm über Kurzfilme, Dokumentar- und Animationsfilme bis zum YouTube-Video. All diese audiovisuellen Werke gehören zum Erfahrungshorizont von Kindern und Jugendlichen.

 

Und was ist mit Fernsehen?

Fernsehen ist zunächst ein Übertragungskanal, genau wie YouTube. In beiden Kanälen haben sich spezifische Formate entwickelt, die natürlich Gegenstand der Filmbildung sind. Viele Formate im TV sind jedoch rein filmisch gesehen weniger interessant, der Zugang dazu sollte eher über journalistische Analyse oder über den Jugendmedienschutz erfolgen.

 

Warum Filmbildung im Deutschunterricht - und nicht zum Beispiel im Kunstunterricht?

Im Bildungsplan 2016 ist die Filmbildung im Deutschunterricht verankert, da Film hier im Sinne eines erweiterteten Textbegriffs aufgefasst wird. Das Instrumentarium des Deutschunterrichts läßt sich in seinen Grundzügen auch auf Film anwenden. Natürlich sollte Film nach Möglichkeit auch einen großen Platz im Kunstunterricht einnehmen.

 

Müssen Lehrkräfte sich nun auch mit Film auseinandersetzen – obwohl das gar kein (oder nur ein winziger) Teil der Lehramtsausbildung war?

Die schlichte Antwort: Ja, Lehrkräfte im Fach Deutsch müssen das. Leider sind filmbildnerische Inhalte tatsächlich noch kein Pflichtteil von Lehrerausbildung. Das Landesmedienzentrum bietet deshalb Webinare und Präsenzveranstaltung zur filmischen Weiterbildung an.

 

Was macht man im Deutschunterricht und woher bekommt man Unterrichtsmaterial?

Zuerst die praktische Antwort: Das Material ist komplett auf unserer Seite mit Unterrichtsmodulen für den Deutschunterricht abrufbar. Nach einem Filmcurriculum wird hier filmisches Wissen bildungsplankonform spiralcurricular vermittelt.

 

Was zeichnet die Unterrichtsmodule des LMZ Baden-Württemberg aus?

Natürlich haben wir das filmbildungs-Rad nicht neu erfunden. Ein bißchen daran gedreht haben wir allerdings schon. Das meiste (schulgeeignete) Filmbildungsmaterial gibt es für lange („abendfüllende“) Spielfilme. Unser Konzept basiert hauptsächlich auf kurzen Filmen. Sie sind deutlich kompatibler zur 45- bzw. 90-Minuten-Taktung von schulischem Unterricht.

 

Welche Filme darf man in der Schule überhaupt zeigen (Stichwort: Urherberrecht)?
Fast alle. Filme, die man an den Kreismedienzentren ausleiht, können uneingeschränkt im Unterricht verwendet werden - ebenso natürlich die Filme auf SESAM. Ein Film, den die Lehrkraft oder die Schule käuflich erwirbt, darf ebenfalls im Unterricht gezeigt werden (siehe dazu auch Übersicht auf dem Lehrerfortbildungsserver). Filme und andere Sendungen, die privat vom TV mitgeschnitten wurden, mit der Absicht, eine private Kopie anzulegen, drüfen ebenfalls im Unterricht gezeigt werden (siehe dazu ebenfalls die Übersicht auf dem Lehrerfortbildungsserver). Auch Filme auf YouTube dürfen - sofern nicht klar ersichtlich ist, dass der Film illegal auf YouTube steht - im Unterricht gezeigt werden. Filme von Streamingdiensten - hier ist Vorsicht geboten, nicht aus Gründen des Urheberrechts, sondern des Vertragsrechts - erneut gibt der Lehrerfortbildungsserver hier Hinweise.

Da es immer wieder vorkommt, noch ein Hinweis auf das wichtigste Verbot: Es dürfen keine Filme eingesetzt werden, die Schülerinnen und Schüler von zu Hause mitbringen!

 

Was muss man rein rechtlich noch beachten?

Wichtig ist es, die FSK-Freigaben zu beachten und keine Filme zu zeigen, die nicht altersgemäß sind.
Bei Filmen, die im Unterricht oder in einer AG selbst gedreht wurden, müssen Urheberrechte und Persönlichkeitsrechte beachtet werden, sonfern sie im Internet (z.B. auf YouTube oder auf der Schulseite) veröffentlicht werden. In Sachen Urheberrecht ist vor allem die Musik kritisch: Die meisten (populären) Musikstücke sind rechtebehaftet. In Bezug auf die Persönlichkeitsrechte müssen Personen, die im Film zu sehen sind, ihr Einverständnis für eine öffentliche Vorführung geben.

 

Beim Wort „Film“ fällt Schülern (und Lehrern) meist nur ein Satz ein: „In den Tagen vor den Ferien schauen wir immer Filme“. Was ist davon zu halten?

In der Zeit vor den Ferien, wenn die Noten gemacht sind, ist immer wieder zu beobachten, dass der Unterricht „recht locker“ betrieben wird. Und was passt da besser als ein Film? Mitunter hat die Filmvorführung mit schulischem Unterricht wenig zu tun - die Filme werden dann nicht nach curricularen Gesichtspunkten ausgesucht und weder vor- noch nachbereitet. Leider wird dadurch viel Potenzial, das in Filmen steckt, verschenkt. Und der Film als reines Instrument des "Killing Time" betrachtet, anstatt als lohnenden Unterrichtsgegenstand. Wir sehen diese Praxis daher eher kritisch. Es steigt zwar der Beliebtheitsgrad der Lehrkraft - der Sache der Filmbildung (mithin dem übergeordneten Ziel der Institution Schule) wird dadurch aber einen Bärendienst erwiesen.

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