Digitale Spiele – ein Ratgeber für Eltern

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Digitale Spiele sind eine häufige und beliebte Freizeitbeschäftigung von Kindern und Jugendlichen, aber auch von Erwachsenen. Sie dienen nicht nur dem Zeitvertreib, sondern befriedigen unterschiedliche Bedürfnisse: So ermöglichen sie das Eintauchen in Geschichten und fantasievolle Welten. Sie regen dazu an, Aufgaben und Rätsel zu lösen. Zugleich können digitale Spiele Lernmöglichkeiten und Anreize für die Auseinandersetzung mit neuer Technik bieten. Viele Spiele bieten darüber hinaus den gemeinsamen Austausch mit anderen. Onlinespiele – seien es Sport-, Strategie-, Rollen- oder auch Shooterspiele – sind bei vielen beliebt, weil sie im Spiel auf bekannte, aber auch unbekannte Menschen und Herausforderungen treffen, auf die sie reagieren müssen.

 

Dabei kommen immer wieder Diskussionen darüber auf, ob die Inhalte – gerade von Ego-Shootern – schädliche Auswirkungen auf den Menschen – zumal Jugendliche – haben. Bis heute liefert die Wissenschaft keine eindeutigen Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen Gewalt in den Medien und realen Gewalthandlungen und warnt entsprechend vor voreiligen Schlüssen. Unstrittig ist, dass bei Kindern und Jugendlichen, denen der soziale Halt fehlt und die Erfahrung mit Gewalt in der eigenen Familie machen, die Gefahr besteht, dass sie zur Bewältigung von Konflikten gewalttätige Verhaltensmuster aus den Medien übernehmen. Entscheidend sind also ein gut funktionierendes soziales Umfeld, ein positiver Rückhalt in der Familie und im Freundeskreis, sowie die Vermittlung von gewaltlosen Strategien zur Konfliktbewältigung.

 

Damit der Spaß am Spielen nicht getrübt wird, sollten einige Aspekte und Risiken beachtet werden. Für einen ersten Überblick zu diesem umfangreichen Thema hier einige allgemeine Informationen:

  • Spiele werden anhand ihrer wesentlichen Merkmale in verschiedene Gruppen eingeteilt, die sogenannten Genres. Das Genre eines Spiels sagt bereits etwas über die Art des Spiels aus, ohne dass man das Spiel kennen muss. Eine Übersicht gibt es beispielsweise auf der Webseite der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK).
  • In Deutschland ist die USK für die Prüfung von digitalen Spielen und die Vergabe von Alterskennzeichnungen zuständig. Spiele auf Trägermedien (CDs, DVDs) dürfen nur mit entsprechender Altersfreigabe an Kinder und Jugendliche abgegeben werden. Seit Ende 2011 können auch Anbieter von Onlinespielen ihre Inhalte von der USK bewerten lassen.
  • Viele Spiele lassen sich direkt online spielen oder herunterladen, sie können nicht als CD oder DVD gekauft werden. Die USK vergibt auch für diese Online-Spiele und Apps inzwischen Alterskennzeichen, allerdings beruhen diese auf der Selbsteinschätzung der jeweiligen Spiele-Anbieter. Daher sollten Eltern gerade Online-Spiele und Spiele-Apps besonders sorgfältig auf die Eignung für Kinderaugen prüfen.
  • Dabei sollte (gerade bei jüngeren Kindern) darauf geachtet werden, dass keine In-App-Werbung sichtbar und die Möglichkeit der In-App-Käufe über die Einstellungen des mobilen Endgerätes deaktiviert ist. Andernfalls können trotz kindgerechten Spieleinhalts innerhalb einer App Trailer für brutale Kriegs- oder Shooterspiele eingeblendet werden, wie es beispielsweise bei der App „Die Sims – Freispiel“ der Fall ist, obwohl dieses Spiel als USK 6 eingestuft wurde.
  • Denken Sie beim Bereich Online-Spiele auch an die beliebten Let’s play-Videos, z.B. auf Youtube oder Twitch. Dort können Spielverläufe von anderen Spielern mit verfolgt werden. Diese Let’s play-Videos sind für jede/-n frei zugänglich, vollkommen unabhängig davon, welche Alterskennzeichnung ein Spiel erhalten hat. Über solche Video-Kanäle kann Ihr Kind also mit nicht altersgerechten gewalthaltigen Spielen in Kontakt kommen.
  • Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind zu exzessivem Spielen neigt, wenden Sie sich an eine entsprechende Beratungsstelle. In Baden-Württemberg gibt es inzwischen in nahezu allen Landesteilen entsprechende Einrichtungen. 

Tipps für Eltern

  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Spielerlebnisse und spielen Sie ab und zu selbst mit. So können Sie sich ein Bild von den Spielwelten Ihres Kindes machen und in Ihrer Familie einen vertrauensvollen Umgang miteinander fördern.
  • Nicht jedes Spiel ist für jede Altersgruppe geeignet. Achten Sie auf die Kennzeichnungen der USK. Aber: Diese Altersvorgaben sind keine pädagogischen Empfehlungen. Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. So kann ein Spiel für Ihr Kind trotz passender Altersfreigabe ungeeignet sein. Für viele Spiele im Internet gibt es zudem keine Kennzeichnungspflicht.
  • Inzwischen vergibt die USK auch eine Alterskennzeichnung für Online-Spiele und Apps. Dies geschieht innerhalb des internationalen IARC-Systems (International Age Rating Coalition). Zu den angeschlossenen Systemen zählen bislang der Google Play Store und der Firefox Marketplace.  
  • Die Anbieter der einzelnen Spiele und Apps müssen einen durch IARC bereitgestellten Fragenkatalog beantworten, aus dem das entsprechende Alterskennzeichen resultiert. Sie sollten sich also darüber bewusst sein, dass es sich bei diesen Alterskennzeichnungen im Prinzip um Selbsteinschätzungen der Anbieter handelt.
  • Viele zunächst kostenlose Onlinespiele bieten Extras gegen echtes Geld („In-App-Käufe“). Bezahlt werden kann häufig durch SMS, Anrufe auf kostenpflichtige Hotlines, Handy-Rechnung oder mit Kreditkarte. Gerade beim Spielen über Smartphones ist Kindern oft nicht klar, wann sie reale Kosten verursachen. Hohe Rechnungen können Sie zumindest teilweise durch Prepaidkarten vermeiden.
  • Wählen Sie mit Ihrem Kind Spieleseiten aus, die es nutzen darf. Achten Sie dabei auf Werbung, In-App-Käufe und die Art der angebotenen Spiele. Seien Sie vorsichtig bei Registrierungen und lesen Sie die AGB, um sich vor Spam und Kostenfallen zu schützen. Kindgerechte Spieleseiten sollten außerdem keine unmoderierten Chats oder Foren anbieten (siehe Kapitel Chatten).
  • Stellen Sie mit Ihrem Kind Regeln für die Nutzung von digitalen Spielen auf. Diese sollten die Art der Spiele sowie die Spielzeiten betreffen. Es ist wichtig, dass diese Vereinbarungen verbindlich sind und Ihr Kind den Sinn der Regeln versteht.
  • Kinder orientieren sich an Ihren Eltern; es ist entsprechend hilfreich, wenn Sie mit gutem Beispiel vorangehen. So kann Ihr Kind mit der Zeit lernen, seinen Medienkonsum selbstständig zu regulieren.
  • Nutzen Sie digitale Spiele nicht als Erziehungsmaßnahme zur Bestrafung oder Belohnung. Dadurch geben Sie den Spielen unbeabsichtigt eine größere Bedeutung im Leben Ihres Kindes. Halten Sie sich lieber an feste Regeln wie beispielsweise „Kein Spielen vor den Hausaufgaben". Bieten Sie zudem Alternativen für die Freizeitgestaltung. So vermeiden Sie zugleich, dass Ihr Kind aus reiner Langeweile spielt.
  • Es gilt vor allem, Kinder vor brutalen Gewaltdarstellungen zu schützen. Kinder sollten wissen, dass sie jederzeit über ihre Erlebnisse und Ängste mit erwachsenen Bezugspersonen sprechen können, die ihnen zuhören und weiterhelfen.

Nützliche Links

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Computerspiele
Auf dem Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zur Medienbildung finden Sie rund um das Thema Online- und Computerspiele umfangreiche Informationen, Links und Materialien. Die Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ergänzt.

spielbar.de
Auf spielbar.de informiert die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) Eltern und Pädagogen zum Thema Computerspiele. Die Redaktion bewertet ausgewählte Spiele und gibt Tipps für den pädagogischen Umgang mit Computerspielen.

Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) prüft digitale Spiele und vergibt Alterskennzeichen. Auf ihrer Website informiert sie unter anderem über das Prüfverfahren und die verschiedenen Spielgenres.

Spieleratgeber NRW
Der Spieleratgeber NRW bewertet Computer- und Konsolenspiele nach pädagogischen Gesichtspunkten und empfiehlt Altersfreigaben.

klicksafe.de
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet Informationsmaterial und Broschüren zur Förderung der Medienkompetenz, zum Beispiel zum Thema Computerspiele oder Gewalt in Medien.

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest
Der Forschungsverbund (mpfs) veröffentlicht regelmäßig Studien zur Mediennutzung von Kindern (KIM-Studie) und Jugendlichen (JIM-Studie). Auf der Webseite finden Sie unter anderem die Broschüre Infoset Medienkompetenz: 10 Fragen – 10 Antworten zum Thema „Computer & Computerspiele".

www.klick-tipps.net
Auf klick-tipps.net finden gerade jüngere Kinder eine Übersicht zu vielen empfehlenswerten und kindgerechten Spieleseiten.

Internet-ABC
Das Internet-ABC bietet nicht nur eine Menge eigene, kindgerechte Spiele, sondern testet auch regelmäßig diverse Spiele für Computer, Tablet, 3DS, Wii U oder Playstation und stellt passende Tipps und Empfehlungen übersichtlich zusammen.

Zahlen & Fakten

Jedes vierte Kind (24 %) spielt täglich und 62 % der Kinder in Deutschland spielen einmal wöchentlich. (Quelle: KIM-Studie 2014)

 

Knapp sieben von zehn 12- bis 19-Jährigen spielen täglich oder mehrmals pro Woche, nur 9 % spielen nie digitale Spiele. Jungen sind hier deutlich affiner, 85 % spielen regelmäßig, während es bei den Mädchen nur die Hälfte ist. Dabei liegt die Gesamtspieldauer an einem durchschnittlichen Wochentag bei 87 Minuten. (Quelle: JIM-Studie 2015)

Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.