Bildende Kunst – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Bildende Kunst in der Sekundarstufe I vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Der Kunstunterricht hat in Hinblick auf die Integration der Medienbildung bereits mit dem Bildungsplan für die Realschule 2004 sehr gute Vorarbeit geleistet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ bzw. „Medienerziehung“ als eigene Kompetenz aufgeführt. So wird der wesentliche Beitrag des Faches Bildende Kunst zur „Informationstechnischen Grundbildung“ durch das Nutzen künstlerisch-kreativer Einsatzmöglichkeiten moderner Bildmedien klar als Aufgabe des Kunstunterrichts herausgestellt (BP 2004, RS, Bildende Kunst, S. 132f.).

 

Darüber hinaus wird das Lernen mit und über Medien auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ verstärkt als Bestandteil des Kunstunterrichts thematisiert.

 

Im Themenbereich „Raum, Aktion und Interaktion“ wird unter dem Bereich „Mitteilen und Kommunizieren“ die Kompetenz angesprochen, sowohl analoges als auch digitales Bildmaterial, Layout und Bilderfolgen zu analysieren und zu bearbeiten (S. 134f.). Im Themenbereich „Kommunikation und Kulturelles Bewusstsein“ wird das Internet als künstlerisches Arbeits- und Präsentationsfeld aufgeführt (S. 135). Besonders vertiefend und ausführlich werden medienbildnerische Kompetenzen und Inhalte im Arbeitsbereich „Wahrnehmungsschulung, Interaktion, Medien“ aufgegriffen, in dem alle Aspekte der Medienbildung zum Lernen mit und über Medien enthalten sind, besonders die Bereiche „Produktion und Präsentation“ und „Mediengesellschaft und Analyse“ (S. 136).

 

Nicht ganz so weit ausgeprägt ist die Integration im Bildungsplan für die Werkrealschule 2012, doch auch hier sollen die Schülerinnen und Schüler „sich mit den Wirkungen der Medienwelt kritisch auseinandersetzen und dies in ihrem Handeln berücksichtigen“ (BP 2012, WRS, Musik – Sport – Gestalten, S. 145).

 

Der Kunstunterricht hat somit in Hinblick auf die Medienbildung die letzten Jahre solide Grundlagen gelegt. Eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für den Kunstunterricht vergleichsweise leicht umzusetzen.

Medienkompetenz und Medienbildung im Kunstunterricht ab 2016

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In der weiterführenden Schule wird der Medienbildung im Kunstunterricht insgesamt ein wichtiger Stellenwert eingeräumt.
Die Felder „Produktion und Präsentation“ und „Mediengesellschaft und Analyse“ spielen eine große Rolle, und auch „Informationstechnische Grundlagen“ in Bezug auf unterschiedliche Softwareprogramme können im Bereich Bildende Kunst hervorragend vermittelt werden.


In den Leitgedanken zum Kompetenzerwerb wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung für die Sekundarstufe I folgendermaßen thematisiert: Der Beitrag, den der Kunstunterricht im Umgang mit modernen Medien leistet, wird als wichtig eingeschätzt, da er nicht nur Einblick in die Handhabung bildgebender Verfahren gewähre und in die digitale Kommunikation, sondern auch begleitend ein verantwortungsvolles, „medienkritisches Bewusstsein" fördere. Neben der integrativen Verankerung, die sich ja schon allein durch das Zugrundelegen eines erweiterten Bildbegriffs und den ganzheitlichen Ansatz des Kunstunterrichts ergibt, ist die allgemeine Medienbildung bei den inhaltlichen Kompetenzen als besonderer Teilbereich der Bildenden Kunst aufgeführt (BP 2016, Sek I, Bildende Kunst, S. 5).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

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Aufgrund seiner Ausrichtung auf ein ganzheitliches und damit auch mediengestütztes Lernen, bei dem eine wechselseitige Durchdringung aller prozessbezogenen Kompetenzbereiche mit einer klaren Ausrichtung auf das eigene fachpraktische Arbeiten der Schülerinnen und Schüler hin stattfindet, ist in diesem Fach der Umgang mit Medien in allen Arbeitsprozessen, also in den Bereichen der Rezeption, der Reflexion, der Produktion und der Präsentation selbstverständlich. Die prozessbezogenen Kompetenzen nehmen dabei im Fach Bildende Kunst einen besonders hohen Stellenwert ein und werden im Unterricht mit den inhaltsbezogenen Kompetenzen verknüpft.


Im Bereich der Rezeption setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit der medial geprägten Wirklichkeit und deren Einfluss auf die eigene Person ebenso auseinander wie mit den vielfältigen Erscheinungsformen von Kunst, auch der Medienkunst. Durch eine Auseinandersetzung mit digital geprägten Alltags- und Kunstwelten (wie z.B. durch Videokunst oder auch Computerspiele) erfahren die Schülerinnen und Schüler auf unterschiedlichen Zugangsweisen eine vertiefende und kritische Sicht auf die Möglichkeiten und Funktionen von Medien.


Auch in die Reflexion fließt Medienbildung ganz selbstverständlich ein, wenn die Schülerinnen und Schüler im Bereich digitaler Medien ihr eigenes Arbeiten oder das anderer untersuchen und beurteilen, z.B. wenn sie einen Flyer gestalten oder einen Flyerentwurf anhand vorgegebener Kriterien bewerten. Hierdurch erweitern die Schülerinnen und Schüler ihre analytischen Fähigkeiten und auch ihre medienbezogene Fachsprache.


Die Produktion von eigenen fachpraktischen Arbeiten kann den Umgang mit verschiedenen digitalen Medien als kreative Umsetzungsmöglichkeit der eigenen Ideen im Kunstunterricht implizieren. So kann auch der Umgang mit verschiedenen digitalen Medien aus den Bereichen Bild, Grafik und Ton als wichtiges künstlerisches Werkzeug bzw. als künstlerische Technik vermittelt werden; das Erweitern der anwendungsbezogenen Medienkompetenz ist im Kunstunterricht somit klar gewährleistet. Hier findet ein Lernen mit Medien statt, das letztlich zu einer hervorragenden Qualifikation in diesem Arbeitsbereich führt.


Hand in Hand mit der Produktion eigener Arbeiten geht auch die Präsentation derselben einher: Die Schülerinnen und Schüler werden dazu angeleitet, verschiedene Methoden, Medien und Sozialformen einzusetzen, um Ergebnisse zu präsentieren und dabei auch ein Bewusstsein für bild- und medienrechtliche Zusammenhänge zu erlangen. (S. 10 f.)

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Schon im Bildungsplan 2004 wurde implizit auf die umfassende Medienbildung im Bereich Bildende Kunst eingegangen, denn die Auseinandersetzung mit aktueller Kunst oder auch der Bezug zur aktuellen Lebenswelt schließt die Auseinandersetzung mit digitalen Medien selbstverständlich mit ein. Hier war Medienbildung besonders bei dem „Arbeiten in Verbindung mit dem Phänomen Zeit“ als inhaltsbezogene Schwerpunktsetzung behandelt worden.


Im Bildungsplan 2016 wird als zentraler Gegenstand und als das zentrale Medium des Kunstunterrichts der Bereich „Bild“ angesehen. Da dieses im Sinne eines erweiterten Bildbegriffs den Bereichen Kunst, den angewandten Künsten und der Alltagsästhetik entstammen kann, umfasst dieser erweiterte Bildbegriff alle „primär visuellen Erscheinungen“ wie Film, Alltagskunst oder interaktive Medien (S. 7). Insofern ist Kunstvermittlung auch gleichzeitig integrative Medienbildung.


Im inhaltsbezogenen Bereich sind die Kompetenzen aufgegliedert in „Bild als Hauptgebiet“, „Fläche“, „Raum und Zeit“. Da der Untersuchung von Bildern der erweiterte Bildbegriff zugrunde liegt, sind hier auch Kunst- und Gestaltungsformen mit modernen Medien gemeint.

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Klassen 5/6

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Der Themenbereich „Bild“ dient vor allem der Erlangung von medienbildnerischen Kompetenzen im Bereich der Medienanalyse. Durch den ganzheitlichen Ansatz des Kunstunterrichts durchdringen sich hier die prozessbezogenen mit den inhaltsbezogenen Kompetenzen.


Im Bereich „Fläche“ sollen die Schülerinnen und Schüler unter anderem „Schrift als Gestaltungsmittel, auch in Verknüpfung mit Bild, spielerisch erproben und zielgerichtet einsetzen“, was beim Einsatz digitaler Medien dem Bereich Produktion und Präsentation zugeordnet werden kann (S. 13). Auch in anderen Teilen des Bereichs „Fläche“, besonders in denen des Teilbereichs Grafik, ist der Einsatz moderner Medien denkbar.


Der Arbeitsbereich „Zeit“ ist untergliedert in die Teilbereiche „Medien“ und „Aktion“. Die Bezeichnung spricht hier bereits für sich: Im Teilbereich „Medien“ findet eine medienbildnerische Schwerpunktsetzung statt, die viele Bereiche der Medienbildung (z.B. „Produktion und Präsentation“, „Medienanalyse“, „Information und Wissen“ und „Jugendmedienschutz“) einbezieht: „Die Schülerinnen und Schüler nehmen Medien in ihrer Vielfalt und Bedeutung wahr. Sie lernen, diese bewusst als Dokumentations-, Kommunikations- und Gestaltungsmittel einzusetzen und deren Wirkungszusammenhänge zu erschließen. Sie entwickeln Verantwortung im Umgang mit Bildmedien und Internet“ (S. 18).


Folgende inhaltlichen Schwerpunkte werden in dem Zusammenhang ausgeführt: Die Schülerinnen und Schüler lernen, „mit einfachen Möglichkeiten und Mitteln der Fotografie Bilder [zu] gestalten (zum Beispiel Betrachterstandpunkt, Einstellungsgrößen) und weiter[zu]verarbeiten“ und „Prinzipien der Bewegungsillusion [zu] nutzen und um[zu]setzen (zum Beispiel Zeichentrick, Legetrick, Stop-Motion)“ (S. 18).

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Klassen 7/8/9

Bild: Julia Bohner, LMZ

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich im Bereich „Bild“ mit reflektorischem und rezeptivem Blick mit medial vermittelten Bildern auseinander, sie wenden Fachsprache an, um zu analysieren und werden sich des Informations- und Wahrheitsgehalts von Bildern bewusst. Der Bereich der „Medienanalyse“ steht hier im Fokus.


Der Themenbereich „Fläche“ bietet besonders im Hinblick auf Grafik und Schriftgestaltung gute Möglichkeiten, dies mit medienbildnerischen Aspekten der Produktion und Präsentation zu verbinden. Der Einsatz von digitalen Programmen bei der Auseinandersetzung mit Schrift wird hier konkret angeführt.


Im Bereich „Medien“ untersuchen und produzieren die Schülerinnen und Schüler verschiedene Medienprodukte. Text-, Grafik- und Bildprogramme werden so erlernt. Durch eine Analyse von Medienprodukten wie z.B. der Werbung wird so gleichzeitig auch auf die medienbildnerischen Bereiche „Mediengesellschaft“ und „Medienanalyse“ eingegangen. Auch die Bereiche Informationstechnische Grundlagen sowie Information und Wissen sind hier eingebunden, etwa wenn die Schülerinnen und Schüler lernen, „mit Bildmedien und Internet reflektiert umzugehen (Nutzungsrechte, Persönlichkeitsrechte, Urheberrechte)“ (S. 26). Im Bereich „Produktion und Präsentation“ stehen hier die Gestaltung und Weiterverarbeitung von Bildern, die Verfremdung von Bildern sowie das Entwickeln von Medienprodukten wie Image- oder Produktwerbung, auch in Kombination mit Text, im Mittelpunkt.


Der Bereich „Aktion“ impliziert auch einen möglichen medienbildnerischen Aspekt („Produktion und Präsentation“), denn das dort geforderte Entwickeln einer „Aktionsform für einen Inhalt, eine Aussage oder eine Botschaft“ im zeit- und raumgebundenen Kontext kann auch mit digitalen Medien erfolgen, z.B. durch die digitale Gestaltung von Werbeplakaten.

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Klasse 10

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In Klasse 10 wird zwischen einem Pflichtbereich, der die Bereiche „Bild“ und „Fläche“ umfasst, und einem Wahlpflichtbereich, den Bereichen „Raum“ und „Zeit“, unterschieden. Aus den beiden Wahlpflichtbereichen wird je ein Teilbereich gewählt. Der Bereich „Zeit“ ist dabei in die Teilbereiche „Aktion“ und „Medien“ untergliedert. Somit kann individuell – je nach Wahl eines bestimmten Teilbereichs – entschieden werden, welche Rolle die Leitperspektive Medienbildung im eigenen Unterricht spielen soll.


Aufbauend auf die bereits erworbenen inhaltsbezogenen Kompetenzen wird im Umgang mit Bildern eine vertiefende und differenzierende Auseinandersetzung mit dem Bild erwartet. Auch in Klasse 10 ist dieser Bereich dem medienbildnerischen Aspekt der Medienanalyse zuzuordnen.


Im Bereich „Medien“ findet eine umfassende Vertiefung der bislang erworbenen Medienkenntnisse statt. Diese erfolgt hauptsächlich im Bereich „Produktion und Präsentation“ und bezieht sich auf eigene visuelle Medienprodukte. Als Beispiel werden hier „Bild- und Textkombination, Typographie, Layout, Werbung“ genannt. Auch der Bereich „Medienanalyse“ wird nochmals vertiefend behandelt, wenn „visuelle Medien“ wie zum Beispiel „Bildreportage, Clip, Spielfilm und Dokumentation“ hinsichtlich ihrer „Erscheinungsformen, Gestaltungsmittel, Funktionen und Wirkungen“ untersucht werden (S. 33).


Im Bereich „Aktion“ sollen von den Schülerinnen und Schülern „intermediale Ausdrucksformen" differenziert in Aktion und Spiel angewendet werden. Dieser Bereich bezieht sich zwar hauptsächlich auf den Bereich „Produktion und Präsentation“, ist aber ohne vertiefte Kenntnisse in den Bereichen „Medienanalyse“, „Informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz“ und anderen nicht umsetzbar und spiegelt somit auch den ganzheitlichen Ansatz des Faches Bildende Kunst wider (S. 34).

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsidee: Kunstwerke digital erstellen

Bildende Kunst, Sek I/GY: Ein Kunstwerk wird in der Klasse mit selbst gewählten Kostümen und Kulissen nachgestellt und das Ergebnis digital aufbereitet.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Formen am PC animieren

Bildende Kunst, Klasse 8, Sek I/Gym: Als künstlerische Ausdrucksform werden in dieser Unterrichtseinheit einzelne Bilder in einer Animation verarbeitet.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Selbstdarstellung

Bildende Kunst, Klasse 9, Sek I: Die Jugendlichen begeben sich in dieser Unterrichtseinheit auf eine biografische Spurensuche und lassen dies in selbst geschaffene Kunstgegenstände einfließen.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis