WBS – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung (WBS) in der Sekundarstufe I vorsieht.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Bereits im Bildungsplan 2004 sind für den Unterricht in Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung (WBS) sowohl in der Werkrealschule als auch der Realschule Kompetenzen und Inhalte für eine Integration der Medienbildung zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ der entsprechenden Fächer bzw. Fächerverbünde wird die „Medienkompetenz“ als eigene Kompetenz aufgeführt.


Gleichermaßen findet sich auch bereits in der ersten Fassung 2004 in den Bildungsstandards die informationstechnische Grundbildung (BP 2004, WRS, S. 151ff). In der Fassung von 2012 werden folgende Kompetenzen explizit aufgeführt (BP 2012, WRS, S. 159ff): Die Rolle der elektronischen Medien in einer demokratischen Gesellschaft reflektieren, verantwortlich mit Medienangeboten umgehen und mit der digitalen Medienwelt kritisch umgehen. Die Vermittlung einer informationstechnischen Grundbildung „leistet einen wichtigen Beitrag zu Medienkompetenz und beinhaltet einen selbstbestimmten und kreativen, aber auch kritischen Gebrauch der elektronischen Medien als Informations-, Kommunikations- und Ausdrucksmittel.“ (S. 160).


In den Leitgedanken zum Kompetenzerwerb für die Standards der Fächerverbünde und der Berufsorientierenden Bildung wird die Medienbildung im Zusammenhang mit Informationsbeschaffung, Dokumentation und Präsentation wiederholt aufgeführt (vgl. S. 154). Im Fächerverbund Wirtschaft Arbeit Gesundheit werden Aspekte der Medienerziehung bei den fächerspezifischen Zugangsweisen berücksichtigt. So fordert der Bildungsplan 2012 unter anderem: „Dabei müssen (…) Medienerziehung und Berufsorientierung in angemessener Weise berücksichtigt werden.“ (S. 114). Im Fächerverbund Welt – Zeit – Gesellschaft wird insbesondere ein verantwortungsvoller und kritisch reflektierter Umgang mit Medien aufgeführt: Die Schülerinnen und Schüler „können verantwortlich mit Medienangeboten umgehen und kennen die grundlegenden rechtlichen Aspekte bei veröffentlichten Daten“ (S. 135). Sie „reflektieren die Rolle der gedruckten und elektronischen Medien in einer demokratischen Gesellschaft“ (S. 136). Mit der Änderung, bzw. Weiterentwicklung des Bildungsplans 2010 wurden mit Einführung der Wahlpflichtfächer wichtige Inhalte und Kompetenzen der Medienbildung verortet. Hier fordert der Bildungsplan 2010 als handlungs- und prozessorientiertes Grundkonzept eine zielgerichtete Anwendung der Informations- und Kommunikationstechnologie.  Zu den vier überfachlichen Kompetenzen wird im Kompetenzbereich Kommunikation dazu aufgefordert, die Kompetenz „Medien zielorientiert einsetzen“ zu erarbeiten (S. 123). Insbesondere im Wahlpflichtfach Wirtschaft und Informationstechnik wird ein intensiver Ansatz verfolgt und im Arbeitsfeld Multimedia handlungs- und praxisorientiert verwirklicht. Die Nutzung von Medien zur Informationsbeschaffung, um die Kompetenz „Erkenntnisgewinnung“ zu vermitteln wird ebenso wie die Festlegung spezifischer Inhalte im Wahlpflichtfach Wirtschaft und Informationstechnik explizit aufgeführt. Hier werden folgende Inhalte mit den entsprechenden Kompetenzen im Bereich Medienbildung thematisiert: Simulation des Online-Banking; Dokumentation einer Befragung; Darstellung von Umfrageergebnissen durch Diagramme; Tabellenkalkulation; Einsatz von Software zur Finanzplanung; elektronisches Haushaltsbuch; Planspiel Börse u.a.; Geschäftsbriefe; Formatvorlagen und die Präsentation von Arbeitsergebnissen (S. 139).


Für das neue Fach Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung (WBS) hat also sowohl der Bildungsplan 2004 als auch die darauf folgenden Weiterentwicklungen von 2010 und 2012 eine solide Grundlage für die Leitperspektive Medienbildung gelegt. Insbesondere im Wahlpflichtfach  Wirtschaft und Informationstechnik, sowie in der Berufsorientierenden Bildung  wurden bereits handlungs- und prozessorientierte Ansätze verfolgt. Somit ergeben sich für die Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“, „Mediengesellschaft und Analyse“ und „Informationstechnische Grundlagen“ benannt sind, eine folgerichtige und zeitgemäße Weiterentwicklung und eine wertvolle Grundlage, welche bereits seit 2004 bzw. 2012 verankert ist. Eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für die Medienbildung in Wirtschaft / Berufs- und Studienorientierung (WBS) erprobt und leicht modifiziert umsetzbar.

Medienkompetenz und Medienbildung im Fach WBS ab 2016

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In der Vermittlung von Kompetenzen der Medienbildung nimmt das neue Fach WBS eine wichtige Rolle ein. Die Nutzung neuer Medien für das Lernen und Anwenden ökonomischer Sachverhalte stellt einen unverzichtbaren Baustein dar. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung für die Sekundarstufe I folgendermaßen thematisiert: „Medien fungieren als Führer und Verführer in ökonomischen Lebenssituationen, daher sollen die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, sich selbstständig Informationen zu ihren ökonomischen Lebenssituationen zu beschaffen und diese kritisch zu reflektieren. Medienbildung soll helfen, nicht nur mündig mit Informationen umgehen, sondern auch die Einflussmöglichkeiten als kritischer Wirtschaftsbürger nutzen zu können.“ (Bildungsplan 2016, Sek I, WBS, S. 7). Somit leistet die Medienkompetenz der im Fach geforderten Multiperspektivität und Kompetenzanforderung in besonderer Weise einen wichtigen Beitrag (vgl. Strukturierungsmodell, S. 6).

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Bei der Betrachtung von ökonomischen Lebenssituationen und Interessenkonstellationen werden insbesondere die Medienanalyse und der Gebrauch von Medien zur Informationsbeschaffung aufgegriffen. So wird etwa die Medienanalyse bei der Erläuterung von Verbraucherverhalten in einer Informationsgesellschaft genutzt (S. 15). Mit Hilfe von Medien sollen entscheidungsrelevante Informationen für die Studien- und Berufswahl analysiert und eigene Zukunftsentwürfe gestaltet werden (S. 22). Dabei werden insbesondere Handlungskompetenz und Methodenkompetenz entwickelt und gefestigt. In Klasse 10 wird Informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz thematisiert (S. 32). Um Auswirkungen gesellschaftlicher Einstellungen auf die Unternehmenskultur erklären und Ursachen für Unternehmensimages sowie dessen Folgen analysieren zu können, ist die Medienbildung zur Entwicklung von Urteilskompetenz ebenso von Bedeutung (S. 36).

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Klassen 7/8/9

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Im Kompetenzbereich „Verbraucher“ werden mit Hilfe der Medienanalyse   Bestimmungsfaktoren von Angebot und Nachfrage erläutert und Instrumente der Verbraucherpolitik dargestellt (vgl. S. 15 und S. 17).
Medienbildnerische Aspekte der Informationellen Selbstbestimmung und des Datenschutzes werden bei der unterrichtlichen Betrachtung von Girokonto und Onlinebanking thematisiert und ebenso bei der Betrachtung der Börse und des Anlegerschutzes (S. 18f).
Im Kompetenzbereich „Erwerbstätiger“ steht bei der Beschaffung von Informationen zur Berufswahl der Bereich Information und Wissen der Medienbildung im Vordergrund (S. 22).
Bei der Erstellung von Bewerbungsdokumenten ist die Produktion und Präsentation mit Hilfe von Medien unverzichtbar (S. 22), ebenso für die Darstellung und Beurteilung des Berufswahlprozesses (S. 23).
Für die Darstellung von Mitbestimmungsmöglichkeiten auf betrieblicher Ebene stellt die Kommunikation und Kooperation als Bereich der Medienbildung einen entscheidenden Baustein dar (S. 26).
Auch bei der Vermittlung der inhaltsbezogenen Kompetenz zum Beschreiben (G), Analysieren (M) und Beurteilen (E) analoger und digitaler Partizipationsmöglichkeiten ist die Kommunikation und die Kooperation unverzichtbarer Bestandteil (S. 29).

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Klasse 10

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Bei der unterrichtlichen Vermittlung von inhaltsbezogenen Kompetenzen zur Thematik „Individualversicherungen“ ist der spiralcurriculare Aufbau erkennbar, indem erneut medienbildnerische Aspekte der Informationellen Selbstbestimmung und des Datenschutzes bei der unterrichtlichen Betrachtung thematisiert werden (S. 32). Um das Image eines Unternehmens und dessen Folgen zu analysieren (G) und Auswirkungen gesellschaftlicher Einstellungen auf Unternehmenskultur erklären zu können (M und G), wird die Medienanalyse als Instrumentarium eingesetzt (S. 36), so zum Beispiel durch die Analyse von Webauftritten, Werbespots und Printwerbung.