Chats & Messenger – ein Ratgeber für Eltern

Bild: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg, Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 DE

Mit Chats (aus dem Englischen chatten = plaudern) können Jugendliche über Wohnort- und Ländergrenzen hinweg Kontakte knüpfen und pflegen, mit Gleichaltrigen oder Gleichgesinnten im elternfreien Raum kommunizieren, sich schnell fürs Kino verabreden, die Hausaufgaben austauschen oder in der Anonymität ihre Identität austesten. Beim Chatten handelt es sich also kurz gesagt um das Kommunizieren vieler Menschen, wobei über das Internet Textnachrichten in Echtzeit für die anderen Teilnehmer sichtbar gemacht werden.

 

Mit den immer vielfältigeren und interaktiven Möglichkeiten eines Smartphones hat sich auch der Chat-Gedanke weiterentwickelt. So existieren seit einiger Zeit bereits neben den klassischen Chat-Räumen im Internet oder in den Sozialen Netzwerken auch eigenständige Messenger-Dienste für die mobilen Endgeräte („Mobile Messenger“), die schrittweise das Versenden von SMS in Vergessenheit geraten lassen. Dabei erfreut sich der Nachrichten-Dienst „WhatsApp“, vor allem durch die einfache und komfortable Handhabung, in den letzten Jahren einer wachsenden Beliebtheit. 900 Millionen Menschen nutzen den Messenger weltweit – Tendenz steigend (vgl. statista.com). WhatsApp stellt die technische Plattform für den Austausch von Text-, Bild-, Sprach- und Videonachrichten zur Verfügung. Gleichzeitig kann man nicht nur mit einer Person, sondern auch mit mehreren Teilnehmern in Gruppen chatten. Dennoch sollte die App mit Vorsicht genossen werden, denn so wird mit dem Installieren die Zustimmung dafür gegeben, dass das vollständige Adressbuch des Smartphones unverschlüsselt an einen amerikanischen Server von WhatsApp Inc. weitergeleitet wird. Besonders problematisch ist dabei die Tatsache, dass es nicht nur um die eigenen Daten geht, sondern auch um andere Kontakte aus dem Adressbuch, die den Mobile Messenger möglicherweise nicht einmal nutzen.

 

Eine noch relativ unbekannte, deutsche Messenger-App-Alternative ist „Hoccer“, die mit absoluter Anonymität, einer verschlüsselten Nachrichtenübermittlung und keiner Daten-, Nachrichten- oder Adressbuchspeicherung wirbt. Eine Besonderheit der App ist die Möglichkeit, sich alle aktiven Nutzer in der unmittelbaren Umgebung oder auch weltweit anzeigen zu lassen, darüber mit fremden Menschen in Kontakt zu kommen und neue Bekanntschaften zu schließen. Während das „Sich austesten“ in einer großen Chat-Community für viele Jugendliche sicherlich interessant ist, sollten Sie dennoch dafür sorgen, Ihr Kind über Risiken im Umgang mit fremden Personen aufzuklären: Auf einigen Plattformen, darunter teilweise auch bei Hoccer, chatten viele nicht unter ihrem richtigen Namen, sondern mit einem Pseudonym. Daher gibt es keine Sicherheit dafür, dass die Person, mit der man online Kontakt aufnimmt, auch die ist, für die sie sich ausgibt. In der virtuellen Kommunikation fallen außerdem schneller die Schranken für Beleidigungen und Beschimpfungen und auch die Schwelle für den Versand von gewalthaltigen oder pornografischen Inhalten sinkt.

 

Vielfach werden Chats auf Plattformen oder mit Apps auch als Kontaktbörsen genutzt. Dieser Trend wird auch in speziell zum Kennenlernen entwickelten Apps, wie beispielsweise Tinder, aufgegriffen und kommerziell vermarktet. Doch sollte man gerade bei solchen Diensten darauf achten, welche Fotos oder Informationen man von sich preisgibt und wie man sich anderen gegenüber verhält.

 

In jedem Fall sollten Sie und Ihre Kinder die verschiedenen Chatmöglichkeiten vergleichen und abwägen, denn gerade im Bereich des Datenschutzes hat die Mehrheit der angebotenen Messenger-Apps noch Nachholbedarf. Im Bereich Jugendschutz, Urheberrecht, Privatsphäre und im Hinblick auf Cybermobbing gibt es bei der Nutzung eines Mobile Messengers ebenfalls einige Dinge zu berücksichtigen (Infos siehe Tipps für Eltern)

 

Statt eines kompletten Verbots ist es wichtig, Kinder und Jugendliche für die selbstbestimmte und kritische Nutzung von solchen Chats und Messengern zu sensibilisieren. Denn wer die Gefahren kennt, kann sich auch davor schützen.

Tipps für Eltern

  • Begegnen Sie den Interessen Ihres Kindes offen. Messenger und Chats bieten viele  Vorteile bei der Kommunikation mit anderen und machen natürlich auch Spaß. Wenn Ihr Kind versteht, worauf es achten muss, tauchen mögliche Probleme erst gar nicht auf oder können minimiert werden.
  • Begleiten Sie Ihr Kind bei seinen ersten Chat-Erfahrungen, wählen Sie gemeinsam passende Angebote aus und vereinbaren Sie Chat-Regeln (oder ggf. Zeiten für den Aufenthalt in Chats). Gerade für jüngere Kinder existieren spezielle Kinder-Chats (zum Beispiel Seitenstark), bei denen alle Nachrichten, bevor sie online gehen, zuvor von einem Moderator geprüft werden.
  • Einen kindgerechten Chat-Raum erkennen Sie an seiner altersgerechten und übersichtlichen Gestaltung, der einfachen Bedienung, der pädagogischen Begleitung, der Abwesenheit von Werbung, der Möglichkeit, Verstöße zu melden und der Tatsache, dass keine bzw. wenige persönlichen Daten angegeben werden müssen.
  • Informieren Sie sich über die Angebote, die Ihre Kinder nutzen, sprechen Sie mit ihnen über die Risiken und sensibilisieren Sie sie für einen kritischen Umgang. In dem Modul „WhatsApp“ auf Klicksafe finden Sie alle notwendigen Informationen zu Chancen, Risiken und Schutzmaßnahmen.
  • Grundsätzlich gilt: Je weniger Privates über Ihr Kind im Netz steht, umso sicherer ist es unterwegs. Das gilt auch für Fotos. Erklären Sie Ihrem Kind, dass beim Chatten mit Fremden persönliche Daten wie der Name, die Schule oder die Adresse, Fotos und Videos (Webcam), Telefon- und Handynummer sowie private E-Mail-Adresse absolut tabu sind.
  • Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass es sich bei Fremdkontakten nie sicher sein kann, wer sich hinter dem Nickname verbirgt. Deshalb sollten sich Kinder und Jugendliche niemals zu realen Treffen mit Chatpartnern verabreden, die sie nicht aus dem wirklichen Leben kennen.
  • Testen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind alternative Messenger, wie beispielsweise „Threema“ oder „Hoccer“. Diese Anbieter zeichnen sich, laut Stiftung Warentest (2014), durch besseren Datenschutz aus.
  • Sollte Ihr Kind doch einmal unangenehme Erfahrungen in einem Chat machen, bewahren Sie Ruhe. Dokumentieren Sie die Belästigungen mit Hilfe von Screenshots, notieren Sie auch Datum und Uhrzeit des Vorfalls. Melden Sie den Vorfall dem Chatbetreiber, denn dieser ist gesetzlich verpflichtet, auffällige Nutzer aus dem Chat auszuschließen. In wirklich schweren Fällen, beispielsweise bei sexueller Belästigung, erstatten Sie Anzeige bei der Polizei.

Nützliche Links

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg: Elternratgeber
Auf dem Portal des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg zur Medienbildung, finden Sie zu allen Themen dieses Ratgebers umfangreiche Links und Materialien. Die Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität hin überprüft und ergänzt.


Chatten ohne Risiko?
Die Seite gibt einen Überblick über das Thema und zahlreiche Tipps für Eltern. Die gleichnamige Chat-Broschüre wurde von jugendschutz.net erstellt. Sie informiert umfassend über die Faszination Chatten, die Risiken und die Schutzmöglichkeiten. In einem Chat-Atlas werden verschiedene Kommunikationsangebote bewertet.


klicksafe.de
Die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz bietet Informationsmaterial und Broschüren zur Förderung der Medienkompetenz im Umgang mit dem Internet und digitalen Medien.


BSI für Bürger
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gibt Tipps für eine sichere Kommunikation im Netz und informiert über mögliche Gefahren.


Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest
Der Forschungsverbund (mpfs) veröffentlicht regelmäßig Studien zur Mediennutzung von Kindern (KIM-Studie) und Jugendlichen (JIM-Studie).


SCHAU HIN!
Die Initiative „Schau hin!“ gibt Eltern zahlreiche alltagstaugliche Tipps und Empfehlungen, um ihre Kinder im Umgang mit Chats und Mobilfunkgeräten zu stärken. 


www.internet-abc.de
Das Internet-ABC bietet ein kindgerecht gestaltetes und informatives Modul zu Chats und Instant Messaging für Kinder an, mit denen sie spielerisch die Grundlagen für einen selbstbestimmten Umgang erwerben können.

Zahlen & Fakten

91 Prozent der Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren bezeichnen Instant Messenger wie WhatsApp, als wichtigste App auf ihrem Smartphone. Darauf folgen Soziale Netzwerke und Communities mit 37 Prozent.

 

Die Datensicherheit der Zwölf- bis 19-Jährigen innerhalb der (wichtigsten) Community (Marktführer: Facebook und WhatsApp) wird von den Jugendlichen ambivalent eingeschätzt. So fühlen sich 47 Prozent sehr sicher oder sicher, 52 Prozent fühlen sich weniger oder gar nicht sicher. Vor allem die jüngsten und unerfahrensten Nutzer vertrauen ihrer Community sehr viel häufiger als die Älteren. (Quelle: JIM-Studie 2015, www.mpfs.de)

Diese Seite ist Teil der vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg (LMZ) herausgegebenen Broschüre Medien – aber sicher. Ein Ratgeber für Eltern.